Sonntag, 28. Februar 2016

The Expats (Die Frau, die niemand kannte) - Chris Pavone

Erscheinungsdatum: 1. März 2012


Die Amerikanerin Kate Moore zieht mit Mann und Kindern nach Luxemburg – sie freut sich auf ein entspanntes Leben als Mutter und Hausfrau.Endlich keine Geheimnisse mehr, endlich droht ihre zwielichtige Vergangenheit nicht mehr in ihr Privatleben einzudringen. Doch dann macht sie die Bekanntschaft des Exilantenpärchens Julia und Bill. Und die Gefahr, dass ihre wahre Identität ans Licht kommt, ist plötzlich größer denn je …

Meine Meinung

CIA-Agentin Kate kündigt ihren Job als Top-Agentin, als ihr Mann einen sehr hoch bezahlten Job in Luxemburg erhält. Kate möchte sich nur noch um ihre Kinder und den Haushalt kümmern. Ihr Mann Dexter hat keine Ahnung von Kates Vergangenheit und vom Job, den Kate bisher ausgeübt hat.

Dexter ist Informatiker. Er kümmert sich um die Sicherheit von Finanztransaktionen. Doch Kate weiß nichts über seine Arbeit, über seine Kollegen. Sie kennt keinen einzigen Arbeitskollegen und wird irgendwann misstrauisch. Als dann auch noch Amerikaner auftauchen, die über ihre Vergangenheit lügen, fängt sie an, jedem zu misstrauen und spioniert ihren Mitmenschen hinterher. Sie will die Wahrheit herausfinden.

Klingt die Inhaltsangabe des Buches noch äußerst spannend, legt die Begeisterung beim Leser sich spätestens nach dem ersten Drittel. Kate bringt die Kinder zur Schule, geht einkaufen und langweilt sich. Luxemburg-begeisterte Leser können sich noch ein paar Seiten darüber freuen, dass Kate sich durch dieses Land bewegt. Spätestens, wenn sie seitenweise Mutmaßungen anstellt oder jeden Schrank ihrer Wohnung durchwühlt, ist es egal, in welchem Land sie ist. Langeweile für alle Leser.

Spannung kam leider keine auf, nie. Dexter, Kates Ehemann bleibt, immer im Hintergrund und so fiebert der Leser nicht mit ihm mit. Kate selbst ist so gut wie nie in reeller Gefahr, ihre Ermittlungsversuchen sind recht banal und erinnern eher an die Vorgehensweise einer gelangweilten Hausfrau, als an die einer früheren Topagentin.

Kate erzählt dem Leser aus ihrem früheren Job vor ein paar Jahren, ihr Leben in Luxemburg fand vor etwa mehr als einem Jahr statt und aktuell lebt die Familie in Paris. Die Schrift ändert zwar leicht zwischen den verschiedenen Zeitsprüngen, allerdings fällt es schwer, den Unterschied zu bemerken und zu wissen, in welcher Zeit die Geschichte sich gerade bewegt.

Die Auflösung ist extrem verworren, nicht sehr glaubwürdig und wird dem Leser wieder langweilig präsentiert, wie so viele Passagen in diesem Buch. Keine Empfehlung!


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Top-Agentin verdächtigt Freunde und Ehemann in Luxemburg
Schreibstil: leicht verständlich
Kritik: langweilig
Gesamtbewertung: langweilige Geschichte einer nicht sehr glaubwürdigen Top-Agentin

Donnerstag, 18. Februar 2016

Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens - Sebastian Niedlich [Hörbuch]

Erscheinungsdatum: 1. März 2015
Sprecher: Matthias Keller


Weitere Informationen
Freunde sind etwas Wunderbares. Und manchmal findet man sie an den ungewöhnlichsten Orten. Martin hätte allerdings darauf verzichten können, am Sterbebett seiner Großmutter die Bekanntschaft des leibhaftigen Todes zu machen. Dieser hat sich eingefunden, um die Seele der alten Dame sicher ins Jenseits zu befördern – und ist begeistert, dass ihn endlich jemand sehen und hören kann. Für ihn steht fest: Martin und er sind dazu bestimmt, beste Freunde zu werden. Schließlich ist er ein echt netter Typ!

Und hey: Niemand kann so glaubhaft versichern, dass man weder an Langeweile, noch an einem gebrochenen Herzen sterben kann … Im Laufe der Zeit gewöhnt Martin sich daran, dass der Leibhaftige stets bei ihm auftaucht, wenn er es am wenigsten gebrauchen kann. Doch als er eine ganz besondere Frau kennenlernt, muss er sich eine entscheidende Frage stellen: Macht es überhaupt Sinn zu leben, zu lieben und nach dem Glück zu suchen, wenn am Ende doch immer der Tod wartet?

Meine Meinung

Am Sterbebett seiner Großmutter steht plötzlich neben Martin ein schwarz gekleideter Mann, der Tod. Der Tod ist erfreut, dass der kleine Junge ihn sehen kann und zwischen den beiden entsteht eine Art Freundschaft. Immer wieder taucht Tod auf, wenn er gerade in der Gegend zu tun hatte, wenn er Lust auf eine Partie Schach hat oder einfach nur reden möchte.

Den Anfang des Buches fand ich sehr witzig und ich musste mehrmals laut lachen. Leider wendet sich die Geschichte danach komplett, Tod ist gar nicht mehr der coole Typ mit der dunklen Stimme, sondern erschien mir eher nachtragend und nicht cool. Auch Martin war mir als Kind sympathischer, weniger zickig und aufbrausend.

Der Tod begleitet Martin durch sein Leben, auch der Leser bekommt die verschiedenen Etappen mit, Schule, erste Liebesgeschichten, Probleme, Beruf, Krankheiten von Familienmitgliedern. Dabei bleibt der Humor immer mehr im Hintergrund je älter Martin wird. Die Geschichte wird nachdenklich, romantisch und auch schon mal kitschig. Manche Etappen waren mir zu lang, eher peinlich und ich habe sie nur ungern gehört.

Der Schreibstil ist leicht verständlich und flüssig. Der Sprecher hat eine angenehmen Stimme und ich fand den Wechsel zwischen der dunklen Stimme von Tod und der von Martin gelungen. Dadurch wusste ich immer, wer gerade redete.

Insgesamt fand ich "Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens" mittelmäßig. Ich hätte lieber ein komplett humorvolles Buch gelesen und auf die ernsten, traurigen und romantischen Passagen verzichtet. Für mich passten die verschiedenen Teile nicht zusammen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Martins Leben und sein Freund, der Tod
Schreibstil: leicht verständlich
Kritik: Wechsel zwischen Humor, Liebesgeschichte, Trauer
Gesamtbewertung: humorvoll, traurig, manchmal kitschig, im Durchschnitt aber nur mittelmäßige Geschichte über einen Mann, der mit dem Tod reden kann

Dienstag, 16. Februar 2016

Aron und der König der Kinder - Jim Shepard

Erscheinungsdatum: 21. Januar 2016
Übersetzer: Claudia Wenner


Weitere Informationen
Aron, ein kleiner polnisch-jüdischer Junge, ist in seiner nicht gerade kleinen, armen Familie so etwas wie eine Katastrophe auf zwei Beinen. Nichts will ihm so recht glücken und alles macht er kaputt. Doch halb Tom Sawyer, halb Simplicius – er ist ein guter Kerl. Aron hat leider keine Zeit, ein vernünftiger Erwachsener zu werden. Denn seine Familie zieht nach Warschau, die Deutschen überfallen Polen und die Juden werden ins Ghetto gepfercht. Er freundet sich mit einer Gruppe Jugendlicher an, die für sich und ihre Familien ums Überleben kämpfen, arbeiten, schmuggeln und stehlen und sich immer fragen müssen, wieviel Freundschaft und Liebe sie sich noch leisten können. Verrat und Tod lauern jederzeit. Als der König der Kinder, der berühmte Arzt und Pädagoge Janusz Korczak, Aron in sein Waisenhaus aufnimmt, beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft, die den Jungen verändert und beide über sich hinauswachsen lässt.
Der preisgekrönte amerikanische Autor Jim Shepard erzählt in diesem spannenden und lakonisch-anrührenden Roman aus dem Warschauer Ghetto eine Geschichte von Menschwerdung und Überleben in einer inhumanen Welt und berichtet von einer Dimension des Menschlichen, die noch das Finsterste überstrahlt.

Meine Meinung

Aron wird gezwungen, mit seiner Familie umzuziehen, als alle Juden in ein Ghetto umgesiedelt werden. Er lebt sich schnell ein, findet Freunde, die wie er stehlen und schmuggeln, um ihre Familien zu unterstützen. Jeden Tag treffen sie sich, diskutieren ihre besten Möglichkeiten den Tag zu verbringen und welche Ware wohin geliefert werden wird.

Am Anfang hat mir diese Leichtigkeit nicht gefallen, denn die Kinder scheinen das Ghetto als Abenteuer anzusehen, obwohl Menschen, selbst Kinder vor ihren Augen erschossen werden.
Doch die Stimmung schlägt schnell auch bei den Kindern um. Aron muss zusehen, wie sein Vater vor einem Deutschen auf dem Boden liegt und mit Stiefeln misshandelt wird. Er ist unfähig zu handeln, schaut nur zu und kann später nicht aufhören, sich Vorwürfe zu machen. Nach und nach verschwinden und sterben Arons Familienmitglieder. Aron findet halb erfroren ein neues Zuhause im Kinderheim. Hier lernt der Leser Janusz Korczak kennen.
Herr Korczak ist ein angesehener Kinderarzt, der alles gibt, um seinen Kindern im Heim das Leben zu erleichtern. Er ist ein großer Mann, der an diesem grausamen Ort nie an sich selbst denkt und sein Leben täglich für die Kinder aufs Spiel setzt. Seine Biografie kann hier nachgelesen werden:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Janusz_Korczak
Hilfe bekommt er von einer Lehrerin, Stefania Wilczyńska, die das Kinderheim an seiner Stelle leitete während Herr Korczak in der ersten Weltkrieg eingezogen wurde. Ihre bemerkenswerte Biografie: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Stefania_Wilczyńska

"Aron und der König der Kinder" ist ein furchtbares Buch, es ist nur schwer zu ertragen und sollte auf keinen Fall zur Unterhaltung gekauft werden. Dass dieses Buch mir gefallen hat, kann ich nun wirklich nicht behaupten, aber ganz sicher hat es die Höchstwertung verdient. Janusz Korczak, Stefania Wilczyńska und alle Menschen, die im Warschauer Ghetto leiden mussten, sollten nie vergessen werden.


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Leben im Warschauer Ghetto, Janusz Korczak
Schreibstil: nüchtern, aus Kindersicht
Kritik: keine
Gesamtbewertung: schwer erträgliches und doch wichtiges Buch über das Leben im Warschauer Ghetto

Sonntag, 14. Februar 2016

Altes Land - Dörte Hansen

Erscheinungsdatum: 16. Februar 2015

Weitere Informationen
Das „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Meine Meinung

Vera flüchtet mit ihrer Mutter aus Ostpreußen zu Ida auf einen alten Bauernhof auf dem Vera ihr ganzes Leben verbringen wird. Nie wird sie vergessen, was sie auf dieser Flucht erlebt hat.

Ihre Nichte Anne lebt mit ihrem Sohn in Hamburg, zwischen perfekten Müttern, die
"wie gutmütige Familienhunde, die Schnuller und Trinkflaschen apportierten, die ihre Kleinkinder aus den Buggys warfen". Als ihre Ehe in die Brüche geht, bekommt auch sie Obdach im alten Bauernhof bei Vera.
"Flüchtlinge suchte man nicht aus, man lud sie auch nicht ein, sie kamen einfach angeschneit mit leeren Händen und wirren Plänen, sie brachten alles durcheinander."
Der Schreibstil des Buches ist einfach nur genial, der Einfallsreichtum von Dörte Hansen bei der Wortwahl ist in jeder Hinsicht bewundernswert. "Die Vögel weckten sie am Morgen, sie hörten sich hysterisch an, sie drehten durch, es war Frühling." 

Immer wieder ändert die Perspektive, springt von Vera, zu Anne, zum Nachbarn, zum Bauern oder zum Journalisten, einem von den "Sinnsucher aus der Stadt, die planlos durch die Gegend liefen" und von den Einwohner nicht immer mit offenen Armen empfangen werden. "Dirk zum Felde hatte die Schnauze voll von Idioten in teuren Gummistiefel, die unbedingt aufs Land ziehen mussten". Dörte Hansen teilt ironische und humorvolle Seitenhiebe in alle Richtungen aus. Jeder wird auf die Schippe genommen, um kurz darauf aus einer anderen Perspektive doch wieder ganz anders dargestellt zu werden.

Zwischendurch erfährt der Leser viel über das mühsame Leben auf dem Land, über die Stille im Winter, die wohltuend, aber auch deprimierend sein kann, über Streit in Familien, der aus starken Männern einsame Alte macht. Viele Sätze werden auf plattdeutsch eingeschoben und geben der Geschichte noch mehr Intensität, "allens schön schier".

"Altes Land" ist ein ruhiges, wunderbares Buch, für das man sich als Leser Zeit nehmen und auf das man sich einlassen sollte. Es ist ungewöhnlich und außergewöhnlich gut, ein Buch zum Genießen.


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Das Leben von Vera, einem Flüchtlingskind aus Ostpreußen
Schreibstil: anspruchsvoll
Kritik: keine
Gesamtbewertung: hervorragende, ruhige Geschichte mit kleinen Seitenhieben in alle Richtungen





Freitag, 12. Februar 2016

Des Tauchers leere Kleider - Vendela Vida

Erscheinungsdatum: 12. Februar 2016
Übersetzer: Monika Baark


Weitere Informationen
Erst in der Fremde können wir wirklich zu uns finden, heißt es. "Des Tauchers leere Kleider" erzählt die abenteuerliche Geschichte einer Frau, der nichts mehr geblieben ist, außer ihr Wille zu überleben. Einer Frau, die nach Casablanca reist, um sich schließlich nicht für die Vergangenheit, auch nicht für die Gegenwart, aber mit aller Entschiedenheit für die Zukunft entscheidet. Eine Amerikanerin reist überstürzt nach Casablanca. Der Grund für ihre Reise ist unklar. Kaum in ihrem Hotel angekommen, wird sie ausgeraubt. Die Polizei und die Hoteldirektion versuchen scheinbar, den Dieb zu fassen, haben sich aber eigentlich gegen die Amerikanerin verschworen. Auf der Polizeiwache wird ihr der Rucksack einer fremden Frau ausgehändigt, deren Identität sie annimmt. Vorübergehend, wie sie denkt, bis sich alles aufgeklärt hat. Doch einmal von der Last des eigenen Ich befreit, beginnt sie, Freude daran zu empfinden, sich von der Frau, die sie einmal war, immer mehr zu entfremden. Bis sie eine berühmte Hollywood-Schauspielerin kennen lernt und einen Schritt zu weit geht.

Meine Meinung

Die Geschichte der Frau, der am Tag ihrer Ankunft in Casablanca all ihr Geld und ihre Wertsachen geklaut werden und die danach ein neues Leben mit einer fremden Identität annimmt, hat dich fasziniert und du hast sofort begeistert bei diesem Buch zugegriffen.
Du fängst also an zu lesen. Nach ein paar Seiten bis du bereits genervt, immer dieses Du. Du willst es nicht mehr lesen, es ist als ob du selbst die Hauptperson wärst, aber so bist du doch gar nicht.
Du liest weiter, du hoffst, dass es besser wird, aber alles dauert, alles ist unwichtig, alles wird in Einzelheiten durchgekaut. Nicht nur das ewige Du nervt dich, auch der Rest des Schreibstils ist nicht sehr anspruchsvoll. Du magst das Du immer noch nicht, denn es lässt keinen Lesefluss aufkommen, weil es übertrieben angewendet wird.

Die Hauptperson, von der du nicht einmal den Namen kennst, ist dir unsympathisch, sie handelt unlogisch und würde nie mit diesen Handlungen durchkommen.

Und dann kommt endlich das Ende des Buches. Dieser Schluss gefällt dir gar nicht. Du hast den Eindruck in einem billigen Groschenroman gelandet zu sein und findest, dass die Geschichte etwas weit hergeholt ist. Du bist der Meinung, dass die Banalität der Geschichte lediglich hinter der ungewohnten Erzählform versteckt wird.

Du schließt das Buch und bist froh, es endlich hinter dir zu haben. Du hattest zu viel Hoffnung in dieses Buch gesetzt und wurdest enttäuscht. Nein, du magst dieses Buch nicht.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Flucht nach Casablanca, Identitätswechsel
Schreibstil: zweite Person
Kritik: nerviger Schreibstil, oberflächliche Geschichte
Gesamtbewertung: nicht sehr überzeugende Geschichte eine Frau, die fremde Identitäten annimmt







Sonntag, 7. Februar 2016

[Gastbeitrag von MrsUrlaub] All die verdammt perfekten Tage - Jennifer Niven

Erscheinungsdatum: 28. Dezember 2015
Übersetzer: Alexandra Ernst


Weitere Informationen
Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…

Meine Meinung

Getrieben von Selbstmordgedanken findet sich Theodore Finch auf dem Glockenturm der Schule wieder. Zur gleichen Zeit hat auch Violet die Idee zu springen. Durch ein eher einseitiges Gespräch von Finch entscheiden die zwei sich, weiterzuleben. Sie sind beide in psychologischer Behandlung und könnten doch nicht unterschiedlicher sein:
Violet, die allseits beliebte, fleißige und schöne Cheerleaderin, hat durch einen Unfall ihre Schwester verloren und möchte die Stadt so schnell wie möglich verlassen. Theodore ist lebensmüde und vom Tod fasziniert und macht eigentlich nur das, was er will.

Durch ein gemeinsames Schulprojekt bei dem sie außergewöhnliche Orte in Indiana besuchen sollen, lernen sie sich kennen. Und merken, dass sie doch nicht so verschieden sind.

Beim Lesen des Klappentextes könnte man glauben, dass es sich in diesem Buch fast ausschließlich um das Thema Suizid handelt. Aber es geht um so viel mehr: um Liebe, um Streit, um Familie, um Freunde, um Schule, um Ängste, um Tod, aber vor allem um das Leben. Finch zeigt, wie schön das Leben sein kann, wenn man auch mal Risiken eingeht und Neues ausprobiert. Die Charaktere, besonders Finch, hat man schnell ins Herz geschlossen, weil sie trotz ihren Fehlern, sehr sympathisch und echt wirken. Die Autorin schafft es ohne viel Kitsch und Klischee über Selbstmordgedanken zu schreiben. Sehr interessant fand ich außerdem die Fakten über Selbstmorde in Amerika, die der wissbegierige Finch kannte. Das Buch "All die verdammt perfekten Tage" kann ich nur empfehlen, es regt zum Nachdenken an und zeigt das Leben, so wie es ist: mit Höhen und Tiefen.


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Selbstmord, Liebe, Tod, Leben
Schreibstil: flüssig, abwechselnde Perspektive (Finch/Violet)
Kritik: keine
Gesamtbewertung: berührender Jugendroman mit sympathischen Charakteren


Diese Rezension ist mein allererster Gastbeitrag und habe bis jetzt auch nur sehr wenig Erfahrung mit Bücherbewertungen. Beim Lesen saß ich hochkonzentriert mit Block und Stift bewaffnet am Arbeitstisch und habe mir fleißig Notizen gemacht. Ich merkte schnell, dass es so kein Spaß macht und ich mich in Schulzeiten zurückversetzt fühlte. Den Rest las ich dann abwechselnd auf der Couch, im Bett oder in der Badewanne. Lesen soll Spaß machen und ich bin um eine Erfahrung reicher. Vielen Dank, dass ich das Buch lesen und eine Rezension auf deinem Blog schreiben durfte. MrsUrlaub.

Danke für All die verdammt perfekten Tage an BloggDeinBuch und an den Verlag Limes. Danke an MrsUrlaub für die Bewertung.



 



Freitag, 5. Februar 2016

Die Europäer - Henry James

Erscheinungsdatum: 21. September 2015
Ersterscheinung: 1878
Übersetzer: Andrea Ott


Weitere Informationen
Ohne Geld, aber im Vertrauen auf eine gute Partie reisen Baronin Eugenia Münster und ihr Bruder Felix Young nach Neuengland. Mit Adelstitel und Charme umgarnen die beiden rasch ihre Verwandtschaft, den Onkel samt seinen drei erwachsenen Kindern. In wechselnden Paarungen konkurrieren Temperamente und Vorstellungen der Alten Welt mit Werten und Moral der Neuen. Wer sich am Ende an wen bindet, entscheidet sich nach einem quirligen Reigen transatlantischer Beziehungen, der einen neuen Blick auf beide Kontinente und nicht zuletzt auf den großen Autor selbst ermöglicht. Für seine eleganten, doch oft irritierend komplexen Romane berühmt, zeigt er sich in diesem Fundstück als lustvoller Matchmaker mit Tiefgang.

Meine Meinung

Baronin Eugenia Münster reist mit ihrem Bruder Felix aus Europa nach Amerika. Schon am Tag ihrer Ankunft empfindet die Baronin das Land als so düster und furchtbar, dass sie am liebsten sofort wieder abgereist wäre. Ihr Bruder ist ein fröhlicher und optimistischer Mensch. Er kann sie überzeugen zu bleiben und Bekanntschaft mit ihrer amerikanischen Familie zu machen.

So unterschiedlich wie die beiden Europäer sind auch ihre amerikanischen Verwandten. Mr Wentworth ist Puritaner, sein Sohn muss wegen Trunkenheit sein Studium pausieren, die älteste Charlotte Tochter benimmt sich tadellos, doch die junge Tochter Gertrude wird als komisch angesehen. Sie schwänzt den Kirchgang, weil der Himmel blau ist und lässt sich nicht durch Konventionen bevormunden.
Regelmäßige Besucher im Haus von Mr Wentworth sind der Cousin Acton, der in China zu Reichtum gekommen ist, dessen wunderschöne Schwester sowie ein Geistlicher, Mr Brand.

Henri James beobachtet diese Familie und beschreibt sehr treffend, was sie denken oder wie sie ihren Tag verbringen. Gearbeitet wird in diesem Roman kaum. Felix ist Maler und zeichnet fleißig, er ist der einzige der ganzen Gruppe, der arbeitet und gilt doch als Bohemien. Alle anderen verbringen ihre Zeit mit Spaziergängen, gegenseitigen Besuchen und vielen Gesprächen. Als Leser erfährt man kaum etwas über das Leben im damaligen Amerika und gar nichts über das in Europa.

Baronin Eugenia wird als kluge Frau beschrieben, die Dialoge, die sie sich mit ihren Mitmenschen liefert sind dementsprechend und ein Genuss für den Leser. Die verschiedenen Gespräche sind der Höhepunkt dieses Buches, ansonsten ist es leider ziemlich flach. Die Personen bleiben in allen Lebenslagen immer gleich, Felix ist stets gutgelaunt, Charlotte grüblerisch und der Familienvater immer leicht deprimiert.

"Die Europäer" kann als Analyse oder als Bericht des Aufenthaltes von Baronin Eugenia in Boston angesehen werden. Spannung kommt keine auf. Ich habe das Buch als interessant empfunden und besonders die Dialoge gerne gelesen. Allerdings hatte ich von Henry James deutlich mehr erwartet.



Kurzbewertung für Eilige

Thema: Vergleich zwischen dem Lebenswandel von Europäern und Amerikanern
Schreibstil: anspruchsvoll
Kritik: weder hervorragender Schreibstil noch eine besondere Geschichte
Gesamtbewertung: hoffentlich eines der weniger guten Bücher von Henry James




Donnerstag, 4. Februar 2016

Isarlauf - Bettina Plecher

Erscheinungsdatum: 22. Januar 2016



Weitere Informationen
München im Herbst, die Stadt ist im Marathonfieber. Als ein Läufer im Olympiapark zusammenbricht und stirbt, deutet alles auf Herzversagen hin. Toxikologe Quirin Quast und seine junge Kollegin Frieda May aber finden im Blut des renommierten Psychiaters einen ganz und gar tödlichen Medikamenten-Mix. Wer hätte Grund gehabt, dem Mann nach dem Leben zu trachten?
Dann tauchen im Nachlass des Toten Fotos schlafender Frauen auf. Viele Fotos. Hat sich der Psychiater bei der Behandlung seiner Patientinnen krimineller Methoden bedient? Auf der Suche nach einer Antwort finden Quirin und Frieda heraus, dass der Tote nicht der einzige Mediziner in der Stadt war, der unorthodox arbeitete …

Meine Meinung

Bei einem Marathon in München bricht ein Mann zusammen. Nachdem die Sanitäter ihm geholfen haben, greift er sie an und stirbt kurze Zeit später, anscheinend an einem Herzinfarkt.
Quirin Quast will sich nicht einmischen. Er hat bereits einen Namen als Querulant in seinem Krankenhaus und soll möglichst unauffällig seiner Arbeit nachgehen, ohne weiteren Ärger anzuziehen. Als der Mann umkippt, überlässt er ihn also den Sanitätern. Als später der Verdacht aufkommt, der Psychiater könnte ermordet worden sein, treiben ihn seine Mitbewohnerin Frieda und seine Neugier dazu, immer weitere Puzzlestücke zu sammeln, um herauszufinden was passiert ist.

Ein erstes Puzzlestück finden sie, gut versteckt, im Zimmer des Toten: Einen Stapel mit Fotos von schlafenden Frauen. Warum hat der Psychiater diese Frauen heimlich fotografiert?

Der Schreibstil von "Isarlauf" ist leicht zu lesen und vor allem fesselnd. Die Geschichte wird aus der Sicht der beiden Ermittler erzählt, der Leser begleitet dabei abwechselnd Quirin und Frieda, oder beide zusammen, die sehr neugierig sind und sich ohne Rücksicht auf Verluste in Ermittlungen stürzen. Für den Leser wird das sehr spannend und aufregend.

"Isarlauf" ist ein ganz besonderer Krimi, der fast ohne Polizei auskommt. Ein Toxikologe und eine Internistin ermitteln auf ihre ganz spezielle Art, völlig unkonventionell und ohne sich an irgendwelchen Vorschriften zu halten. Das Buch hat mich gut unterhalten und ich kann es gerne weiterempfehlen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: psychoaktive Pilze, Klinik, Mordermittlungen
Schreibstil: flüssig und angenehm
Kritik: keine
Gesamtbewertung: ungewöhnlicher und spannender Kriminalroman mit einem Toxikologen und einer Internistin als Ermittler