Donnerstag, 9. Juni 2016

In gewissen Kreisen - Elizabeth Harrower

Erscheinungsdatum: 16. Mai 2016
Übersetzer: Alissa Walser


Sydney, in den 60er Jahren. Zoes Bruder Russell bringt eine Zufallsbekanntschaft mit in ihr Elternhaus: den geheimnisvollen Stephen Quayle und seine Schwester Anna. So unterschiedlich die Kreise auch sein mögen, aus denen die Geschwisterpaare kommen, von nun an sind die Lebenswege der vier unausweichlich miteinander verbunden. Ein großer Roman von präziser, bildstarker Sprache und psychologischer Genauigkeit, der uns neu über Familie und Liebe, Tyrannei und Freiheit nachdenken lässt.

Meine Meinung

Zoe ist eine junge Frau mit reichen Eltern, die immer nur genau das macht, was sie möchte. Sie ist verwöhnt und verwundert, als jemand ihr erzählt, dass er seinen langweiligen Job nur macht, weil er damit Geld verdient.
Nach und nach lernt der Leser die Freunde und Familie von Zoe kennen. Meist wird allerdings zuerst über die Personen gesprochen und der Leser muss mühsam erahnen, in welchem Verhältnis die Personen zueinander stehen. Raten muss der Leser auch, wer gerade redet und mit wem. Gedanken und Gesprächsfetzen werden bunt gemischt. Bei manchen Abschnitten ist selbst nach mehrmaligem Lesen nicht klar, wer was sagt. Andere Personen werden eingeführt und kommen danach nie wieder vor, Andeutungen, die in anderen Bücher ein paar Seiten später einen Sinn bekommen, werden einfach wieder vergessen.
Einen roten Faden gibt es nicht. Die Geschichte besteht aus Momentaufnahmen, aus Beobachtungen von Zoe und ihren Freunden, aus vielen Gesprächen.
Diese Gespräche sind die einzigen Lichtblicke des Buches, sie enthalten oft komplexe Gedankengänge und manche schöne oder witzige Pointen.

»Jede von Lilys Bindungen ist rein zufällig. Wie in einem moralischen Theaterstück, nur trägt man keine Masken der Tugend und des Lasters, sondern man wahrt seine Anonymität hinter Tochter, Mutter, Vater und so weiter. Jeder könnte hinter der Maske stecken. Es würde keinen Unterschied machen. Name und Maske sagen den Leuten, wie sie zu fühlen und zu handeln haben. Außerhalb dieser Rahmenbedingungen herrscht Chaos. Es fehlt der natürliche Instinkt für –«
»Die Liebe«, sagte Anna.
"Denn du weißt schließlich genau, nicht wahr, dass man weiter nichts sein muss als ein Rennpferd oder ein Fußballspieler, um in die Zeitung zu kommen"
"Was manchmal wie Undankbarkeit wirkt, ist oft ein Mangel an Selbstvertrauen, auch wenn es sehr häufig einfach Undankbarkeit ist."

Das Buch hat mir nicht gefallen. Es ist holprig geschrieben und macht einen unfertigen Eindruck. Es ist mehr eher ein Entwurf mit manchen guten Ansätzen, als ein Buch, das bereit ist veröffentlicht zu werden.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Leben von Zoe und ihren Freunden
Schreibstil: extrem anspruchsvoll
Kritik: kein roter Faden, vieles unausgearbeitet und unklar
Gesamtbewertung: Entwurf eines Buches mit manchen guten Ansätzen






Mittwoch, 20. April 2016

Die Schönheitskönigin von Jerusalem - Sarit Yishai-Levi

Erscheinungsdatum: 14. Februar 2016
Übersetzer: Ruth Achlama

Strahlend, lebenslustig und wunderschön ist Luna Ermoza mit den grünen Augen. Doch ihre Ehe ist ein Desaster hinter perfekter Fassade, und für ihre Tochter Gabriela kann sie keinerlei Zärtlichkeit empfinden – wie einst ihre Mutter Rosa für sie. Denn während das Delikatessengeschäft Rafael Ermoza & Söhne im Jerusalemer Machane-Jehuda-Markt floriert, scheint auf den Frauen der Familie ein Fluch zu lasten, der ihnen das Glück in der Liebe verwehrt und sie verbittern lässt. Meisterlich verwebt Sarit Yishai-Levi das Schicksal vierer Generationen der sephardischen Familie mit den bewegtesten Jahrzehnten israelischer Geschichte.

Meine Meinung

"Die Schönheitskönigin von Jerusalem" begleitet die Familie Ermoza während vier Generationen. Als Leser wird man mitten ins Geschehen geworfen. Wie spricht Gabriela mit ihrer Mutter? Nach ein paar Seiten habe ich mich dann über die Mutter Luna geärgert, in ihr die Hauptschuldige am schlechten Verhältnis zwischen Mutter und Tochter gesehen. Den Vater hatte ich anfangs in die positive Ecke gestellt, bis ich ihn näher kennenlernte. Irgendwann habe ich es eingesehen. Es geht nicht um gute oder schlecht Menschen, es geht nicht darum wer Schuld ist und es geht schon gar nicht um einen angeblichen Fluch, der die Familie seit Generationen beherrscht und weswegen alle Frauen unglücklich sind und nicht von ihren Männern geliebt werden. Es geht um Liebe und Respekt, um alte Traditionen, die die Liebe ersticken und Unzufriedenheit heraufbeschwören.

Das Buch ist extrem vielschichtig. Neben den komplizierten Verhältnissen der Familienmitglieder, ihrem alltäglichen Leben und ihren Sorgen erzählt es auch die Geschichte von Jerusalem. Die erste Generation, die der Leser kennenlernt, flucht über die Türken, später verwünscht man die "Ingländer" aus dem Land, kämpft ums Überleben während der Belagerung von Jerusalem bis die Israeli selbst über ihr Land bestimmen können. Die Familie Ermoza sind sephardische Juden, deren Vorfahren aus Spanien geflüchtet waren und in Jerusalem eine neue Heimat gefunden haben. Ihre Traditionen behielten sie bei und versuchten so viel wie möglich davon aufrecht zu halten. Vom spanischen abgeleitete Wörter kommen immer wieder im Text vor.

"Die Schönheitskönigin von Jerusalem" ist ein vielschichtiges und interessantes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Geschichte einer Familie aus Jerusalem
Schreibstil: leicht verständlich
Kritik: keine
Gesamtbewertung: hervorragende, ruhige Geschichte mit interessanten Informationen über Jerusalem





Dienstag, 29. März 2016

Baba Dunjas letzte Liebe - Alina Bronsky - Sophie Rois

Erscheinungsdatum: 17. August 2015
Sprecher: Sophie Rois

Weitere Informationen
Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreißend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer außergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.
Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Auf kleinem Raum gelingt Alina Bronsky voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz eine märchenhafte und zugleich fesselnd gegenwärtige Geschichte.

Meine Meinung

Baba Dunja lebt in Tschernowo, in der Todeszone des Atomreaktors von Tschernobyl. Sie ist alt und ihr macht die Strahlung nichts aus. Sie war immer gesund, ein Leben lang und hat noch viel zu tun in ihrem Garten. Sie hält das Haus gewissenhaft sauber, aber die Spinnen lässt sie hängen, die stören nicht.

Die Sprecherin Sophie Rois wurde für dieses Hörbuch wohlverdient mit dem Hörbuchpreis ausgezeichnet. Aus jedem einzelnen Satz spricht eine uralte Frau, und wenn Baba Dunja müde und erschöpft ist, ist das auch an der Sprecherstimme zu hören.

Aber nicht nur der Sprecher auch die Autorin hat wunderbare Arbeit geleistet. Sie zeigt, dass alles zwei Seiten hat, dass Menschen selbst in der Todeszone positiv und zufrieden leben können. Alina Bronsky beschreibt jede noch so traurige oder makabere Situation mit sehr viel Witz und Leichtigkeit.
Vor allem die erste Hälfte des Buches hat mir gut gefallen. Auf die Triebsamkeit, die danach ins Dorf kam, hätte ich verzichten können. Dafür hätte ich gerne mehr über Baba Dunja gelesen, über Maria und ich hätte Laura gerne besser kennen gelernt.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Leben in der Todeszone von Tschernobyl
Schreibstil: humorvoll, leicht verständlich
Kritik: Krimiteil unnötig
Gesamtbewertung: Bemerkenswerte Leistung der Hörbuchsprecherin




Die silberne Nadel - Andrea Schacht

Erscheinungsdatum: 9.10.2015

Weitere Informationen
Köln 1420. Bei der Stammheimer Rheinmühle wurde ein grausiger Fund gemacht: Im großen Holzrad hängt die Leiche des Brotbeschauers Schroth. Die Würgemale an seinem Hals deuten darauf hin, dass sein Tod kein Unfall war. Unter Mordverdacht steht seine Geliebte, die ehrbare Witwe Ellen, ihr droht die peinliche Befragung und Folter. Doch die kluge Fährmannstochter Myntha glaubt nicht an Ellens Schuld und beginnt, nach dem wahren Mörder zu forschen. Dabei steht ihr der geheimnisvolle Rabenmeister Frederic zur Seite, und er ist auch zur Stelle, als Myntha selbst in tödliche Gefahr gerät …

Meine Meinung

Myntha ist im Schlaf an den Fluss gewandelt. Volmerus sieht darin ein dämonisches Zeichen und versucht sie zu fangen, um ihr den Teufel auszutreiben. Pech für sie, dass in derselben Nacht der Bäckermeister ermordet wurde. Aber nicht sie, und auch nicht der Rabenmeister werden angeklagt und eingesperrt, sondern Ellen, die heimliche Geliebte des Bäckermeisters. Myntha und der Rabenmeister versuchen die Unschuld von Ellen zu beweisen, indem sie den wahren Mörder suchen.

Der Krimiteil war vielleicht für mittelalterliche Verhältnisse realistisch, aber ich hätte mir doch eine etwas raffiniertere Art der Überführung gewünscht. Manche Geheimnisse bleiben offen und werden voraussichtlich erst in Folgebüchern gelöst.

Die Stärke des Buches liegt in den Beschreibungen des Lebens der verschiedenen Personen und in den Dialogen. Die Sprache ist angepasst, sie klingt mittelalterlich und lässt sich doch sehr angenehm und leicht lesen. "Die silberne Nadel" versetzt den Leser ins Mittelalter und lässt ihn an dem oft grausamen und schweren Leben teilnehmen, ohne es allzu düster und hoffnungslos darzustellen. Mir hat das Buch gut gefallen und ich empfehle es jedem Freund von historischen Romanen.

Myntha-Reihe:
1. Die Fährmannstochter
2. Die silberne Nadel

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Mordermittlungen und Leben im Mittelalter
Schreibstil: mittelalterlich, leicht verständlich
Kritik: Krimiteil vorhersehbar
Gesamtbewertung: Gute Unterhaltung, schöne Beschreibungen und passende Dialoge zum Mittelalter









Sonntag, 13. März 2016

Die Wunschbox - Martyn Ford

Erscheinungsdatum: 18. Januar 2016
Übersetzer: Nadine Mannchen
Sprecher: Uve Teschner


Weitere Informationen
Stell dir vor, du könntest all deine Wünsche wahr werden lassen! Als Tim das erste Mal auf Professor Eisenstein und seine merkwürdige Kiste trifft, ahnt er nicht, was für eine wundersame Erfindung er in der Hand hält. Der schrullige Professor hat eine Wunschbox erschaffen: Alles, was man sich vorstellt, erscheint darin! Zum Beispiel Würstchen. Oder ein Raketenrucksack. Oder ein winzig kleines, sprechendes Äffchen namens Phil, das ganz verrückt nach Schokolade ist. Das coolste Spielzeug der Welt oder eine unberechenbare Gefahr? Plötzlich verschwindet der Professor spurlos und Tim macht sich auf die Suche nach ihm.

Meine Meinung

Tim langweilt sich im Hotel seiner Adoptiveltern. Er lebt wie ein Gast, für den es von Verboten und Hindernissen nur so wimmelt. Malen in der Lobby ist verboten, Essen aus der Küche stibitzen natürlich auch, ins oberste Stockwerk darf er auf keinen Fall und Gäste belästigen noch weniger.

Doch einer der Gäste, Professor Eisenstein mag Tim und lädt ihn zu sich ins Zimmer ein. Er zeigt ihm seine neueste Erfindung, eine geheimnisvolle Kiste voller Drähte, eine Wunschbox, die alles erschaffen kann, was Tim sich ausdenkt. Tim erdenkt sich einen neuen Freund, ein sprechendes Zwergseidenäffchen. Tim ist begeistert, aber der Professor fühlt sich bedroht. Er hat Angst, dass seine Erfindung in kriminelle Hände gerät. Als der Professor kurz darauf verschwindet, ohne sich von Tim zu verabschieden, begibt Tim sich auf die Suche nach ihm.

Das Hörbuch wird von Uve Teschner hervorragend in verschiedenen Stimmlagen gesprochen. Es ist immer klar, ob Tim, der Professor oder das Äffchen sprechen. Später, wenn mehr Personen hinzukommen, wird es ein wenig kniffliger, aber der Sprecher macht es dem Zuhörer leicht. Zusätzlich wird selbstverständlich auch durch den Text deutlich, wer gerade spricht.

Die Geschichte ist für Kinder ab zehn Jahren geeignet. Jüngere Kinder würden manches nicht verstehen und das Ende wäre vielleicht doch etwas schwer verdaulich und zu gewalttätig für sie.

Das Hörbuch hat mich ganz gut unterhalten, obwohl ich nicht gerade zur Zielgruppe gehöre. Es ist spannend, logisch aufgebaut und mit vielen interessanten Wendungen und Ideen. Für Kinder kann ich es auf jeden Fall wärmsten empfehlen.


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Die Wunschbox und die Suche nach dem entführten Professor
Schreibstil: leicht verständlich
Kritik: keine
Gesamtbewertung: spannende Geschichte für Kinder ab 10 Jahren





Vielen Dank an Blogg Dein Buch und den Jumbo Verlag für "Die Wunschbox"



Der Krieg im Garten des Königs der Toten - Sascha Macht

Erscheinungsdatum: 15. Februar 2016



Weitere Informationen
Was tun, wenn man siebzehn ist und die Eltern über Nacht spurlos verschwinden, ohne eine Nachricht zu hinterlassen? Man übernimmt selbst den Abschluss seiner Erziehung – mithilfe der miesen Horrorfilme, die man vom »schönen Hans« im Dorfladen geschenkt bekommt. Bruno Hidalgo hat jedoch noch ganz andere Probleme. Denn er lebt nicht nur in einem Provinznest, sondern auf einem riesenhaften Eiland, das infolge von Atomtests aus dem Ozean aufgestiegen ist. Die glanzvollen Gründerjahre sind vorbei, nun liegt die Inselgesellschaft am Boden. Rebellen marodieren, ausländische NGOs versuchen, die Bewohner mit dem Nötigsten zu versorgen, Antilopen weiden in der Savanne zwischen den Müllbergen einer zerbrochenen Utopie.

Sascha Macht schickt seinen jungen Helden auf eine Reise durch diese schillernde, kühn erträumte Welt, die doch bedrohlich nah an unserer Realität gebaut ist. Er erzählt eine Geschichte über das Erwachsenwerden, die langen Schatten der großen Ideologien und die heilsame Kraft des Horrorfilms: sprachmächtig, klug und irre witzig.

Meine Meinung

Bruno lebt auf einer Insel. Eines Tages kommen seine Eltern nach einem Ausflug nicht mehr nach Hause zurück. Er macht sich keine Sorgen und es scheint ihm auch komplett egal zu sein. Er schaut die miesesten Horrorfilme, die er auftreiben kann und die Zeit vergeht für ihn wie im Fluge.

Wahrscheinlich ist dieses Buch genial, und nach einem ausgiebigen Literaturstudium würde ich es auch verstehen. Mehr noch würden ein paar anständige Flaschen Wodka helfen. Aber so konnte ich mit diesem Buch nicht viel anfangen. Für mich als nüchternen Laien hat das Buch sich wie die wirre Traumerzählung eines Kindes gelesen. Der Autor schiebt immer konfusere und unzusammenhängende Ideen nach. Nichts ist logisch. Es gibt nicht nur ein paar Ungereimtheiten, es passt gar nichts. Dabei ist es nicht so, dass es sich um fantastische Elemente handeln würde, oder sich die Geschichte mit Science-Fiction erklären könnte. Es bleibt nur die komplett chaotische und unzusammenhängende Welt der Träume.

Dabei ist der Schreibstil durchaus sehr leicht verständlich. Nur der rote Faden oder die Logik hinter den Sätzen, die ist nicht so leicht zu finden.

Spannend war die Geschichte nicht, wie sollen diese verworrenen Sätze auch fesseln, sie quälen höchstens und schläfern ein.

Das Buch "Der Krieg im Garten des Königs der Toten" richtet sich an Freunde von wirren, konfusen Geschichten. Ich kann es nicht empfehlen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Das Leben oder die Träume eines Horrorfilmfreaks
Schreibstil: leicht verständlich
Kritik: wirr und langweilig
Gesamtbewertung: chaotische und sinnlose Geschichte




Samstag, 12. März 2016

Leserunden im April auf Leserunden.de und im Literaturschock-Forum

Im April gibt es viele interessante Leserunden mit Autoren auf Leserunden.de und im Literaturschock-Forum Zu jeder Leserunde gibt es zudem Freiexemplare, die nach diesen Regeln an Mitleser verteilt werden.

01.04. Silvia Stolzenburg - Die Fliege
01.04. Oliver Plaschka - Das öde Land und andere Geschichten vom Ende der Welt
01.04. Zoe Hagen - Tage mit Leuchtkäfern
01.04. Literaturschock-Forum David Mitchell - Die Knochenuhren
08.04. Britta Strauss - Indigo und Jade
08.04. Sylvia Lott - Die Inselfrauen
08.04. Ana Jeromin - Sonnentänzer
08.04. Literaturschock-Forum Mark Twain - Ist Shakespeare tot?
08.04. Literaturschock-Forum Tabitha Suzuma - Broken. Der Moment, in dem du fällst
15.04. Tanja Noy - Zarenblut
15.04. Christoph Hardebusch - Feuerstimmen
15.04. Antje Babendererde - Der Kuss des Raben
15.04. Literaturschock-Forum Sam Gasson - Gone Cat. Die stumme Zeugin
15.04. Literaturschock-Forum Rasha Khayat - Weil wir längst woanders sind
22.04. Eva Siegmund - Pandora: Wovon träumst du?
22.04. Tibor Rode - Das Mona-Lisa-Virus
22.04. Literaturschock-Forum [Postleserunde] Sarit Yishai-Levi - Die Schönheitskönigin von Jerusalem
22.04. Literaturschock-Forum Eve Chase - Black Rabbit Hall. Eine Familie. Ein Geheimnis. Ein Sommer, der alles verändert
22.04. Stefano Vicinoadio - Ich bin dann mal veg!(an)
29.04. James A. Sullivan - Chrysaor

Mittwoch, 9. März 2016

Die Marionette - Alex Berg

Erscheinungsdatum: 2. November 2011


Valerie Weymann soll einen deutschen Rüstungskonzern, der des illegalen Waffenhandels beschuldigt wird, aus den Schlagzeilen bringen. Kein Geringerer als BND-Agent Eric Mayer führt die offiziellen Untersuchungen von Regierungsseite. Auf ein Wiedersehen mit dem Agenten, der Valerie einst verhaften ließ, ist die toughe Anwältin nicht vorbereitet. Zur selben Zeit kehrt die junge Soldatin Katja Rittmer schwer traumatisiert von ihrem Einsatz in Afghanistan zurück. Ihr Konvoi war in einen Hinterhalt geraten, und ihre Kameraden wurden mit deutscher Munition erschossen. Wie konnte das passieren? Doch in der Heimat will niemand ihre brisanten Fragen beantworten. Ein unerträglicher Zustand, der Katja Rittmer in eine tickende Zeitbombe verwandelt und weitere Menschenleben kostet ...

Meine Meinung

Soldaten, die aus Kriegsgebieten nach Hause kommen, leiden oft unter posttraumatischem Belastungssyndrom, ausgelöst durch ständige Angst, unter der sie während ihrer Einsatzzeit litten.

Katja ist Soldatin einer Spezialeinheit und überlebt als Einzige einen Anschlag, der mit deutschen Waffen auf deutsche Soldaten durchgeführt wurde. Diese brisante Information soll nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Katja ist den Behörden als Zeugin ein Dorn im Auge. Unter fadenscheinigen Begründungen wird sie aus dem Dienst entlassen.

Doch so einfach werden die Regierenden Katja nicht los. Als tickende Zeitbombe kommt sie nach Deutschland und will Rache für ihre ermordeten Kameraden. Eric Meyer, ein Agent und Valerie Weymann eine Rechtsanwältin, versuchen sie zu Vernunft zu bringen und die Gefahr, die von der Soldatin ausgeht, zu bannen.

Die Geschichte ist spannend erzählt. Aus wechselnden Perspektiven erfährt der Leser, was auf beiden Seiten los ist. Es steht viel auf dem Spiel, sowohl für Katja als auch für die Regierungen, die Wirtschaft und Katjas Freunde.

"Die Marionette" ist ein Thriller, der das schwierige Leben der Soldaten im Auslandseinsatz zeigt. Die Einwohner hassen sie, sie setzen täglich ihr Leben aufs Spiel und sind doch nichts weiter als Spielbälle von politischen und wirtschaftlichen Machenschaften. Sobald sie ihren Zweck erfüllt haben, oder nicht mehr erfüllen können, werden sie fallengelassen, wie heiße Kartoffeln. Dieser Thriller ist fesselnd, beeindruckend und absolut empfehlenswert.

"Die Marionette" ist der zweite Thriller der Reihe mit Valerie Weymann. Den Vorgänger, "Machtlos" habe ich noch nicht gelesen.


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Afghanistan, posttraumatisches Belastungssyndrom, Waffenhandel
Schreibstil: leicht verständlich, flüssig
Kritik: keine
Gesamtbewertung: fesselnde Geschichte, gut recherchierte Informationen, empfehlenswertes Buch





Freitag, 4. März 2016

Zwei für immer - Andy Jones

Erscheinungsdatum: 25. Januar 2016
Übersetzer: Teja Schwaner, Iris Hansen
Sprecher: Heikko Deutschmann


Weitere Informationen
Als er Ivy begegnet, ist Fisher wie vom Blitz getroffen, und bald ist er sich sicher, dass aus der Sache etwas werden könnte. Noch weiß keiner der beiden, dass die Entscheidung über ihre Zukunft längst gefallen ist: Ivy ist schwanger. Doch während das neue Leben in Ivy heranwächst, muss sich Fisher um seinen schwer erkrankten Freund El kümmern. Und Ivy und Fisher sind immer noch damit beschäftigt, sich kennenzulernen. Denn es ist eine Sache, sich zu verlieben – miteinander zu leben ist eine ganz andere Geschichte …

Meine Meinung

Als Fisher und Ivy sich kennenlernten, verbrachten sie die erste Wochen quasi ununterbrochen im Bett. Wieder im Alltag angekommen, merkt Ivy, dass sie schwanger ist. Und Fisher merkt, dass er seine Freundin noch gar nicht kennt, und sie die meisten Etappen des Kennenlernens übersprungen haben.

Der Schreibstil ist angenehm, leicht verständlich, die Stimme des Sprechers auch. Probleme hatte ich mit dem Inhalt. Ich habe mich teilweise gelangweilt, bei anderen Passagen fremdgeschämt und einiges war deprimierend traurig.

Der Autor schreibt, er habe ein richtiges Männerbuch schreiben wollen und sei dann überrascht gewesen, als am Ende eine Liebesgeschichte herauskam. Genauso planlos ist das Buch. Es liest sich, als hätte der Autor jeder spontanen Idee nachgegeben und sie irgendwie in die Geschichte gequetscht: derbe Männerwitze, Schwangerschaftsuntersuchungen, Liebesgeschichte, Krankheit, Streit, Romantik, Tod.

Insgesamt ergibt der Mix der vielen verschiedenen Genres ein mittelmäßiges Buch. An wen sich das Buch richtet, ist nicht so leicht herauszufinden, empfehlen würde ich es auf keinen Fall an schwanger Frauen. Ansonsten sollte der Leser von "Zwei für immer" gerne über Schwangerschaftsprobleme, derbe Männerwitze und Liebesgeschichten lesen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Vor allem Beziehungsgeschichte
Schreibstil: leicht verständlich
Kritik: zu viele Themen, die nicht zusammen passen
Gesamtbewertung: mittelmäßige Geschichte






Sonntag, 28. Februar 2016

The Expats (Die Frau, die niemand kannte) - Chris Pavone

Erscheinungsdatum: 1. März 2012


Die Amerikanerin Kate Moore zieht mit Mann und Kindern nach Luxemburg – sie freut sich auf ein entspanntes Leben als Mutter und Hausfrau.Endlich keine Geheimnisse mehr, endlich droht ihre zwielichtige Vergangenheit nicht mehr in ihr Privatleben einzudringen. Doch dann macht sie die Bekanntschaft des Exilantenpärchens Julia und Bill. Und die Gefahr, dass ihre wahre Identität ans Licht kommt, ist plötzlich größer denn je …

Meine Meinung

CIA-Agentin Kate kündigt ihren Job als Top-Agentin, als ihr Mann einen sehr hoch bezahlten Job in Luxemburg erhält. Kate möchte sich nur noch um ihre Kinder und den Haushalt kümmern. Ihr Mann Dexter hat keine Ahnung von Kates Vergangenheit und vom Job, den Kate bisher ausgeübt hat.

Dexter ist Informatiker. Er kümmert sich um die Sicherheit von Finanztransaktionen. Doch Kate weiß nichts über seine Arbeit, über seine Kollegen. Sie kennt keinen einzigen Arbeitskollegen und wird irgendwann misstrauisch. Als dann auch noch Amerikaner auftauchen, die über ihre Vergangenheit lügen, fängt sie an, jedem zu misstrauen und spioniert ihren Mitmenschen hinterher. Sie will die Wahrheit herausfinden.

Klingt die Inhaltsangabe des Buches noch äußerst spannend, legt die Begeisterung beim Leser sich spätestens nach dem ersten Drittel. Kate bringt die Kinder zur Schule, geht einkaufen und langweilt sich. Luxemburg-begeisterte Leser können sich noch ein paar Seiten darüber freuen, dass Kate sich durch dieses Land bewegt. Spätestens, wenn sie seitenweise Mutmaßungen anstellt oder jeden Schrank ihrer Wohnung durchwühlt, ist es egal, in welchem Land sie ist. Langeweile für alle Leser.

Spannung kam leider keine auf, nie. Dexter, Kates Ehemann bleibt, immer im Hintergrund und so fiebert der Leser nicht mit ihm mit. Kate selbst ist so gut wie nie in reeller Gefahr, ihre Ermittlungsversuchen sind recht banal und erinnern eher an die Vorgehensweise einer gelangweilten Hausfrau, als an die einer früheren Topagentin.

Kate erzählt dem Leser aus ihrem früheren Job vor ein paar Jahren, ihr Leben in Luxemburg fand vor etwa mehr als einem Jahr statt und aktuell lebt die Familie in Paris. Die Schrift ändert zwar leicht zwischen den verschiedenen Zeitsprüngen, allerdings fällt es schwer, den Unterschied zu bemerken und zu wissen, in welcher Zeit die Geschichte sich gerade bewegt.

Die Auflösung ist extrem verworren, nicht sehr glaubwürdig und wird dem Leser wieder langweilig präsentiert, wie so viele Passagen in diesem Buch. Keine Empfehlung!


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Top-Agentin verdächtigt Freunde und Ehemann in Luxemburg
Schreibstil: leicht verständlich
Kritik: langweilig
Gesamtbewertung: langweilige Geschichte einer nicht sehr glaubwürdigen Top-Agentin

Donnerstag, 18. Februar 2016

Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens - Sebastian Niedlich [Hörbuch]

Erscheinungsdatum: 1. März 2015
Sprecher: Matthias Keller


Weitere Informationen
Freunde sind etwas Wunderbares. Und manchmal findet man sie an den ungewöhnlichsten Orten. Martin hätte allerdings darauf verzichten können, am Sterbebett seiner Großmutter die Bekanntschaft des leibhaftigen Todes zu machen. Dieser hat sich eingefunden, um die Seele der alten Dame sicher ins Jenseits zu befördern – und ist begeistert, dass ihn endlich jemand sehen und hören kann. Für ihn steht fest: Martin und er sind dazu bestimmt, beste Freunde zu werden. Schließlich ist er ein echt netter Typ!

Und hey: Niemand kann so glaubhaft versichern, dass man weder an Langeweile, noch an einem gebrochenen Herzen sterben kann … Im Laufe der Zeit gewöhnt Martin sich daran, dass der Leibhaftige stets bei ihm auftaucht, wenn er es am wenigsten gebrauchen kann. Doch als er eine ganz besondere Frau kennenlernt, muss er sich eine entscheidende Frage stellen: Macht es überhaupt Sinn zu leben, zu lieben und nach dem Glück zu suchen, wenn am Ende doch immer der Tod wartet?

Meine Meinung

Am Sterbebett seiner Großmutter steht plötzlich neben Martin ein schwarz gekleideter Mann, der Tod. Der Tod ist erfreut, dass der kleine Junge ihn sehen kann und zwischen den beiden entsteht eine Art Freundschaft. Immer wieder taucht Tod auf, wenn er gerade in der Gegend zu tun hatte, wenn er Lust auf eine Partie Schach hat oder einfach nur reden möchte.

Den Anfang des Buches fand ich sehr witzig und ich musste mehrmals laut lachen. Leider wendet sich die Geschichte danach komplett, Tod ist gar nicht mehr der coole Typ mit der dunklen Stimme, sondern erschien mir eher nachtragend und nicht cool. Auch Martin war mir als Kind sympathischer, weniger zickig und aufbrausend.

Der Tod begleitet Martin durch sein Leben, auch der Leser bekommt die verschiedenen Etappen mit, Schule, erste Liebesgeschichten, Probleme, Beruf, Krankheiten von Familienmitgliedern. Dabei bleibt der Humor immer mehr im Hintergrund je älter Martin wird. Die Geschichte wird nachdenklich, romantisch und auch schon mal kitschig. Manche Etappen waren mir zu lang, eher peinlich und ich habe sie nur ungern gehört.

Der Schreibstil ist leicht verständlich und flüssig. Der Sprecher hat eine angenehmen Stimme und ich fand den Wechsel zwischen der dunklen Stimme von Tod und der von Martin gelungen. Dadurch wusste ich immer, wer gerade redete.

Insgesamt fand ich "Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens" mittelmäßig. Ich hätte lieber ein komplett humorvolles Buch gelesen und auf die ernsten, traurigen und romantischen Passagen verzichtet. Für mich passten die verschiedenen Teile nicht zusammen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Martins Leben und sein Freund, der Tod
Schreibstil: leicht verständlich
Kritik: Wechsel zwischen Humor, Liebesgeschichte, Trauer
Gesamtbewertung: humorvoll, traurig, manchmal kitschig, im Durchschnitt aber nur mittelmäßige Geschichte über einen Mann, der mit dem Tod reden kann

Dienstag, 16. Februar 2016

Aron und der König der Kinder - Jim Shepard

Erscheinungsdatum: 21. Januar 2016
Übersetzer: Claudia Wenner


Weitere Informationen
Aron, ein kleiner polnisch-jüdischer Junge, ist in seiner nicht gerade kleinen, armen Familie so etwas wie eine Katastrophe auf zwei Beinen. Nichts will ihm so recht glücken und alles macht er kaputt. Doch halb Tom Sawyer, halb Simplicius – er ist ein guter Kerl. Aron hat leider keine Zeit, ein vernünftiger Erwachsener zu werden. Denn seine Familie zieht nach Warschau, die Deutschen überfallen Polen und die Juden werden ins Ghetto gepfercht. Er freundet sich mit einer Gruppe Jugendlicher an, die für sich und ihre Familien ums Überleben kämpfen, arbeiten, schmuggeln und stehlen und sich immer fragen müssen, wieviel Freundschaft und Liebe sie sich noch leisten können. Verrat und Tod lauern jederzeit. Als der König der Kinder, der berühmte Arzt und Pädagoge Janusz Korczak, Aron in sein Waisenhaus aufnimmt, beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft, die den Jungen verändert und beide über sich hinauswachsen lässt.
Der preisgekrönte amerikanische Autor Jim Shepard erzählt in diesem spannenden und lakonisch-anrührenden Roman aus dem Warschauer Ghetto eine Geschichte von Menschwerdung und Überleben in einer inhumanen Welt und berichtet von einer Dimension des Menschlichen, die noch das Finsterste überstrahlt.

Meine Meinung

Aron wird gezwungen, mit seiner Familie umzuziehen, als alle Juden in ein Ghetto umgesiedelt werden. Er lebt sich schnell ein, findet Freunde, die wie er stehlen und schmuggeln, um ihre Familien zu unterstützen. Jeden Tag treffen sie sich, diskutieren ihre besten Möglichkeiten den Tag zu verbringen und welche Ware wohin geliefert werden wird.

Am Anfang hat mir diese Leichtigkeit nicht gefallen, denn die Kinder scheinen das Ghetto als Abenteuer anzusehen, obwohl Menschen, selbst Kinder vor ihren Augen erschossen werden.
Doch die Stimmung schlägt schnell auch bei den Kindern um. Aron muss zusehen, wie sein Vater vor einem Deutschen auf dem Boden liegt und mit Stiefeln misshandelt wird. Er ist unfähig zu handeln, schaut nur zu und kann später nicht aufhören, sich Vorwürfe zu machen. Nach und nach verschwinden und sterben Arons Familienmitglieder. Aron findet halb erfroren ein neues Zuhause im Kinderheim. Hier lernt der Leser Janusz Korczak kennen.
Herr Korczak ist ein angesehener Kinderarzt, der alles gibt, um seinen Kindern im Heim das Leben zu erleichtern. Er ist ein großer Mann, der an diesem grausamen Ort nie an sich selbst denkt und sein Leben täglich für die Kinder aufs Spiel setzt. Seine Biografie kann hier nachgelesen werden:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Janusz_Korczak
Hilfe bekommt er von einer Lehrerin, Stefania Wilczyńska, die das Kinderheim an seiner Stelle leitete während Herr Korczak in der ersten Weltkrieg eingezogen wurde. Ihre bemerkenswerte Biografie: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Stefania_Wilczyńska

"Aron und der König der Kinder" ist ein furchtbares Buch, es ist nur schwer zu ertragen und sollte auf keinen Fall zur Unterhaltung gekauft werden. Dass dieses Buch mir gefallen hat, kann ich nun wirklich nicht behaupten, aber ganz sicher hat es die Höchstwertung verdient. Janusz Korczak, Stefania Wilczyńska und alle Menschen, die im Warschauer Ghetto leiden mussten, sollten nie vergessen werden.


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Leben im Warschauer Ghetto, Janusz Korczak
Schreibstil: nüchtern, aus Kindersicht
Kritik: keine
Gesamtbewertung: schwer erträgliches und doch wichtiges Buch über das Leben im Warschauer Ghetto

Sonntag, 14. Februar 2016

Altes Land - Dörte Hansen

Erscheinungsdatum: 16. Februar 2015

Weitere Informationen
Das „Polackenkind“ ist die fünfjährige Vera auf dem Hof im Alten Land, wohin sie 1945 aus Ostpreußen mit ihrer Mutter geflohen ist. Ihr Leben lang fühlt sie sich fremd in dem großen, kalten Bauernhaus und kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechzig Jahre später plötzlich ihre Nichte Anne vor der Tür steht. Sie ist mit ihrem kleinen Sohn aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo ehrgeizige Vollwert-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen – und wo Annes Mann eine Andere liebt. Vera und Anne sind einander fremd und haben doch viel mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Meine Meinung

Vera flüchtet mit ihrer Mutter aus Ostpreußen zu Ida auf einen alten Bauernhof auf dem Vera ihr ganzes Leben verbringen wird. Nie wird sie vergessen, was sie auf dieser Flucht erlebt hat.

Ihre Nichte Anne lebt mit ihrem Sohn in Hamburg, zwischen perfekten Müttern, die
"wie gutmütige Familienhunde, die Schnuller und Trinkflaschen apportierten, die ihre Kleinkinder aus den Buggys warfen". Als ihre Ehe in die Brüche geht, bekommt auch sie Obdach im alten Bauernhof bei Vera.
"Flüchtlinge suchte man nicht aus, man lud sie auch nicht ein, sie kamen einfach angeschneit mit leeren Händen und wirren Plänen, sie brachten alles durcheinander."
Der Schreibstil des Buches ist einfach nur genial, der Einfallsreichtum von Dörte Hansen bei der Wortwahl ist in jeder Hinsicht bewundernswert. "Die Vögel weckten sie am Morgen, sie hörten sich hysterisch an, sie drehten durch, es war Frühling." 

Immer wieder ändert die Perspektive, springt von Vera, zu Anne, zum Nachbarn, zum Bauern oder zum Journalisten, einem von den "Sinnsucher aus der Stadt, die planlos durch die Gegend liefen" und von den Einwohner nicht immer mit offenen Armen empfangen werden. "Dirk zum Felde hatte die Schnauze voll von Idioten in teuren Gummistiefel, die unbedingt aufs Land ziehen mussten". Dörte Hansen teilt ironische und humorvolle Seitenhiebe in alle Richtungen aus. Jeder wird auf die Schippe genommen, um kurz darauf aus einer anderen Perspektive doch wieder ganz anders dargestellt zu werden.

Zwischendurch erfährt der Leser viel über das mühsame Leben auf dem Land, über die Stille im Winter, die wohltuend, aber auch deprimierend sein kann, über Streit in Familien, der aus starken Männern einsame Alte macht. Viele Sätze werden auf plattdeutsch eingeschoben und geben der Geschichte noch mehr Intensität, "allens schön schier".

"Altes Land" ist ein ruhiges, wunderbares Buch, für das man sich als Leser Zeit nehmen und auf das man sich einlassen sollte. Es ist ungewöhnlich und außergewöhnlich gut, ein Buch zum Genießen.


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Das Leben von Vera, einem Flüchtlingskind aus Ostpreußen
Schreibstil: anspruchsvoll
Kritik: keine
Gesamtbewertung: hervorragende, ruhige Geschichte mit kleinen Seitenhieben in alle Richtungen





Freitag, 12. Februar 2016

Des Tauchers leere Kleider - Vendela Vida

Erscheinungsdatum: 12. Februar 2016
Übersetzer: Monika Baark


Weitere Informationen
Erst in der Fremde können wir wirklich zu uns finden, heißt es. "Des Tauchers leere Kleider" erzählt die abenteuerliche Geschichte einer Frau, der nichts mehr geblieben ist, außer ihr Wille zu überleben. Einer Frau, die nach Casablanca reist, um sich schließlich nicht für die Vergangenheit, auch nicht für die Gegenwart, aber mit aller Entschiedenheit für die Zukunft entscheidet. Eine Amerikanerin reist überstürzt nach Casablanca. Der Grund für ihre Reise ist unklar. Kaum in ihrem Hotel angekommen, wird sie ausgeraubt. Die Polizei und die Hoteldirektion versuchen scheinbar, den Dieb zu fassen, haben sich aber eigentlich gegen die Amerikanerin verschworen. Auf der Polizeiwache wird ihr der Rucksack einer fremden Frau ausgehändigt, deren Identität sie annimmt. Vorübergehend, wie sie denkt, bis sich alles aufgeklärt hat. Doch einmal von der Last des eigenen Ich befreit, beginnt sie, Freude daran zu empfinden, sich von der Frau, die sie einmal war, immer mehr zu entfremden. Bis sie eine berühmte Hollywood-Schauspielerin kennen lernt und einen Schritt zu weit geht.

Meine Meinung

Die Geschichte der Frau, der am Tag ihrer Ankunft in Casablanca all ihr Geld und ihre Wertsachen geklaut werden und die danach ein neues Leben mit einer fremden Identität annimmt, hat dich fasziniert und du hast sofort begeistert bei diesem Buch zugegriffen.
Du fängst also an zu lesen. Nach ein paar Seiten bis du bereits genervt, immer dieses Du. Du willst es nicht mehr lesen, es ist als ob du selbst die Hauptperson wärst, aber so bist du doch gar nicht.
Du liest weiter, du hoffst, dass es besser wird, aber alles dauert, alles ist unwichtig, alles wird in Einzelheiten durchgekaut. Nicht nur das ewige Du nervt dich, auch der Rest des Schreibstils ist nicht sehr anspruchsvoll. Du magst das Du immer noch nicht, denn es lässt keinen Lesefluss aufkommen, weil es übertrieben angewendet wird.

Die Hauptperson, von der du nicht einmal den Namen kennst, ist dir unsympathisch, sie handelt unlogisch und würde nie mit diesen Handlungen durchkommen.

Und dann kommt endlich das Ende des Buches. Dieser Schluss gefällt dir gar nicht. Du hast den Eindruck in einem billigen Groschenroman gelandet zu sein und findest, dass die Geschichte etwas weit hergeholt ist. Du bist der Meinung, dass die Banalität der Geschichte lediglich hinter der ungewohnten Erzählform versteckt wird.

Du schließt das Buch und bist froh, es endlich hinter dir zu haben. Du hattest zu viel Hoffnung in dieses Buch gesetzt und wurdest enttäuscht. Nein, du magst dieses Buch nicht.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Flucht nach Casablanca, Identitätswechsel
Schreibstil: zweite Person
Kritik: nerviger Schreibstil, oberflächliche Geschichte
Gesamtbewertung: nicht sehr überzeugende Geschichte eine Frau, die fremde Identitäten annimmt







Sonntag, 7. Februar 2016

[Gastbeitrag von MrsUrlaub] All die verdammt perfekten Tage - Jennifer Niven

Erscheinungsdatum: 28. Dezember 2015
Übersetzer: Alexandra Ernst


Weitere Informationen
Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…

Meine Meinung

Getrieben von Selbstmordgedanken findet sich Theodore Finch auf dem Glockenturm der Schule wieder. Zur gleichen Zeit hat auch Violet die Idee zu springen. Durch ein eher einseitiges Gespräch von Finch entscheiden die zwei sich, weiterzuleben. Sie sind beide in psychologischer Behandlung und könnten doch nicht unterschiedlicher sein:
Violet, die allseits beliebte, fleißige und schöne Cheerleaderin, hat durch einen Unfall ihre Schwester verloren und möchte die Stadt so schnell wie möglich verlassen. Theodore ist lebensmüde und vom Tod fasziniert und macht eigentlich nur das, was er will.

Durch ein gemeinsames Schulprojekt bei dem sie außergewöhnliche Orte in Indiana besuchen sollen, lernen sie sich kennen. Und merken, dass sie doch nicht so verschieden sind.

Beim Lesen des Klappentextes könnte man glauben, dass es sich in diesem Buch fast ausschließlich um das Thema Suizid handelt. Aber es geht um so viel mehr: um Liebe, um Streit, um Familie, um Freunde, um Schule, um Ängste, um Tod, aber vor allem um das Leben. Finch zeigt, wie schön das Leben sein kann, wenn man auch mal Risiken eingeht und Neues ausprobiert. Die Charaktere, besonders Finch, hat man schnell ins Herz geschlossen, weil sie trotz ihren Fehlern, sehr sympathisch und echt wirken. Die Autorin schafft es ohne viel Kitsch und Klischee über Selbstmordgedanken zu schreiben. Sehr interessant fand ich außerdem die Fakten über Selbstmorde in Amerika, die der wissbegierige Finch kannte. Das Buch "All die verdammt perfekten Tage" kann ich nur empfehlen, es regt zum Nachdenken an und zeigt das Leben, so wie es ist: mit Höhen und Tiefen.


Kurzbewertung für Eilige

Thema: Selbstmord, Liebe, Tod, Leben
Schreibstil: flüssig, abwechselnde Perspektive (Finch/Violet)
Kritik: keine
Gesamtbewertung: berührender Jugendroman mit sympathischen Charakteren


Diese Rezension ist mein allererster Gastbeitrag und habe bis jetzt auch nur sehr wenig Erfahrung mit Bücherbewertungen. Beim Lesen saß ich hochkonzentriert mit Block und Stift bewaffnet am Arbeitstisch und habe mir fleißig Notizen gemacht. Ich merkte schnell, dass es so kein Spaß macht und ich mich in Schulzeiten zurückversetzt fühlte. Den Rest las ich dann abwechselnd auf der Couch, im Bett oder in der Badewanne. Lesen soll Spaß machen und ich bin um eine Erfahrung reicher. Vielen Dank, dass ich das Buch lesen und eine Rezension auf deinem Blog schreiben durfte. MrsUrlaub.

Danke für All die verdammt perfekten Tage an BloggDeinBuch und an den Verlag Limes. Danke an MrsUrlaub für die Bewertung.



 



Freitag, 5. Februar 2016

Die Europäer - Henry James

Erscheinungsdatum: 21. September 2015
Ersterscheinung: 1878
Übersetzer: Andrea Ott


Weitere Informationen
Ohne Geld, aber im Vertrauen auf eine gute Partie reisen Baronin Eugenia Münster und ihr Bruder Felix Young nach Neuengland. Mit Adelstitel und Charme umgarnen die beiden rasch ihre Verwandtschaft, den Onkel samt seinen drei erwachsenen Kindern. In wechselnden Paarungen konkurrieren Temperamente und Vorstellungen der Alten Welt mit Werten und Moral der Neuen. Wer sich am Ende an wen bindet, entscheidet sich nach einem quirligen Reigen transatlantischer Beziehungen, der einen neuen Blick auf beide Kontinente und nicht zuletzt auf den großen Autor selbst ermöglicht. Für seine eleganten, doch oft irritierend komplexen Romane berühmt, zeigt er sich in diesem Fundstück als lustvoller Matchmaker mit Tiefgang.

Meine Meinung

Baronin Eugenia Münster reist mit ihrem Bruder Felix aus Europa nach Amerika. Schon am Tag ihrer Ankunft empfindet die Baronin das Land als so düster und furchtbar, dass sie am liebsten sofort wieder abgereist wäre. Ihr Bruder ist ein fröhlicher und optimistischer Mensch. Er kann sie überzeugen zu bleiben und Bekanntschaft mit ihrer amerikanischen Familie zu machen.

So unterschiedlich wie die beiden Europäer sind auch ihre amerikanischen Verwandten. Mr Wentworth ist Puritaner, sein Sohn muss wegen Trunkenheit sein Studium pausieren, die älteste Charlotte Tochter benimmt sich tadellos, doch die junge Tochter Gertrude wird als komisch angesehen. Sie schwänzt den Kirchgang, weil der Himmel blau ist und lässt sich nicht durch Konventionen bevormunden.
Regelmäßige Besucher im Haus von Mr Wentworth sind der Cousin Acton, der in China zu Reichtum gekommen ist, dessen wunderschöne Schwester sowie ein Geistlicher, Mr Brand.

Henri James beobachtet diese Familie und beschreibt sehr treffend, was sie denken oder wie sie ihren Tag verbringen. Gearbeitet wird in diesem Roman kaum. Felix ist Maler und zeichnet fleißig, er ist der einzige der ganzen Gruppe, der arbeitet und gilt doch als Bohemien. Alle anderen verbringen ihre Zeit mit Spaziergängen, gegenseitigen Besuchen und vielen Gesprächen. Als Leser erfährt man kaum etwas über das Leben im damaligen Amerika und gar nichts über das in Europa.

Baronin Eugenia wird als kluge Frau beschrieben, die Dialoge, die sie sich mit ihren Mitmenschen liefert sind dementsprechend und ein Genuss für den Leser. Die verschiedenen Gespräche sind der Höhepunkt dieses Buches, ansonsten ist es leider ziemlich flach. Die Personen bleiben in allen Lebenslagen immer gleich, Felix ist stets gutgelaunt, Charlotte grüblerisch und der Familienvater immer leicht deprimiert.

"Die Europäer" kann als Analyse oder als Bericht des Aufenthaltes von Baronin Eugenia in Boston angesehen werden. Spannung kommt keine auf. Ich habe das Buch als interessant empfunden und besonders die Dialoge gerne gelesen. Allerdings hatte ich von Henry James deutlich mehr erwartet.



Kurzbewertung für Eilige

Thema: Vergleich zwischen dem Lebenswandel von Europäern und Amerikanern
Schreibstil: anspruchsvoll
Kritik: weder hervorragender Schreibstil noch eine besondere Geschichte
Gesamtbewertung: hoffentlich eines der weniger guten Bücher von Henry James




Donnerstag, 4. Februar 2016

Isarlauf - Bettina Plecher

Erscheinungsdatum: 22. Januar 2016



Weitere Informationen
München im Herbst, die Stadt ist im Marathonfieber. Als ein Läufer im Olympiapark zusammenbricht und stirbt, deutet alles auf Herzversagen hin. Toxikologe Quirin Quast und seine junge Kollegin Frieda May aber finden im Blut des renommierten Psychiaters einen ganz und gar tödlichen Medikamenten-Mix. Wer hätte Grund gehabt, dem Mann nach dem Leben zu trachten?
Dann tauchen im Nachlass des Toten Fotos schlafender Frauen auf. Viele Fotos. Hat sich der Psychiater bei der Behandlung seiner Patientinnen krimineller Methoden bedient? Auf der Suche nach einer Antwort finden Quirin und Frieda heraus, dass der Tote nicht der einzige Mediziner in der Stadt war, der unorthodox arbeitete …

Meine Meinung

Bei einem Marathon in München bricht ein Mann zusammen. Nachdem die Sanitäter ihm geholfen haben, greift er sie an und stirbt kurze Zeit später, anscheinend an einem Herzinfarkt.
Quirin Quast will sich nicht einmischen. Er hat bereits einen Namen als Querulant in seinem Krankenhaus und soll möglichst unauffällig seiner Arbeit nachgehen, ohne weiteren Ärger anzuziehen. Als der Mann umkippt, überlässt er ihn also den Sanitätern. Als später der Verdacht aufkommt, der Psychiater könnte ermordet worden sein, treiben ihn seine Mitbewohnerin Frieda und seine Neugier dazu, immer weitere Puzzlestücke zu sammeln, um herauszufinden was passiert ist.

Ein erstes Puzzlestück finden sie, gut versteckt, im Zimmer des Toten: Einen Stapel mit Fotos von schlafenden Frauen. Warum hat der Psychiater diese Frauen heimlich fotografiert?

Der Schreibstil von "Isarlauf" ist leicht zu lesen und vor allem fesselnd. Die Geschichte wird aus der Sicht der beiden Ermittler erzählt, der Leser begleitet dabei abwechselnd Quirin und Frieda, oder beide zusammen, die sehr neugierig sind und sich ohne Rücksicht auf Verluste in Ermittlungen stürzen. Für den Leser wird das sehr spannend und aufregend.

"Isarlauf" ist ein ganz besonderer Krimi, der fast ohne Polizei auskommt. Ein Toxikologe und eine Internistin ermitteln auf ihre ganz spezielle Art, völlig unkonventionell und ohne sich an irgendwelchen Vorschriften zu halten. Das Buch hat mich gut unterhalten und ich kann es gerne weiterempfehlen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: psychoaktive Pilze, Klinik, Mordermittlungen
Schreibstil: flüssig und angenehm
Kritik: keine
Gesamtbewertung: ungewöhnlicher und spannender Kriminalroman mit einem Toxikologen und einer Internistin als Ermittler





Sonntag, 31. Januar 2016

Die Frauen meiner Familie - Tanja Weber

Erscheinungsdatum: 11. Januar 2016


Weitere Informationen

Die 38-jährige Elsa ist Kunsthistorikerin und soll einem Diebstahl nachgehen. Es ist ein ganz besonderer Auftrag, denn es handelt sich um ein Gemälde, das Elsas Familie seit Generationen gehörte und der Familienlegende nach ihre Urgroßmutter Anneli Gensheim darstellt. Elsas Vater hatte das Gemälde jedoch vor einigen Jahren an ein Auktionshaus veräußert. Auf der Suche nach dem verschwundenen Bild taucht die Kunsthistorikerin immer tiefer in ihre eigene geheimnisvolle Familiengeschichte ein und entdeckt so nicht nur die wahre Identität der Frau auf dem Gemälde, sondern auch, wer ihre Urgroßmutter Anneli wirklich war …

Meine Meinung

Elsa arbeitet als Kunsthistorikerin bei einer Versicherung. Bei einem Raub wird das Bild "Mon amour" gestohlen, das bei ihrer eigenen Großmutter im Haus hing und das die Urgroßmutter als junges Mädchen darstellen soll. Elsa ermittelt, wie dieses Bild eines jüdischen Malers in den Besitz ihrer Familie kam und möchte wissen, welche Verbindung es zwischen ihrer Urgroßmutter und dem Maler gab.

Die Handlung wechselt zwischen Elsas Perspektive im Jahr 2014 und Anneli, ihrer Großmutter, die als junges Mädchen mit allen Mitteln versucht, Journalistin zu werden.

Wenn die Handlung zu Anneli in die Vergangenheit wechselt, fühlte ich mich als Leser gleich mit ins München dieser Zeit versetzt. Durch die Beschreibungen ihrer Umgebung, ihrer Mitmenschen und deren Ansichten bekommt der Leser eine Ahnung von der Stimmung dieser Jahre. Zuerst war es eine unbeschwerte Zeit für die junge Anneli, sie arbeitet, sie heiratet und ist immer umgeben von sehr toleranten Menschen. Mit den Kriegen wechselt die Stimmung immer mehr, zuerst zu Sorgen, zu Angst und dann zu blankem Entsetzen.
Elsa findet sehr viel durch alte Fotos, Zeitungsausschnitte und Polizeiakten über ihr Bild heraus und es ist interessant, ihr bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Allerdings weiß der Leser, der sich auf Zeitreise begeben hat, deutlich mehr Einzelheiten.


"Die Frauen meiner Familie" ist eine ruhige und sehr vielschichtige Familiengeschichte, die durch seine lebendigen Beschreibungen von München in den verschiedensten Zeiten begeistert und mit seinen realistischen Personen punkten kann. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich werde gerne weitere Bücher von Tanja Weber lesen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Recherche über ein Bild, München im Laufe der Zeit
Schreibstil: bildhaft und lebendig
Kritik: ein paar Fragen werden nicht beantwortet
Gesamtbewertung: vielschichtige Familiengeschichte mit lebendigen Beschreibungen und realistischen Personen










Freitag, 29. Januar 2016

Leserunden im März auf Leserunden.de

Im März gibt es viele interessante Leserunden mit Autoren auf Leserunden.de. Zu jeder Leserunde gibt es zudem Freiexemplare, die nach diesen Regeln an Mitleser verteilt werden.

04.03. Marie Jansen - Als wir Schwestern waren
04.03. Andrea Schacht - Die Nacht, in der der Kater sang
04.03. Nina Blazon - Feuerrot 
 Ein mysteriöser Gast kommt ins Haus des Ravensburger Kaufmannes Humpis. Schon am ersten Tag flirtet Lucio mit der schönen Magd Magdalene. Doch er ist ihr nicht geheuer, in seinen Bernsteinaugen lodert ein gefährliches Feuer. Ihre Ahnung soll sie nicht täuschen: Als sie nicht auf Lucios Verführungskünste hereinfällt, nennt er sie eine Hexe. In Zeiten der Inquisition kommt dies einem Todesurteil gleich ...






11.03. Kiera Brennan - Die Herren der grünen Insel
11.03. Sabina Naber - Flamencopassion
11.03. Verena Reinhardt - Der Hummelreiter Friedrich Löwenmaul
18.03. Eric Berg - Die Schattenbucht
 Ohne ersichtlichen Grund und ohne emotionale Regung springt Marlene Adamski vom Balkon ihres Hauses in die Tiefe. Sie überlebt, spricht seither jedoch kein Wort mehr. Psychologin Ina Bartholdy findet keine Erklärung für das Verhalten der 62-jährigen Bäckersfrau, doch der Fall lässt sie nicht los. Sie fährt ins mecklenburgische Prerow, um nach ihrer Patientin zu sehen.

Marlene wird scheinbar liebevoll umsorgt. Stets sind Freunde im Haus, nie ist Marlene allein. Doch der »Freundeskreis« der Adamskis macht Ina stutzig, es scheint so gar keine Gemeinsamkeiten zu geben… Was verbindet diese Menschen? Und was haben sie mit den merkwürdigen Todesfällen zu tun, die sich in ihrem Umfeld häufen?

18.03. Sabine Weiß - Die Feinde der Hansetochter
18.03. Isabel Beto - Im Land des Wassermondes
25.03. Iris Grädler - Am Ende des Schmerzes
25.03. Nicole Godzek - Die Magie der Namen
 Der 16-jährige Nummer 19 träumt insgeheim davon, als Erwachsener ein Held und bedeutender Name zu werden. Die 19 hat ihm in seinem Leben bisher kein Glück gebracht. Doch als der Tag der Namensgebung endlich gekommen ist, lösen sich seine Hoffnungen in Unglauben auf. Er erhält einen Namen, den keiner zu kennen scheint. Wer ist dieser Tirasan Passario, dessen Namen er für den Rest seines Lebens tragen wird? Nur das große Namensarchiv in der Hauptstadt Himmelstor kann ihm Auskunft geben. Gemeinsam mit dem Krieger Rustan Polliander und dessen Freunden macht er sich auf in die weit entfernte Stadt. Doch die Reise entpuppt sich als gefährlicher als erwartet. Namenlose und dunkle Verfolger trachten der Gruppe nach dem Leben. Und auch sein eigener Name hält noch einige Überraschungen für Tirasan bereit ...

Donnerstag, 28. Januar 2016

Die Nacht des Zorns - Fred Vargas

Erscheinungsdatum: 12. März 2012
Übersetzer: Waltraud Schwarze

Weitere Informationen
Glühend steht die Sonne über Paris, als eine verängstigte Dame Kommissar Adamsberg aufsucht: Ihre Tochter Lina hat das „Wütende Heer“ gesehen – der Legende nach kündigt dieser Geisterzug Todesfälle an. Vier Opfer sah Lina in dem Heer, und als der erste Mann spurlos verschwindet, zögert Adamsberg nicht lange. Er bricht in die kühlen Wälder der Normandie auf, wie immer geleitet allein von seiner Intuition. Bevor er die Fährte jedoch aufnehmen kann, wird ein Anschlag auf einen einflussreichen Pariser Geschäftsmann verübt, man ruft ihn zurück. Kaum aber hat der Kommissar dem Städtchen Ordebec den Rücken gekehrt, erfüllt sich Linas Vision erneut. Adamsberg ist sicher: Jemand bedient sich des mittelalterlichen Mythos, um ungestört zu morden. Für den Kommissar beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit

Meine Meinung

Adamsberg und seine ungewöhnliche Truppe ermitteln in der Normandie. Diesmal hat Adamsberg es  mit einem wütenden Heer zu tun, eine Gruppe von Toten, die durch den Wald ziehen und denjenigen den Tod bescheren, die ihn verdienen, weil sie für eine Straftat nie zur Rechenschaft gezogen worden sind, Mörder die nicht ertappt wurden, bösartige, hinterhältige Menschen oder Tierquäler.

Adamsberg glaubt natürlich nicht an diese Legende und auch nicht an die Visionen einer Frau. Er sucht den Mörder nicht unter den Toten, die im Wald herumgeistern sollen, sondern ganz banal unter den Dorfbewohnern.

Auf den ersten Seiten des Buches war ich ein bisschen enttäuscht, weil das Schema dieser Geschichte dem von "Das barmherzige Fallbein" ähnelt. In beiden Fällen überlässt Adamsberg sein Kommissariat und die Entscheidungsgewalt seinen Kollegen, um sich einer anderen Spur, einem anderen Fall zu widmen. Aber diese Enttäuschung war schnell verflogen und die Geschichte konnte mich durch ihre Außergewöhnlichkeit, ihren poetischen Schreibstil und die vielen ausgearbeiteten Personen begeistern.

"Die Nacht des Zorns" ist ein Krimi, der auf einer Legende basiert. Er schafft es trotz eines eher verträumten Kommissars, dem Leser eine sehr bodenständige, überzeugende und auch realistische Ermittlung zu bieten. Das Buch hat mich vollkommen überzeugt und ich freue mich darauf, weitere Bücher von Fred Vargas zu lesen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Ermittlungen in der Normandie, die auf einer Sage basieren
Schreibstil: poetisch und schön
Kritik: keine
Gesamtbewertung: vollkommen überzeugende Kriminalgeschichte, sehr gute Unterhaltung






Dienstag, 26. Januar 2016

Nicht bloggen, sondern bloggen lassen!


Bei meinen Streifzügen durch das große weite Internet bin ich auf diese Aussage gestoßen:

"Die meisten Blogger schreiben gar nicht selber, sondern lassen ihre Beiträge von Textern verfassen."

Ich habe mich also auf die Suche gemacht und bin auf sehr viele verschiedene Plattformen gestoßen, auf denen Texte gekauft werden können.


Die verschiedenen Plattformen

Content.de, textbroker.de oder contentworld.de sind nur ein paar Beispiele. Bei Content.de und Textbroker geben Auftraggeber mehr oder weniger genau an, was sie als Text benötigen und der Texter schreibt genau für diesen Auftrag einen Text, den es so im Internet noch nicht gibt. Unique content, also. Bei contentworld.de schreibt der Texter, was ihm gerade durch den Kopf geht und bietet diesen Text danach zum Verkauf an.

Ich habe Content.de und Textbroker getestet, von der Schreiberseite her. Einen Bericht aus der Kundensicht gibt es hier: http://philiseo.de/erfahrungsbericht-textbroker/


Wie wird man zum Texter?

Nach der Anmeldung muss ein Probetext geschrieben werden. Bei Content.de sollte ich einen Reisebericht verfassen, bei Textbroker durfte ich mein Thema frei wählen. Ich habe also einen einzigen Text geschrieben und ihn auf beiden Plattformen hochgeladen. Nach ein paar Tagen kam die Ernüchterung. Content.de stuft mich 2 Sterne ein, also die niedrigste Kategorie, Textbroker ist gnädiger und verpasst mir 3 Sterne.


Was wird gefragt?

Sehr viele Auftraggeber bestellen Produktbeschreibungen, aber es werden auch sehr spezifische Beiträge gefragt, zum Beispiel über Gehhilfen, Treppenlifte, Polstergruppen, über Versicherung kündigen und zu verschiedenen Handwerksmaschinen. Natürlich ist auch immer wieder Werbung gefragt. Manche Auftraggeber formulieren ihre Angaben nett und respektvoll, andere kommandieren herum und verlangen für Aufträge unter 5 Euro zig Formatierungen oder Platzhalter für Bilder. Aber glücklicherweise sitzt der Schreiber am langen Hebel. Bei einem Total von über 2000 Aufträgen, kann sich niemand über einen Mangel an Arbeit beschweren.


Die Bezahlung der Texte

Beschweren können sich die Texter allerdings über die Bezahlung. Bei 2 Sternen gibt es bei Textbroker pro Wort 0,7 cent, bei 3 Sternen 0,95 Cent, 4 Sterne werden mit 1,30 Cent pro Wort bezahlt und in der höchsten Kategorie werden 4 Cent pro Wort einkassiert. Die meisten Aufträge gibt es in der 4-Sterne-Kategorie, allerdings gibt es auch für niedriger klassierte Schreiber immer genug zu tun. Ich denke, wer einen 4-Sterne-Auftrag eingibt, muss deutlich länger warten, bis sein Auftrag ausgeführt wird, als in den unteren Kategorien. 
Content.de bezahlt ein paar Cent mehr, allerdings konnte ich die Plattform nur sehr wenig testen. Die 2-Sterne-Kategorie hatte an einem einzigen Tag ein paar Aufträge, ansonsten herrschte da gähnende Leere.


In Teams schreiben 
 
Wem diese Bezahlung zu niedrig ist, der kann sich in Teams bewerben. Einmal angenommen, gibt es immer wieder Aufträge zu verschiedenen Themen, die unabhängig von der Einstufung des Texters bezahlt werden. Auftraggeber haben durch die Teams den Vorteil, dass sie diese Texter kennen und sich auf die Qualität der gelieferten Texte verlassen können.


Welche Qualität haben die Texte?

Als Auftraggeber möchtest Du natürlich wissen, ob brauchbare Texte geliefert werden. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Meine Texte wurden bisher immer sofort angenommen und auch positiv bewertet. Ich weiß von vielen Textern aus der 3-Sterne-Kategorie, die sich viele Mühe mit jedem Text geben, um irgendwann höher eingestuft zu werden. In den oberen Kategorien müssen die Schreiber sich natürlich auch abmühen, um nicht wieder heruntergewertet zu werden. Hier gibt es einen Test über die Qualität der Texte: http://philiseo.de/erfahrungsbericht-textbroker-teil-2-qualitaet-der-inhalte/


Und wie ist es mit dem Bloggen?

Schlussendlich bin ich auf sehr wenige Aufträge gestoßen, die auf traditionellen Blogs angewendet werden. Die meisten Texte werden für offensichtliche Verkaufsportale bestellt, die über ihre Produkte informieren möchten. Es gibt natürlich auch ein paar Blogger, die Texte bestellen, sie waren während meiner Testzeit allerdings eher selten. Wer wirklich auf eine regelmäßige Veröffentlichung auf seinem Blog pocht, findet auf den Portalen für wenig Geld immer jemanden, der für ihn bloggt.