Sonntag, 8. November 2015

Die erstaunliche Wirkung von Glück - Susann Rehlein

Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2015


Weitere Informationen
Eine skurrile Hausgemeinschaft, eine bezaubernde Außenseiterin und die große Liebe.
Dorle lebt im Souterrain eines herrschaftlichen Hauses, in dem sonst nur wohlhabende, knarzige alte Leute wohnen. In Heimarbeit steckt sie für eine Kronleuchtermanufaktur Kristalle zusammen. Und sie lässt sich von ihren Nachbarn als Concierge missbrauchen, obwohl sie gar nicht die Concierge ist.
Doch Dorle ist genügsam und zufrieden mit ihrem Leben. Ganz im Gegensatz zu Annegret Sonne, vierundachtzig und voller Lebenslust. Als Frau Sonne sich zu einer dreimonatigen Reise aufmacht, bittet sie Dorle, ihre Wohnung zu hüten. Schnell wird klar, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Wohnung handelt. Sie hat angeblich eine Aura, es lebt ein Kater darin, der Dinge kann, die normale Kater nicht können und per Fax treffen Aufgaben für Dorle ein, die sie an den Rand des Wahnsinns bringen. Sie muss zum Sport, zu jemandem unfreundlich sein und kochen. Sogar Dates hat sie plötzlich. Gut, die Männer sind alle über achtzig, aber sie verstehen etwas von der Liebe. So hat Joe, Dorles einziger Freund, alle Hände voll zu tun, um im Rennen zu bleiben.

PS: Wurde Henriette Schräubchen schon erwähnt? Nur so viel: Sie hat rosa Haare, kann Gedanken lesen und spielt eine nicht unwesentliche Rolle in dieser Geschichte.

Meine Meinung

Dorle lebt in einer Kellerwohnung, die Wohnungen über ihr sind von älteren Menschen bewohnt, die Dorle immer wieder und ganz selbstverständlich für ihre Dienste einspannen. Auch wenn sie Frust ablassen wollen oder aus purer Langeweile ein paar Gemeinheiten loswerden müssen, wenden sie sich an Dorle, die alles mit sich gefallen lässt und nicht daran denkt, ihre Situation zu verändern.

Als Dorle von Frau Sonne beauftragt wird, deren Wohnung zu hüten und ein paar Aufgaben zu erledigen, lehnt Dorle selbstverständlich nicht ab, auch wenn manches ihr etwas komisch erscheint. Erst nach und nach merkt Dorle, dass sie nicht für Frau Sonne arbeitet, sondern an sich selbst und an ihrem Glück, das sie in teuren Restaurants, Massagesalons, dicken Teppichen und bezahlter Begleitung findet.

Das ist auch schon meine erste Kritik, dieser Luxus, den Dorle sich mit ihrer Heimarbeit nie wird leisten können und der in diesem Buch als eine der Haupttherapien für Glück angepriesen wird. Darauf hätte ich verzichten können. Glück durch Konsum und Glück durch Geld gaukelt die Werbung uns täglich vor, das kennt die Menschheit. Billigere Glücksmomente hätten mir besser gefallen. Natürlich ist ihr plötzlicher Reichtum spektakulär, ihr Fall später, wenn sie wieder mit ihrem eigenen Gehalt klarkommen muss, wird umso tiefer sein.

Aber darauf geht das Buch nicht ein. Wie in Weihnachtsbüchern oder Märchenbüchern werden aus grantigen alten Einzelgänger Freunde, Dorles Probleme, die sie seit ihrer Kindheit mit sich schleppt, werden in Kürze gelöst ganz ohne Probleme, ganz ohne Therapie. Ich mag diese Art Bücher nicht. Sie sind unrealistisch und vorhersehbar.

Gut gefallen haben mir die Emotionen, die Dorle durchläuft. Sie werden intensiv und glaubhaft beschrieben. Dorles Gefühle, ihre Trauer, ihre Wut, ihr Zorn und ihre Liebe wird niemanden kalt lassen. Auch die verschiedenen Personen ihrer Umgebung, die einsamen und traurigen Alten, die fiesen Klatschbasen und nörgelnde Nachbarn werden wunderbar beschrieben. Allerdings fand ich den Schreibstil als etwas anstrengend zu lesen, weil ich immer konzentriert lesen musste, um nicht zu verpassen, wer was sagte. Manches musste ich ein zweites Mal lesen, was den Lesefluss störte.

"Die erstaunliche Wirkung von Glück" ist ein Buch von dem man sich verzaubern lassen sollte, ohne nach zu denken und ohne zu analysieren. Empfehlen kann ich es jedem, der diese Art von Büchern mag.

Kommentare :

  1. Du sprichst da einiges an, was ich genauso denke! Durch Geld kann man sich kein Glück uafen! Außerdem...was arbeitet Dorle eigentlich, außer diese Kristalle zusmamenzubauen? Es wurde im Buch nie erwähnt, dass sie nicht fähig wäre zu arbeiten oder so. Leider hat mir der Roman nicht wirklich gut gefallen und meine rezi kommt in den nächsten Tagen.
    Liebe Grüße
    Martina

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  2. Mich konnte das Buch leider auch nicht begeistern. Fiel mir richtig schwer, dazu eine Rezension zu schreiben.
    LG, Bianca

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