Mittwoch, 15. Juli 2015

Sucht - Simon Borowiak

Erscheinungsdatum: 10. März 2014

Weitere Informationen
Cromwell hat sieben Hausärzte am Start, die nichts voneinander wissen und ihm reichlich Aufputsch- und Beruhigungsmittel verschreiben. Das geht natürlich nicht ewig gut, und so beschließen seine Freunde, den Tablettensüchtigen zur Entgiftung in die Klinik einzuweisen.

Simon Borowiak gelingt das Meisterstück, über das Innenleben einer psychiatrischen Notaufnahme, über die Abgründe von Süchtigen und die Schmerzen der Depression so schreiben, dass jede Zeile Spaß macht. Denn Borowiak erzählt von eigenen leidvollen Erfahrungen, weiß aber sehr genau: Die schlimmsten Dinge im Leben kann man nur als Komödie erzählen.

Meine Meinung

Cromwell lässt sich vom zig Hausärzten Medikamente verschreiben, doch irgendwann wirken selbst die stärksten Kracher nicht mehr. Seit neunzig Stunden versucht er vergeblich zu schlafen und ist mittlerweile so verzweifelt, dass er sich freiwillig von seinen Freunden in eine Klinik bringen lässt.

Abwechselnd erzählen Cromwell und sein Freund, der trockene Alkoholiker Schlomo vom Leben in der Entzugsklinik. Nebenbei gründen sie zusammen mit einem blinden Freund eine Detektivagentur, spionieren einem sadistischen Lehrer hinterher und versuchen einen Mord aufzuklären. Der Haupterzählstrang bleibt jedoch immer die Suchtklinik, die Hoffnungen, die sich die Patienten machen ("Wenn ich hier raus bin, sehen die mich nie wieder"), die Hochs und Tiefs, die durchgemacht werden, die Freundschaften und Feindschaften, die entstehen. Sie erleben die Risiken, die ein Rückschlag mit sich bringen kann, sei es durch die erneuten Strapazen des Entzugs mit allen körperlichen und psychischen Leiden oder durch den Tod. Denn auch wenn mit Humor erzählt wird und die Stimmung auf der Entzugstation bisweilen sehr gut ist, bleibt doch immer klar, dass jede Sucht, die in einer Entzugsklinik behandelt wird, lebensgefährlich ist.

Der Schreibstil ist sprachgewaltig und nicht leicht zu lesen. Einen Abschnitt habe ich mehrmals gelesen, aber außer, dass Schlomo einen hochintellektuellen Wutausbruch mit Rundumausschlag wegen schlechter Musik hatte, konnte ich nicht nachvollziehen, was der Autor damit sagen wollte.

Simon Borowiak hat ein beeindruckendes Buch über Süchte geschrieben, das diese weder verdammt, noch verharmlost, sondern auf humorvolle und deutliche Weise beschreibt. "Sucht" verdient sehr viel Aufmerksamkeit und ich kann das Buch nur empfehlen.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen