Samstag, 18. Juli 2015

Bücherblogs und Blogleser

Bücherblogs haben ein Problem. Die Leser! Blogleser, die reinen Leser, die puren Leser, Leser die keinen eigenen Blog haben, Leser die nicht von Verlagen mit Rezensionsexemplaren überhäuft werden. Es gibt sie nicht. Oder fast nicht. Auf jeden Fall sind sie sehr selten, denn Buchbewertungen werden nicht mühsam über Google gesucht. Wenn ein Nichtblogger wissen möchte, wie gut das neuste Buch von seinem Lieblingsautor ist, schaut er sich die Bewertungen auf Amazon an, vielleicht auch noch in einem der grossen Bücherforen. Manche schaffen es auf einen Blog, ein Schauspiel das den Blogger entzückt und bei dem er sein Glück kaum fassen kann, wenn diese seltene Gattung sich mit einem bleibenden Kommentar verewigt.

Doch was möchte dieser Leser auf einem Blog lesen? Ellenlange literarische Abhandlungen oder will er bloß schnell wissen, ob ein Buch sehr, sehr toll ist? Kompliziert. Genügt nicht ein kleines Sternebildchen? Braucht man als Blogger überhaupt Leser? Das Höchste beim Bloggen, der Orgasmus des Bloggens ist die hohe Klickzahl und die erreicht der Blogger nicht durch Buchbewertungen oder durchdachte Texte, sondern durch Bloggeraktionen, Bloggen für Blogger sozusagen, ein gemeinsames, gegenseitiges Hochtreiben der Klickzahlen, die den Verlagen vorgaukeln, ihre Rezensionsexemplare wären in guten Händen und würden die Verkaufszahlen in die Höhe schnellen lassen.

Lassen sie auch. Trotz allem. Wenn auch nicht auf dem einzelnen Blog, so bringt die breite Streuung der Bewertungen einen Effekt. Der Ritterschlag eines einzelnen Bloggers bewirkt nicht viel, doch viele Blogger, die ein Buch sehr, sehr toll finden, lassen ein Buch sehr, sehr gut verkaufen.

Bücherblogs sind unwichtig, wichtig sind die Blogger, die ihre literarischen Ergüsse durch die Internetwelt streuen. Blogger, die geübte Texte schreiben und überzeugend loben können, sind genauso begabt, ein Buch in den Boden zu stampfen. Diese ehrliche Meinung ist interessant für den Leser, selbst für den nichtbloggenden Leser. Sie zeigt, dass der Blog keine weitere Werbeplattform für Verlage ist, dass er keinen vordefinierten Werbetext weitergibt, dass der Blogger nicht pro bejubeltem Buch Geld verdient und jeden Schrott lobpreist, um die Kassen klingeln zu lassen.
Also. Schreibt ehrlich. Schreibt Verrisse.

1 Kommentar :

  1. Hey :)

    Es passiert mir zwar nicht sehr oft, dass ich ein Buch wirklich schlecht finde, aber ich hab kein Problem damit, das auch zu schreiben. Wie du es treffend auf den Punkt bringst: Es geht ja auch um Authentizität beim Bloggen.

    Liebe Grüße
    Ascari

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