Freitag, 31. Juli 2015

Helden in Schnabelschuhen - Anselm Neft

Erscheinungsdatum: 18. August 2014


Weitere Informationen
Max und Katja haben gerade ihr Philosophiestudium abgeschlossen und wissen viel, nur nicht, was sie nun machen sollen. Als Katjas Cousin den beiden vorschlägt, mit der Mittelalterband "Kobold" auf Tour zu gehen, sagen sie zu. Bald schon tragen die beiden als "Theoprastus Bombastus von Witterschlick" und "Sancta Benedicta – Wanderpäpstin und Gegenhure" wallende Gewänder und schmucke Schnabelschuhe. Die sommerliche Deutschlandtour wird nach anfänglichem Chaos zu einem vollen Erfolg, doch zwischen dem übergewichtigen Max und Katja stimmt bald gar nichts mehr, ihre Beziehung wird täglich komplizierter.

Meine Meinung

Max ist ein intelligenter, deprimierter und übergewichtiger junger Mann mit abgeschlossenem Philosophiestudium, der keinen Plan hat, wie es mit seinem Leben weitergehen soll. Mehr oder weniger freiwillig schliesst er sich mit Katja einer mittelalterlichen Musiktruppe an. In Katja ist er verliebt, traut sich aber nicht, es ihr zu sagen.

Die Reden von Katja zwischen den Musikstücken beim Auftritt der Musikgruppe waren die Höhepunkte des Buches. Sie hat eine furchtlose, freche Art, den Zuschauern ihre Ideen zu erzählen, Philosophie selbst auf Mittelaltermärkten einzubringen und Menschen damit in den Bann zu schlagen und die Leser mit ihren Gedanken zu faszinieren.

Max war mir nicht sympathisch. Sein destruktiver Humor hat mir nicht gefallen, das alles zertrampeln und schlecht reden, sein ewiges Gejammer und sich selber Leid tun hat mich genervt. Ich weiss, er hat Depressionen, aber für eine fiktive Romanfigur mache ich mir keine Mühe, Verständnis aufzubringen. Seine Gedanken sind genau so philosophisch wie die seiner Freundin Katja, doch seine sind noch schräger, und wenn er gerade unter Alkohol oder Drogen steht, nur noch sehr schwer verständlich.

"Helden in Schnabelschuhen" ist ein Buch für Freunde von Mittelaltermärkten und von Philosophiefans. Ich hatte meine Freude an manchen schönen Sätzen, manchen Ideen, und den vielen coolen Sprüchen, aber so richtig konnte der Funke nie überspringen.

Mittwoch, 29. Juli 2015

Rückblick auf den Man Booker Prize 2014 (deutsche Übersetzungen)

Heute wurde die Longlist des Booker Preises veröffentlicht. Von den nominierten Büchern sind im Moment erst drei Bücher auf deutsch erhältlich. Deshalb ist es interessant einen Blick zurück zu werfen.

Gewinner  
Richard Flanagan - The Narrow Road to the Deep North
Der schmale Pfad durchs Hinterland (September 2015)
»Ein tiefgründiges und bewegendes Meisterwerk über einen verzweifelten jungen Mann in Zeiten des Krieges«, urteilt der Observer. Preisgekrönt entfachte Richard Flanagans Roman weltweit einhellige Begeisterung: Sein Held ist Dorrigo Evans, ein begabter Chirurg, dem eine glänzende Zukunft bevorsteht. Als der Zweite Weltkrieg auch Australien erreicht, meldet er sich zum Militär. Doch der Krieg macht keine Unterschiede, und während Dorrigo in einem japanischen Gefangenenlager mit seinen Männern gegen Hunger, Cholera und die Grausamkeit des Lagerleiters kämpft, quält ihn die Erinnerung an die Liebe zu der Frau seines Onkels. Bis er einen Brief erhält, der seinem Leben eine endgültige Wendung gibt. Richard Flanagans schmerzvoll poetischer Roman erzählt von den unterschiedlichen Formen der Liebe und des Todes, von Wahrheit, Krieg und der tiefen Erkenntnis eines existentiellen Verlusts.
 
Shortlist
Joshua Ferris - To Rise Again at a Decent Hour
Mein fremdes Leben (September 2014)

Paul O’Rourke ist ein Mann voller Widersprüche: Er verachtet die Welt der sozialen Medien, ist aber abhängig von seinem iPhone, er ist ein Zahnarzt, der heimlich raucht, ein glühender Fan des Baseballteams der Red Sox, der es nicht ertragen kann, wenn sie gewinnen, und er ist ein Atheist, der Gott nicht ganz aufgeben will. Kurz, der Zahnarzt mit gutgehender Praxis an der Park Avenue in Manhattan liebt zwar das Leben, weiß aber nichts Rechtes damit anzufangen.

Als Paul eines Tages feststellt, dass jemand in seinem Namen eine Website, eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account eingerichtet hat, verfolgt er mit ohnmächtigem Entsetzen die Entwicklung seines virtuellen Alter Ego. Bald geht es nicht mehr nur um die Verletzung seiner Privatsphäre, sondern um etwas viel Beunruhigenderes: Jemand hat seine Identität gestohlen, und dieser »Online-Paul« beginnt ein Eigenleben zu führen – manchen ist er sogar sympathischer als der echte. Fieberhaft versucht Paul herauszufinden, was der Grund für dieses böse Spiel sein und wer dahinterstecken könnte. Er vernachlässigt dabei nicht nur seine Zahnarztpraxis, sondern gerät immer tiefer in die Abgründe einer digitalen Welt, die zunehmend sein reales Leben und Ich zu dominieren droht.


We Are All Completely Beside Ourselves - Karen Joy Fowler
Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke (Mai 2015)
»Hattest du als Kind auch diesen Moment, in dem dir plötzlich klar wurde, dass deine Familie verrückt ist?«

Es war einmal ein Haus mit einem Garten, in dem wohnten ein Apfelbaum, ein Bach und ein kleine Katze mit mondgelben Augen. Hier wachsen drei Kinder auf: Rosemary, ihre ungestüme Schwester Fern und ihr großer Bruder Lowell. Sie könnten eine ganz normale Familie sein. Wäre ihr Vater nicht Wissenschaftler, und wäre Fern nicht ein ganz besonderes kleines Mädchen, das Wachsmalstifte verspeist, den perfekten Rückwärtssalto beherrscht und lacht wie eine Säge.

Jahre nach Ferns Verschwinden erzählt Rosemary nun deren Geschichte. Denn erzählen war das Einzige, was Fern nie konnte.

J - Howard Jacobson
J (Oktober 2015)
Die Bewohner Port Reubens leben in scheinbarer Harmonie, sie hören nur noch Schnulzen und lesen kitschige Liebesromane, und nach dem schrecklichen Ereignis, über das nur als »Was geschah, falls es geschah« gesprochen wird, bekamen alle neue Namen. Kevern Cohen misstraut als Einziger dieser »großen Familie« und ihrer freiwilligen Ahnungs- und Meinungslosigkeit. Er ist ein Eigenbrötler, der die Bücher und Jazzplatten seines Vaters aufbewahrt hat und allein in einer Hütte auf den Felsen wohnt. Eines Tages wird ihm Ailinn Solomons vorgestellt, eine schwarzhaarige Schönheit, und die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Doch Keverns Unbehagen wächst: Ist ihre Liebe wirklich nur aus ihren spontanen Gefühlen genährt, oder haben andere Interesse an ihrer Beziehung? Ist er nur paranoid, oder werden sie tatsächlich überwacht und sind Teil eines allumfassenden, perfekt ausgeklügelten Plans?

Ein prophetischer Gesellschaftsroman, ein psychologisches Meisterwerk, das uns und dem aktuellen Zeitgeist unerbittlich den Spiegel vorhält.

The Lives of Others - Neel Mukherjee (noch keine deutsche Übersetzung)

How to be Both - Ali Smith (noch keine deutsche Übersetzung)

Longlist 
The Blazing World - Siri Hustvedt 
Die gleissende Welt (April 2015)
Siri Hustvedt kehrt in diesem Roman in die New Yorker Kunstwelt aus ihrem berühmtesten Buch "Was ich liebte" zurück. "Die gleißende Welt" ist der Titel eines utopischen Romans von Margaret Cavendish, die im 17. Jahrhundert als eine der ersten Frauen überhaupt unter ihrem eigenen Namen publizierte. Als frühe Universalgelehrte ist sie Vorbild und Idol von Harriett Burden, der Witwe eines einflussreichen New Yorker Galeristen. Nach dessen vorzeitigem Tod in den siebziger Jahren beginnt Harriett - in der öffentlichen Wahrnehmung nichts als die Frau an der Seite des berühmten Mannes, aber in Wahrheit hochtalentiert - ein heimliches Experiment: eine Karriere als Installationskünstlerin, die sich hinter dem angeblichen Werk dreier männlicher "Masken" verbirgt, das in Wahrheit sie selbst erschaffen hat. Doch der Faustische Handel schlägt fehl - einer dieser Maskenmänner, selbst ein bekannter Künstler, durchkreuzt ihr Rollenspiel und setzt sein eigenes dagegen, und es kommt zum Kampf zweier großer Geister. Das Buch ist ein Konzert widerstreitender Stimmen, eine polyphone Tour de Force über die Macht von Vorurteilen, Begierde, Geld und Ruhm. Es versammelt alle großen Themen Siri Hustvedts aus Literatur, Kunst, Psychologie und Naturwissenschaften. Ein mutiges, schillerndes Meisterstück.

The Wake - Paul Kingsnorth (noch keine deutsche Übersetzung)
The Bone Clocks - David Mitchell (noch keine deutsche Übersetzung)

Us - David Nicholls
Drei auf Reisen (September 2014)
"Ich habe das Gefühl, unsere Ehe ist am Ende, Douglas. Ich glaube, ich will dich verlassen", verkündet Connie eines Nachts ihrem darauf absolut unvorbereiteten Ehemann Douglas. Nach über zwanzig Jahren glücklicher Ehe sei der ideale Zeitpunkt für eine Trennung und einen Neuanfang gekommen - jetzt, wo auch ihr Sohn Albie bald ausziehe. Doch der letzten gemeinsamen, bereits geplanten Reise, der Grand Tour durch bedeutende Städte Europas - Paris, Amsterdam, München, Venedig, Florenz, Madrid, Barcelona -, soll laut Connie dennoch nichts im Wege stehen. Unterwegs erinnert sich Douglas an ihre zahlreichen Erlebnisse und an die verschiedenen Phasen ihrer Beziehung und hofft, seine Frau auf dieser Reise zurückzugewinnen und zugleich die Beziehung zu seinem Sohn vertiefen zu können - ein ambitioniertes Unterfangen, das trotz akribischer Planung unerwartete Wendungen nimmt.

The Dog - Joseph O'Neill (noch keine Übersetzung)

Orfeo - Richard Powers
Orfeo (August 2014)
Erzählt wird die Geschichte von Peter Els, der an der Ostküste der USA Professor für Musik ist. In den wilden Siebzigern waren seine Stücke Avantgarde. Jetzt will er der DNA ihre musikalische Struktur ablauschen und mit Molekülen komponieren. Bis die Homeland Security in sein Labor stolpert und ihn verhört, denn nach dem 11. September ist jeder verdächtig. Auf einer Fahrt quer durch die USA flüchtet Els vor dem FBI, erinnert sein Leben und sucht seine Familie – ein spannendes Roadmovie voller Emotion und funkelndem Geist, unserer Gegenwart und ihren Themen immer einen Schritt voraus.



History of the Rain - Niall Williams
Die Geschichte des Regens (Oktober 2015)
Ein Buch wie irisches Wetter, plötzlich breitet sich die Sonne wie Glück über dem frischen Grün aus

Die neunzehnjährige Ruth leidet an Leukämie und darf ihr Bett nicht verlassen. So liegt sie in ihrem Zimmer hoch über dem Fluss Shannon, während der irische Regen unablässig auf das Dach prasselt, und liest sich durch die dreitausendneunhundertfünfundachtzig Bücher, die ihr Vater Virgil Swain ihr hinterlassen hat. Inspiriert von der Lektüre und ihrer eigenen überbordenden Fantasie lässt sie vor den Augen des Lesers ihre Ahnen aufmarschieren: Urgroßvater Absalom Swain, den Reverend, Großvater Abraham, der beim Stabhochsprung das Fliegen lernte, und schließlich ihre Eltern Virgil und Mary, die sich vornahmen, die unfruchtbarsten vierzehn Morgen Erde, die Westirland zu bieten hat, urbar zu machen.

Eine vielschichtige, tragische, oft aber auch sehr amüsante Familiengeschichte aus Irland, voller Pointen und Anekdoten und berührender Gedanken über das Leben und die Literatur. Ein Roman, in dem die Worte selbst zu einem Fluss werden, der den Leser davonträgt.

Man Booker Prize 2015 - Longlist

Heute wurde die Longlist des Booker Preises veröffentlicht. Die Shortlist wird am 15. September bekannt gegeben und am 13. Oktober wird der Gewinner feststehen.


Longlist 2015 Man Booker Prize
Bill Clegg - Did You Ever Have a Family
Anne Enright - The Green Road
Marlon James - A Brief History of Seven Killings
Laila Lalami - The Moor's Account
Tom McCarthy - Satin Island
Chigozie Obioma - The Fishermen  (deutsch: Der dunkle Fluss)
Andrew O’Hagan - The Illuminations
Marilynne Robinson - Lila (deutsch: Lila)         
Anuradha Roy - Sleeping on Jupiter
Sunjeev Sahota - The Year of the Runaways
Anna Smaill - The Chimes
Anne Tyler - A Spool of Blue Thread (deutsch: Der leuchtend blaue Faden)
Hanya Yanagihara - A Little Life

Dienstag, 28. Juli 2015

Gemeinsam Lesen - 28.7.2015


http://schlunzenbuecher.blogspot.de/


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Helden in Schnabelschuhen - Anselm Neft, Seite 50.


Max und Katja haben gerade ihr Philosophiestudium abgeschlossen und wissen viel, nur nicht, was sie nun machen sollen. Als Katjas Cousin den beiden vorschlägt, mit der Mittelalterband "Kobold" auf Tour zu gehen, sagen sie zu. Bald schon tragen die beiden als "Theoprastus Bombastus von Witterschlick" und "Sancta Benedicta – Wanderpäpstin und Gegenhure" wallende Gewänder und schmucke Schnabelschuhe. Die sommerliche Deutschlandtour wird nach anfänglichem Chaos zu einem vollen Erfolg, doch zwischen dem übergewichtigen Max und Katja stimmt bald gar nichts mehr, ihre Beziehung wird täglich komplizierter.



2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
"Ich hätte mich nicht gewundert, wenn er uns für ein Referat über Apolda oder zum Küchendienst in der Herberge eingeteilt hätte."


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Ich bin froh im Moment einfach nur froh, wenn ich es ausgelesen habe. Es trifft meinen Humor so gar nicht. Ein bisschen Hoffnung bleibt, weil ich noch ziemlich am Anfang bin. Und es ist glücklicherweise nicht sehr dick.



4. Wie macht ihr es, wenn ihr 10 Bücher habt, und euch einfach nicht entscheiden könnt, was euer nächstes Buch wird?
Normalerweise lockt der Buchtitel und das Cover mich an, der Inhalt sagt mir danach, ob ich das Buch lesen möchte oder nicht. Aber nehmen wir einmal an, ich kann mich weder vom Buchtitel, noch vom Cover oder vom Inhalt für eins der zehn Bücher entscheiden. Komische Situation. So ohne die Bücher zu sehen, würde ich sagen, die Bücher sind  entweder kompletter Schund, ich bin besoffen, habe sehr hohes Fieber oder jemand hat versucht mich zu vergiften. Logisch wäre es ja, nach dem dünnsten Buch zu greifen, wenn das Buch gut ist umso besser, wenn nicht, habe ich wenigstens nicht zu viel Zeit vergeudet. Oder ich sehe mich nach einem anständigen elften Buch um.

Montag, 27. Juli 2015

Montagsfrage: Hast du bevorzugte Verlage, bei denen du dich gerne nach neuem Lesestoff umschaust?


Früher, als ich noch kein Internet hatte, um nach Bücher zu stöbern und mich in kurzer Zeit in der Buchhandlung für ein Buch entscheiden musste, habe ich hauptsächlich Bücher aus dem Diogenes Verlag gekauft. Heute bin ich schon zufrieden, wenn das Buch überhaupt einen Verlag hat. Welchen ich bevorzuge, kann ich nicht sagen. Eine Sortierung meiner gelesenen Bücher nach Verlag wäre nicht schlecht, nach Gefühl würde ich den Knaus Verlag vorne sehen.

Edit: Blanvalet und Heyne liegen zusammen auf Platz 1, dicht gefolgt von Knaus, und danach kommen Goldmann und Knaur. Ich hätte nicht gedacht, dass ich von so vielen verschiedenen Verlagen Bücher lesen würde.

Welchen Verlag bevorzugst du?

Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Sonntag, 26. Juli 2015

Die Erfindung der Flügel - Sue Monk Kidd

Erscheinungsdatum: 19. Januar 2015
Übersetzer: Astrid Mania

Weitere Informationen
Die elfjährige Sarah, wohlbehütete Tochter reicher Gutsbesitzer, erhält in Charleston ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk – die zehnjährige Hetty »Handful«, die ihr als Dienstmädchen zur Seite stehen soll. Dass Sarah dem schwarzen Mädchen allerdings das Lesen beibringt, hatten ihre Eltern nicht erwartet. Und dass sowohl Sarah als auch Hetty sich befreien wollen aus den Zwängen ihrer Zeit, natürlich auch nicht. Doch Sarah ahnt: Auf sie wartet eine besondere Aufgabe im Leben. Obwohl sie eine Frau ist. Handful ihrerseits sehnt sich nach einem Stück Freiheit. Denn sie weiß aus den märchenhaften Geschichten ihrer Mutter: Einst haben alle Menschen Flügel gehabt …


Meine Meinung

Sarah Grimké (1792-1873) kämpfte gemeinsam mit ihrer Schwester gegen die Versklavung der Schwarzen und gegen die Unterdrückung der Frauen. "Die Erfindung der Flügel" erzählt ihre Geschichte und die der Sklavin Handful, die Sarah zu ihrem elften Geburtstag als Geschenk erhielt. Sie weigerte sich zuerst, das Geschenk anzunehmen, wird aber dazu gezwungen. Sarah brachte Handful das Lesen und Schreiben bei, zwischen den Mädchen entwickelte sich eine Art Freundschaft, die allerdings dadurch getrübt wurde, dass "Sarah immer diejenige ist, die in den Nachttopf scheisst, und Handful, diejenige, die ihn leeren muss."
Sarah versuchte für ihre Sklavin einzutreten, stiess aber immer wieder auf Grenzen, weil sie eine Frau war. Ihr Traum vom Studieren wurde von ihrem Vater und ihren Brüdern verspottet, so das Sarah nach einem anderen Sinn in ihrem Leben suchte. Den fand sie zuerst bei den Quäkern, einer Religionsgemeinschaft, die die Sklaverei verurteilte, später setzte sie sich für die Schwarzen und die Frauen ein.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Sarah und ihrer Sklavin Handful erzählt. Das Leben der Sklaven war hart, Sarahs Mutter war streng, brutal und ungerecht mit den Sklaven, ließ sie auspeitschen oder unmenschliche Qualen erleiden. Ständig drohte das Arbeitshaus, in dem Sklaven willkürlich gefoltert wurden.
"Die Erfindung der Flügel" gibt einen Einblick in das Leben der Sklaven, sie schufteten bis zum Tod, ohne Hoffnung, ohne irgendeine Aussicht auf Besserung. Wurden sie schwanger, waren auch ihre Kinder zu diesem unfreien Leben verurteilt. Das Buch zeigt aber auch die andere Seite, die Seite der Farmer, die nicht unbedingt einverstanden waren mit der Sklaverei, aber zu geizig und geldgierig waren, um freiwillig zu verzichten, andere, wie die kleine Missus, die unbarmherzig von diesen Menschen profitierten, und sich dabei einredeten, ihre Sklaven hätten es gut, die jedes Gelächter der Sklaven nutzten, um ihr Gewissen zu beruhigen.

"Die Erfindung der Flügel" erzählt über das reale, harte und ungerechte Leben. Es ist selbstverständlich keine leichte Unterhaltung, kein Wohlfühlbuch, in dem das reiche Mädchen dem armen Sklaven kurz mal das Lesen beibringt und alle sind für immer glücklich.  Sue Monk Kidd hat ein großartiges und wichtiges Buch geschrieben, das ich jedem nur empfehlen möchte.

Dienstag, 21. Juli 2015

Gemeinsam Lesen 21.07.2015


http://schlunzenbuecher.blogspot.de/


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Die Erfindung der Flügel von Sue Monk Kidd. Ich bin im ersten Viertel des Buches.
 
 
Die elfjährige Sarah, wohlbehütete Tochter reicher Gutsbesitzer, erhält in Charleston ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk – die zehnjährige Hetty »Handful«, die ihr als Dienstmädchen zur Seite stehen soll. Dass Sarah dem schwarzen Mädchen allerdings das Lesen beibringt, hatten ihre Eltern nicht erwartet. Und dass sowohl Sarah als auch Hetty sich befreien wollen aus den Zwängen ihrer Zeit, natürlich auch nicht. Doch Sarah ahnt: Auf sie wartet eine besondere Aufgabe im Leben. Obwohl sie eine Frau ist. Handful ihrerseits sehnt sich nach einem Stück Freiheit. Denn sie weiß aus den märchenhaften Geschichten ihrer Mutter: Einst haben alle Menschen Flügel gehabt …
 

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
"Mauma konnte nicht schlafen und irrte wie üblich durch den Kellerraum. Den Ausdruck mucksmäuschenstill kannte sie nicht."

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Das Buch beschreibt das Leben von damals, als es so normal war Sklaven zu haben, dass selbst manche freigelassene Sklaven sich Sklaven kauften. Sarah bringt ihrer Sklavin Hetty zwar das Lesen bei, und obwohl die beiden eine Art Freundschaft verbindet, lässt Sarah sich bedienen und denkt nicht mal daran, ihr kleine Privilegien zu schenken, die nicht auffallen würden.

4. Plant ihr euren Lesemonat (oder z.b. Lesesommer) und erreicht ihr eure Ziele dann auch, oder lest ihr immer das, worauf ihr gerade Lust habt?
Ich habe schon öfter probiert, eine Liste mit Büchern zu erstellen, die ich demnächst lesen möchte. Es wäre ja schön, wenn ich schon vor dem Lesen hier auf dem Blog ankündigen könnte, welche Bewertungen  zu erwarten sind. Aber das klappt nicht. Lesen nach Plan mag ich nicht. Irgendwann vergeht mir der Spass und ich brauche Wochen für ein Buch. Also lese ich weiterhin spontan, was mir gerade gefällt.

Sonntag, 19. Juli 2015

Gehe hin, stelle einen Wächter - Harper Lee

Erscheinungsdatum: 17. Juli 2015
Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann

Weitere Informationen
Harper Lee hat bisher nur einen Roman veröffentlicht, doch dieser hat der US-amerikanischen Schriftstellerin Weltruhm eingebracht: „Wer die Nachtigall stört“, erschienen 1960 und ein Jahr später mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet, ist mit 40 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen eines der meistgelesenen Bücher weltweit. Mit „Gehe hin, stelle einen Wächter“ – zeitlich vor „Wer die Nachtigall stört“ entstanden – erscheint nun das Erstlingswerk. Das Manuskript wurde nie veröffentlicht und galt als verschollen – bis es eine Freundin der inzwischen 89-jährigen Autorin im September 2014 fand.

In „Gehe hin, stelle einen Wächter“ treffen wir die geliebten Charaktere aus „Wer die Nachtigall stört“ wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, „Scout“, kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage stellen.

Ein Roman über die turbulenten Ereignisse im Amerika der 1950er-Jahre, der zugleich ein faszinierend neues Licht auf den Klassiker wirft. Bewegend, humorvoll und überwältigend – ein Roman, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht.

Meine Meinung

"Gehe hin, stelle einen Wächter" wurde vor fast 60 Jahren vom Verlag abgelehnt und ist eine Vorversion des Klassikers "Wer die Nachtigall stört".

Jean Louise (Scout) lebt in New York. Nach einem Jahr kehrt sie in das Dorf ihrer Kindheit zurück, um ihren Vater und ihre Tante zu besuchen, ihr Bruder Jem ist an einem schwachen Herzen gestorben. Während ihrer Abwesenheit hat sich in ihrer Heimat vieles verändert.

Jean Louise plaudert aus ihrer Kindheit, streitet mit ihrer Tante, trifft sich mit einem Schulfreund, erinnert sich an ihre Kindheit und hält Kaffeekränzchen mit Damen des Dorfes. Nett, langweilig, nichtssagend plätschert die Geschichte vor sich hin.
Dass ihr Vater, Atticus Finch, ein Rassist ist, der aktiv gegen die Rechte der Schwarzen kämpft, oder die Schwarzen vor Gericht vertritt, nur damit kein anderer Anwalt sie mit allen Mitteln verteidigt, kann die Leser schon schockieren. Aber auch Jean Louise unterscheidet sich grundsätzlich von der intelligenten, kleinen Scout. Sie ist sehr Ich-bezogen und das, was sie unter Verteidigung der Schwarzen sieht, ist immer noch rassistisch.
"Aber Onkel Jack, ich habe nun nicht gerade vor, einen Neger zu heiraten, oder so." 
(Im ganzen Buch werden Afroamerikaner als "Neger" bezeichnet, weil das der üblichen Verwendung zum Zeitpunkt der Entstehung des Manuskripts entspricht. Heute ist der Begriff abwertend, deshalb wäre es logisch gewesen, diese Wörter zu ändern und so den Sinn des Textes zu erhalten)

Calpurnias Verhalten und ihr Neffe, der einen weissen Mann überfahren hat, werden kurz erwähnt, aber weder werden diese Fäden weitergesponnen, noch je zu Ende gedacht.

"Gehe hin, stelle einen Wächter" ist ein schwacher Entwurf, der nur wegen seiner berühmten Autorin Beachtung gefunden hat. Es ist kein Manuskript, das es wert war, entstaubt und mit Pomp und Gloria veröffentlicht zu werden. Schade, dass es kein Vorwort und keine Erklärung der Autorin gibt, warum sie nach so langer Zeit einer Veröffentlichung zugestimmt hat.




Andere Meinung zu diesem Buch:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/gehe-hin-stelle-einen-waechter-von-harper-lee-13704501.html

Samstag, 18. Juli 2015

Bücherblogs und Blogleser

Bücherblogs haben ein Problem. Die Leser! Blogleser, die reinen Leser, die puren Leser, Leser die keinen eigenen Blog haben, Leser die nicht von Verlagen mit Rezensionsexemplaren überhäuft werden. Es gibt sie nicht. Oder fast nicht. Auf jeden Fall sind sie sehr selten, denn Buchbewertungen werden nicht mühsam über Google gesucht. Wenn ein Nichtblogger wissen möchte, wie gut das neuste Buch von seinem Lieblingsautor ist, schaut er sich die Bewertungen auf Amazon an, vielleicht auch noch in einem der grossen Bücherforen. Manche schaffen es auf einen Blog, ein Schauspiel das den Blogger entzückt und bei dem er sein Glück kaum fassen kann, wenn diese seltene Gattung sich mit einem bleibenden Kommentar verewigt.

Doch was möchte dieser Leser auf einem Blog lesen? Ellenlange literarische Abhandlungen oder will er bloß schnell wissen, ob ein Buch sehr, sehr toll ist? Kompliziert. Genügt nicht ein kleines Sternebildchen? Braucht man als Blogger überhaupt Leser? Das Höchste beim Bloggen, der Orgasmus des Bloggens ist die hohe Klickzahl und die erreicht der Blogger nicht durch Buchbewertungen oder durchdachte Texte, sondern durch Bloggeraktionen, Bloggen für Blogger sozusagen, ein gemeinsames, gegenseitiges Hochtreiben der Klickzahlen, die den Verlagen vorgaukeln, ihre Rezensionsexemplare wären in guten Händen und würden die Verkaufszahlen in die Höhe schnellen lassen.

Lassen sie auch. Trotz allem. Wenn auch nicht auf dem einzelnen Blog, so bringt die breite Streuung der Bewertungen einen Effekt. Der Ritterschlag eines einzelnen Bloggers bewirkt nicht viel, doch viele Blogger, die ein Buch sehr, sehr toll finden, lassen ein Buch sehr, sehr gut verkaufen.

Bücherblogs sind unwichtig, wichtig sind die Blogger, die ihre literarischen Ergüsse durch die Internetwelt streuen. Blogger, die geübte Texte schreiben und überzeugend loben können, sind genauso begabt, ein Buch in den Boden zu stampfen. Diese ehrliche Meinung ist interessant für den Leser, selbst für den nichtbloggenden Leser. Sie zeigt, dass der Blog keine weitere Werbeplattform für Verlage ist, dass er keinen vordefinierten Werbetext weitergibt, dass der Blogger nicht pro bejubeltem Buch Geld verdient und jeden Schrott lobpreist, um die Kassen klingeln zu lassen.
Also. Schreibt ehrlich. Schreibt Verrisse.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Sucht - Simon Borowiak

Erscheinungsdatum: 10. März 2014

Weitere Informationen
Cromwell hat sieben Hausärzte am Start, die nichts voneinander wissen und ihm reichlich Aufputsch- und Beruhigungsmittel verschreiben. Das geht natürlich nicht ewig gut, und so beschließen seine Freunde, den Tablettensüchtigen zur Entgiftung in die Klinik einzuweisen.

Simon Borowiak gelingt das Meisterstück, über das Innenleben einer psychiatrischen Notaufnahme, über die Abgründe von Süchtigen und die Schmerzen der Depression so schreiben, dass jede Zeile Spaß macht. Denn Borowiak erzählt von eigenen leidvollen Erfahrungen, weiß aber sehr genau: Die schlimmsten Dinge im Leben kann man nur als Komödie erzählen.

Meine Meinung

Cromwell lässt sich vom zig Hausärzten Medikamente verschreiben, doch irgendwann wirken selbst die stärksten Kracher nicht mehr. Seit neunzig Stunden versucht er vergeblich zu schlafen und ist mittlerweile so verzweifelt, dass er sich freiwillig von seinen Freunden in eine Klinik bringen lässt.

Abwechselnd erzählen Cromwell und sein Freund, der trockene Alkoholiker Schlomo vom Leben in der Entzugsklinik. Nebenbei gründen sie zusammen mit einem blinden Freund eine Detektivagentur, spionieren einem sadistischen Lehrer hinterher und versuchen einen Mord aufzuklären. Der Haupterzählstrang bleibt jedoch immer die Suchtklinik, die Hoffnungen, die sich die Patienten machen ("Wenn ich hier raus bin, sehen die mich nie wieder"), die Hochs und Tiefs, die durchgemacht werden, die Freundschaften und Feindschaften, die entstehen. Sie erleben die Risiken, die ein Rückschlag mit sich bringen kann, sei es durch die erneuten Strapazen des Entzugs mit allen körperlichen und psychischen Leiden oder durch den Tod. Denn auch wenn mit Humor erzählt wird und die Stimmung auf der Entzugstation bisweilen sehr gut ist, bleibt doch immer klar, dass jede Sucht, die in einer Entzugsklinik behandelt wird, lebensgefährlich ist.

Der Schreibstil ist sprachgewaltig und nicht leicht zu lesen. Einen Abschnitt habe ich mehrmals gelesen, aber außer, dass Schlomo einen hochintellektuellen Wutausbruch mit Rundumausschlag wegen schlechter Musik hatte, konnte ich nicht nachvollziehen, was der Autor damit sagen wollte.

Simon Borowiak hat ein beeindruckendes Buch über Süchte geschrieben, das diese weder verdammt, noch verharmlost, sondern auf humorvolle und deutliche Weise beschreibt. "Sucht" verdient sehr viel Aufmerksamkeit und ich kann das Buch nur empfehlen.

Allein kann ja jeder - Jutta Profijt

Erscheinungsdatum: 1. Juni 2015


Weitere Informationen
Ellen (46), Kim (13), Rosa (71), Konrad (76), Hans (56) und Mardi (14): Was haben diese Menschen miteinander zu tun? Sie wohnen alle unter einem Dach! Aus der Not heraus haben sie eine heruntergekommene Villa besetzt und versuchen nun, jeder auf seine Art, mit der Situation klarzukommen. Zwei von ihnen sind Mütter, und zwei sind Töchter. Eine Person wird schmerzlich vermisst, und eine ist nicht das, was sie vorgibt. Drei sind verliebt und eine ist eigentlich gar nicht da. Geheimnisse gibt es hier viele - und nebenbei muss auch noch ein Mord aufgeklärt werden.

Meine Meinung

Rosas Geliebter Robert wurde umgebracht und ihr Erspartes hat sich ein Betrüger geschnappt. Als ob das nicht reichen würde, kann sie auch noch nicht zu ihrer Tochter Ellen ziehen, denn die wurde mit Enkeltochter vom Ex aus dem Haus geworfen. Es bleibt also nichts anderes übrig, als eine leerstehende Villa gemeinsam mit ein paar anderen Geprellten zu besetzen.
In dieser WG versucht man so gut es geht, zusammen zu überleben, gleichzeitig nach dem verlorenen Geld zu suchen und in Zusammenarbeit mit der Polizei herauszufinden, wer Robert umgebracht hat.

Die Truppe ist bunt durcheinander gewürfelt, was zu Konflikten und Reibereien führt. Das ist für die Bewohner eher anstrengend, für den Leser allerdings amüsant und immer wieder für Überraschungen gut. Für Unterhaltung sorgen zudem die nicht sehr konventionellen Ermittlungen, die kiffende Rosa und die eher geheimnisvollen Mitbewohner. Denn wer illegal eine Villa besetzt, könnte noch anderes im Schilde führen. Frei von jedem Verdacht ist niemand.

Allzu ernst sollte man dieses Buch nicht nehmen, schon gar nicht darüber grübeln. Wer einen Krimi erwartet und jedes Detail auf die Goldwaage legt, wird enttäuscht werden. Auch werden einzelne Kleinigkeiten nicht aufgelöst, die Autorin hat jedoch bestätigt, dass sie an einer Fortsetzung schreibt.

"Allein kann ja jeder" ist angenehm zu lesen und bietet humorvolle Lesestunden, nebenbei einen Mord und sogar ein bisschen Liebe. Ein unterhaltsames Buch für den Sommer!



Dienstag, 14. Juli 2015

Gemeinsam Lesen 14.7.2015


http://schlunzenbuecher.blogspot.de/



1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese "Sucht" von Simon Borowiak und bin auf Seite 216.
 
Cromwell hat sieben Hausärzte am Start, die nichts voneinander wissen und ihm reichlich Aufputsch- und Beruhigungsmittel verschreiben. Das geht natürlich nicht ewig gut, und so beschließen seine Freunde, den Tablettensüchtigen zur Entgiftung in die Klinik einzuweisen.

Simon Borowiak gelingt das Meisterstück, über das Innenleben einer psychiatrischen Notaufnahme, über die Abgründe von Süchtigen und die Schmerzen der Depression so schreiben, dass jede Zeile Spaß macht. Denn Borowiak erzählt von eigenen leidvollen Erfahrungen, weiß aber sehr genau: Die schlimmsten Dinge im Leben kann man nur als Komödie erzählen.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
"Draußen liefen sie herum, die Unvereinbarkeiten von Patientenwelt und Personalkosmos: Kranke und Intakte, gebeugte Lädierte und aufrechte Gesunde."

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Der Autor bringt es fertig, seine Geschichte trotz der Trostlosigkeit und der Hoffnungslosigkeit einer Entzugsklinik mit einem Humor zu erzählen, der nicht auf Kosten von Patienten oder ihrer Sucht geht. 

4. Hast du schon mal ein Buch gelesen, dass du eigentlich nie lesen wolltest (nicht dein Genre, Klappentext spricht dich nicht an), es dann aber doch getan, weil "jeder" so begeistert von diesem Buch war?
Ich habe schon sehr oft Bücher gelesen, die ich eigentlich gar nicht lesen wollte. Natürlich waren auch welche darunter, von denen "jeder" begeistert war, andere hatten Literaturpreise bekommen, es gab Leserunden oder ich hatte sie spontan aus der Bücherei mitgenommen, weil sie ein schönes Cover hatten oder noch sehr neu aussahen. Ob ich mich bei der Wahl meiner Bücher von begeisterten Lesern, von der Werbung der Verlage, vom Klappentext oder ganz einfach vom Zufall leiten lasse, ist  egal. Ob ein Buch mir gefällt oder nicht, weiss ich erst, nachdem ich es gelesen habe.

Französische Bücherparade am 14 juillet - Neuerscheinungen Juli/August 2015

Heute ist der 14. Juli, Nationalfeiertag in Frankreich. Traditionell kann man an diesem Tag die Größe der Grande Nation bei einer Militärparade auf den Champs Elysées bestaunen. Ich lasse zur Feier des Tages ein paar französische Bücher aufmarschieren, die demnächst als deutsche Übersetzungen herauskommen werden.

Charlotte - David Foenkinos (zur Bewertung)
(31. August 2015)

Weitere Informationen
„Das ist mein ganzes Leben“ – mit diesen Worten übergibt Charlotte
1942 einem Vertrauten einen Koffer voller Bilder. Sie sind im französischen Exil entstanden und erzählen, wie sie als kleines Mädchen, damals im Berlin der 1920er, nach dem Tod der Mutter das Alleinsein lernt, während sich ihr Vater, ein angesehener Arzt, in die Arbeit stürzt. Dann die Jahre, in denen das kulturelle Leben wieder Einzug hält bei den Salomons. Die Stiefmutter ist eine berühmte Sängerin; man ist bekannt mit Albert Einstein, Erich Mendelsohn, Albert Schweitzer. Charlotte beginnt zu malen, und es entstehen Bilder, in denen dieses einzelgängerische, verträumte Mädchen sein Innerstes nach außen kehrt, Bilder, die von großer Begabung zeugen. Doch dann ergreift 1933 der Hass die Macht, es folgen Flucht, Exil, aber auch Leidenschaft und Heirat. Nur ihre Bilder überleben – Zeugnis ihrer anrührenden Geschichte, die David Foenkinos nahe an der historischen Realität entlang erzählt.

Le quatrième mur - Die vierte Wand - Sorj Chalandon (zur Bewertung)
(24. Juli 2015)
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Paris 1982: Georges verspricht seinem sterbenskranken Freund Samuel, einem Theaterregisseur, seinen Herzenswunsch zu erfüllen: die Aufführung von Jean Anouilhs Stück ›Antigone‹ im vom Bürgerkrieg zerrütteten Beirut, direkt an der Front, in einem zerbombten Kinosaal, mit einem Ensemble, das sämtliche Kriegsparteien repräsentiert. Viel List ist von Nöten und immer wieder muss Georges Zugeständnisse machen. Wird es gelingen, das Stück aufzuführen und dafür den Krieg für zwei Stunden ruhen zu lassen?


L'ordinateur du paradis - Vorzimmer zum Paradies - Benoît Duteurtre (zur Bewertung
(13. August 2015)

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Gott und das Internet haben eines gemeinsam: Sie vergessen nichts. Das erfährt der 50-jährige Simon, als er im Vorzimmer zum Paradies sitzt, um sich für einen Platz im himmlischen Reich zu bewerben. Denn auch der Heilige Petrus nutzt die Cloud und weiß daher nur zu genau, dass Simons irdischer Lebenswandel alles andere als tadellos war. Da bleibt wohl nur das Tor zur Hölle - mit ungeahnten Perspektiven...






On ne voyait que le bonheur - Wir sahen nur das Glück - Gregoire Delacourt (zur Bewertung
(15. August 2015)
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Wie viel ist ein Mensch wert? Das zu beurteilen ist Antoines Aufgabe als Gutachter einer Versicherung. Als die scheinbar heile Welt des Familienvaters zusammenbricht, seine Frau ihn verlässt, er seine Arbeit verliert und er für seine Kinder längst nicht mehr der große Held ist, muss er über den Wert seines eigenen Lebens nachdenken - und seine Bilanz ist vernichtend: Er hat es nicht geschafft, seinen Kindern ein besserer Vater zu sein, als sein eigener es ihm gewesen ist, hat genauso wenig wie sein Vater um die Liebe seines Lebens gekämpft… Mitreißend erzählt Grégoire Delacourt von einem Mann, der erst ganz unten ankommen muss, um zu verstehen, dass das Leben lebenswert und echtes Glück möglich ist.

N'oublier jamais - Die Frau mit dem roten Schal - Michel Bussi
(21. August 2015)

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Jamal sieht zuerst nur den roten Schal. Dann die verzweifelte junge Frau, die am Rand der Klippen steht. Er will sie retten, wirft ihr den Schal zu. Doch die Frau springt. Und niemand glaubt ihm seine Geschichte, denn es sind bereits zwei Frauen zu Tode gekommen, nach exakt dem gleichen Muster. Verzweifelt versucht Jamal zu beweisen, dass er nichts mit dem Tod der Frau zu tun hat, aber alles spricht gegen ihn. Und schon bald weiß er selbst nicht mehr, was wahr ist und wem er noch vertrauen kann … Ein hochspannendes und emotionales Spiel zwischen Schein und Wirklichkeit.

Montag, 13. Juli 2015

Montagsfrage: Hast du, nachdem du eine Buchverfilmung gesehen hast, beim Lesen eines Buches die Schauspieler im Kopf oder die Figuren wie du sie dir vorstellst?


Normalerweise lese ich zuerst das Buch und schaue mir danach den Film an. Natürlich gibt es manche Ausnahmen, und dann hängt es davon ab, wie lange es her ist, dass ich den Film gesehen habe, wie gut ich den Schauspieler kenne oder wie oft ich den Schauspieler danach noch gesehen habe. Wenn ich mich nicht mehr genau an jemanden erinnere, kann ich mir ihn beim Lesen selbstverständlich nicht vorstellen. Aber das Bild, das ich beim Lesen im Kopf habe ähnelt dem Schauspieler, mein Gehirn strengt sich weniger an als bei Büchern, zu denen ich noch keinen Film gesehen habe.

Welche Figuren hast du beim Lesen im Kopf?

Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Letzte Nacht - Catherine McKenzie

Erscheinungsdatum: 14. April 2015
Übersetzer: Marie Rahn

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Als der 39-jährige Familienvater Jeff überfahren wird und stirbt, fällt das Leben seiner Frau Claire in sich zusammen. Sie hat keine Zeit für Trauer und muss ihren Sohn auffangen, das Begräbnis arrangieren, mit wohlwollenden Familienmitgliedern umgehen. Dann reist auch noch Jeffs Bruder an, der zugleich ihr Exfreund ist. Doch auch eine andere Frau bricht bei der Nachricht von Jeffs Tod zusammen: Tish, seine Kollegin. Sie nimmt an dem Begräbnis teil, aber nur sie weiß, wie groß das Risiko ist, das sie damit auf sich nimmt. Und tatsächlich wird Claire auf sie aufmerksam und fragt sich, was diese Frau mit ihrem Mann verbunden hat …

 

 

 

 

Meine Meinung


Jeff kommt bei einem Autounfall ums Leben. Abwechselnd wird aus der Sicht von Claire, der trauernden Ehefrau und von Tish, der ebenfalls trauernden Freundin beschrieben. Auch Jeffs Erlebnisse werden erzählt, allerdings (glücklicherweise) nur von dem was vor seinem Tod passiert ist. Leider muss man als Leser am Inhalt herausfinden, wer gerade erzählt, denn egal ob das Claire, Jeff oder Tish ist, am Schreibstil, an den Gedanken oder am Tonfall ändert sich nichts. Herausfinden, wer gerade erzählt ist aber auch schon die einzige Herausforderung, die dieses Buch bietet. (Vielleicht auch noch den Sohn Seth und die Schwester Beth auseinander zu halten. )

Die Geschichte ist flüssig und angenehm lesbar und in einem leicht verständlichen Plauderton geschrieben. Am Anfang hat mir das gefallen, mit der Zeit wurde ich dieser allzu leichten und oberflächlichen Dialoge jedoch müde, die Geschichte plätscherte nur so dahin und es passierte immer genau das, was ich mir von den Personen erwartete. Jeder versuchte mit seiner Trauer fertig zu werden und verarbeitete den Tod von Jeff auf eine andere Weise. Es gibt Rückblenden in das Leben der drei Personen, die manchmal ziemlich weit ausgeholt sind, aber sie helfen die Aktionen und Reaktionen der Personen zu verstehen.

"Die letzte Nacht" ist ein trauriges, ruhiges Buch ohne viel Spannung, das sich leicht und schnell lesen lässt, ein idealer Frauenroman für Zwischendurch.



Mittwoch, 8. Juli 2015

Die offizielle Verabschiedung meiner langjährigen Kindheit - Elisabeth Kelly

Erscheinungsdatum: 15. Juni 2015
Übersetzer: Wolfgang Müller

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Riddle Camperdown freut sich darauf, den Sommer 1972 vornehmlich faulenzend auf der Veranda ihres Elternhauses auf Cape Cod zu verbringen, und hofft , dabei nicht allzu oft von ihren exzentrischen Eltern gestört zu werden: Greer, der exaltierten, scharfzüngigen ehemaligen Hollywoodschauspielerin, und Godfrey „Camp“ Camperdown, dem Patriarchen und gewerkschaftsnahen Lokalpolitiker mit Hang zur großen Geste, der gerade mitten im Wahlkampf steckt.

Dann wird Riddle im Pferdestall des Nachbarn zufällig zur Zeugin eines Mordes. Verängstigt entscheidet sie sich dafür, niemandem davon zu erzählen. Doch als Camps Wahlkampf immer hitziger wird und einer seiner politischen Gegner Gerüchte über die Camperdowns in die Welt setzt, gerät Riddle immer mehr unter Druck, die Wahrheit zu sagen, obwohl sie gleichzeitig die Rache des Mörders fürchtet.

Das Porträt einer unvergesslichen, so skurrilen wie liebenswerten Familie, das sich vor dem Hintergrund eines Verbrechens und eines Familiengeheimnisses entfaltet – unterhaltsam, intelligent und spannend.

Meine Meinung


Riddle erinnert sich an die Sommerferien 1973 in ihrem Elternhaus an der Küste. Sie möchte nicht anders als zusammen mit ihren Pferden die Sommerferien geniessen, was allerdings schlecht möglich ist, mit einem Vater, der sie zu allen möglichen Wahlkampfveranstaltungen mitschleppt, einer exzentrischen Mutter, die an allem etwas auszusetzen hat und vor allem einem Jugendlichen, mehr Feind als Freund der Familie, der verschwunden ist.

»Riddle, würdest du bitte reinkommen und für diese Schwachköpfe ein bisschen lächeln. Wenn ich den dressierten Seehund spielen muss, kannst du es auch.«

Dieses Buch sollte nicht als Krimi gelesen werden, die Ermittlungen sind Nebensache. Es wird eher über den verschwundenen Jugendlichen und seine Familie gespottet, als dass man sich Sorgen macht. Von der Polizeiarbeit bekommt der Leser gar nichts mit. Das Buch sollte vor allem nicht als Erziehungsbuch herhalten. Die Mutter ist mit ihrer spitzen Zunge unterhaltsam für den Leser, ihre Erziehungsmethoden sind jedoch eine Katastrophe. Ohne Mitleid und ohne Tabus hackt sie auf allem und jedem herum, besonders auf Riddle und auf ihrem Mann. Dieser ist zwar weniger aggressiv, aber auch sehr wortgewandt und denkt vor allem an sich und seine Karriere. Wenn die Eltern sich streiten kann man sich als Leser nur zurücklehnen und den verbalen Kampf der Titanen geniessen.

„Politik war ein ererbtes Leiden in unserer Familie, weitergegeben von einer Generation zur nächsten wie ein schwaches Kinn.”

Die Stärke von "Die offizielle Verabschiedung meiner langjährigen Kindheit" liegt eindeutig in den Dialogen, die mit trockenem, schwarzen Humor gespickt sind und sehr oft unter die Gürtellinie gehen. Ich war aber auch gespannt auf die Auflösung der Geheimnisse, die die Familien umgab und fand die Auflösung sehr gelungen.

Dienstag, 7. Juli 2015

Gemeinsam lesen #1


http://schlunzenbuecher.blogspot.de/



1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Ich lese "Die offizielle Verabschiedung meiner langjährigen Kindheit" und bin im letzten Viertel des Buches.

Riddle Camperdown freut sich darauf, den Sommer 1972 vornehmlich faulenzend auf der Veranda ihres Elternhauses auf Cape Cod zu verbringen, und hofft , dabei nicht allzu oft von ihren exzentrischen Eltern gestört zu werden: Greer, der exaltierten, scharfzüngigen ehemaligen Hollywoodschauspielerin, und Godfrey „Camp“ Camperdown, dem Patriarchen und gewerkschaftsnahen Lokalpolitiker mit Hang zur großen Geste, der gerade mitten im Wahlkampf steckt.

Dann wird Riddle im Pferdestall des Nachbarn zufällig zur Zeugin eines Mordes. Verängstigt entscheidet sie sich dafür, niemandem davon zu erzählen. Doch als Camps Wahlkampf immer hitziger wird und einer seiner politischen Gegner Gerüchte über die Camperdowns in die Welt setzt, gerät Riddle immer mehr unter Druck, die Wahrheit zu sagen, obwohl sie gleichzeitig die Rache des Mörders fürchtet.

Das Porträt einer unvergesslichen, so skurrilen wie liebenswerten Familie, das sich vor dem Hintergrund eines Verbrechens und eines Familiengeheimnisses entfaltet – unterhaltsam, intelligent und spannend.

 
2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
"Zum Teufel mit dem ganzen ausländischen Blödsinn"

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Ein ganz spezielles Buch, an das ich mich erst einmal gewöhnen musste. Keine Liebe, kein Gekuschel, kein Mitleid. Die Dialoge in diesem Buch sind einfach nur böse, so gut wie jede Bemerkung geht unter die Gürtellinie. Ein Jugendlicher wird seit Tagen vermisst, aber von Anteilnahme hat noch niemand etwas gehört.

4. Gibt es Bücher, auf die du theoretisch neugierig bist, die du aber aus einem Grundsatz heraus nicht liest, weil sie z.B. von einem Autor geschrieben sind, den du nicht magst oder weil sie in einem Verlag erschienen sind von dem du nicht überzeugt bist?
Solche Bücher gibt es nicht. Wenn ich neugierig auf ein Buch bin, dann lese ich es. Es gibt natürlich Autoren, von denen ich kein Buch mehr in die Hand nehme, weil sie nicht schreiben können oder weil sie mich genug gelangweilt haben. Aber auf deren Bücher bin ich nicht neugierig. Verlage gibt es keine, die ich aus irgendwelchen Prinzipien nicht beachten würde.

Montag, 6. Juli 2015

Montagsfrage: Welche Rolle spielt beim Buchkauf der Preis für dich?



Der Preis spielt eine Rolle, aber nicht die Wichtigste. Zuerst muss das Buch und vor allem sein Inhalt mir gefallen. Ich kaufe kein Buch, nur weil es gerade billig ist und weil ich es vielleicht irgendwann lesen könne.
Nach oben spielt der Preis natürlich eine Rolle. Als Ebook-Leser würde ich mir schon sehr dämlich vorkommen, ein teures Ebook zu kaufen, dessen Preis später um die Hälfte sinkt, wenn das Taschenbuch herauskommt
Nur Sachbücher kaufe ich als Hardcover, wenn es keine andere Ausgabe gibt, Belletristik kaufe ich immer als Taschenbuch. Ich schaue aber nicht auf die Seitenzahlen. Wenn ich die Wahl habe zwischen einem dicken oder einem dünnen Buch, dann kaufe ich das Buch, das ich am liebsten lesen würde und nie das Billigste.

Achtest du beim Buchkauf auf den Preis?

Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Donnerstag, 2. Juli 2015

Finding Audrey - Sophie Kinsella


Erscheinungsdatum
Englische Ausgabe: 4. Juni 2015
Deutsche Ausgabe: 20. Juli 2015

Weitere Informationen
Audrey ist Mitglied einer ziemlich durchgeknallten Familie: Ihr Bruder ist ein Computernerd, ihre Mutter eine hysterische Gesundheitsfanatikerin und ihr Vater ein charmanter, ein bisschen schluffiger Teddybär. Doch damit nicht genug – Audrey schleppt noch ein weiteres Päckchen mit sich herum: Nämlich ihre Sonnenbrille, hinter der sie sich wegen einer Angststörung versteckt. Bloß niemandem in die Augen schauen! Als sie eines Tages auf Anraten ihrer Therapeutin beginnt, einen Dokumentarfilm über ihre verrückte Familie zu drehen, gerät ihr immer häufiger der gar nicht so unansehnliche Freund ihres großen Bruders vor die Linse – Linus. Und langsam bahnt sich etwas an, was viel mehr ist, als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ...


 

 

 

Meine Meinung

Audrey leidet nach Vorfällen in ihrer Schule an Angststörungen und Depressionen. Sie hat deshalb seit ein paar Monaten die Schule nicht besucht, ihr Haus nicht verlassen und immer eine dunkle Sonnenbrille getragen. Den einzigen Augenkontakt, den sie verträgt ist der mit ihrem kleinen Bruder Felix. Ihr älterer Bruder Frank hat andere Probleme, er möchte Computer spielen, sehr viel Computer spielen, wovon er von seiner hysterischen Mutter mit allen Mitteln abgehalten wird.

Audrey geht regelmässig in eine Psychotherapie. Dort bekommt sie die Hausaufgabe, einen Film zu drehen. Sie filmt heimlich belauschte Gespräche ihrer Eltern, aber auch das alltägliche Leben. Was diese Filme für Audrey und ihre Gesundheit bringen soll, wird nicht klar, für den Leser sind sie ein schöner Einblick in den Alltag der Familie.

In der ersten Hälfte des Buches geht es fast ausschließlich um diesen Alltag, der schräg und witzig ist. Mehr als einmal musste ich laut lachen, besonders über die überspannte, extreme Mutter. Sie ist zwar etwas übertrieben, aber durch sie wird die Geschichte angenehm aufgelockert.

Im zweiten Teil des Buches geht es mehr um Audrey. Man erfährt, wie sie sich fühlt, wie sie kämpfen muss, um selbst die einfachsten Aufgaben zu schaffen und wie sie immer weiter macht und nicht aufgeben will. Ob die Krankheiten realistisch beschrieben werden, kann ich nicht beurteilen.

"Finding Audrey" ist eine schöne, humorvolle Geschichte mit einem ernsten Hintergrund. Die Mischung zwischen Informationen über die Krankheit, Humor und Liebesgeschichte hat die Autorin sehr gut gemeistert. Empfehlen kann ich das Buch jedem, der gut unterhalten werden will und gerne Bücher liest, die sich um Probleme von Jugendlichen drehen. Das Buch wird ab 12 empfohlen, aber auch ältere Leser werden es gerne lesen.

 Vielen Dank an Blogg Dein Buch und RandomHouse für Finding Audrey.



Mittwoch, 1. Juli 2015

7 Todsünden Tag


Ascari vom Leseratz Blog hat mich mit diesem Todsünden-Tag beauftragt, was mich sehr gefreut hat. Einige Fragen sind allerdings sehr kniffelig, und ich musste länger überlegen, um überhaupt Bücher zu finden.

~GEIZ~
Was ist dein teuerstes Buch? Was dein billigstes?
(Geschenkte Bücher und Rezi-Exemplare zählen nicht)

Mein teuerstes Buch ist von Christopher Clark, "Die Schlafwandler". Zu meiner sündigen Schande muss ich zugeben, dass ich es nicht einmal ganz gelesen habe. Ich hatte es mir aufgeteilt, und vorgenommen, jeden Tag 10 Seiten zu lesen. Aber irgendwann habe ich dann doch aufgegeben, weil ich die vielen Kleinigkeiten schneller vergessen habe, als ich lesen konnte.
Ein "billigstes Buch" habe ich nicht gefunden. Passend zu Geiz sind da die vielen Bücher, die ich in meiner ersten Kindle-Zeit geladen habe, bloß weil sie gratis waren. Gelesen wurden die natürlich bis heute nicht.



~ZORN~
Mit welchem Autor verbindet dich Hassliebe?

Autoren sind mir vollkommen gleichgültig. Selbst wenn ich ihre Bücher mag oder nicht mag, hasse ich die Autoren immer noch nicht. Bei dieser Frage muss ich also passen.

~VÖLLEREI~
Welches Buch hast du ohne Scham immer und immer wieder verschlungen?

Hanni und Nanni, Tina und Tini, Dolly und die Fünf Freunde.

~TRÄGHEIT~
Welches Buch hast du aus Faulheit vernachlässigt und nicht gelesen?

Der Distelfinke von Donna Tartt. Dabei hat mir ihr erstes Buch (Die geheime Geschichte) gut gefallen, aber weil "Der Distelfink" so dick ist, habe ich ihn immer noch nicht gelesen.









~HOCHMUT~
Über welches Buch sprichst du, wenn du wie ein intelligenter Leser klingen willst?

Ich meide Bücher, die den Eindruck vermitteln, man müsste ein intelligenter Leser sein, um sie zu verstehen. Bücher sollen zur Unterhaltung da sein. Ein gescheiterter Versuch, mich an Literatur heranzuwagen war "Wie der Soldat das Grammofon repariert" von Saša Stanišić. Aber intelligente Reden kann ich über das Buch nicht schwingen, ich schaffe es ja noch nicht einmal den Autorennamen zu behalten, geschweige denn ihn richtig auszusprechen.


~WOLLUST~
Welche Eigenschaften findest du bei männlichen und weiblichen Charakteren am attraktivsten?

So wie ich mich nicht in Autoren verliebe, genauso wenig identifiziere ich mich mit Charakteren in Büchern.
Ich mag es, wenn Charaktere aus der Rolle fallen und ziemlich extrem sind. Zum Beispiel Sebastian Bergmann aus "Der Mann, der kein Mörder war" gefällt mir ganz gut. Im wirklichen Leben würde er mit seinem Benehmen nie durchkommen, in Büchern ist er eine Art Held.


~NEID~
Welches Buch würdest du am liebsten als Geschenk erhalten?

Das neue Buch von Harper Lee, "Gehe hin, stelle einen Wächter".

Getaggt ist jeder, der mitmachen möchte.