Freitag, 1. Mai 2015

Ein Ufo, dachte sie - Xiaolu Guo

Erscheinungsdatum: 1. September 2009
Übersetzer: Anne Rademacher
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Über Xiaolu Guo

Xiaolu Guo wuchs in einer kleinen Stadt in Südchina auf und studierte an der Filmhochschule in Beijing. Nebenher schrieb sie Geschichten und Romane. Seit 2002 lebt sie in London. Sowohl in China als auch in ihrer britischen Wahlheimat machte sie sich als Filmemacherin und Schriftstellerin einen Namen. Mit "Kleines Wörterbuch für Liebende" gelang ihr der internationale Durchbruch.

Kurze Zusammenfassung

Einer jungen Bäuerin aus der hintersten Ecke Chinas widerfährt eines Morgens im Jahre 2012 etwas Unglaubliches: sie entdeckt in einem Reisfeld ein UFO und einen verletzten Fremden. Nachdem sie sich von ihrem Schrecken erholt hat, leistet sie ungeachtet aller Gesetze und Regeln Erste Hilfe und nimmt den Alien mit nach Hause.
Am nächsten Tag ist er verschwunden. Dafür tauchen Vertreter der Staatsmacht aus Beijing auf, und eine Kontrollmaschinerie kommt in Gang, die das Dorf überrollt. Alles und jeder wird überprüft. Schließlich, auf dem Höhepunkt der Hysterie, trifft ein Scheck über 2000 Dollar ein, geschickt vom geretteten Alien aus Amerika. Das Geld des Klassenfeinds bringt die Verhältnisse in dem beschaulichen Dorf nun endgültig zum Tanzen...

Meine Meinung

Eine Frau fährt mit ihrem alten Fahrrad durch ein Reisfeld und glaubt eine silberne Scheibe am Himmel zu sehen. Sie fällt in Ohnmacht und als sie aufwacht liegt neben ihr ein komischer Mann mit gelben Haaren, der von einer Schlange gebissen wurde. Sie nimmt den Mann mit zu sich nach Hause und pflegt seine Wunde. Als sie kurz rausgeht, um Tee zu pflücken, verschwindet ihr Gast. Die Frau rennt zur Ortsvorsteherin, die sofort den Behörden Bericht erstattet und so Ermittlungen einleitet.

Bis zu dem Moment war das Leben ruhig im kleinen Örtchen Silberberg im chinesischen Hinterland. Die meisten Dorfbewohner sind Analphabeten, die ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Jeder kennt jeden und im Allgemeinen leben alle friedlich zusammen. Das ändert sich schlagartig nach der Sichtung des UFOs und vor allem nach der Pflege des fremden Mannes.

Überspitzt wird dargestellt, was Fortschritt bedeuten kann. Mit aller Kraft will die Dorfvorsteherin aus dem verschlafenen Dorf eine moderne Stadt machen, Touristen, Sportler und Arbeiter anlocken. Was die Dorfbewohner davon halten wird nicht gefragt, welche Konsequenzen ihr Handeln für die Umwelt hat, schon gar nicht. In kurzen Verhörprotokollen und Notizen wird nach und nach klar, welche Veränderungen auf das Dorf zukommen und wie die verschiedenen Dorfbewohner reagieren.

"Ein Ufo, dachte sie" ist ein skuriller Roman, den man zur Unterhaltung lesen kann, der aber auch einen tieferen Sinn hat, und aus dem man leise und humorvolle Kritik am Kommunismus, an der chinesischen Bürokratie und an den Zuständen im Land herauslesen kann. Es ist ein besonderer Roman und ich habe es genossen, eine Geschichte zu lesen, die sehr weit von allem Üblichen und Normalen entfernt ist.


Das Buch wurde verfilmt. Hier gibt es den Trailer:


https://m.youtube.com/watch?v=emboBMaNlQs



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