Sonntag, 31. Mai 2015

Der Seidenspinner - Robert Galbraith

Erscheinungsdatum: 24. November 2014
Übersetzer: Wulf Bergner, Christoph Göhler, Kristof Kurz

Weitere Informationen

Als der Romanautor Owen Quine spurlos verschwindet, bittet seine Frau den privaten Ermittler Cormoran Strike um Hilfe. Es ist nicht das erste Mal, dass Quine für einige Tage abgetaucht ist, und sie möchte, dass Strike ihn findet und nach Hause zurückbringt. Doch schon zu Beginn seiner Ermittlungen wird Strike klar, dass mehr hinter Quines Verschwinden steckt, als seine Frau ahnt. Der Schriftsteller hat soeben ein Manuskript vollendet, das scharfzüngige Porträts beinahe jeder Person aus seinem Bekanntenkreis enthält. Sollte das Buch veröffentlicht werden, würde es Leben zerstören – zahlreiche Menschen hätten also allen Grund, Quine zum Schweigen zu bringen.

Als Quine tatsächlich tot aufgefunden wird, brutal ermordet unter bizarren Umständen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um das wahre Motiv des skrupellosen Mörders aufzudecken – eines Mörders, wie Strike ihm noch nie zuvor begegnet ist …

Absolut fesselnd und voller unerwarteter Wendungen: Der Seidenspinner ist der zweite Roman der hochgelobten Krimiserie um den Ermittler Cormoran Strike und seine entschlossene junge Assistentin Robin Ellacott.

Meine Meinung

Detektiv Cormoran Strike hat durch seinen letzten Erfolg (beschrieben in der Ruf des Kuckucks) keine Probleme an reiche und zahlungswillige Kundschaft zu kommen. Doch die ewigen Neid- und Racheaffären bringen zwar Geld ein, sind aber todlangweilig und so wundert es nicht, dass er einwilligt als eine ärmlich wirkende Leonora Quine ihn bittet, ihren Mann zu finden, der seit ein paar Wochen verschwunden ist.

Robert Galbraith konnte sich mit diesem zweiten Krimi der Strike-Reihe deutlich steigern. Der Schreibstil ist gewohnt ausschweifend, aber dadurch sind die Personen, selbst Nebenfiguren, lebendig und gut ausgearbeitet. Besonders die Handlung habe ich bewundert, sie ist sehr ausgeklügelt, baut sich langsam auf und ist von Anfang bis Ende durchdacht. Sie kommt ohne Zeitsprünge, ohne viele Perspektivwechsel und auch ohne zu viel Technik und Analysen aus.

"Der Seidenspinner" ist  ein  klassischer Krimi, in dem die Spannung sehr geschickt bis ganz zum Schluss aufrecht gehalten wird. Selbst als Strike und Robin schon ahnen, wer der Mörder sein könnte, tappt man als Leser immer noch im Dunkeln.
Wärmstens empfehlen kann ich diesen Krimi jedem, der ruhige, intelligente Geschichten mag und sich die Zeit nehmen möchte, in eine andere Welt einzutauchen.

Dienstag, 26. Mai 2015

Die magische Küchenspüle - Marla Cilley - The FlyLady

Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2014
Übersetzer: Gurdrun Schwarzer, Anneke Rüdebusch
http://www.magischekuechenspuele.de/
Weitere Informationen

Kurze Zusammenfassung

Sie leben im Chaos? Sie fühlen sich überfordert, wissen nicht wo Sie anfangen sollen? Lernen Sie eine Methode kennen, die bereits hunderttausenden von Menschen geholfen hat, aus ihrem chaotischen Zuhause einen Ort des Friedens und Wohlbefindens zu machen - dauerhaft!

Meine Meinung

Frau Flylady gibt zu, dass sie manchmal wie ein Feldwebel klingt, aber das nur, weil ihr Herz für mich schlägt. Mit Tränen in den Augen schreibt sie, dass sie meine Probleme lösen wird und wünscht sich, sie könnte mich in ihre Arme nehmen. Ein paar Emotionen zu viel für das bisschen Dreck, aber was solls, ich bin trotzdem dabei.

Beginnen wir also ganz am Anfang. Um das Haushaltsproblem in den Griff zu bekommen, soll ich zuerst meine Küchenspüle auf Hochglanz polieren. Dazu gibt es eine komplette Anleitung, weil ich anscheinend nicht den Eindruck erwecke, das selbstständig zu schaffen. Im nächsten Punkt geht es darum, dass ich mich jeden Tag anständig anziehe und den Haushalt von nun an immer in geschnürten Schuhen erledige. Erst danach wird das eigentliche System erklärt, dass man immer nur kleine Arbeiten tun soll, nie zu viel auf einmal, aber jeden Tag ein bisschen.  Dazwischen gibt es immer wieder Leserbriefe von Frauen, die der Autorin huldigen und ihre geniale Methode loben.

Ich dachte eigentlich, ein bisschen mehr Organisation im Haushalt könnte bei mir nicht schaden, aber so schlimm, dass ich mich der FlyLady-Methode unterwerfen würde, ist es dann doch wieder nicht. Das Buch richtet sich eher an Menschen, deren Wohnungen im Dreck untergehen.

Der Schreibstil ist leicht verständlich und wenn man einmal trotzdem etwas nicht verstanden hat, keine Panik, es wird noch mindestens zehn weitere Male erklärt. Das Buch ist sehr christlich, viel christlicher als man es einem Putzbuch zutrauen würde.

Empfehlen kann ich das Buch trotzdem: wenn du zu den Menschen gehörst, die den ganzen Tag im Pyjama bleiben, wenn bei dir alles vor Dreck und Unordnung nur so strotzt, wenn du deswegen niemanden ins Haus lässt und wenn du nicht weisst, wo im riesigen Chaoshaufen du mit dem Aufräumen anfangen sollst, dann ist dieses Buch für dich.


Vielen Dank an Blogg dein Buch und die Edition Schwarzer für das Buch "Die magische Küchenspüle"


Montag, 25. Mai 2015

Montagsfrage: Liest du Bücher einzeln nacheinander oder auch mehrere parallel?


Eigentlich möchte ich vermeiden, Bücher parallel zu lesen, um die verschiedenen Geschichten nicht durcheinander zu werfen. Manchmal melde ich mich zu Leserunden an und möchte weder mit Verspätung noch zu früh starten. In dem Fall pausiere ich das aktuelle Buch und lese erst weiter, wenn das Leserundenbuch beendet ist. Aber wenn das Buch zu spannend ist, lese ich immer wieder in beiden Büchern.
Sachbücher lese ich immer parallel zu anderen Büchern.

Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Sonntag, 24. Mai 2015

Nachruf auf den Mond - Nathan Filer

Erscheinungsdatum: 2. März 2015
Übersetzer: Eva Bonné

Weitere Informationen

Kurze Zusammenfassung

Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie …

Meine Meinung


Matthew Homes erzählt eine Geschichte und er will sie gut erzählen. Es geht hauptsächlich um ihn selbst, denn wenn man ein krankes Bein hat, dann bekommt dieses Bein die ganze Aufmerksamkeit und man  vergisst das gesunde Bein. Matthews Psyche ist krank und so dreht alles sich um ihn selbst und weniger um seine Mitmenschen. An Simon, seinen verstorbenen Bruder denkt er allerdings sehr oft. Durch brennende Kerzen, den Mond, die Sonne oder Meeresrauschen hört er seinen Bruder und ist deswegen in Therapie. Während dieser Zeit darf er manchmal an den Computer und schreibt seine Geschichten auf. So erfährt der Leser nach und nach, was mit Simon passiert ist, wer die Geschichte erzählt und was Matthew inzwischen erlebt hat. Matthew hatte nicht nur unter dem Tod seines Bruders zu leiden, sondern auch unter seiner Mutter, die ihn überbehütete, nicht mehr zur Schule gehen ließ und immer wieder grundlos zum Arzt schleppte. Matthew schreibt regelmässig an diesen Erzählungen, manchmal hat er gute Tagen und seine Geschichten lesen sich positiv, an anderen Tagen sind sie eher wirr und schwer verständlich.

"Nachruf auf den Mond" ist ein besonderes Buch, manchmal ein bisschen durcheinander, wie sein Hauptcharakter. Es liest sich nicht leicht, weil es stellenweise traurig, sogar deprimierend ist, dann wieder voller Hoffnung und Leichtigkeit. Ein eindrucksvolles Buch, welches ich weiterempfehlen kann.

Mittwoch, 20. Mai 2015

Denken Sie jetzt nichts! - Andrea Jolander

Erscheinungsdatum: 18. Mai 2015
Denken Sie jetzt nichts! Andrea Jolander
Weitere Informationen

Über Andrea Jolander

Andrea Jolander, Jahrgang 1952, ist das Pseudonym einer bekannten Psychotherapeutin, die seit über dreißig Jahren in diesem Beruf tätig ist. Neben der Arbeit in eigener Praxis hat sie Psychotherapeuten ausgebildet und bei der Gründung einer Beratungsstelle mitgewirkt. Andrea Jolander ist verheiratet und lebt in Baden-Württemberg.

Kurze Zusammenfassung

Vergessen Sie langes Grübeln, hören Sie auf zu hadern und begeben Sie sich in die Hände Ihrer Intuition! Mit viel Humor erklärt Psychotherapeutin Andrea Jolander, warum spontane Entscheidungen meist die besseren sind und wie wir lernen, unsere Instinkte für uns zu nutzen.

In Las Vegas geheiratet, mal eben ein Auto gekauft: Das halten wir bestenfalls für unüberlegt, eher aber für ganz schön dumm. Doch die Entscheidung aus dem Bauch heraus ist nichts anderes als unser Unterbewusstsein, das aus dem Archiv lebenslanger Erfahrung schöpft und unserem bewussten Denken weit überlegen ist. Es bedarf nichts weiter als einer kleinen Inventur in Ihrem Archiv um zu wissen, wann Sie sich auf Ihr Bauchgefühl verlassen können. Lernen Sie, Ihr Unterbewusstsein zu nutzen. Ab jetzt gilt: Bauch schlägt Kopf!

Meine Meinung

Während ich vor meinem Bildschirm sass  und gemütlich ein Eis gegessen habe, statt endlich mit dieser Bewertung anzufangen, haben meine inneren Helfer sich schon mal Gedanken gemacht, was ich denn so schreiben könnte. Praktisch, gell! Aber das klappt nicht nur mit dem Schreiben. Auch beim Autokauf, beim Abnehmen oder bei Entscheidungen, sollte man sich mehr auf seine Instinkte verlassen und weniger denken. Während wir mühsam über ein paar Fakten grübeln, können wir unbewusst in einem Moment vierzig Sinneswahrnehmungen gleichzeitig registrieren und unser Gehirn verarbeitet bis zu elf Millionen Informationen. Natürlich gewinnt damit das Bauchgefühl haushoch gegen alle unsere Überlegungen.

Andrea Jolander ist Psychotherapeutin und plaudert in einem sehr angenehmen und leicht lesbarem Stil über unsere Instinkte, was sie können, wie sie funktionieren und warum wir uns auf sie verlassen sollten. Ein ganzes Kapitel ist dem inneren Schweinehund gewidmet, der eigentlich gar nicht der Bösewicht ist, als den er in den Medien immer dargestellt wird. Er meint es nur gut und möchte uns vor Aktionen abhalten, für die wir (noch) nicht bereit sind oder die wir später bereuen werden.

Sehr wichtig fand ich das Kapitel über die Babys, bei denen sich schon in den ersten Monaten entscheidet, wie sie später mit anderen Menschen und sich selbst klarkommen werden, bei welchen Kindern psychologische Probleme wahrscheinlicher werden und auch, was man immer noch daran ändern kann.

"Denken Sie jetzt nicht" ist eine Bedienungsanleitung für den Leser selbst, man lernt sich und seine Instinkte kennen, ohne eine Psychotherapie zu besuchen. Auch meinen inneren Helfern hat das Buch sehr gut gefallen, deshalb haben sie mir schlussendlich auch erlaubt, die Bewertung zu schreiben und keine weiteren Ablenkungsmanöver gestartet, um mich davon abzuhalten. (Aber bevor ich die nächste Bewertung schreibe, schlagen sie noch eine kurze Runde Instagram vor. Also gut, meinetwegen!)



Literaturplausch #5


Literaturplausch ist eine Aktion von Frau Hauptsachebunt. Herbstvorschauen ignoriere ich komplett. Über Neuvorstellungen informiere ich mich auf der Belletristik-Couch, andere Bücher finde ich auf Blogs oder einfach durch Zufall.

#reading
Noch habe ich es nicht ganz gelesen und schon ist es ein Buch, das ich absolut empfehlen kann. "Denken Sie jetzt nichts" von Andrea Jolander ermutigt den Leser, sich mehr auf sein Bauchgefühl und weniger auf sein Gehirn zu verlassen. Schon ihr erstes Buch "Da gehen doch nur Bekloppte hin" konnte überzeugen. Es erzählt in einem angenehmen, leicht lesbaren Plauderton über Psychotherapie und Psychotherapeut.

 #Zitat
"Unsere unbewussten Entscheidungen sind lediglich nicht nur schneller, sondern oft auch viel treffsicherer - und sogar vernünftiger - als die, die erst nach langer Überlegung getroffen werden,"
Denken Sie jetzt nichts - Andrea Jolander

#newin
New In bedeutet bei mir lediglich, dass neue Bücher auf meine Merkliste gewandert sind. Demnächst lesen möchte ich "Der Tod wartet nicht" von Stefanie Baum alias Alex Berg. Ansonsten steht noch "Das Ehespiel" von Kate Christensen in den Startlöchern, aber erst wenn ich mit den "Fabelhaften Schwestern der Familie Cooke" abgeschlossen habe.

#woanders
Woanders, aber im Moment erstmal hier: Boost the best. Auf dieser Seite möchte ich die besten Posts der Woche sammeln, um ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Allerdings braucht die Aktion noch ein paar Wochen (oder Monate?) um anzulaufen.


Dienstag, 19. Mai 2015

Boost the Best #1


Boost the best im Buecherlabyrinth



Manche Blogartikel (z.B. dieser von der Geschichtenagentin)  und auch manche Buchbewertungen (z.B. diese von Zweilesen) verdienen zusätzliche Aufmerksamkeit, mehr Klicks und vor allem weitere Leser.

Deshalb gibt es hier jetzt jeden Dienstag "Boost the Best". Du kannst deinen besten Post verlinken und so Aufmerksamkeit auf diesen Post der Woche lenken, weil er dir besonders am Herzen liegt, weil du dir viel Mühe gemacht hast oder weil er einfach in der Masse untergegangen ist.

Dies ist eine Aktion für Buchblogger. Bitte verlinke nur Blogs und Blogseiten, die sich mit Büchern und Lesen befassen. Natürlich kannst du auch jede Woche den selben Post bewerben, allerdings nur einen Post pro Woche. Viel Erfolg!




Montag, 18. Mai 2015

Montagsfrage: Hand auf's Herz, wie viele Bücher besitzt du?


Diese Woche möchte Buchfresserchen wissen, wieviele Bücher die Menschheit besitzt. Bei mir im Regal sind es 25 "richtige" Bücher, davon 10 Kochbücher. Die E-Books musste ich etwas länger zählen. das sind 234 Stück, allerdings sind darunter noch ein paar XXL-Leseproben und einige Gratisbücher, die ich ganz sicher nie lesen werde.

Und wieviele Bücher besitzt du?


Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Literaturplausch #4



#reading
Seit gestern lese ich "Dein totes Mädchen" von Alex Berg. Im Moment ist noch alles sehr geheimnisvoll, auf jeden Fall ist es spannend und fesselnd.

 #Zitat
So ist das Lesen mit dem Leben verflochten, beides ergänzt sich gegenseitig. Charlotte weiß, dass sie auf einem Meer von Worten schwimmt, einem Meer aus Sprache, Geschichten, Situationen, Information und Wissen. Manches davon kann sie abrufen, vieles ist halb verloren, steckt aber doch irgendwo in ihr und wirkt ein auf ihre Identität und ihr Denken. Sie ist das Ergebnis ihrer Lektüre ebenso wie ihrer Lebensweise, wie Millionen andere, die von Büchern geprägt wurden, Bücher als Grundnahrung brauchen und ohne sie verhungern würden.
Wenn eins zum anderen kommt - Penelope Lively

#woanders
Gerade heute bin ich auf einen Blogbeitrag gestossen von Tobias Lindeman (libroskop), den ich gerne gelesen habe. Es geht um die Covergestaltung und darum, dass verschiedene Cover sich zum verwechseln ähnlich sehen.
Ich habe keine Cover gefunden, die das selbe Motiv verwenden, aber viele ähneln sich doch sehr. Ganze Frauen waren diesen Gestalter wohl zu abgedroschen, aber Fotos die mitten im Gesicht geschnitten sind, sind noch schlechter.


Mittwoch, 13. Mai 2015

Das geheime Leben der Violet Grant - Beatriz Williams

Erscheinungsdatum: 11. Mai 2015
Übersetzer: Anja Hackländer

Kurze Zusammenfassung

Manhattan, 1964. Vivan Schuyler hat das Undenkbare getan: Sie hat dem glamourösen Upperclass-Leben ihrer Familie den Rücken gekehrt, um Karriere als Journalistin zu machen. Als sie herausfindet, dass sie eine skandalumwitterte Großtante hat, ist ihr Spürsinn geweckt …

Berlin, 1914. Die junge Physikerin Violet erträgt ihre Ehe mit dem älteren Professor Grant nur, um ihren Forschungen nachgehen zu können. Doch plötzlich bricht der Erste Weltkrieg aus – und ein geheimnisvoller Besucher stellt Violet vor eine Entscheidung mit dramatischen Folgen.

Meine Meinung

New York, 1964: Vivian bekommt per Post ein schweres Paket geschickt und überredet einen fremden Mann es in ihre Wohnung zu tragen. Beide verlieben sich unsterblich und fangen auf der Stelle eine Affäre an.
Berlin, 1914: Violet studiert, gegen den Willen ihrer Eltern und fühlt sich allein unter den vielen männlichen Studenten. Für ihren wunderbaren Herrn Professor würde sie alles tun und geht selbstverständlich mit ihm ins Bett (und auf den Schreibtisch, aufs Sofa, auf den Labortisch...)
Sehr viel mehr als der Klappentext verrät auch das ganze Buch nicht über die Arbeit von Vivian und Violet. Selbst die verschiedenen Zeitebenen könnte man verpassen, denn am Geschlechtsakt hat sich mit den Jahren nicht allzuviel verändert. Und genau das hat mich am Buch enttäuscht. Der Hauptmerkmal lag nicht, wie der Klappentext vermuten ließ, auf den Frauen, die für ihre Zeit einer ungewöhnlichen Beschäftigung nachgingen, sondern es ging vor allem um ihre Bettgeschichten mit einigen historischen Details als Hintergrunddekoration.
Die ersten 100 Seiten habe ich trotzdem noch gerne gelesen. Die Geschichte war zwar überspitzt und vollkommen unrealistisch, aber ich habe mich amüsiert und hätte mich auch auf ein Buch in diese Richtung einlassen können. Doch danach kam leider nur noch Langeweile auf. Die letzten 100 Seiten waren etwas besser, doch nicht gut genug, um die Karre noch aus dem Dreck zu reissen.



Der Löwensucher - Kenneth Bonnert

Erscheinungsdatum: 25. März 2015
Übersetzer: Stefanie Schäfer

Weitere Informationen

Kurze Zusammenfassung

Was steckt in dir? Hast du das Zeug dazu, im Leben ein Löwe zu sein? Isaac Helger, wilder, kluger Sohn jüdischer Einwanderer in Südafrika, ist hin- und hergerissen zwischen Tradition und Aufbruch. In den späten 1930er Jahren trifft er eine schicksalhafte Entscheidung. Eine universelle Geschichte über einen jungen Menschen auf der Suche nach Erfolg und nach seinem Platz im Leben. Atmosphärische Familiensaga und literarischer Schelmenroman – eine grandiose literarische Entdeckung.

Meine Meinung

Isaac verlässt als kleiner Junge seine Heimat und zieht mit seiner Mutter und seiner Schwester zum Vater nach Südafrika. Isaac war schon ein quirliges Kind und wird  mit den Jahren noch schwieriger. Seine Lehrer und der Vater kämpfen auf verlorenem Posten, weil die Mutter alles dafür tut, damit ihr Sohn so schnell wie möglich Geld verdient. Und in Schule und Lehre verdient man nicht genug für das schöne Haus, das die Mutter sich für die Grossfamilie wünscht. Der Vater ist ein stiller, ruhiger Mann, der sich gegen seine Frau nicht so recht durchsetzen kann. Er versucht es, möchte dass sein Sohn in die Schule geht oder wenigstens eine Lehre macht, aber Isaac ist leichter für die Gaunereien zu begeistern, zu denen seine Mutter ihn drängt.

Das Buch ist stellenweise sehr schlimm zu lesen, es ist schockierend wie brutal und grausam Menschen miteinander umgehen. Umso unverständlicher, warum Isaac und besonders seine Mutter nicht verstehen können, dass der Hass dem sie als Juden ausgesetzt sind, identisch ist mit dem gegen Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Sie helfen den Menschen selbst dann nicht, wenn sie es gefahrlos und ohne irgendwelchen Probleme tun könnten.

Das Buch ist gut, es hat sehr starke Szenen und wichtige Informationen. Aber ich habe es gelesen wie ein Sachbuch, mich hartnäckig gezwungen weiterzulesen. Gepackt hat das Buch mich leider nie, warum genau kann ich nicht sagen. Gestört hat mich der Schreibstil, der mir immer etwas rauh vorkam und manche ausschweifende Stellen.

Montag, 11. Mai 2015

Montagsfrage: Kaufst oder leihst du Bücher lieber?



Leihen, leihen, immer nur leihen. Leihen ist einfach nur praktisch, vor allem auch noch sehr billig und es gibt trotzdem mehr als genug zu lesen. Mein letztes Buch habe ich Ende Februar gekauft und selbst das war nur ein billiges E-Book. Ich weiss, ich bin der mieseste Buchkäufer, der Albtraum von jedem Buchhändler, denn ich habe bisher keine Büchersucht einwickelt und verspüre immer noch nicht den Drang wöchentlich mehr Bücher zu kaufen, als ich im Monat lesen kann.


Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Freitag, 8. Mai 2015

»Sag mir mal ...« Gesprächsführung mit Kindern (4 - 12 Jahre) - Martine F. Delfos

Erscheinungsdatum: 31. Juli 2013
Übersetzer: Verena Kiefer

Über Martine F. Delfos

Dr. Martine F. Delfos ist Wissenschaftlerin, Psychologin und Therapeutin. Sie arbeitet unter anderem mit mehrfach traumatisierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, hat Lehraufträge an verschiedenen Universitäten weltweit und ist Autorin zahlreicher Grundlagenwerke, die in viele Sprachen übersetzt wurden.

Kurze Zusammenfassung

• Was verstehen Kinder in welchem Alter? • Wie bekommen Sie Antworten, die das wirkliche Erleben und die Bedürfnisse der Kinder deutlich machen? • Was ist der richtige Gesprächsrahmen? • Welchen Antworten können Sie Vertrauen schenken? Die Psychologin und Kindertherapeutin M. Delfos beschreibt Möglichkeiten, wie wir mit Kindern offene Fragegespräche führen können. Im Vordergrund steht, dass wir die Meinung der Kinder wirklich erfahren und Zugang zu ihrem Erleben finden. Wie kommen unsere Fragen bei den Kindern an, welche Antworten dürfen wir erwarten? Die Gesprächstechniken richten sich nach dem jeweiligen Alter des Kindes und der Gesprächsabsicht. Ein praxisnahes Buch für Eltern und alle, die mit Kindern arbeiten. Das Buch von Martine Delfos zielt in erster Linie darauf, mit Kindern offene Fragegespräche zu führen, Kinder mit der Absicht zu interviewen, ihre Meinung wirklich zu erfahren, ihr Erleben und ihre Bedürfnisse hörbar zu machen. Dabei unterscheiden sich die Bedingungen für eine Gesprächsführung je nach Lebensalter, so dass das hier beschriebene Modell für Gesprächsführung altersgemäß aufgebaut ist und zwischen unterschiedlichen Altersspannen differenziert.

Meine Meinung



Ich habe dieses Buch gelesen, um mehr über die Kommunikation mit Kindern zu erfahren. Das Buch hat mich mit Informationen erschlagen und ich denke auch nicht, dass ich zur angepeilten Zielgruppe gehöre. Das Buch richtet sich nicht an Eltern, die mit ihren Kindern normale Alltagsgespräche über Taschengeld oder Hausaufgaben führen wollen, sondern an Spezialisten die mit vernachlässigten Kindern reden oder mit Kindern die Zeugen von Verbrechen wurden. Die Autorin hat sich viel Mühe gemacht und sehr viele Informationen aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen hat. Aber ich habe so wenig Wissen auf diesem Gebiet, dass ich das natürlich auch nur vermuten kann.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, bekommt hier eine Leseprobe.

Donnerstag, 7. Mai 2015

[Schreibwettbewerb] Das Meer & Ich

 Frau Hauptsachebunt hat zusammen mit dem Ankerherzverlag einen Schreibwettbewerb organisiert. Das Thema lautete "Das Meer und Ich". Wer mitmachen möchte kann seinen Text auf seinem Blog veröffentlichen und diesen danach an Frau Hauptsachebunt senden. Einsendeschluss ist der 1.6.2015.

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Ohne Oma am Strand

"Wo ist Oma?", fragt Mama, während sie bibbernd nach ihrem Badetuch greift.

"Sie ist gestorben und wir haben sie da begraben." Ich zeige mit der Schaufel auf Lucas Sandburg.
Mama wirft ihr Tuch beiseite und beginnt hektisch zu buddeln, gleichzeitig heult Luca los wie eine Sirene, weil er unseren Sandburgen-Wettbewerb nicht verlieren möchte. Papa grinst mich an, was Mama irgendwie mitbekommt, denn sie hört mit ihrer Wühlerei auf und kommt auf mich zu. Wenn ich so in ihr Gesicht blicke, bin ich ganz froh, dass ich die Metallschaufel in der Hand halte und nicht sie.
"Bist du wütend, weil wir ihr keine Blumen aufs Grab gelegt haben?"
Keine Reaktion, sie blinzelt mich nur wütend an. Anscheinend ist sie heute nicht zu Spässen aufgelegt.
Dann zetert sie und macht nur eine kurze Pause um noch einmal zu fragen, wo Oma ist. Ich weiss es nicht, also schimpft sie lautstark weiter. Manche Strandnachbarn rücken ihre Liegetücher diskret von uns fort. Andere packen kopfschüttelnd ihre Sachen zusammen und hauen ab. Das kann Mamas Wut allerdings nicht besänftigen und leider auch nicht von mir ablenken. Papa schafft das kurze Zeit später mit einem einzigen Blick.

"Du hast der Tussi hinterhergeglotzt, du elender Schuft!" Ich widme mich endlich wieder meiner Sandburg. Luca hat in der Zwischenzeit ganz schön aufgeholt.

Papa seinerseits wird vom Handy vor Mamas Geschrei gerettet. Zuerst flucht sie bei der Suche nach dem Ding und danach macht es keinen guten Eindruck, wenn sie telefoniert und gleichzeitig mit Papa schimpft. Ich habe sogar meine Zweifel, ob Mama beides überhaupt zeitgleich kann. Ein wenig später steckt sie ihr Handy zurück in ihre Strandtasche.

"Ich weiss, wo Oma ist. Wir können sie von der Polizeiwache abholen. Sie hat irgendeiner Tussi eins mit ihrem Gehstock übergezogen, weil die sich auf der Toilette vordrängen wollte." Mama scheint richtig stolz auf ihre Mutter zu sein.

"Das war bestimmt die Frau, der ich vorhin nachgeblickt habe. Die hatte etwas Kriminelles an sich, diese Gefahr musste ich einfach im Blick behalten", neckt Papa und bekommt dafür einen Klapps auf den Oberarm.

Gemütlich streckt Papa sich auf seinem Handtuch aus und schließt die Augen.

"Hallo! Mann!", blafft Mama ihn an und steht auf. "Wir sollen Oma abholen, schon vergessen?"

Papa räkelt sich und grinst, öffnet die Augen aber immer noch nicht und macht schon gar keine Anstalten aufzustehen.
"Wir holen sie in ein, zwei Stunden ab, wenn wir sowieso da vorbei fahren. Ich vermisse deine Mutter im Moment noch nicht so arg."

Mama antwortet nicht, sondern dreht ihre Wasserflasche auf und schüttelt den Rest auf Papas nackten Bauch, der blitzschnell und schreiend aufsteht. Mama wirft ihm sein T-Shirt zu und packt die Tücher ein. Omas Liegestuhl und unsere Sandsachen bleiben liegen. Luca und mich scheinen sie auch zu vergessen.

"Leo, Leooo, Leeoo. Wach endlich auf" Die Stimmer meiner Mutter wird immer lauter, weil ich tue als würde ich schlafen. Aber nein, ein Albtraum war das nicht, meine Familie ist wirklich so und wenn man denkt, das wars, schlimmer kann es nicht mehr werden, dann kennt man meine Familie nicht. Die kann immer noch schlimmer.

Dienstag, 5. Mai 2015

Literaturplausch #3

Frau Hauptsachebunt stöbert bereits in Herbstvorschauen, während ich eben erst begonnen habe den Frühling zu geniessen. Außerdem hat sie einen Schreibwettbewerb organisiert. Als Hauptpreis gibt es eine Reise nach Hamburg zu gewinnen!

#reading
Mein Hauptbuch sei ein paar Tagen ist "Nachruf auf den Mond". Anfangs war es leicht traurig und kindlich lieb, doch mit dem Alter des Erzählers steigert sich auch die Traurigkeit.

Daneben habe ich das Glück "Das geheime Leben der Violet Grant" zu lesen. Im Buch steht, dass man keine Bewertungen vor dem 11. Mai veröffentlichen darf, aber da es deren bei Amazon trotzdem schon 36 gibt, verrate ich wohl nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass ich das Buch lustig finde.

 #Zitat
"Wir alle streben nach Weisheit, denn Wissen haben wir genug. Die Weisheit aber kommt aus den vielen kleinen Aufmerksamkeiten des Lebens"
Jataka


#woanders
Ein Bücherblog, der mir sehr gut gefällt ist der WortGestalt-Blog von Philly. Sie hat viele guten Ideen und macht sich eine unglaubliche Mühe, diese umzusetzen. Außerdem kann ich ihre vielen verschiedenen Logos nur bewundern.

Montag, 4. Mai 2015

Das grosse Spiel - Claude Cueni

Erscheinungsdatum: 2. Januar 2008

Weitere Informationen

Kurze Zusammenfassung

Begnadeter Spieler, legendärer Frauenheld, brillanter Mathematiker – John Law war die schillerndste Figur seiner Zeit. Claude Cuenis großer historischer Roman erzählt die fesselnde Geschichte eines Genies, das für eine atemberaubende Idee sein Leben und ein ganzes Land aufs Spiel setzte.
1671 in Edinburgh geboren, verspielt John Law bereits in jungen Jahren das Vermögen seines Vaters. Draufgängerisch auch sein Umgang mit den Frauen. Scharen von gehörnten Ehemännern frohlocken, als Law nach einem Duell mit tödlichem Ausgang das Land verlassen muss. Während seiner Flucht quer durch Europa kommt ihm die bahnbrechende Idee, Geld nicht länger mit den immer knapper werdenden Edelmetallen zu decken. John Law erfindet das Papiergeld, doch seine Idee findet kein Gehör. Erst als er Anfang des 18. Jahrhunderts nach Frankreich gelangt, bekommt er seine Chance. Der Herzog von Orléans, gerade zum Regenten gekürt, findet Gefallen an der Vorstellung, die enormen Staatsschulden quasi per Druckerpresse zu tilgen. 1716 gründet Law die Banque Royale und gibt erstmals Papiergeld aus. Seine Idee bewährt sich, der Handel blüht, und John Law häuft ein Vermögen an, das ihn zum reichsten Mann seiner Zeit macht, ja vielleicht zum reichsten Mann, der jemals gelebt hat. Doch irgendwann holt ihn seine Spielernatur ein.

Zitate

»Selbst an die Hölle gewöhnt sich der Mensch. Mit der Zeit wirst du sehen, es gibt bessere und schlechtere Tage. Genau wie draußen. Das war klug vom lieben Gott, dass er den Menschen so gemacht hat. Du denkst immer: Jetzt ist das Maß voll. Mehr kann ein Mensch nicht ertragen. Und doch erträgst du noch ein klein bisschen mehr. Und noch ein bisschen mehr. Und gewöhnst dich daran.«

»Es ist wunderschön, den Halt zu verlieren. Man fällt und fällt und stößt unverhofft auf etwas Neues. Auf etwas Unbekanntes.«

»Intelligenz ist wertlos, wenn sie nicht flankiert wird von Disziplin, Ausdauer und Moral.«


Meine Meinung

John Law war ein junger Schotte, der durch mathematisches Können an Spieltischen und durch viel Charme bei den Frauen gewann. Doch nicht immer hatte er Glück. In England wurde er nach einem unglücklichen Duell zum Tode verurteilt und musste fliehen. In seine Heimat Schottland konnte er nicht zurückkehren, weil diese sich mit England vereinen wollte. Frankreich war durch den ausschweifenden Lebensstil von Louis XIV so gut wie bankrott. Hier versuchte John Law seine Idee zu verwirklichen und Münzen durch Papierscheine zu ersetzen, um dadurch die Wirtschaft anzukurbeln und den Menschen wieder Arbeit und Nahrung zu geben.

John Law war außergewöhnlicher Mann, dessen Leben genug Höhen und Tiefen hatte, um es zu einem spannenden Roman zu verarbeiten. Es fehlte nicht an Intrigen, Feindschaften und falschen Freunden. John Law war ein intelligenter, voraussehender und menschenfreundlicher Mann, der kein Risiko scheute, der nicht nach Reichtum strebte sondern danach, seine Vision zu verwirklichen.

Sehr gut dargestellt wird die Entwicklung von John Law, der anfangs nur ein geschickter Spieler war, der sich durch sein Temperament zu Duellen hinreißen lässt, seinen Bruder vor den Kopf stößt und sich immer wieder Feinde macht. Mit der Zeit wird er besonnener, was vielleicht auch eine Folge seiner Liebe zu Catherine Knollys und deren Einfluss auf ihn ist. Weil die Frau bereits verheiratet ist, kann John Law sie nicht heirateten, doch sie folgt ihm auf seinen zahlreichen Reisen und Fluchten und hat mit ihm zwei Kinder.

Der Schreibstil ist von Anfang an packend, die Theorien von John Law werden einleuchtend erklärt, so dass man als Leser problemlos folgen, selbst wenn man sich bisher nicht mit Finanzsystemen auseinandergesetzt hat.

Ich war begeistert vom Buch "Das große Spiel". Es ist ein unterhaltsames Buch, das den Leser in die Zeit von Louis XIV reißt und einen Blick hinter die stinkenden Kulissen von Versailles erlaubt.




Freitag, 1. Mai 2015

Ein Ufo, dachte sie - Xiaolu Guo

Erscheinungsdatum: 1. September 2009
Übersetzer: Anne Rademacher
Weitere Informationen

Über Xiaolu Guo

Xiaolu Guo wuchs in einer kleinen Stadt in Südchina auf und studierte an der Filmhochschule in Beijing. Nebenher schrieb sie Geschichten und Romane. Seit 2002 lebt sie in London. Sowohl in China als auch in ihrer britischen Wahlheimat machte sie sich als Filmemacherin und Schriftstellerin einen Namen. Mit "Kleines Wörterbuch für Liebende" gelang ihr der internationale Durchbruch.

Kurze Zusammenfassung

Einer jungen Bäuerin aus der hintersten Ecke Chinas widerfährt eines Morgens im Jahre 2012 etwas Unglaubliches: sie entdeckt in einem Reisfeld ein UFO und einen verletzten Fremden. Nachdem sie sich von ihrem Schrecken erholt hat, leistet sie ungeachtet aller Gesetze und Regeln Erste Hilfe und nimmt den Alien mit nach Hause.
Am nächsten Tag ist er verschwunden. Dafür tauchen Vertreter der Staatsmacht aus Beijing auf, und eine Kontrollmaschinerie kommt in Gang, die das Dorf überrollt. Alles und jeder wird überprüft. Schließlich, auf dem Höhepunkt der Hysterie, trifft ein Scheck über 2000 Dollar ein, geschickt vom geretteten Alien aus Amerika. Das Geld des Klassenfeinds bringt die Verhältnisse in dem beschaulichen Dorf nun endgültig zum Tanzen...

Meine Meinung

Eine Frau fährt mit ihrem alten Fahrrad durch ein Reisfeld und glaubt eine silberne Scheibe am Himmel zu sehen. Sie fällt in Ohnmacht und als sie aufwacht liegt neben ihr ein komischer Mann mit gelben Haaren, der von einer Schlange gebissen wurde. Sie nimmt den Mann mit zu sich nach Hause und pflegt seine Wunde. Als sie kurz rausgeht, um Tee zu pflücken, verschwindet ihr Gast. Die Frau rennt zur Ortsvorsteherin, die sofort den Behörden Bericht erstattet und so Ermittlungen einleitet.

Bis zu dem Moment war das Leben ruhig im kleinen Örtchen Silberberg im chinesischen Hinterland. Die meisten Dorfbewohner sind Analphabeten, die ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Jeder kennt jeden und im Allgemeinen leben alle friedlich zusammen. Das ändert sich schlagartig nach der Sichtung des UFOs und vor allem nach der Pflege des fremden Mannes.

Überspitzt wird dargestellt, was Fortschritt bedeuten kann. Mit aller Kraft will die Dorfvorsteherin aus dem verschlafenen Dorf eine moderne Stadt machen, Touristen, Sportler und Arbeiter anlocken. Was die Dorfbewohner davon halten wird nicht gefragt, welche Konsequenzen ihr Handeln für die Umwelt hat, schon gar nicht. In kurzen Verhörprotokollen und Notizen wird nach und nach klar, welche Veränderungen auf das Dorf zukommen und wie die verschiedenen Dorfbewohner reagieren.

"Ein Ufo, dachte sie" ist ein skuriller Roman, den man zur Unterhaltung lesen kann, der aber auch einen tieferen Sinn hat, und aus dem man leise und humorvolle Kritik am Kommunismus, an der chinesischen Bürokratie und an den Zuständen im Land herauslesen kann. Es ist ein besonderer Roman und ich habe es genossen, eine Geschichte zu lesen, die sehr weit von allem Üblichen und Normalen entfernt ist.


Das Buch wurde verfilmt. Hier gibt es den Trailer:


https://m.youtube.com/watch?v=emboBMaNlQs