Dienstag, 14. April 2015

Niemandsland - Rhidian Brook

Erscheinungsdatum: 31. März 2015
Übersetzer: Maria Andreas
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Über Rhidian Brook

Rhidian Brook, geboren 1964, schreibt Drehbücher für Film und Fernsehen, Kurzgeschichten und Romane. Sein Debut "The Testimony of Taliesin Jones" wurde vielfach ausgezeichnet, u .a. mit dem Somerset Maugham Award. Er lebt mit seiner Familie in London.

Kurze Zusammenfassung

Hamburg 1946: Ein englischer Offizier soll für die Entnazifizierung und den Wiederaufbau Deutschlands sorgen. Colonel Lewis Morgan wird mit seiner Familie in ein herrschaftliches Haus an der Elbe einquartiert. Seine Frau kann aber nicht verstehen, dass der Hausbesitzer Stefan Lubert nicht ausziehen muss. Sie findet die Idee, mit dem Feind unter einem Dach zu wohnen, unerträglich. Doch als sie den Alltag teilen, erkennt sie, wie grob und falsch ihr Bild von den Deutschen war. Nach und nach entwickelt sich eine unerhörte Nähe zwischen ihr und Stefan Lubert


Meine Meinung

Lewis Morgan soll mithelfen, Hamburg wieder aufzubauen, das im zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört wurde und nach der Aufteilung Deutschlands in die Besatzungszone von Großbritannien eingeteilt wurde. Die Einwohner hungern und müssen auch nach dem Krieg noch unter unmenschlichen Verhältnissen überleben. Aber es gilt nicht nur zu helfen und aufzubauen, die Besatzer wollen auch so viele untergetauchte Nazis wie möglich enttarnen.

Natürlich kann diese Aufgabe nicht in ein paar Monaten bewältigt werden, und so bekommt Lewis Morgan eins der seltenen nicht zerbombten Häusern zugewiesen um dort mit seiner Familie zu leben. Üblicherweise werden die Bewohner zwangsenteignet und in provisorischen Lagern untergebracht, doch Lewis bringt das nicht übers Herz und bietet dem Besitzer an, das Haus mit seiner Familie zu teilen. Herr Lubert, ein Architekt, soll mit seiner Tochter das Obergeschoss bewohnen, während Lewis mit Frau und Sohn den Rest des Hauses bekommt.

Lewis Morgan ist ein gewissenhafter Mann, der nur das beste für seine Mitmenschen im Sinn hat, für seine Familie selbstverständlich, aber auch für die Deutschen, mit denen er nicht reden, geschweige denn unter einem Dach leben sollte. Ein guter Mann im Leben ist nicht unbedingt ein guter Romanheld. Lewis Morgan kam  mir etwas zu einseitig und vorhersehbar vor, genau wie viele seiner Mitmenschen, die den ganzen Roman über immer genauso gehandelt haben, wie man es als Leser hätte voraussagen können.

Gut gefallen haben mir die Beschreibungen aus Hamburg, die Zustände die damals herrschten und wie die Menschen trotzdem weitermachten, wie Schulkinder zu Trümmerarbeiter wurden oder wie die Erwachsenen auf ihre Persilscheine hofften, mit denen ihre Unschuld bezeugt wurde. Darüber hätte ich gerne mehr gelesen.

An verschiedenen Stellen ging es etwas zu glatt, manches war zu leicht und problemlos oder kam mir unrealistisch vor. Doch insgesamt hat mir das Buch trotzdem gut gefallen. Rhidian Brook kann sehr gut schreiben, kein Zweifel. Die Geschichte ist interessant, gefühlvoll, leicht zu lesen und vor allem sehr unterhaltsam.



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