Mittwoch, 1. April 2015

Berlin Feuerland - Titus Müller

Erscheinungsdatum: 2. März 2015
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Über Titus Müller

Titus Müller, 1977 geboren, studierte Literatur, Geschichtswissenschaft und Publizistik in Berlin. Er veröffentlichte mit 24 Jahren seinen ersten Roman: "Der Kalligraph des Bischofs". Es folgten weitere historische Romane wie "Die Todgeweihte" (2005). Titus Müller wurde mit dem C. S. Lewis-Preis und dem Sir Walter Scott-Preis ausgezeichnet. 2011 erschien im Blessing Verlag sein Roman über den Untergang der Titanic: "Tanz unter Sternen". Für den Roman "Nachtauge" (Blessing, 2013) wurde Titus Müller 2014 im Rahmen einer Histo-Couch-Umfrage zum Histo-König des Jahres gewählt.

Kurze Zusammenfassung

Zwischen Schloss und Barrikaden: eine Geschichte voller Liebe und Abenteuer, minutiös recherchiert, packend und atmosphärisch dicht erzählt

Hannes Böhm lebt in dem Industrieviertel, das die Berliner Feuerland nennen, weil hier die Schornsteine der Industrie qualmen. Als eine Art selbst ernannter Fremdenführer verdient er sich ein kleines Zubrot, indem er neugierigen Bürgern die Armut und die Not in den Hinterhäusern zeigt. Bei einer solchen Gelegenheit lernt er Alice kennen, die als Tochter des Kastellans im Berliner Stadtschloss wohnt, der Frühlingsresidenz des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Alice ist schockiert über das Ausmaß der Verelendung – und zugleich tief beeindruckt von Hannes, der voller Ehrgeiz und Fantasie zu sein scheint.

Doch als die Märzunruhen 1848 ausbrechen, als sich der Konflikt zwischen dem preußischen König und den Aufständischen zuspitzt und gemäßigte Kräfte nur schwer Gehör finden, scheint es für die Gefühle, die Hannes und Alice füreinander entwickeln, keine Zukunft mehr zu geben.

Titus Müller entwirft in seinem neuen Roman ein großes Panorama der revolutionären Ereignisse und zeigt, dass die Zweifel an der Politik des Königs selbst in der Armee und im Polizeiapparat immer größer wurden.

Meine Meinung

Hannes lebt im Feuerland, einem Fabrik-Viertel in Berlin, wo die Menschen sich für einen Hungerlohn abrackern müssen. Hannes bietet reichen, neugierigen Mädchen Stadtführungen durch das Elend an und knüpft ihnen dabei so viel Geld ab, wie er kann. Dadurch lernt er Alice kennen, eine bürgerliche Tochter, die durch die Arbeit ihres Vaters im Schloss des Königs aufwachsen konnte. Die beiden kommen sich näher, doch in Zeiten der Revolution soll Hannes sich entscheiden, auf welcher Seite er kämpfen will.

"Berlin Feuerland" spielt im Jahre 1848 und dreht sich um die damaligen Unruhen. Die arme Bevölkerung will es nicht länger ertragen, ohne Mitspracherecht ausgeliefert zu sein und fordert eine eine Verbesserung ihrer Lebensqualität und eine Verfassung. Es kommt zu einem Ausbruch von Gewalt zwischen den Aufständigen und den Leuten des Königs.

Gut gefallen hat mir das Eintauchen in die damalige Welt. Durch die detaillierten Beschreibungen kann man sich alles genau vorstellen, die Kleider, der Dreck, die Armut, die Not und sogar den Gestank auf der einen Seite, auf der anderen der Reichtum, aber auch die Unverständnis, die fixe Idee von vielen, dass jeder es schaffen könnte und die Leute sich nur anstrengen müssen, um aus dem Elend herauszukommen. Gleichzeitig gibt es auch unter den Wohlhabenden Menschen, die sich einsetzen, die für die Armen kämpfen, die verstehen, dass es so nicht weiter gehen kann.

Doch trotz der guten Beschreibungen und mancher Spannungsmomente konnte mich das Buch nicht fesseln. Die vielen militärischen Überlegungen, Strategien und Diskussionen haben mich nicht in diesem Umfang interessiert. Auch die Liebesgeschichte konnte mich nicht überzeugen. Hannes und Alice kamen mir beide reichlich naiv vor. Ich konnte mir weder Hannes beim feierlichen Empfang, noch Alice als verhärmte Fabrikarbeiterin vorstellen.

"Berlin Feuerland" ist ein sehr gründlich recherchierter  historischer Roman, der mich allerdings nicht ganz überzeugen konnte.


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