Donnerstag, 26. März 2015

[Leserunde] Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling


Ann-Christin von Cogitos Bücherkiste und ich veranstalten auch im März eine Leserunde!


Wir lesen "Das Lachen und der Tod" von Pieter Webeling.
Der Held und Ich-Erzähler dieses Romans, Ernst Hoffman aus Amsterdam, ist von Beruf Komiker. Er lebt für den Applaus und von dem Gelächter seiner Zuhörer. Da seine verstorbene Mutter Jüdin war und er mit politischen Witzen auffällig geworden ist, wird er 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager gebracht. Doch Ernst Hoffman kann nicht anders, er bleibt selbst im Lager Komiker und erzählt, mit Billigung des Barackenältesten, abends den Mitgefangenen Witze, um sie vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren und von dem Grauen abzulenken.

Als der deutsche Lagerkommandant das erfährt, will er Hoffman dazu bringen, abends vor den SS-Leuten als Kabarettist aufzutreten. Erst weigert sich der Komiker, doch dann verspricht ihm der Lagerkommandant, die Frau, in die sich Hoffman auf dem Transport verliebt hat, am Leben zu lassen. Es ist ein diabolischer Vorschlag, der den Häftling an die Grenzen seines Gewissens und seines Überlebenswillens führt.

Leseabschnitte
Kapitel 1 bis Kapitel 9
Kapitel 10 bis Kapitel 19
Kapitel 20 bis Kapitel 29
Kapitel 30 Bis Kapitel 42

Ablauf
Mitmachen kann natürlich jeder, der das Buch hat und es nicht alleine lesen möchte, oder wer einfach Lust auf eine Leserunde hat! Wir starten heute, völlig zwanglos und enden, wenn wir durch sind. In den Kommentaren könnt ihr dann einfach zu den jeweiligen Abschnitten schreiben, was ihr so meint.
Alles klar? Wenn nicht, Fragen könnt ihr natürlich auch stellen!

Kommentare :

  1. 1. Abschnitt - Kapitel 1 bis Kapitel 9

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    1. Puh! Fängt ja schon heftig an. Aber ziemlich distanzierter Erzählstil, finde ich. Mir fehlt momentan noch das Gefühl, über Tatsachen zu lesen. Allerdings ist es eh nahezu unvorstellbar.

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    2. Ja, das Buch fängt sehr heftig an aber sehr distanziert empfinde ich es nicht. VGanz schlimm fand ich die Ankunft, bei der sie in zwei Reihen aufgeteilt werden. Der Junge mit seinen Briefmarken, der glaubt er würde seinen Vater wiedersehen, und lachend in der rechten Reihe weitergeht und die Mutter, die sich auch noch bedankt und denkt sie hätte es mit einem guten Mann zu tun.
      Im Lager wird sehr schnell klar, wie willkürlich die Bestrafungen sind, und dass alles Menschliche verboten ist. Ernst wird verprügelt, weil er einem Jungen hilft.
      Die Zustände im Lager sind grausam. Mir fehlen die Worte zu dieser Wette, bei der der Sohn den Vater erschiessen musste.

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    3. Ich glaube, er hat ihn nicht erschossen, er hat ihn mit bloßen Händen getötet. Die hätten ihm doch nie eine Pistole gegeben. Und es ist von Geräuschen die Rede, nicht von einem Schuß. Es ist einfach unvorstellbar. Vielleicht empfinde ich deshalb Distanz. Weißt du, es gibt Fakten und es gibt das Vorstellungsvermögen. Und das stößt bei mir an eine Grenze.
      Interessant finde ich, dass du schreibst, es würde das Menschliche fehlen. Ich denke, dass genau so Menschen sind, wenn die Umstände entsprechend sind. Die Antwort auf die Frage 'warum hast du das getan' ist einfach 'weil ich es konnte'. Und das macht es noch viel schlimmer, finde ich.

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    4. Bei den meisten Nazis war es wohl am Anfang eine Mischung aus Angst und Pflichgefühl. Um gut dazustehen, waren sie noch grausamer als verlangt und irgendwann waren sie so abgestumpft, dass alles von ihnen verlangt werden konnte.
      Dass so viele Menschen plötzlich so grausam wurden, weil sie es konnten, selbst wenn da kein Druck gewesen wäre, würde die Taten noch schlimmer machen.

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    5. Denk an die Sache mit den Hundewelpen. Hört sich blöd an, aber die Grenze zwischen Welpen ertränken und Grausamkeiten gegenüber Menschen ist meiner Meinung fließend.
      Natürlich spielt auch Druck und Gehirnwäsche eine Rolle, aber ich glaube, letztendlich liegt der Unterschied zwischen Opfer und Täter meist nur darin, dass der Täter die Wahl hatte.
      Widerliches Thema, oder?

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    6. Was ich 'tut's finde ist, dass Pieter Webeling das Verhalten der Gefangenen so realistisch darstellt. Der Mensch ist dem Mensch sein Wolf. Oder auch: jeder ist sich selbst der Nächste. Das macht vieles für mich nachvollziehbarer.
      Aber was ich völlig unlogisch finde, und dafür kann der Autor nichts, weil es Fakt ist, ist die Sache mit dem Krankenlager. Da erschießen die einfach so ständig Leute, und dann bringen sie die Kranken in Baracken, wo eh die meisten sterben. Die waren schon ziemlich bekloppt.

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  2. 2. Abschnitt - Kapitel 10 - Kapitel 19

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    1. Was ich 'gut' finde ist, dass Pieter Webeling das Verhalten der Gefangenen so realistisch darstellt. Der Mensch ist dem Mensch sein Wolf. Oder auch: jeder ist sich selbst der Nächste. Das macht vieles für mich nachvollziehbarer.
      Aber was ich völlig unlogisch finde, und dafür kann der Autor nichts, weil es Fakt ist, ist die Sache mit dem Krankenlager. Da erschießen die einfach so ständig Leute, und dann bringen sie die Kranken in Baracken, wo eh die meisten sterben. Die waren schon ziemlich bekloppt.
      Sorry, ist im falschen Feld gelandet, muss in den zweiten Teil!

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    2. Die Zustände im Lager sind grausam, vor allem weil die Häftlinge nie wissen was auf sie zukommt. Egal wie sie sich benehmen sind sie immer in Lebensgefahr und können jeden Augenblick umgebracht werden. Schlomo scheint ein guter Mann zu sein, der das Beste für seine Mitgefangenen macht, was er kann.
      Es wundert mich, dass die Menschen in dieser Situatiom überhaupt noch lachen können, aber es ist wohl normal, dass sie wenigstens für kurze Zeit ihre Lage vergessen wollen.
      Humor ist nichts weiter als die strikte Weigerung, der Tragödie das letzte Wort zu überlassen.
      Für Ernst ist es eher Helena, die ihm Mut gibt. Sein Humor und seine Vorstellung lenken ihn ab.
      Dass sie überhaupt Krankenbaracken im Lager hatten und die Kranken nicht alle sofort umgebracht haben, hat mich auch gewundert.

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    3. Mit den Kranken im Krankenlager wurden medezinische Versuche gemacht. Alles hatte einen perversen Grund und nie einen humanen.

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    4. Stimmt, aber was für Versuche kann man mit halben Leichen machen - Nein, da will ich nicht drüber nachdenken.
      Den Satz, den du zitiert hast, habe ich mir aufgeschrieben, er ist richtig, richtig gut.

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  3. 3. Abschnitt - Kapitel 20 bis Kapitel 29

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    1. Ein sehr grausamer Abschnitt. Einen Augenblick dachte ich, die Deutschen hätten ihren Opfern mit diesen angeblichen Duschen Panik und Todesangst ersparen wollen. Aber es geht doch nur um sie, um so wenig wie möglich Arbeit zu haben und mit so wenig wie möglich Personal auszukommen.
      Ernst dreht durch und ermordet einen Mitgefangenen. Es ist verständlich und doch wird er mit der Schuld leben müssen. Wie er selbst sagt. Er muss schon hoch angesehen sein, dass man ihm das durchgehen liess.
      Das Buch ist etwas leichter zu lesen, weil von Anfang an klar ist, dass Ernst überleben wird.
      Er kann Helena retten und muss deshalb vor den SS-Leuten auftreten, was natürlich sehr gewagt ist. Der Vergleich mit der Gottesanbeterin ist sehr passend gewählt.

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    2. Ja, das Ernst überlebt hat, finde ich auch beruhigend.
      'Das ist das Lager' ist ein Schlüsselsatz, wie ich finde. Wie du am Anfang geschrieben hast, reden sich viele damit raus, dass sie nicht anders konnten, weil sie überleben wollten (was ein völlig guter Grund ist), aber Ernst sagt, dass das nicht stimmt, man hat immer eine Wahl. Wie lautet die Antwort auf die Frage: entweder du oder der andere? Nur wer sein Leben für andere opfert, ist ohne Schuld, alle anderen sind Täter. Selbst Ernst ist einer. Und dadurch funktioniert das System. Gib einem Menschen Macht und er wird zur Bestie, nimm einem Menschen das Menschsein und er wird zum Tier. Ich will hier nichts verharmlosen, versteh das bitte nicht falsch und es gibt einen Unterschied zwischen Ernst und dem Hauptmann (als Stellvertreter der anderen), aber ich denke, in dem Buch wird ziemlich klar, dass der nicht so groß ist, wie man meinen könnte. Zumal Ernst schon zwei Menschen auf dem Gewissen hat, denk an Schweinz. Auge um Auge irgendwie.

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    3. Selbst Schlomo, der versucht sein Bestes zu geben, ist Täter, rettet Ernst weil er ihn mag und andere nicht. Schweinz wurde zwar umgebracht, aber dadurch wurden Leben gerettet, wenn sein Ersatz nicht genau so brutal war. Nichts zu tun, weil Enrnst nicht mehr durch Schweinz in Gefahr war, wäre in diesem Fall feige gewesen.

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  4. 4. Abschnitt Kapitel 30 - Kapitel 42

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    1. Im letzten Teil wird es noch deutlicher, finde ich.
      Freunde, Täter, Rache, Befehle - im Endeffekt geht es um den Menschen, und der ist, wie er ist.
      Wobei mir zwischendurch eingefallen ist, dass der Mensch sich angeblich nur durch das Lachen von anderen Tieren unterscheidet. Ist etwas vereinfacht. Aber es trifft den Kern des Buches. Wenn es nur darum geht, zu überleben, was macht das Lachen dann? Hilft es, Mensch zu bleiben? Schafft es Hoffnung?
      Mich hat mal jemand gefragt, warum ich lache, und ich habe geantwortet, dass ich sonst weinen würde.
      Gerne würde ich sagen, es ist nur ein Buch.
      Gerne würde ich sagen, das Alles ist lange her.
      Aber die Wahrheit ist, dass sich überall auf der Welt fürchterlich viele Menschen Gedanken darüber machen, wie sie Mensch und Tier quälen und töten können.
      Und ich möchte niemals in eine Situation geraten, in der ich entscheiden muss.

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    2. Diese Situation ist grausam und leider immer noch aktuell. In Nordkorea sitzen Menschen in Lager, und es geht ihnen nicht besser als damals. Und was können wir dagegen tun?

      Dachte die SS und der Lagerchef wirklich, sie könnten sich in den letzten Tagen noch herauswinden?
      Der Autor versucht zwar das Buch positiv enden zu lassen, aber die vielen Toten und die furchtbaren Taten bleiben. Es muss auch schlimm gewesen sein, dass viele Menschen damals nicht wussten (oder nicht wissen wollten), was ein Lager wirklich bedeutete. Und jedesmal erklären und so noch einmal alles durchleben müssen, war auch keine Lösung.

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    3. Danke, Ann-Christin, dass wir das Buch gemeinsam lesen konnten :)

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    4. Wenn dich das Thema weiter interessiert, kann ich dir das Buch 'Der Schrecken verliert sich vor Ort' empfehlen!
      Ich fand diese Leserunde auch sehr gut. Es hat geholfen, sich austauschen zu können. Vielen Dank zurück!

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    5. Danke, ich habe das Buch auf meine Wunschliste gepackt.

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