Dienstag, 31. März 2015

Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling

Erscheinungsdatum: 19. August 2013
Übersetzer: Christiane Burkhardt
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Über Pieter Webeling

Pieter Webeling, 1965 geboren, veröffentlichte 2008 seinen ersten Roman, Veertig dagen. (Cossee). Als Journalist führte Pieter Webeling für angesehen holländische Zeitungen viel beachtete Interviews, unter anderem mit Holocaust-Überlebenden und mit Komikern. Nachdem er sich auch mit einem zeitgenössischen Komiker, den in den Niederlanden berühmten Youp van't Hek, unterhalten, weitere Zeitzeugen interviewt und mehrfach die Gedenkstätte des Stammlagers Auschwitz und Birkenau besucht hatte, schrieb Pieter Webeling De lach en de dood (Das Lachen und der Tod), der 2010 bei Cossee erschien, ein Roman, der die ambivalente Rolle des Humors in einem totalitären System lebendig macht.

Kurze Zusammenfassung

Der Held und Ich-Erzähler dieses Romans, Ernst Hofman aus Amsterdam, ist von Beruf Komiker. Er lebt für den Applaus und von dem Gelächter seiner Zuhörer. Da seine verstorbene Mutter Jüdin war und er mit politischen Witzen auffällig geworden ist, wird er 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager gebracht. Doch Ernst Hofman kann nicht anders, er bleibt selbst im Lager Komiker und erzählt, mit Billigung des Barackenältesten, abends den Mitgefangenen Witze, um sie vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren und von dem Grauen abzulenken.

Als der deutsche Lagerkommandant das erfährt, will er Hofman dazu bringen, abends vor den SS-Leuten als Kabarettist aufzutreten. Erst weigert sich der Komiker, doch dann verspricht ihm der Lagerkommandant, die Frau, in die sich Hofman auf dem Transport verliebt hat, am Leben zu lassen. Es ist ein diabolischer Vorschlag, der den Häftling an die Grenzen seines Gewissens und seines Überlebenswillens führt.


Meine Meinung

Ernst Hoffmann ist Komiker. Die Bühne ist sein Leben und für einen guten Lacher riskiert er vieles. Als Sohn einer jüdischen Frau ist er den Deutschen ein Dorn im Auge und wird verhaftet. Beim Transport sitzt er neben Helena, in die er sich verliebt. Als die Situation zwischen den eng aneinander gedrängten Menschen im Eisenbahnwagen zu eskalieren droht, stellt Ernst sich auf zwei Koffer und lenkt die Menschen ab. Er reisst Witze, um die Situation zu beruhigen, vor allem aber um die Frau neben sich zu beeindrucken. Unerwartet schiessen die Soldaten auf den Wagen. Ein paar Menschen sterben.

Im Lager leben die Gefangenen in ständiger Todesangst. Willkürliche  Erschießungen, grausame Wetten, unmögliche Arbeitsbedingungen und ständiger Hunger nehmen den Menschen jede Hoffnung. Der Barackenälteste Schlomo verlangt gegen einen Brief an Helena, dass Ernst die Menschen mit seinen Witzen ermuntert. Jeden Tag einen Lacher: Humor ist nichts weiter als die strikte Weigerung, der Tragödie das letzte Wort zu überlassen.

Später bekommen auch die Deutschen und der Lagerführer Wind von diesen Auftritten. Ernst Hoffmannn soll vor SS-Leuten auftritt. Er weigert sich zuerst, doch als er damit das Leben von Helena retten kann, willigt er ein.

Das Buch ist sehr gut geschrieben und leichtverständlich. Dadurch können keine Missverständnisse aufkommen. Die grausame Lage wird so deutlich beschrieben, dass sie nur sehr schwer zu ertragen ist. Der Autor hat gewissenhaft recherchiert und ergibt ein exaktes, schreckliches Bild vom Lagerleben. Bei der Beschreibung der Duschen und der Krematorien musste ich das Buch immer wieder aus der Hand legen. Es ist schockierend, was Menschen einander antun können.

Wer ein humorvolles Buch erwartet, liegt falsch. Der Humor dient dazu, den Gefangenen ihr Leben erträglicher zu machen und nicht zur Unterhaltung des Lesers. Genauso wenig sollte man eine Liebesgeschichte erwarten.

"Das Lachen und der Tod" ist eine grausame, heftige und wichtige Geschichte, die sich wie die Autobiographie eines KZ-Überlebenden liest. Ich habe das Buch nicht gerne gelesen, dafür ist es auch nicht gedacht. Das Buch informiert, es kämpft gegen das Vergessen und deshalb gibt es meine Leseempfehlung.





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1 Kommentar :

  1. Hallo Lara,

    das Buch beobachte ich schon einige Zeit und nun kommt es definitiv auf die WL.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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