Dienstag, 31. März 2015

Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling

Erscheinungsdatum: 19. August 2013
Übersetzer: Christiane Burkhardt
Weitere Informationen

Über Pieter Webeling

Pieter Webeling, 1965 geboren, veröffentlichte 2008 seinen ersten Roman, Veertig dagen. (Cossee). Als Journalist führte Pieter Webeling für angesehen holländische Zeitungen viel beachtete Interviews, unter anderem mit Holocaust-Überlebenden und mit Komikern. Nachdem er sich auch mit einem zeitgenössischen Komiker, den in den Niederlanden berühmten Youp van't Hek, unterhalten, weitere Zeitzeugen interviewt und mehrfach die Gedenkstätte des Stammlagers Auschwitz und Birkenau besucht hatte, schrieb Pieter Webeling De lach en de dood (Das Lachen und der Tod), der 2010 bei Cossee erschien, ein Roman, der die ambivalente Rolle des Humors in einem totalitären System lebendig macht.

Kurze Zusammenfassung

Der Held und Ich-Erzähler dieses Romans, Ernst Hofman aus Amsterdam, ist von Beruf Komiker. Er lebt für den Applaus und von dem Gelächter seiner Zuhörer. Da seine verstorbene Mutter Jüdin war und er mit politischen Witzen auffällig geworden ist, wird er 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager gebracht. Doch Ernst Hofman kann nicht anders, er bleibt selbst im Lager Komiker und erzählt, mit Billigung des Barackenältesten, abends den Mitgefangenen Witze, um sie vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren und von dem Grauen abzulenken.

Als der deutsche Lagerkommandant das erfährt, will er Hofman dazu bringen, abends vor den SS-Leuten als Kabarettist aufzutreten. Erst weigert sich der Komiker, doch dann verspricht ihm der Lagerkommandant, die Frau, in die sich Hofman auf dem Transport verliebt hat, am Leben zu lassen. Es ist ein diabolischer Vorschlag, der den Häftling an die Grenzen seines Gewissens und seines Überlebenswillens führt.


Meine Meinung

Ernst Hoffmann ist Komiker. Die Bühne ist sein Leben und für einen guten Lacher riskiert er vieles. Als Sohn einer jüdischen Frau ist er den Deutschen ein Dorn im Auge und wird verhaftet. Beim Transport sitzt er neben Helena, in die er sich verliebt. Als die Situation zwischen den eng aneinander gedrängten Menschen im Eisenbahnwagen zu eskalieren droht, stellt Ernst sich auf zwei Koffer und lenkt die Menschen ab. Er reisst Witze, um die Situation zu beruhigen, vor allem aber um die Frau neben sich zu beeindrucken. Unerwartet schiessen die Soldaten auf den Wagen. Ein paar Menschen sterben.

Im Lager leben die Gefangenen in ständiger Todesangst. Willkürliche  Erschießungen, grausame Wetten, unmögliche Arbeitsbedingungen und ständiger Hunger nehmen den Menschen jede Hoffnung. Der Barackenälteste Schlomo verlangt gegen einen Brief an Helena, dass Ernst die Menschen mit seinen Witzen ermuntert. Jeden Tag einen Lacher: Humor ist nichts weiter als die strikte Weigerung, der Tragödie das letzte Wort zu überlassen.

Später bekommen auch die Deutschen und der Lagerführer Wind von diesen Auftritten. Ernst Hoffmannn soll vor SS-Leuten auftritt. Er weigert sich zuerst, doch als er damit das Leben von Helena retten kann, willigt er ein.

Das Buch ist sehr gut geschrieben und leichtverständlich. Dadurch können keine Missverständnisse aufkommen. Die grausame Lage wird so deutlich beschrieben, dass sie nur sehr schwer zu ertragen ist. Der Autor hat gewissenhaft recherchiert und ergibt ein exaktes, schreckliches Bild vom Lagerleben. Bei der Beschreibung der Duschen und der Krematorien musste ich das Buch immer wieder aus der Hand legen. Es ist schockierend, was Menschen einander antun können.

Wer ein humorvolles Buch erwartet, liegt falsch. Der Humor dient dazu, den Gefangenen ihr Leben erträglicher zu machen und nicht zur Unterhaltung des Lesers. Genauso wenig sollte man eine Liebesgeschichte erwarten.

"Das Lachen und der Tod" ist eine grausame, heftige und wichtige Geschichte, die sich wie die Autobiographie eines KZ-Überlebenden liest. Ich habe das Buch nicht gerne gelesen, dafür ist es auch nicht gedacht. Das Buch informiert, es kämpft gegen das Vergessen und deshalb gibt es meine Leseempfehlung.





Weitere Meinungen zu diesem Buch

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Papiergeflüster

Donnerstag, 26. März 2015

[Leserunde] Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling


Ann-Christin von Cogitos Bücherkiste und ich veranstalten auch im März eine Leserunde!


Wir lesen "Das Lachen und der Tod" von Pieter Webeling.
Der Held und Ich-Erzähler dieses Romans, Ernst Hoffman aus Amsterdam, ist von Beruf Komiker. Er lebt für den Applaus und von dem Gelächter seiner Zuhörer. Da seine verstorbene Mutter Jüdin war und er mit politischen Witzen auffällig geworden ist, wird er 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager gebracht. Doch Ernst Hoffman kann nicht anders, er bleibt selbst im Lager Komiker und erzählt, mit Billigung des Barackenältesten, abends den Mitgefangenen Witze, um sie vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren und von dem Grauen abzulenken.

Als der deutsche Lagerkommandant das erfährt, will er Hoffman dazu bringen, abends vor den SS-Leuten als Kabarettist aufzutreten. Erst weigert sich der Komiker, doch dann verspricht ihm der Lagerkommandant, die Frau, in die sich Hoffman auf dem Transport verliebt hat, am Leben zu lassen. Es ist ein diabolischer Vorschlag, der den Häftling an die Grenzen seines Gewissens und seines Überlebenswillens führt.

Leseabschnitte
Kapitel 1 bis Kapitel 9
Kapitel 10 bis Kapitel 19
Kapitel 20 bis Kapitel 29
Kapitel 30 Bis Kapitel 42

Ablauf
Mitmachen kann natürlich jeder, der das Buch hat und es nicht alleine lesen möchte, oder wer einfach Lust auf eine Leserunde hat! Wir starten heute, völlig zwanglos und enden, wenn wir durch sind. In den Kommentaren könnt ihr dann einfach zu den jeweiligen Abschnitten schreiben, was ihr so meint.
Alles klar? Wenn nicht, Fragen könnt ihr natürlich auch stellen!

Hertzmann's Coffee - Vanessa F. Fogel

Erscheinungsdatum: 26. Juli 2014
Übersetzer: Eva Bonné
Weitere Informationen

Über Vanessa F. Fogel

Vanessa F. Fogel, geboren 1981 in Frankfurt, wuchs in Israel auf und studierte Komparatistik in New York. Sie war Chefredakteurin des Graphis-Magazins und im Kunstbereich tätig, bevor sie sich 2009 dazu entschloss, als Schriftstellerin hauptsächlich in Tel Aviv zu leben. Für ihren Debütroman Sag es mir, wurde Vanessa F. Fogel in der Presse gefeiert; der Coming-of-age-Roman der „dritten Generation“ verbindet deutsche, polnische und jüdische Geschichte.

Kurze Zusammenfassung

Ein altes jüdisches Ehepaar in New York: Hertzmann hat mit Kaffee gehandelt und ein Imperium aufgebaut. Jetzt ist es an der Zeit, die Firma an die Kinder zu übergeben. Es kommt zum Eklat, zum Streit um das Erbe. Plötzlich tun sich Brüche und Abgründe in der Familie auf. Über die Vergangenheit wurde nie gesprochen. »Happy families don’t have a history« – das ist Doras und Yankeles Credo, daran haben sie sich zeit ihres langen Lebens gehalten, so hat es auch immer gut funktioniert, dieses Leben. Doch der Bruch mit den Kindern setzt etwas frei in Hertzmann. Er hat von youtube gehört. Von persönlichen Filmen im Internet. Er fasst einen Entschluss. Nachts setzt er sich, allein in seinem Studio, vor eine Videokamera – und erzählt.

Meine Meinung

Der alte Yankele und seine geliebte Frau Dora haben ein Leben lang für ihren Kaffeehandel gearbeitet, jeden Gewinn wieder ins Geschäft gesteckt und alles getan um ihren vier Kindern das Leben so leicht und angenehm wie möglich zu gestalten. Jetzt wollten sie ihr Kaffeeimperium an ihre Kinder, ihre Nachfolger weitergeben, doch statt die Entscheidung von Yankele anzunehmen und zusammen zu arbeiten, zerfleischen sie sich und schalten Anwälte ein.

Yankele geht es nicht mehr aus dem Kopf, dass er einen Fehler gemacht hat. Vielleicht hat er sich zu viel der Firma zugewendet und sich zu wenig um seine Familie gekümmert. Vielleicht war es zu leicht für die Kinder, weil er zu viel für sie gemacht und zu wenig von ihnen verlangt hat. Nach und nach wird klar, dass die Nachfolger von Yankele nicht nur bei diesem Tischgespräch durchgedreht sind, sondern, dass sie alle ihre Macken haben, hauptsächlich an sich selbst denken, erst danach an die Firma undüberhaupt nicht an ihre Familie.

In "Hertzmann's Coffee" geht es um die Familie, um Geschwisterliebe, um Geschwisterstreit aber auch um den Verlust von Familienmitgliedern und um das Loch, was durch einen solchen Verlust ein Leben lang bestehen bleibt. Die Geschichte wird aus drei verschiedenen Perspektiven beschrieben, der von Yankele aus New-York, vom 16-jährigen Marc aus Deutschland, und von José-Rafael aus Venezuela. Anfangs sind es drei völlig fremde Menschen, aber irgendwann ahnt der Leser, wie die drei Personen zusammengehören.

Die Geschichte ist ruhig und wird bedächtig hauptsächlich von Yankele erzählt. Mehr als einmal war ich zu Tränen gerührt von wunderschönen Sätzen, traurigen Abschnitten und Erinnerungen, vom Humor und vor allem von der bedingungslosen Liebe und dem starkem Vertrauen zwischen Yankele und Dora. Vielleicht ist manches etwas überspitzt und unglaubwürdig dargestellt, insgesamt hat mich das aber nicht gestört.

"Hertzmann's Coffee" ist eine wunderschöne und berührende Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.


Dieses Buch hatte ich für die Indiebuchtage 2015 gekauft.


Weitere Meinungen

LiteraturBlog
Das graue Sofa

Dienstag, 24. März 2015

Der Mann, der kein Mörder war - Michael Hjorth, Hans Rosenfeldt

Erscheinungsdatum: 2. Januar 2013
Übersetzer: Ursel Allenstein
Weitere Informationen

Über Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt

Michael Hjorth, geboren 1963, ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und ebenfalls Drehbuchautor. Er schrieb u.a. Drehbücher für die Verfilmungen der Romane von Henning Mankell. Ihr gemeinsames Krimidebüt «Der Mann, der kein Mörder war» wurde ein Riesenerfolg, das Buch erschien in 22 Ländern und stand monatelang auf den internationalen Bestsellerlisten. Der zweite und dritte Band der Reihe um den Stockholmer Kriminalpsychologen Sebastian Bergman, die von Sveriges Television in Kooperation mit dem ZDF verfilmt wird, befanden sich wochenlang unter den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste.

Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, schreibt Drehbücher, zuletzt für die ZDF-Koproduktion «Die Brücke - Transit in den Tod». In Schweden ist er ein beliebter Radio- und Fernsehmoderator.

Kurze Zusammenfassung

In einem Waldstück bei Västerås wird die Leiche eines Jungen entdeckt – brutal ermordet, mit herausgerissenem Herzen. Roger war Schüler eines Elitegymnasiums, ein sensibler Junge.
Die Polizei vor Ort ist überfordert, und so reist Kommissar Höglund mit seinem Team aus Stockholm in die Provinz. Dort trifft er überraschend einen alten Bekannten: Sebastian Bergman, ein brillanter Kriminalpsychologe und berüchtigter Kotzbrocken. Er bietet Höglund seine Hilfe an. Das Team ist wenig begeistert, doch schon bald wird der hochintelligente Bergman unverzichtbar. Denn in Västerås gibt es mehr als eine zerstörte Seele ...

Meine Meinung


Sebastian Bergmann fleht seinen ehemaligen Freund an, ihm noch einmal eine Chance zu geben, ihn zu sich ins Ermittlerteam zu nehmen, ihm zu vertrauen. Aber eigentlich hat Sebastian gar nicht vor zu arbeiten, er braucht bloß Zugang zu einem Polizeicomputer, um ein paar Daten nachzusehen.
Ein kleines Beispiel aus dem unverschämten und rücksichslosen Leben von Sebastian. Charmant ist er nur, wenn ihn der Jagdtrieb gepackt hat und er eine Frau zum Sex verführen will, was zwar ziemlich häufig passiert, allerdings bei jeder Frau nur ein Mal, so dass er an enttäuschte Frauen am Morgen gewohnt ist. Als Leser sieht man allerdings auch hinter seine Fassade als Ekel und schwankt dadurch zwischen Mitleid mit ihm und Mitleid mit jedem, der mit ihm in Kontakt kommt.

Der Fall, ein Mord an einem Jugendlichen, interessiert Sebastian mit der Zeit dann doch, er gibt wertvolle Hinweise und hilft bei der Aufklärung. Über den Fall selbst schreibe ich hier nichts, er ist einfach zu gut konstruiert und kombiniert, um ihm durch irgendwelchen Beschreibungen im Vorfeld an Spannung zu nehmen.

Erzählt wird die Geschichte aus den verschiedensten Perspektiven, immer wieder auch aus der des Mannes, der kein Mörder war. Der Leser kann dadurch noch besser mitraten und seine eigene Theorien aufstellen.

Ich war begeistert von "Der Mann, der kein Mörder war"! Intelligent und spannend, mit einer genialen Ermittlertruppe und einer Handlung, die mich von Anfang an mitgerissen hat. Absolute Leseempfehlung!



Montag, 23. März 2015

[Leserundenankündigung] Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling


Ann-Christin von Cogitos Bücherkiste und ich veranstalten auch im März eine Leserunde!


Wir lesen "Das Lachen und der Tod" von Pieter Webeling.
Der Held und Ich-Erzähler dieses Romans, Ernst Hofman aus Amsterdam, ist von Beruf Komiker. Er lebt für den Applaus und von dem Gelächter seiner Zuhörer. Da seine verstorbene Mutter Jüdin war und er mit politischen Witzen auffällig geworden ist, wird er 1944 in einem Viehwaggon mit anderen Verfolgten in ein Konzentrationslager gebracht. Doch Ernst Hofman kann nicht anders, er bleibt selbst im Lager Komiker und erzählt, mit Billigung des Barackenältesten, abends den Mitgefangenen Witze, um sie vor der endgültigen Verzweiflung zu bewahren und von dem Grauen abzulenken.

Als der deutsche Lagerkommandant das erfährt, will er Hofman dazu bringen, abends vor den SS-Leuten als Kabarettist aufzutreten. Erst weigert sich der Komiker, doch dann verspricht ihm der Lagerkommandant, die Frau, in die sich Hofman auf dem Transport verliebt hat, am Leben zu lassen. Es ist ein diabolischer Vorschlag, der den Häftling an die Grenzen seines Gewissens und seines Überlebenswillens führt.

Leseabschnitte
Kapitel 1 bis Kapitel 19
Kapitel 20 bis Kapitel 29
Kapitel 30 Bis Kapitel 42

Ablauf
Mitmachen kann natürlich jeder, der das Buch hat und es nicht alleine lesen möchte, oder wer einfach Lust auf eine Leserunde hat! Wir starten am 27. März, völlig zwanglos und enden, wenn wir durch sind. In den Kommentaren könnt ihr dann einfach zu den jeweiligen Abschnitten schreiben, was ihr so meint.
Alles klar? Wenn nicht, Fragen könnt ihr natürlich auch stellen!

Samstag, 21. März 2015

indiebookday 2015




Bereits zum dritten Mal organisiert der mairisch Verlag den Indiebookday. Das Ziel ist kleine, unabhängige Verlage zu unterstützen und eins ihrer Bücher zu kaufen. Mehr Informationen gibt es hier.
Ich muss zugeben, dass ich dieser Aktion die letzten Jahre überhaupt keine Aufmerksamkeit geschenkt habe, weil ich mir unter indiebooksday fälschlicherweise einen Tag für Bücher ohne Verlag vorgestellt hatte. Jetzt weiss ich es besser und bin mit diesem Buch dabei:


Hertzmann's Coffee - Vanessa F. Vogel (weissbooks.w)

Ein altes jüdisches Ehepaar in New York: Hertzmann hat mit Kaffee gehandelt und ein Imperium aufgebaut, sein Dorale ist mit ihm lebenslang durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Jetzt ist es an der Zeit, die Firma an die Kinder zu übergeben. Doch es kommt zum Eklat, zum Streit um das Erbe. Plötzlich tun sich Brüche und Abgründe in der Familie auf. Über die Vergangenheit wurde nie gesprochen; »happy families don’t have a history« – das ist Doras und Yankeles Credo, daran haben sie sich zeit ihres langen Lebens gehalten, so hat es auch immer gut funktioniert, dieses Leben. Doch der Bruch mit den Kindern setzt etwas frei in Hertzmann. Er hat von youtube gehört. Von persönlichen Filmen im Internet. Er fasst einen Entschluss. Nachts setzt er sich, allein in seinem Studio, vor eine Videokamera – und erzählt.




 

Und diese Bücher haben es auf meine Wunschliste geschafft:

abwesend - Gregor Sander
Extremely cold water - Volker Surmann
Land spielen - Daniel Mezger
Goldene Reiter - Michael Weins


Freitag, 20. März 2015

Betamännchen - Anne Weiss & Stefan Bonner

Erscheinungsdatum: 16. September 2014

Betamännchen Stefan Bonner Anne Weiss
Weitere Informationen

Kurze Zusammenfassung

Die Wahrheit über den modernen Mann ist erschütternd. Und urkomisch! Stefan Bonner und Anne Weiss, die Autoren von "Generation Doof", erzählen von ihrem Leben als und mit Betamännchen. Ein Spaß für alle Männer auf der Suche nach der Männlichkeit. Und für die Frauen, die sich über sie wundern. Anne ist mit ihrem Singleleben zufrieden. Doch plötzlich bekommen alle ihre Freunde Kinder und heiraten. Sie beschließt, nach dem Richtigen zu suchen, bevor es dafür zu spät ist. Leider hat sie nicht mit den Pannenmännern von heute gerechnet . . . Stefan hat nie gelernt, ein echter Mann zu sein. Aufgewachsen bei Mutter, Oma und Uroma, hatte er Ballettunterricht statt Fußballtraining und Puppen statt Bagger. Alles erst mal kein Problem. Aber jetzt wird er Vater. Und seine Freundin braucht dafür einen ganzen Kerl.

Meine Meinung

Stefan und Anne sind Bürokollegen. Der eine ist gerade "schwanger", die andere auf der verzweifelten Suche nach ihrem Traummann. Stefan, der in einem Frauenhaushalt aufgewachsen ist, will vor der Geburt seines Kindes noch ein "richtiger" Mann werden, was in den Augen seiner Umgebung größtenteils aus Alkohol trinken in rauhen Mengen besteht.

Überhaupt kommen die meisten Männer im Buch ziemlich schlecht weg. Es wird viel diskutiert, wie der perfekte Mann sein soll, welcher Mann als besten in der Vaterrolle taugt, wie er sich theoretisch benehmen soll und was er im Praktischen alles falsch macht. Betaweibchen bleibt dagegen unbehelligt.

Das Buch ist gut geschrieben und der Perspektivwechsel zwischen Anne und Stefan nach jedem Kapitel ist gelungen. Leider hat das Buch keine wirkliche Spannung. Es werden Alltagsszenen beschrieben, die, auch wenn sie ziemlich außergewöhnlich sind, es doch nicht genug sind, um mich als Leser richtig ans Buch zu fesseln.

Gut gefallen haben mir die vielen Zitate, die immer wieder passend zu den verschiedenen Erlebnissen dazwischen geschoben wurden.

Ich bin bei Humorbüchern ziemlich mäkelig. Gewollt witzig mag ich nicht, aber "Betamännchen" war mir nicht witzig genug und deshalb fand ich es an vielen Stellen langweilig.

Betamännchen Anne Weiss Stefan Bonner


Über die Autoren

Anne Weiss schreibt mit ihrem Co-Autor Stefan Bonner satirische Bücher über ihr Leben in einer dummen Welt. Sie wundern sich über geistige Energiesparlampen, Fremdschämstars, die Verrücktheiten des Alltags und ihre eigenen Unzulänglichkeiten. Da die Dummheit vielfältig und unendlich ist, berichten die beiden in ihrem Blog über ihre Erlebnisse: www.bonnerweiss.de

Wenn sie nicht schreiben, leiten die beiden Deutschlands erste verlagseigene Autorenschule, die Bastei Lübbe Academy.

Nach dem Studium in ihrer Heimatstadt Bremen und an der University of Ulster in Coleraine suchte Anne sich trotz lautstarker Einwände, mit Büchermachen könne man doch kein Geld verdienen, einen Job im Verlag und wurde Lektorin für Belletristik und Sachbuch, insbesondere im Bereich Humor.

Einige Jahre, Städte und Verlage später findet sie frivole Wortspiele mit ihrer Berufsbezeichnung immer noch gähnend langweilig und freut sich wie Bolle über jeden gelungenen Text. Wenn sie, was selten vorkommt, mal Zeit hat, hält sie Vorträge über Wohl, Wehe und Witz der gemeinen Straßentaube, liest das Beste der letzten Jahrhunderte und spielt miserabel Schlagzeug. Anne lebt in Köln, weil sich das gerade so ergeben hat. Sie liebt gescheite Bücher, gute Filme, gewaltfreies Essen und glanzvolle Sommerfeste. Sie verabscheut Dünkel, Geiz, Gier und Polentaklößchen.

Stefan Bonner schreibt mit seiner Co-Autorin Anne Weiss satirische Bücher über ihr Leben in einer dummen Welt. Sie wundern sich über geistige Energiesparlampen, Fremdschämstars, die Verrücktheiten des Alltags und ihre eigenen Unzulänglichkeiten. Da die Dummheit vielfältig und unendlich ist, berichten die beiden in ihrem Blog über ihre Erlebnisse: www.bonnerweiss.de

Wenn sie nicht schreiben, leiten die beiden Deutschlands erste verlagseigene Autorenschule, die Bastei Lübbe Academy.

Stefan Bonner wurde im Oktober 1975 geboren, zwei Tage, nachdem die Erstausgabe der Zeitschrift YPS erschienen war. Seine Vorbilder sind Tom Selleck und das A-Team. Er liebt die Achtziger und gerät deshalb immer wieder in Konflikt mit seiner Büromitbewohnerin Anne, die behauptet, sie hätte Geschmack. Er hat Germanistik und andere Fremdsprachen studiert und alles, was bisher geschah - also Geschichte, vor den Achtzigern.

Stefan mag Malt-Whisky und Pommes mit Mayo und Saté-Sauce. Weil man sich die besten Fritten nur mit viel Geld leisten kann, schrieb er während des Studiums für die Wirtschaftsmagazine impulse und BIZZ und übersetzte Science-Fiction-Romane. Um sich auch den teuren Malt-Whisky leisten zu können, nahm er den Job als Lektor bei Bastei Lübbe an und betreute viele Bestsellerautoren, bevor er selber ein großer Autor von Weltrang wurde - zumindest nach eigenem Dafürhalten und nach ein paar Malt-Whisky. Stefan lebt mit seiner Familie in der Heimatstadt von Heidi Klum und geht in seiner Freizeit am liebsten segeln.

Mittwoch, 18. März 2015

Top Liste der deutschen Literaturblogs

Nur durch Zufall bin ich gestern auf diesen Blogartikel gestoßen, der in meinen Augen sehr viel Aufmerksamkeit verdient. Tobi von Lesestunden hat sich die unglaubliche Mühe gemacht, alle Literaturblogs zu erfassen, zu überprüfen, ob sie noch aktiv sind und ihr Vernetzung auszuwerten.
Hier gibt es die TopListe der Literaturblogs, die durch einen Skript automatisch aktualisiert wird. Wer einen Blog kennt oder hat, der noch nicht in der Liste ist, kann ihn immer noch anmelden.
Erklärungen zu diesem Projekt gibt Tobi in diesem Beitrag. Zuerst einmal bin ich erstaunt, wie viele aktive Literaturblogs es im Moment gibt. Ich folge vielen, aber einen sehr großen Teil der Blogs aus dieser Liste. habe ich noch nie besucht. Interessant finde ich auch, dass ältere Blogs nicht besser platziert sind als jüngere. Das ist gut für die neueren Blogs, sagt aber auch aus, dass man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen darf und sich keine Hoffnung zu machen braucht, dass der Blog mit der Zeit von selbst bekannter wird.


Viel Spaß beim Stöbern!

Dienstag, 17. März 2015

Die Schlafwandler - Christopher Clark

Erscheinungsdatum: 9. September 2013
Übersetzer: Norbert Juraschitz
Weitere Informationen

Über Christopher Clark

Christopher Clark, geboren 1960, lehrt als Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine's College in Cambridge. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte Preußens. Er ist Autor einer Biographie Wilhelms II., des letzten deutschen Kaisers. Für sein Buch »Preußen« erhielt er 2007 den renommierten Wolfson Prize sowie 2010 als erster nicht-deutschsprachiger Historiker den Preis des Historischen Kollegs.

Kurze Zusammenfassung

Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass das deutsche Kaiserreich wegen seiner Großmachtträume die Hauptverantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkriegs trug. In seinem bahnbrechenden neuen Werk kommt der renommierte Historiker und Bestsellerautor Christopher Clark (Preußen) zu einer anderen Einschätzung. Clark beschreibt minutiös die Interessen und Motivationen der wichtigsten politischen Akteure in den europäischen Metropolen und zeichnet das Bild einer komplexen Welt, in der gegenseitiges Misstrauen, Fehleinschätzungen, Überheblichkeit, Expansionspläne und nationalistische Bestrebungen zu einer Situation führten, in der ein Funke genügte, den Krieg auszulösen, dessen verheerende Folgen kaum jemand abzuschätzen vermochte. Schon jetzt zeigt sich, dass »Die Schlafwandler« eine der wichtigsten Neuerscheinungen zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs sein wird.

Meine Eindruck

Christopher Clark hat eine unheimliche Arbeit geleistet, um aus einer ganzen Reihe von Quellen die verschiedensten Fakten zusammenzulegen, chronologisch zu sortieren und zu einem Werk zu verarbeiten. Er geht auf die verschiedenen Länder ein und erklärt, immer mit Quellen unterlegt, wie die politische Situation zu dem Moment war, wer auf dem Blatt regierte, wer es in Wirklichkeit die Fäden zog und welche Auswirkungen dies auf die Beziehungen zu anderen Staaten hatte. Es wird erklärt, wie es zu den verschiedenen Krisen kommen konnte, wer was provoziert hat und welches Land durch welche Reaktion was erreichen wollte.
Manchem Machthaber war die politische Situation gleichgültiger als sie hätten sein sollen, die meisten versuchten aus jeder Situation das beste für ihr Land herauszuholen, ohne Rücksicht auf Verluste. Niemand wollte wirklich Krieg, schon gar keinen Weltkrieg, aber die Politiker hatten natürlich alle keinen Überblick über das Ganze und konnten nicht ahnen, welche Folgen ihr Handeln haben würde.

Eine Meinung oder eine Bewertung zu diesem Buch kann ich nicht abgeben. Die vielen Namen, die zig Titel und Bezeichnungen, die Verkettung von Umständen und die fiktiven und wirkliche Verbindungen machen das Lesen von diesem Wälzer zu einer Qual. Ich habe das Buch nur bis zur Hälfte gelesen und es vorerst bei Seite gelegt.

Mein Respekt geht an die Leser, die bis zum Schluss durchgehalten haben.
Ihre Bewertungen findet man hier:


http://lynkeusturm.de/blog/?p=19525
http://www.54books.de/sleepwalkers/
http://torpedo63.blog.de/2014/07/24/schlafwandler-christopher-clark-19131333/
http://www.pi-news.net/2014/08/nochmals-christopher-clarks-schlafwandler/
http://gallia-pontificia-arelatensis.blog.de/2014/08/25/kriegsschuldfrage-8-clarks-schlafwandlern-19256444/
http://www.koelner-leselust.de/die-schlafwandler-von-christopher-clark/

Montag, 16. März 2015

Montagsfrage: Was war bei euch die längste Phase, in der ihr nicht gelesen habt?



Das ist eine Frage, bei der ich wieder sehr viele Probleme habe, sie zu beantworten und dabei mehr als einen Satz zu schreiben. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte noch nie eine längere Phase, in der ich nicht gelesen habe. Natürlich lese ich phasenweise mehr oder weniger Gescheites, manchmal sind es nur Zeitschriften, Zeitungen oder Comics, aber überhaupt nichts lesen, das geht gar nicht.


Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Freitag, 13. März 2015

Mädchenware - Norbert Horst

Erscheinungsdatum: 19. Januar 2015
Weitere Informationen

Über Norbert Horst

Norbert Horst ist im Hauptberuf Kriminalhauptkommissar und hat in zahlreichen Mordkommissionen ermittelt. Der Autor ist verheiratet und hat zwei Kinder. Für seinen ersten Roman, "Leichensache", erhielt er den Friedrich Glauser Preis 2004 für das beste Krimidebüt; "Todesmuster" wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2006 ausgezeichnet. "Splitter im Auge", den ersten Roman aus der Serie um Kommissar Steiger, zählte die KrimiZEIT-Bestenliste zu den zehn besten Spannungsromanen des Jahres 2012.

Kurze Zusammenfassung

In einem Dortmunder Bordell feiern mehrere EU-Beamte ausgelassen. Plötzlich fallen Schüsse. Die russische Prostituierte Anastasija wird getötet, ihre Freundin Dajana verletzt. Noch bevor die Polizei eintrifft, verschwinden die Zuhälter mit der Verletzten. Auch die Freier, die Hals über Kopf geflüchtet sind, haben wenig Interesse, sich bei den Behörden zu melden. Die Ermittlungen geraten deshalb schnell ins Stocken. Doch Kommissar Steiger gibt nicht auf, zumal dieser Fall ihn persönlich mehr berührt als gewöhnlich: Seine langjährige Geliebte, die Prostituierte Eva, wurde bei dem Überfall ebenfalls schwer verletzt ...

Meine Meinung

Die Polizei wird in eine Villa gerufen, weil dort Schüsse gefallen sind. Es stellt sich heraus, dass es sich um ein Bordell handelt, doch außer einer schwerverletzten und einer toten Frau treffen sie niemanden mehr an. Alle anderen haben in höchster Eile das Weite gesucht. Die Ermittlungen stellen sich als schwierig heraus, Spuren gibt es, sie lassen sich jedoch nicht zuweisen und so hat die Polizei fast keine Zeugen und schon gar keinen Täter.

Norbert Horst ist Polizist und so kann man als Leser detaillierte und faszinierende Polizeiarbeit geniessen. Als Zuschauer ist man mitten im Geschehen, spürt das Adrenalin, wenn Spuren auftauchen, die  Enttäuschung, wenn sie ins Leere laufen, und die Müdigkeit, weil es für keinen der Ermittler viel Schlaf gibt. Auch die menschlichen Beziehungen zwischen den Polizisten kommen nicht zu kurz. Kommissar Steiger kümmert sich um seine junge Kollegin Jana, weiss, dass man manches nicht so einfach wegstecken kann und versucht ihr zu helfen, so gut er kann. Die kleine Liebesgeschichte des Kommissars ist gefühlvoll und gekonnt beschrieben.

Der Schreibstil ist flüssig, die Geschichte liest sich sehr angenehm und spannend. Immer wieder blitzt leiser, unaufgesetzter Humor auf. Die Handlung spielt auf mehreren Zeitebenen, auf denen der Leser die Kindheit und Jugend von mehreren Personen kennen lernt. Erst später passen diese Biographien dann zum Rest der Handlung. Nur die Auflösung hat mich etwas enttäuscht, da hatte ich mir etwas anderes erwartet. Trotzdem kann ich diesen Krimi von Norbert Horst, wie auch der Vorgänger "Splitter im Auge" empfehlen.


Donnerstag, 12. März 2015

100% Lesen!


Heute beginnt wieder "100 Prozent Lesen!" für alle Leser, die sich bei diesem wunderbaren Frühlingswetter nicht in überfüllten Messe-Hallen herumtreiben müssen, wollen oder können.
Anmelden kann man sich bei Skyline of Books oder bei Traumlilie.

Aufgabe 1:

Was lest ihr? Warum? Präsentiert ein frühlingshaftes Buchcover.

Ich kann alle Fragen mit einem einzigen Buch beantworten: meine aktuelles Buch sieht nach fröhlichem Frühling aus. Die letzten gelesenen Bücher waren extrem spannend und ziemlich düster. Deshalb habe ich jetzt etwas leichverdaulicheres gesucht. Ich habe noch nicht mit dem Lesen angefangen und bin gespannt, ob das Buch hält, was der Klappentext verspricht.

Als ich erwachte -  Cynthia Swanson
Eines Morgens erwacht Katharyn in einem fremden Bett. Neben ihr liegt ein gut aussehender Mann, der behauptet, ihr Ehemann zu sein. Doch sie ist nicht verheiratet, sondern alleinstehend und stolze Inhaberin einer Buchhandlung. Auch die Kinder, die ins Schlafzimmer stürmen, kennt sie nicht. Dieser Traum lässt sie nicht los, denn immer wieder kehrt sie nachts zu der fremden Familie zurück. Katharyn bleibt keine Wahl: Sie muss herausfinden, in welches Leben sie gehört – doch wird sie die Wahrheit ertragen?

Dienstag, 10. März 2015

Lieber Mr. Salinger - Joanna Rakoff

Erscheinungsdatum: 23. Februar 2015
Übersetzer: Sabine Schwenk

Weitere Informationen

Über Joanna Rakoff

Nach ihrem Studium an renommierten amerikanischen Universitäten stürzte sich Joanna Rakoff in die Welt der Literatur. Sie arbeitete als Kritikerin für die „New York Times“, die „Los Angeles Times“ und die „Vogue“ und veröffentlichte einen Roman („A Fortunate Age“), der zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Joanna Rakoff lebt in Cambridge, Massachusetts.

Kurze Zusammenfassung

Von ihnen gibt es Hunderte: blitzgescheite junge Frauen, frisch von der Uni und mit dem festen Vorsatz, in der Welt der Bücher Fuß zu fassen. Joanna Rakoff war eine von ihnen. 1996 kommt sie nach New York, um die literarische Szene zu erobern. Doch zunächst landet sie in einer Agentur für Autoren und wird mit einem Büroalltag konfrontiert, der sie in eine längst vergangen geglaubte Zeit katapultiert. Joanna lernt erst das Staunen kennen, dann einen kauzigen Kultautor – und schließlich sich selber.


Meine Meinung

Joanna bekommt nach ihrem Studium einen Arbeitsplatz als Assistentin in einer Literaturagentur. Als Sekretärin, sagt ihr Vater, wogegen Joanna sich wehrt und am Anfang sogar behauptet, Manuskripte zu lesen, um nicht zuzugeben, dass sie doch nur die Arbeit einer Sekretärin macht.
Ihre Agentur vertritt Salinger, Jerry, wie er in der Agentur genannt wird. Er soll auf keinen Fall gestört werden, nie soll Joanna seine Daten herausrücken, ihn nie selbst  belästigen und seinen Anruf einfach nur weiterleiten. Salinger bekommt haufenweise Post von Lesern, die er nicht haben möchte und die Joanna durchlesen und beantworten muss. Sie soll immer wieder einen Standardbrief als Antwort tippen, auf einer Schreibmaschine, weil die Agentur im Jahre 1996 wegen einer seltsamen Nostalgie immer noch ganz ohne Computer arbeitet. Joanna liebt diese Briefe, sie liest sie gerne und weicht immer öfter vom Standardbrief ab. Salinger selbst trifft sie nur ein einziges Mal, hat ihn allerdings öfter am Telefon und hat das Gefühl ihn zu kennen.

Nach und nach, während Joanna mehr Arbeiten zugewiesen bekommt, erfährt auch der Leser mehr über die Arbeit in dieser Agentur, was allerdings auf keinen Fall gleichgesetzt werden kann mit der Arbeit von Agenturen im Allgemeinen. Wahrscheinlich gibt es keine zweite Agentur, die arbeitet wie diese.

Sehr gut gefallen hat mir Joannas Begeisterung für Bücher. Sie liest ganze Wochenenden durch und interessiert sich zunehmend für die Autoren ihrer Agentur. Neben Salinger gibt es noch einen "anderen Klienten", dessen Werke beschrieben werden, der aber nie namentlich genannt wird.

Auch das Privatleben von Joanna wird erzählt, ihre komischen, wohlhabenden Eltern, die sie aus irgendeinem Grund nicht unterstützen und ihr auch noch Schulden aufladen, ihr Zusammenleben mit dem mürrischen Don in einer düsteren Wohnung ohne Heizung und ohne Spülbecken, ihr Sparen am Essen, ihre langsame Entfernung von ihrer besten Freundin, sie selbst die sich verändert.

Der Anfang des Buches ist sehr leicht zu lesen, vielleicht schon leicht oberflächlich aber je weiter man liest, desto tiefgründiger und besser wird das Buch. Es ist ein Buch über die Begeisterung zum Lesen, zu Literatur. Ich war beeindruckt und wünsche diesem Buch noch viele weitere Leser.


Weitere Meinungen

Buzzaldrins
Primaballerina's books

Montag, 9. März 2015

Montagsfrage: Welches Buch hat dich 2015 bisher am meisten begeistert?


Die Geschwister Scout und Jem wachsen im Alabama der 1930er Jahre auf. Jäh bricht die Wirklichkeit des Rassenhasses in ihre behütete Welt ein, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Finch, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Finch lehrt seine Kinder Verständnis und Toleranz, allen Anfeindungen und Angriffen ihrer "ehrbaren" Mitbürger zum Trotz. Unvergessliche Figuren, menschliche Güte und stiller Humor zeichnen den Roman aus, der in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurde und Millionen von Lesern in seinen Bann zog




Ich kann mir kaum vorstellen, dieses Jahr noch ein besseres Buch als "Wer die Nachtigall stört..." zu lesen. Es ist beeindruckend, stark, zeitlos, genial...

Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Freitag, 6. März 2015

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer - Alex Capus

Erscheinungsdatum: 29. Juni 2013

Über Alex Capus

Alex Capus, geboren 1961 in der Normandie, lebt heute in Olten. Er studierte Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel und arbeitete einige Jahre als Journalist bei mehreren Schweizer Tageszeitungen.
1994 veröffentlichte er seinen ersten Erzählungsband Diese verfluchte Schwerkraft, dem seitdem vierzehn weitere Bücher mit Kurzgeschichten, Romanen und Reportagen folgten. Bei Hanser erschienen die Romane Léon und Louise (2011), Fast ein bißchen Frühling (2012),Skidoo. Meine Reise durch die Geisterstädte des Wilden Westens (2012) und Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer (2013).

Kurze Zusammenfassung

Von drei Helden wider Willen erzählt Alex Capus in seinem neuen Roman: Vom Pazifisten Felix Bloch, der nach 1933 in den USA beim Bau der Atombombe hilft. Von Laura d’Oriano, die Sängerin werden will und als alliierte Spionin in Italien endet. Und von Emile Gilliéron, der mit Schliemann nach Troja reist und zum größten Kunstfälscher aller Zeiten wird. Nur einmal können die drei einander begegnet sein: im November 1924 am Hauptbahnhof Zürich. Doch ihre Wege bleiben auf eigentümliche Weise miteinander verbunden. Capus treibt seinen Erzählstil des faktentreuen Träumens zu neuer Meisterschaft. Heiter und elegant, lakonisch und zart folgt der Erfolgsautor aus der Schweiz den exakt recherchierten Lebensläufen seiner Helden.

Meine Meinung

Laura d'Oriano hatte als Tochter einer Sängerin und eines Pianisten eine ganz besondere Kindheit, sie zog mit Eltern und Geschwister von Auftritt zu Auftritt, von Hotel zu Hotel. Später, nachdem sie selbst als Sängerin von einer Schule abgewiesen wurde, ließ sie sich nieder und arbeitete in einem Musikgeschäft.
Felix Bloch ist ein friedlicher junger Mann mit einer Begabung für Physik und Mathematik. Nach den Grauen des ersten Weltkrieges, will er auf keinen Fall Maschinenbau studieren, um zu vermeiden, dass seine Maschinen irgendwann zu Kriegszwecken genutzt werden könnten.
Emile Gilliéron ist ein talentierter Künstler, der seine Professoren mit seiner Faulheit in den Wahnsinn treibt und sie gleichzeitig mit seinem Können beeindruckt.

"Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer" ist kein herkömmlicher Roman, die drei Personen werden vorgestellt und als Leser könnte man erwarten, dass sie sich irgendwann treffen. Der Autor macht diese Hoffnung aber schon auf den ersten Seiten zunichte. Die Personen haben sich nie getroffen, kannten sich nicht, wussten nicht von einander. Sie lebten nur alle drei in der selben Zeit.

Ich liebe Biographien und besonders liebe ich solche, die leichtverständlich und in Romanform verfasst sind, die sich spannend lesen und trotzdem mehr oder weniger genau über das Leben der Personen berichten. Natürlich wird nicht jede Kleinigkeit exakt so gewesen sein, aber genau diese kleinen Details machen das Buch zu einem wunderbaren Leseerlebnis, ohne die wichtigen Einzelheiten der Biographien zu verfälschen.


Biographien sind, im Gegensatz zu vielen anderen Genres auch noch interessant, wenn man deren Ausgang kennt, es ist aber trotzdem besser, die Lebensläufe der vorgestellten Personen erst nach dem Buch zu lesen.

http://de.m.wikipedia.org/wiki/Emile_Gilliéron
http://de.m.wikipedia.org/wiki/Felix_Bloch
http://www.dieterwunderlich.de/Laura-Oriano.htm



Mittwoch, 4. März 2015

[Leserunde] Die alltägliche Physik des Unglücks - Marisha Pessl

http://cogitosbuecherkiste.blog.de/

Ann-Christin von Cogitos Bücherkiste und ich veranstalten auch im März eine Leserunde!


Wir lesen "Die alltägliche Physik des Unglücks" von Marisha Pessl.
Blue hat den Blues. Ihr Vater, der Universitätsprofessor, zieht schon wieder um. Nie länger als ein Semester bleiben Tochter und Vater an einem Ort. Bald kennt Blue jedes College. Zum Glück hat sie die Bücher – ihre engsten Vertrauten. Und so hungrig wie sie Geschichten auf Papier verschlingt, so lustvoll stürzt sie sich ins pralle Leben: Charmant und witzig besticht sie als wandelndes Lexikon und läßt zugleich keine Wodkaflasche an sich vorbeiziehen. Jeder weiß, Blue ist besonders. Man liegt ihr zu Füßen. Und dann passiert ein mysteriöser Mord und ihr Leben gerät aus den Fugen. Ein Aufsehen erregender und temporeicher Roman und ein spannend komischer Streifzug quer durch die Sätze von Shakespeare bis Cary Grant.
Aufgeteilt für die Leserunde habe ich es in vier Teile - ja ich weiß, das ist etwas umfangreich, aber ich denke, es ist sinnvoll!

Leseabschnitte
Seite 1 bis 203
Seite 207 bis 383
Seite 387 bis 707
Seite 708 bis 714

Ablauf
Mitmachen kann natürlich jeder, der das Buch hat und es endlich lesen möchte, oder wer einfach Lust auf eine Leserunde hat! Anmeldung bitte bei Ann-Christin. Wir starten am 6. März, völlig zwanglos und enden, wenn wir durch sind ;)
In den Kommentaren (hier) könnt ihr dann einfach zu den jeweiligen Abschnitten schreiben, was ihr so meint.
Alles klar? Wenn nicht, Fragen könnt ihr natürlich auch stellen!

Dienstag, 3. März 2015

Der erste Sohn - Philipp Meyer

Erscheinungsdatum: 26. Mai 2014
Übersetzer: Hans M. Herzog

Weitere Informationen

Über Philipp Meyer

Philipp Meyer, geboren 1974, stammt aus einer Künstlerfamilie, verließ vorzeitig die Schule und hielt sich mit diversen Jobs – unter anderem als Fahrradmechaniker – über Wasser. Mit 20 entschloss er sich zu einem Literaturstudium und schaffte die Aufnahmeprüfung an der Cornell University. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Broker an der Wall Street, um seine Schulden zu bezahlen. In dieser Zeit begann er zu schreiben. Ein Stipendium ermöglichte ihm einen Aufenthalt an der University of Texas, wo er seinen ersten Roman „American Rust“ (dt. "Rost") begann. Das Buch gewann den Los Angeles Times Book Prize, war das Washington Post Book of the Year, schaffte es auf diverse Bestsellerlisten und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Philipp Meyer gilt seither als einer der hoffnungsvollsten amerikanischen Nachwuchsautoren. An „Der erste Sohn“ arbeitete er über fünf Jahre. Zur Zeit ist er ein Guggenheim Fellow und lebt in Austin, Texas und New York.

Kurze Zusammenfassung

Philipp Meyer erzählt die Geschichte der Eroberung des amerikanischen Westens als große Familiensaga über drei Generationen. Es ist der Kampf des texanischen Clans der McCulloughs während der letzten 150 Jahre um Land, Öl und Macht.

Meine Meinung

Eli wird als junger Mann von den Indianern gekidnapped und muss miterleben, wie seine Schwester und seine Mutter vergewaltigt werden und sein Bruder umgebracht wird. Danach lebt er bei den Indianern und lernt ihre Lebensweise kennen, lernt, wie sie ihre Kinder erziehen, mit ihren Frauen umgehen, was sie essen, wie sie jagen und wie sie Krieg führen. Sein Sohn Peter und dessen Enkelin Jeanne beschreiben das Leben der weißen Rinderzüchter, ihre Verachtung gegenüber den Mexikanern und  gegenüber anderen, ärmeren Menschen, ihre Raffgier und ihre Brutalität.

"Der erste Sohn" ist die Familiensaga einer reichen, texanischen Rancherfamilie über mehrere Generationen. Die Handlung spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Jedesmal steht ein anderes Familienmitglied und damit eine andere Zeit im Mittelpunkt. Der Leser bekommt so nach und nach die Geschichte der Familie McCullough erzählt. Jeanne, die Enkelin erinnert sich, bei Peter sind es Tagebucheinträge und Eli erzählt in der Ich-Perspektive, was er erlebt.

"Der erste Sohn" ist nicht bloß eine Familiengeschichte, sondern umfasst auch 200 Jahre Geschichte Amerikas, genaustens recherchiert und nicht geschönt. Erbarmungslos werden die Taten von Weißen von Indianer aber auch die Folgen von Krankheiten beschrieben. Es wird betrogen, gestohlen, gemordet, geblutet, vergewaltigt, skalpiert, gefoltert und geschlachtet, ganz ohne Romantik. Gemütliche, friedliche Indianer die rauchend vor einem Feuer sitzen kommen genauso wenig vor wie heldenhafte Weißen, die als vorbildliche Vorfahren taugen könnten. Auf beiden Seiten wird brutal und ohne Skrupel gekämpft, um Land, um Tiere und ums Überleben.

Sehr wertvoll war mit der Stammbaum auf der ersten Seite. Am Anfang, als ich noch nicht jedes Familienmitglied kannte, warf ich vor jedem Kapitel einen Blick drauf, um mich besser in der Geschichte zurecht zu finden.

Vom Schreibstil her liest das Buch sich leicht, es ist der Inhalt, der mich immer wieder Pausen einlegen ließ. Doch trotz der vielen Brutalität habe ich das Buch gerne gelesen, es erzählt die Geschichte aus diesem Teil Amerikas auf authentische, interessante und spannende Weise.




Montag, 2. März 2015

Top Bücher 2015 (Januar - Februar)


1. Wer die Nachtigall stört... - Harper Lee
2. Vielen Dank für das Leben - Sibylle Berg
3. Zeiten des Aufruhrs - Richard Yates
4. Soumission - Michel Houellebecq
5. Das Rosie-Projekt - Graeme Simsion
6. Splitter im Auge - Norbert Horst
7. Dark Canopy - Jennifer Benkau
8. Wo steckst du, Bernadette? - Maria Semple
9. Keiko - Jamie Ford
10. Glückliche Menschen küssen auch im Regen - Agnès Martin-Lugand

Montagsfrage: Glaubst du, dass Bücher dein Denken/Handeln schonmal beeinflusst haben?


Bücher beeinflussen ganz klar mein Handeln, mein Denken, sogar mein Leben. Ich bin mir sogar sicher, ohne Bücher wäre ich ein ganz anderer Mensch. Jedes Buch regt in irgendeinerweise zum Nachdenken an, man schweift unweigerlich auf das eigene Leben über, überdenkt seine Situation und passt sie gegebenfalls an. Konkrete Beispiele fallen mir im Moment nicht ein. Aus manchen Büchern nimmt man Kleinigkeiten mit, aus anderen mehr, die machen darauf aufmerksam wie kurz das Leben ist, wie schnell die Kinder erwachsen werden oder wie egal man fremden Mitmenschen ist. Es sind die Bücher, die mich am meisten zum Nachdenken anregen und mich damit am meisten beeinflussen, die mir am besten gefallen.

Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.