Freitag, 20. Februar 2015

Vielen Dank für das Leben - Sibylle Berg

Erscheinungsdatum: 30. Juli 2012
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Über Sibylle Berg

Sibylle Berg, geboren in Weimar, lebt heute in Zürich. Sie schreibt Romane, Theaterstücke, Essays und Kolumnen (u.a. für die NZZ und für die Zeit). Zuletzt erschienen Das unerfreuliche zuerst – Herrengeschichten (2001), Ende gut (Roman, 2004), Die Fahrt. Vom Gehen und Bleiben (Roman, 2007). 2008 wurde sie mit dem Wolfgang Koeppen-Preis ausgezeichnet.

Kurze Zusammenfassung

Toto ist ein Wunder. Ein Waisenkind ohne klares Geschlecht. Zu dick, zu groß, im Suff gezeugt. Der Vater schon vor der Geburt abgehauen, die Mutter bald danach. Und doch bleibt Toto wie unberührt. Im kalten Sommer 1966 geboren, wandelt er durch die DDR, als ob es alles noch gäbe: Güte, Unschuld, Liebe. Warum, fragt er sich, machen die Menschen dieses Leben noch schrecklicher, als es schon ist? Toto geht in den Westen, wo der Kapitalismus zerstört, was der Sozialismus verrotten ließ. Nur zwei Dinge machen ihm Hoffnung - das Wiedersehen mit Kasimir und sein einziges Talent: das Singen. Es führt Toto bis nach Paris. Ein wütender, schriller Roman einer großen Autorin über das Einzige im Leben, was zählt.

Meine Meinung 

Toto ist kein Junge und auch kein Mädchen, er hat weder Mutter noch Vater und wird im Kinderheim von jedem verachtet und gepeinigt. Liebe gibt es keine, selbst kleine Teddybären sind nicht erlaubt, die Kinder könnten dadurch verweichlicht werden. Auch später als Erwachsener wird das Leben für Toto nicht leichter und doch lässt er sich nie unterkriegen.

Er nimmt das Leben, wie es kommt, lebt im Jetzt und plant höchstens ein paar Stunden im voraus. Schicksalsschläge, die für andere den Weltuntergang bedeuten würden, nimmt Toto als Neuerungen als Veränderung in seinem Leben an. Er ist interessiert, er beobachtet und kennt die Menschen ausgezeichnet. Jede noch so schlimme Bösartigkeit nimmt er nicht persönlich, sondern hat Mitleid mit dem Peiniger, weil das Leben ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist.
Durch Toto, der nichts Böses in sich hat, gelingt es der Autorin, der Gesellschaft und dem Leser erbarmungslos einen Spiegel vor die Augen zu führen und zum Nachdenken anzuregen. Ein schlimmeres Leben als Toto kann man sich kaum vorstellen, und doch hat er nichts anderes im Sinn, als anderen zu helfen und seinen Mitmenschen das Leben leichter zu machen.


Sibylle Berg hat ein großartiges Buch geschrieben, das die Gesellschaft analysiert, manchmal zynisch, mal mit Humor, von den Zuständen in der DDR bis in die nahe Zukunft und das vor allem kritisiert, wie die Menschen mit Personen umgehen, die anders sind. Man hat den Eindruck, dass es in Wut geschrieben wurde, aber auch mit sehr viel Mitgefühl und Liebe zu Menschen, die ausgegrenzt werden. Der Schreibstil ist genial, kompakt, treffend, kein Wort ist zu viel.
"Vielen Dank für das Leben" ist kein Buch, das man zuklappt und vergisst. Empfehlenswert!

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