Freitag, 30. Januar 2015

Bildnis eines Mädchens - Dörthe Binkert

Erscheinungsdatum: 1. September 2011
Mehr Informationen beim Verlag


Über die Autorin

Dörthe Binkert, geboren in Hagen/Westfalen, wuchs in Frankfurt am Main auf und studierte dort Germanistik, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft. Nach ihrer Promotion hat sie viele Jahre für große deutsche Publikumsverlage gearbeitet. Seit 2007 ist sie freie Autorin und lebt in Zürich.

Kurze Zusammenfassung

Zwischen den Deckeln ihres kostbaren Medaillons ruht das Geheimnis ihrer Herkunft. Dieses Medaillon ist alles, was Nika hat, als zwei Bauernburschen das anscheinend stumme Mädchen in den Schweizer Bergen finden und es ins Dorf Maloja bringen, wo es eine Anstellung im Hotel »Kursaal Maloja« erhält. Einzig der Maler Giovanni Segantini gewinnt das Vertrauen der schönen und verschlossenen Fremden und hilft ihr, das Rätsel um ihre Vergangenheit zu ergründen.

Meine Meinung

Zwei Brüder finden in den Bergen eine junge Frau mit verletztem Knöchel. Sie bringen sie zu sich nach Hause, wo die junge Frau von der Mutter gepflegt wird. Sie redet nicht, niemand weiß, woher sie kommt und was sie möchte. Ihr einziger Besitz ist ein wertvolles Amulett, mit einem Zettel drin, den sie selbst nicht lesen kann und den sie vor ihren Mitmenschen versteckt. Nika, die Fremde, nimmt aber voller Tatendrang eine Arbeit im Hotel an, wo sie die Aufmerksamkeit von Verwaltung und Gästen auf sich zieht.

Besonders der Maler Segantini hat ein Auge auf sie geworfen, trifft sich heimlich mit ihr und möchte ihr helfen. Er findet heraus, dass sie ein "Verdingkind" war, ein ausgesetzter Säugling, der von einem Bauern als billige Arbeitskraft angenommen wurde. Segantini bringt Nika das Lesen und Schreiben bei und unterstützt sie beim Zeichnen. Er selbst malt seine Bilder ohne die Grundfarben zu mischen. Farbabstufungen entstehen im Auge des Betrachters, durch winzige, nebeneinandergemalte Striche.

So schreibt auch die Autorin, ganz im Detail und ohne Hektik. Jeder, der den Weg von Nika streift, beeinflusst sie, ändert sie oder den Blick auf sie. Manche ändern sie nur indirekt, wie die freche Kate, die das Leben als Spiel sieht und die Männer als ihr Spielball. Manche, wie die ehrgeizige Andrina, helfen Nika mehr als sie wollen. Gemeinsam haben alle Personen in diesem Buch, dass sie nicht nur kurz beschrieben werden, sondern so intensiv, dass man als Leser selbst ihre geheimsten Wünsche kennt. Genauso reich wird auch die Landschaft in den Schweizer Bergen beschrieben.

"Bildnis eines Mädchens" ist ein extrem ruhiges Buch, nicht die Handlung, sondern die Personen stehen im Vordergrund. Leider konnte dieses Buch mich nicht begeistern und hat mich stellenweise gelangweilt.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Das Küchenlabyrinth

http://daskuechenlabyrinth.blogspot.com/
Seit ein paar Wochen gibt es im Bücherlabyrinth keine Rezepteposts mehr. Die Rezepteposts haben mich von Anfang an gestört, sie haben einfach nicht zu den Büchern gepasst. Aufgeben wollte ich sie allerdings auch nicht, deshalb habe ich sie ins "Küchenlabyrinth" verschoben.





Dienstag, 27. Januar 2015

Keiko - Jamie Ford

Erscheinungsdatum: 12. Mai 2014

Keiko Jamie Ford
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Über Jamie Ford

Jamie Ford wuchs in der Nähe von Seattles Chinatown auf. Seine chinesischen Verwandten nannten ihn »Ji Mai«, was bald zu »Jamie« wurde. Er ist Absolvent der Squaw Valley Community of Writers. Nach dem Bestseller »Keiko« ist »Die chinesische Sängerin« sein zweiter Roman. Jamie Ford lebt mit seiner Familie in Montana, USA.

Kurze Zusammenfassung

Henry und Keiko, er chinesischer Abstammung, sie japanischer, lernen sich 1942 an einer Schule in Seattle kennen. Nicht nur sind sie dort beide Außenseiter, sie verbindet auch die Begeisterung für Jazzmusik. Schnell reift eine zarte Liebe zwischen ihnen heran. Doch dann wird Keikos Familie nach dem Angriff auf Pearl Harbor in ein Internierungslager für US-Japaner gebracht. Henry und Keiko werden getrennt. Mehr als vierzig Jahre später erlebt Henry, wie das Panama Hotel in Seattles Japantown wiedereröffnet wird. Dort hatten viele Familien vor der Internierung ihre Habseligkeiten in Sicherheit gebracht. Unter den Fundstücken befindet sich auch ein Sonnenschirm aus Bambus, verziert mit orangenen Kois. Henry ist sich sicher, dass er einmal Keiko gehört hat. Erinnerungen an seine große Liebe werden wach ... Eine berührende Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht.

Meine Meinung

Henry ist Chinese und geht als einziger Nichtweißer auf eine Schule für Weiße, was der ganze Stolz seines Vaters ist. Der Vater möchte, dass sein Sohn Amerikaner ist und als Amerikaner lebt. Er verbietet ihm sogar zu Hause chinesisch zu sprechen, was jede Kommunikation mit den Eltern abbricht, weil sie kein englisch können. Gleichzeitig ist der Vater aber auch sehr stolz auf seine chinesische Heimat und gegen alles was japanisch ist.

"He had done all he could. But choosing to lovingly care for her was like steering a plane into a mountain as gently as possible. The crash is immiment; it's how you spend your time on the way down that counts."

Pearl Harbor wurde gerade attackiert. Die Japaner in Seattle haben es schwer, sie werden schikaniert und gehasst. In dieser Zeit taucht Keiko in Henrys Schule auf. Sie hat die amerikanische Nationalität, spricht kein japanisch und obwohl auch ihre Eltern schon in den USA geboren wurden, werden sie nicht als Amerikaner akzeptiert. Schließlich wird der Hass und vielleicht auch die Angst vor dem Feind so groß, dass alle Menschen mit japanischen Wurzeln gezwungen werden, zusammengepferscht in Lager zu wohnen. In dieser Zeit spielt die Liebe zwischen Henry und Keiko. Henry tut alles für seine Freundin und steht ihr auch in sehr schwierigen Zeiten bei.

"I thought that too at first, but I think a lot of people just don't want to go back. Sometimes that's the best thing to do - to live in the present."

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen, den Kriegsjahren und den 80er. Henry hat gerade seine Ehefrau verloren und versucht wieder einen besseren Kontakt zu seinem Sohn aufzubauen. Durch Zufall werden in einem Hotel alte Gegenstände von japanischen Familien, die diese vor ihrem Transport ins Lager dort in Sicherheit gebracht haben. Durch diese Gegenstände kann Henry sich seinem Sohn öffnen, der ihn bis dahin nie richtig kennenlernen konnte.

"He'd learnt long ago: perfection isn't what families are all about."

"Keiko" ist eine sehr ruhige und einfühlsame Geschichte. Sie erzählt von Hass, Rassismus, Mobbing, Unterdrückung und Ungerechtigkeiten, aber auch von der Liebe zwischen Henry und seinem Sohn, Henry und seiner verstorbenen Ehefrau und vor allem zwischen Henry und Keiko, sie erzählt von starker Freundschaft, Hoffnung, Verzeihen und immer wieder von Liebe.

Keiko Jamie Ford

Montag, 26. Januar 2015

Montagsfrage: Von welchem Buch/welcher Reihe möchtest du dich nie trennen?


Ein  gelesenes Buch kommt in den Keller in eine Kiste und wenn die Kiste voll ist, wird sie für einen guten Zweck weggegeben. Verschiedene Geschenkbücher behalte ich, allerdings würde ich es seelisch problemlos verkraften, wenn diese sich durch irgendeinen Zauber plötzlich in Luft auflösen würden. Genauso ist es mit den Kindle-Büchern. Sollte Amazon eines Tages beschließen alle Ebooks zu löschen, wäre das auch nicht weiter schlimm. Mein Kindle Sub ist auf null, also würde es nur gelesenes Zeug treffen.

Ausnahme sind unsere persönlichen Fotobücher. Die sind unersetzbar und freiwillig würde ich mich natürlich nicht von ihnen trennen.

Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Wo steckst du, Bernadette? - Maria Semple

Erscheinungsdatum: 12. Januar 2015


Wo steckst du, Bernadette? Maria Semple
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0% Der Klappentext hört sich nach einer interessanten Idee an. Ich erwarte mindestens ein 4 Sterne Buch, weder große Literatur noch banale Frauenliteratur,  sondern gut geschriebene Unterhaltung. (4 Sterne)

20%  Bücher in Briefform, Tagebuchform oder mit Email mag ich nicht. Hier ist es eine Mischung aus allem und ich bin jedesmal erleichtert, wenn Bee einfach nur in Ich-Form schreibt. Mittlerweile frage ich mich, ob es in Seattle keine normalen Menschen gibt. Die Geschichte ist gut geschrieben und manche Passagen sind  witzig, aber insgesamt tut es mir eher Leid, dass ich das Buch gekauft habe. (2 Sterne)

40% Mittlerweile hat die Geschichte an Ernst gewonnen und das ist gut. Bernadettes Mann erzählt ruhig und gefasst. Die Briefe, Gedanken und Emails werden länger, so dass sie den Lesefluss nicht länger stören. (3 Sterne)

60% Ich kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen und will wissen, was die einzelnen Personen vorhaben. Die übertriebenen Darsteller sind verschwunden, an ihre Stelle sind jetzt Menschen mit nachvollziehbaren Fehlern und Probleme getreten, die aus immer anderen Perspektiven beschrieben werden. Briefe und Gespräche sind auf Kapitellänge gewachsen und ich lese sie genauso gerne wie die Erzählungen von Bee. (5 Sterne)

80% Das Buch gefällt mir jetzt definitiv. Es ist packend, logisch und ich will wissen, was passiert ist. Die einzige Kritik, die ich noch habe: die Autorin erwähnt dauernd Microsoft, da hätte mir eine fiktive Firma besser gefallen. (5 Sterne)

100% Grundthema des Buches war "Nichts ist so wie es scheint". Das Ende klärt alles auf und ich konnte das Buch mit einem Lächeln im Gesicht zuklappen. (5 Sterne)

Das ergibt eine Durchschnittsnote von 4 Sternen.


Über Maria Semple

Maria Semple reiste die ersten Jahre ihres Lebens mit ihren Eltern kreuz und quer durch Europa (in Spanien schrieb ihr Vater Lorenzo den Pilot zur TV-Serie Batman), bevor sie nach Los Angeles und später nach Colorado zog. Unmittelbar nach Abschluss ihres Studiums am Barnard-College verkaufte sie ein Movie Script an Twentieth Century Fox, woraufhin sie sich wieder in LA niederließ. Sie arbeitete zunächst für Beverly Hills, 90210, schrieb dann für Sitcoms wie Ellen, Mad About You und Arrested Development. Inzwischen lebt sie mit ihrem Ehemann, der für die Simpsons schreibt, und der gemeinsamen Tochter in Seattle. Sie schreibt Bücher, studiert nebenher, und versucht, nicht ständig online zu sein. "Where'd You Go, Bernadette" steht seit über 30 Wochen auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Eine Kinoverfilmung ist in Arbeit.

Kurze Zusammenfassung

Bernadette Fox ist chaotisch, überfordert – und ungeheuer liebenswert. Ihr Ehemann Elgie, der neue Hoffnungsträger bei Microsoft, mag ihren Witz. Und ihre verrückten Ideen. Irgendwie auch ihre Unsicherheit, wenn sie mal wieder von quälenden Ängsten heimgesucht wird. Die anderen Mütter, allesamt perfekt organisiert, halten Bernadette allerdings für eine Nervensäge. Verantwortungslos. Schließlich beschäftigt sie online eine indische Assistentin, die den Alltag für sie regelt. Zum Stundensatz von 0,75 Dollar reserviert Manjula den Tisch im Restaurant, erledigt mal eben die Bankgeschäfte und bucht den Familienurlaub in die Antarktis. Und für ihre 15jährige Tochter Bee, die kleine Streberin, ist Bernadette, na ja, eine Mutter. Bee kennt ja keine andere. Doch irgendwann beschließt Bernadette auszubrechen. Ihr wird das alles zu viel. Und auf einmal ist sie verschwunden …



Mittwoch, 21. Januar 2015

[Ankündigung] Leserunde: Wer die Nachtigall stört - Harper Lee



Gemeinsam mit Ann-Christin von Cogitos Bücherkiste möchte ich mich an "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee heranwagen. Wir lesen das Buch beide für die "Verstaubte-Bücher Challenge."
Wer mitstauben möchte, ist ganz herzlich willkommen, anmelden ist nicht nötig, einfach mitlesen und mitposten.
Los geht es am 6. Februar 2015.

Dienstag, 20. Januar 2015

Zeiten der Aufruhr - Richard Yates

Erscheinungsdatum: 20. August 2002

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Über Richard Yates

Richard Yates wurde 1926 in Yonkers, New York, geboren und lebte bis zu seinem Tod 1992 in Kalifornien. Er war einige Jahre als Werbetexter beschäftigt und in den späten Sechzigern kurzzeitig als Redenschreiber für Senator Robert Kennedy tätig. Hauptsächlich jedoch arbeitete Richard Yates als Schriftsteller: Er war der Autor von sieben Romanen und zwei Erzählungsbänden, die zu seinen Lebzeiten kaum Beachtung fanden - heute jedoch zu den wichtigsten Werken der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehören.

Kurze Zusammenfassung

Frank und April, ein Paar, das zu allen Hoffnungen Anlaß gibt, talentiert, jung, gutaussehend, er mit einem Job in der City, sie, eine erfolgreiche Schauspielschülerin, widmet sich zunächst noch den eigenen Kindern - in Erwartung des bevorstehenden gesellschaftlichen Aufstiegs. Doch das Leben hält anderes bereit: Frank verstrickt sich in eine Affäre, April erstickt im Vorstadtmuff, und ihre Träume werden immer verstiegener. Wie lange werden sie die Illusion aufrechterhalten können? Alles steuert auf eine Katastrophe zu. Mit psychologischer Genauigkeit und literarischer Finesse beschreibt Richard Yates die Zerstörung eines Traumes, der von Anfang an Selbstbetrug war.

Meine Meinung

Westconnecticut 1955, April und Frank Wheeler sind ein ganz normales Paar, das alles hat was, es sich wünschen kann. Beide sind jung, schön und gebildet. Er geht seinem Job nach, sie kümmert sich um die beiden Kinder und den Haushalt im gepflegten Vorstadthäuschen. Für die Nachbarn sind sie das perfekte Vorzeigeehepaar, doch hinter den Kulissen sind sie unzufrieden mit ihrem Leben, was zu häufigen, bösen Streitereien führt, bei dem keiner den anderen schont.

"In einer Verschnaufspause eilte man in Gedanken um Jahre zurück, auf der Suche nach alten Waffen, mit denen sich alte Wunden aufreißen ließen; und so ging es immerfort weiter."

Nach und nach spitzt die Situation sich zu. Beide empfinden ihr Leben als unerträglich, langweilig und so einengend, wie sie es nie haben wollten. April leidet zu Hause, Frank im Büro.

"... und er zählte mittlerweile die Minuten bis zu den trostlosen Zeitwüsten zwischen diesen Lustbarkeiten wie ein Invalide, der mit der unvermeidlichen Wiederkehr seiner Schmerzen rechnet."

Die Kinder spielen so gut wie keine Rolle. (sie beschäftigen sich entweder draußen, liegen vor dem Fernseher oder sind bei einer Nachbarin, sie stören nie) Doch allein durch die Existenz der Kinder fühlen die Eltern sich zu einem vordefiniertem, langweiligen Leben verpflichtet,weil sie denken, dass die Gesellschaft es so für sie vorgesehen hat.

"So sind wir beide dieser gigantischen Täuschung erlegen - das ist es nämlich, eine gigantische, furchtbare Täuschung -, der Vorstellung erlegen, dass man sich aus dem wirklichen Leben zurückziehen und sich 'niederlassen' muss, sobald man Familie hat."

Beide sind erst 29 Jahre alt und leben wie ein altes Ehepaar, ohne Ambitionen, ohne Zukunftspläne. Sie wollen ihr bisheriges Leben nicht weiter hinnehmen. Frank versucht der Ödnis durch eine Geliebte zu entgehen. April's Plan nach sollen sie nach Europa auswandern. Sie selbst will dort einer Arbeit nachgehen, während Frank sich "selbst finden" und entdecken soll, was er wirklich von seinem Leben erwartet.

"Zeiten des Aufruhrs" ist eine Kritik an dem vorgenormten Leben, dem viele Menschen sich aus freiem Willen unterwerfen um nicht aufzufallen oder sogar als verrückt angesehen zu werden. Es ist aber auch eine Analyse eines Ehepaares, das von vorneherein nicht zusammenpasst, das dauernd aneinander aneckt und die, wiedereinmal um nicht aufzufallen, nicht den Mut finden, etwas zu ändern.

Richard Yates ist ein großer Schriftsteller der mit "Zeiten des Aufruhrs" ein starkes, beeindruckendes Buch geschrieben hat. Es lässt den Leser immer wieder auf sein eigenes Leben blicken und darüber nachdenken. Ich bin beeindruckt!

Montag, 19. Januar 2015

Montagsfrage: Mit welchem Ende einer Geschichte warst du zuletzt gar nicht einverstanden und warum?


Ich habe meine Bewertungen der letzten Zeit durchgeschaut und ich habe kein Buch gefunden, bei dem mir als Leser ein besseres Ende eingefallen wäre als dem Autor. Manche Bücher waren zwar schlecht, doch ein anderes Ende hätte es auch nicht mehr gerettet. Wenn ein Buch zu 80% schlecht ist, dann ist der Schluss mir reichlich egal. Der allerbeste Schluss kann aus einem schlechten Buch kein Gutes zaubern.
Auch wenn es nicht gefragt war, habe ich beim Stöbern ein Buch gefunden, bei dem der gute Schluss das gute Buch noch besser gemacht hat: Das Mädchen mit den blauen Augen von Michel Bussi.

Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.

Freitag, 16. Januar 2015

Glückliche Menschen küssen auch im Regen - Agnès Martin-Lugand

Erscheinungsdatum: 12. Januar 2015

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Über die Agnès Martin-Lugand

Agnès Martin-Lugand ist Psychologin und war sechs Jahre im Rahmen eines Kinderschutzprogramms tätig. Seit dem Riesenerfolg von Glückliche Menschen küssen auch im Regen, das demnächst verfilmt wird, widmet sie sich nur noch dem Schreiben. Agnès Martin-Lugand lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen in der Normandie.

Kurze Zusammenfassung

Seitdem ihr Mann Colin und ihre Tochter Clara bei einem Unfall starben, lebt Diane zurückgezogen. Der Einzige, den sie in ihre Wohnung lässt, ist ihr Freund Félix, mit dem sie bis vor einem Jahr ein Literaturcafé betrieben hat. Eines Tages jedoch beschließt sie Hals über Kopf, Paris zu verlassen und nach Irland zu ziehen, was ursprünglich einmal Colins Traum war. Ihr Ziel heißt: Mulranny. In dem kleinen Dorf am Meer hofft sie ein neues Leben aufbauen zu können – an einem Ort, an dem Claras Lachen nie erklang. Sie hätte aber nie erwartet, dass es ausgerechnet im regnerischsten Kaff der Welt jemanden gibt, der wieder Licht in ihr Leben bringt …

Meine Meinung

Durch einen Unfall hat Diane ihren Mann und ihre kleine Tochter verloren. Ein Jahr später ist sie immer noch gefangen in ihrer Trauer. Sie verlässt ihre Wohnung kaum, lässt sich von einem guten Freund Felix hinterherräumen und muss selbst zum Duschen angetrieben werden. Felix drängt sie, mit ihm Urlaub zu machen. Diane kommt daraufhin der Gedanke, nach Irland zu ziehen, wohin ihr Mann einmal einen Urlaub geplant hatte.

Die Autorin Agnès Martin-Lugand schreibt berührend, driftet manchmal aber doch zu sehr in Richtung Kitsch ab. Die Charaktere waren zu extrem. Diane zieht von Paris in ein winziges Dorf in Irland, wo alle Menschen extrem freundlich und fürsorglich sind, außer einem einzigen, der extrem böse schaut, es vielleicht sogar ist, dessen Schwester dafür super lieb ist. Aber nicht nur die Personen, auch ihre Handlungen fand ich unnachvollziehbar schnell, von tiefem Hass auf Liebe, von komplettem Einigeln zu Auswandern.

Der Schreibstil hat mir gefallen. Das Buch ist angenehm flüssig geschrieben und leicht zu lesen. Es gibt keine Längen und auch keine Langeweile. (Normal bei einem Buch von knapp 200 Seiten)
Gestört haben mich allerdings der viele Alkohol und die vielen Zigaretten. In diesem Buch raucht wirklich jeder, außer dem Hund. (Naja, der ist Passivraucher)

"Glückliche Menschen küssen auch im Regen" ist eine Liebesgeschichte ohne viel Tiefgang, mit einer Geschichte die ich schon in den verschiedensten Varianten gelesen habe. Ich habe die Geschichte trotz der Kritik gerne gelesen, sie ist gut geschrieben und vor allem unterhaltsam, wird aber nicht lange im Gedächtnis bleiben.


Donnerstag, 15. Januar 2015

Neuerscheinungen Februar 2015




Auch im Februar gibt es meine persönlichen Lieblingsneuerscheinungen. Damit ihr mir glaubt, dass ich diese Bücher auch wirklich mag und lesen möchte, erstelle ich eine Umfrage. Die Neuerscheinung mit den meisten Stimmen werde ich sofort lesen und ein paar Tage später bewerten.
Die Abstimmung ist abgeschlossen. Ich lese "Eine heitere Wehmut" von Amélie Nothomb.




Der Tag als wir die Erde drehten - Valerie Tong Cuong (16. Februar 2015)

Marylou, Sekretärin und alleinerziehende Mutter, ist mit einem Stapel Kopien zu einem wichtigen Meeting unterwegs, als plötzlich die Metro still steht. Die junge Frau ist verzweifelt, doch dieser Unglücksfall bewahrt sie vor dem Tod: Auf das Gebäude ihrer Firma wird ein Anschlag verübt - und Marylou ist dank ihrer Verspätung die einzige Überlebende. In der Notaufnahme trifft sie auf den Filmproduzenten Tom, der auf dem Weg zu seiner kapriziösen Geliebten schlimm gestürzt ist, weil ihm ein Hund ins Fahrrad lief. Der Hund gehört Clara, einer Juristin, doch diese kämpft mit einer plötzlichen Allergie auf ein Veilchen-Macaron – das ihr in der Patisserie freundlicherweise ein älterer Herr überließ. Der ältere Herr ist der schwerkranke Albert, der an diesem Tag wegen des Personenschadens in der Metro das Taxi nimmt, um bei seinem Notar die letzten Dinge zu regeln. Er kommt ein paar Minuten zu früh und wird so Zeuge eines Gesprächs, das sein ganzes Leben umkrempelt. Und die schüchterne Prudence, eine Rechtsanwältin, die an diesem Tag ihre wegen einer Allergie in der Notaufnahme sitzende Chefin vertreten darf, entdeckt hochexplosive Unterlagen – eben jene, die Marylou für das Meeting kopieren sollte ...

 

Die Stadt der schweigenden Berge - Carmen Lobato (2. Februar 2015)

Berlin 1931: Die junge Amarna ist fasziniert von der Kultur der Hethiter und vor allem von deren alter, versunkener Hauptstadt. Sie träumt davon, selbst einmal dorthin zu fahren, und vertieft sich in die Lektüre der Schriften jener Zeit. Doch ihr Vater, ein Altorientalist, verweigert ihr die Reise, obwohl er die Leidenschaft seiner Tochter teilt. Was ist auf jener Expedition passiert, die ihn einst in die verlorene Stadt führte? Und warum spricht er nie von der Mutter, an die Armana kaum eine Erinnerung hat? Mit Hilfe ihres Freundes Paul, der Amarna schon lange liebt, gelingt es ihr schließlich, ihren Traum zu verwirklichen – der sich jedoch bald als Alptraum entpuppt.



Eine heitere Wehmut - Amelie Nothomb (25. Februar 2015)

Amélie Nothomb wagt die Reise nach Japan, ins Land ihrer Kindheit, und vergleicht ihr Paradies von damals mit der Wirklichkeit von heute. Sie begreift: Alles, was wir lieben, wird zur Legende. Ein intimer Reisebericht zum Ursprung aller Geschichten: zu Erinnerung und Phantasie.

 

 





Das letzte Wort - Hanif Kureishi (19. Februar 2015)

Was tun, wenn man als Schriftsteller in Vergessenheit gerät und die Ehefrau ein ernstzunehmendes Konsumproblem hat? Man schreibt seine Biographie oder lässt sie schreiben. Mamoon ist siebzig und schaut wehmütig zurück. Er wünscht sich nichts mehr, als wieder bei Null anzufangen: als ihm die Frauen in Scharen zu Füßen lagen, jede Droge noch leicht bekömmlich und das Schreiben ein Akt der Selbsterfindung war. Also nistet sich der 30-jährige Journalist Harry in Mamoons Landhaus ein, um dort das sagenumwobene Leben des berühmten Schriftstellers aufzuschreiben. Die Wahrheit aber ist nackt: Leidenschaft, Verzweiflung, Skandale und der ewige Kampf um das richtige Wort.

 

Das Ende von Eddy - Edouard Louis (19. Februar 2015)

»Ich rannte weg, ganz auf einmal. Gerade hörte ich meine Mutter noch sagen ›Was soll der Scheiß jetzt wieder?‹. Aber ich wollte nicht bei ihnen bleiben, ich weigerte mich, diesen Moment mit ihnen zu teilen. Ich war schon weit weg, ich gehörte nicht mehr zu ihrer Welt, der Brief besagte es. Ich kam zu den Feldern und wanderte einen Großteil der Nacht herum, auf den Feldwegen, in der Kühle Nordfrankreichs, in dem zu dieser Jahreszeit so intensiven Geruch der Rapsfelder. Die ganze Nacht über entwarf ich mein neues Leben fern von hier.« Mit unglaublicher Sprachgewalt erzählt der junge französische Autor Édouard Louis die Geschichte einer Befreiung aus einer unerträglichen Kindheit: inspiriert von seiner eigenen.

 

 

Bacha Posh - Charlotte Erlith (Februar 2015)
Farrukhzad lebt wie ein Junge, kleidet sich wie ein Junge und geht bei allen als Junge durch. Von allen Farrukh genannt, ist sie ein Bacha Posh, eines jener Mädchen, die in afghanischen Familien ohne männliche Nachkommen als Söhne erzogen werden. Eines Tages geht Farrukhs größter Traum in Erfüllung: Seine Rudermannschaft – die einzige in Afghanistan – erhält ein professionelles Boot und versucht sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Doch Farrukh kommt in die Pubertät, soll sich wieder in eine Frau zurückverwandeln und zu Hause bleiben. Aber wie soll jemand, der Freiheit und Selbstbestimmung kennt, je wieder darauf verzichten können? Ein berührendes Buch über den Kampf einer jungen Frau um das Recht ihre Träume zu verwirklichen.

Dienstag, 13. Januar 2015

Splitter im Auge - Norbert Horst

Erscheinungsdatum: 18. Juli 2011

Norbert Horst Splitter im Auge
Weitere Informationen beim Goldmann Verlag

Über Norbert Horst

Norbert Horst ist im Hauptberuf Kriminalhauptkommissar und hat in zahlreichen Mordkommissionen ermittelt. Der Autor ist verheiratet und hat zwei Kinder. Für seinen ersten Roman, "Leichensache", erhielt er den Friedrich Glauser Preis 2004 für das beste Krimidebüt; "Todesmuster" wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2006 ausgezeichnet. "Splitter im Auge", den ersten Roman aus der Serie um Kommissar Steiger, zählte die KrimiZEIT-Bestenliste zu den zehn besten Spannungsromanen des Jahres 2012.

Kurze Zusammenfassung

Thomas Adam, 50, genannt Steiger, ist Mitglied des Einsatztrupps der Dortmunder Polizei. Vor kurzem untersuchte er den Sexualmord an einem jungen Mädchen. Der Täter war schnell gefasst und durch eindeutige Spuren überführt. Trotzdem hat Steiger Zweifel. Zum Ärger seiner Dienststelle ermittelt er weiter und stößt auf zwei ähnliche Fälle. Handelt es sich um einen Serienmörder? Und wie kommen die Spuren an die Tatorte, die auf andere Täter hinweisen? Die Wahrheit ist so ungeheuerlich, dass der Fall selbst dem abgebrühten Steiger an die Nieren geht.

Meine Meinung

Ein Mädchen verschwindet. Ein paar Tage später wird ihre Leiche gefunden und durch einen anonymen Hinweis kann auch der Täter schnell verhaftet und verurteilt werden. Nur Steiger will den Fall nicht anschließen, bohrt nach, stellt überall Fragen und will sich mit ein paar Ungereimtheiten und seinem komischen Gefühl nicht abfinden.

Steiger ist der ideale Ermittler. Er ist sympathisch, hat Ecken und Kanten, schert sich einen Dreck um die Meinung seiner Chefen und geht stur seinen Weg. Es gibt ein paar familiäre Details, die nicht überhand nehmen und durch die der Leser Steiger besser kennen lernt.

Verschiedene Handlungsstränge und Erzählperspektiven bringen zusätzliche Spannung, weil der Leser mit dem Täter auf die Suche nach Objekten geht und so immer einen kleinen Vorsprung auf das Wissen der Polizei hat. Der Geschichte hat das nicht geschadet, sie konnte das ganze Buch über fesseln. Gut gefallen haben mir sowohl die Hinweise, denen Steiger nachgeht, als auch die Methoden, mit denen er den Mörder sucht. Die Auflösung ist logisch und nachvollziehbar. Mir sind keine Ungereimtheiten aufgefallen.

Mädchenware, Band 2 mit Steiger als Ermittler erscheint am 19. Januar 2015.

Norbert Horst Splitter im Auge

Freitag, 9. Januar 2015

Soumission (Unterwerfung) - Michel Houellebecq

Erscheinungsdatum: 7. Januar 2015

Michel Houellebecq Soumission Unterwerfung

Über Michel Houellebecq

Michel Houellebecq wurde 1958 auf La Réunion geboren und wuchs bei seinen Großeltern in Crécy-La-Chapelle auf.

1980 erhielt er sein Diplom als Agraringenieur, danach arbeitete er im Informatik-Bereich.
Houellebecq veröffentlichte zunächst Gedichtbände, für die er bald mit Preisen ausgezeichnet wurde. 1992 wurde ihm der Prix Tristan Tzara für »Suche nach Glück«, 1996 der Prix de Flore für »Der Sinn des Kampfes« verliehen. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem ersten Roman »Ausweitung der Kampfzone«.

Sein zweiter Roman, »Elementarteilchen«, erschien im Herbst 1998 und wurde noch im gleichen Jahr mit dem angesehenen Prix Novembre und dem Prix du Meilleur Livre de l'Année des Literaturmagazins »Lire« ausgezeichnet. Der visionäre Gesellschaftsroman erschien in über 25 Übersetzungen und wurde zum viel diskutierten Kultbuch.

Im Jahr 2000 erschienen die satirische Reiseerzählung »Lanzarote« und die Miszellaneensammlung »Die Welt als Supermarkt«. 2002 folgten ein Essay über den amerikanischen Autor H.P. Lovecraft, »Gegen die Welt, gegen das Leben«, und der Roman »Plattform«. 2009 wurde sein Briefwechsel mit Bernard-Henri Lévy, »Volksfeinde«, und 2010 die Essaysammlung »Ich habe einen Traum« veröffentlicht. 2011 erschien der Roman »Karte und Gebiet«, für den Michel Houellebecq mit dem renommiertesten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet wurde. Zuletzt veröffentlichte der DuMont Buchverlag 2014 den Gedichtband »Gestalt des letzten Ufers« und 2015 den Roman »Unterwerfung«.

Meine Meinung

François ist Literaturprofessor an der Sorbonne. Seine größte intellektuelle Herausforderung war die Redaktion seiner Doktorarbeit über den Schriftsteller Huysmans, an der er sieben Jahre gearbeitet hat. Seine Karriere an der Universität treibt er bis auf unregelmässige Veröffentlichungen nicht weiter. Sein Alltag besteht aus Mikrowellengerichten, Alkohol und einer jährlich wechselnden Studentin als Freundin.

Politik ist nicht sein Interessengebiet.
"... je me sentais aussi politisé qu'une serviette de bain, et c'était bien dommage."

Politik langweilt François. Lange hält er keine politische Sendung aus ohne auf den nächsten Kanal zu zappen. Hiebe und Spott an der aktuellen französischen Politik gibt es dennoch genug in "Soumission".
"Je me rendais compte pourtant, et depuis des années, que l'écart croissant, devenu abyssal, entre la population et ceux qui parlaient en son nom, politiciens et journalistes, devait nécessairement conduire à quelque chose de chaotique, de violent et d'imprévisible."

François nimmt die Präsidentschaftswahlen zwar wahr, aber nur nebenbei und auf die Idee selbst zu wählen kommt er schon gar nicht. Mohammed Ben Abbes, ein moderater, charismatischer Moslem und Marine Le Pen vom Front National stehen sich beim zweiten Wahlgang gegenüber. Die Sozialisten tun alles Mögliche um einen Sieg von rechts zu verhindern und unterstützen tatkräftig die moslemische Partei. Dabei kann der Autor sich einen Hieb auf die UMP, die Partei von Nicolas Sarcozy, nicht verkneifen.
"... les dirigants de l'UMP ne verraient aucun inconvénient à prendre quelques mesures sécuritaires ou xénophobes, qui sont de toute façon massivement souhaitées par leur électorat, enfin ce qu'il en reste;... "

Am Wahltag bekommt François Panik und flieht mit seinem Touareg immer nach Süd-Westen.
"Je ne connaissais à vrai dire à peu prės rien du Sud-Ouest, sinon que c'est une région où l'on mange du confit de canard ; et le confit de canard me paraissait peu compatible avec la guerre civil."

Erst nach mehr als einem Monat, als die neue Regierung schon im Amt ist und die Situation sich normalisiert hat, kehrt er nach Paris zurück und wundert sich über die "fast unscheinbaren" Veränderungen, der er ziemlich positiv wahrnimmt. Die Arbeitslosigkeit geht gegen null (weil Frauen nicht mehr arbeiten dürfen), Polygamie wurde wieder eingeführt und wer an der Sorbonne unterrichten will, muss zum Islam konvertieren.

Vieles kann in dieses Buch hineininterpretiert werden. Ich sehe es in erster Linie als Kritik an der aktuellen Regierung in Frankreich, an den gemäßigten Parteien und als Kritik an den Intellektuellen, den Gelehrten und vielleicht auch der Bourgoisie, weil sie alle zusammen das große Übel, also alles was nach extrem rechts driftet, möglich machen und eigentlich durch ihr Handeln hervorbringen. Religionen werden analysiert, aber nicht angegriffen und schon gar nicht verspottet. Sie sind sozusagen die Basis vom Buch, über die François immer wieder diskutiert und sich Gedanken macht. Manche Abschnitte, wie zum Beispiel die immer wiederkehrenden, ausführlichen Sexszenen, können allerdings nur in die Kategorie "Pure Provokation" eingeordnet werden.



Unmöglich über "Soumission" zu schreiben, ohne den 12 Menschen zu gedenken die am 7. Januar in der Redaktion von Charlie Hebdo ermordet wurden. Die Karikaturisten haben ihren Beruf so ausgeübt, wie sie es für richtig hielten, trotz starker Kritik und auch noch nachdem sie bedroht wurden und unter Polizeischutz gestellt wurden. Meinungsfreiheit ging ihnen über alles. Mein voller Respekt dafür. 
Den Hinterbliebenen der Opfer spreche ich mein tief empfundenes Beileid aus.

Mittwoch, 7. Januar 2015

[Montagsfrage] Gibt es Erzähltechniken, die dich beim Lesen stören?


Es gibt sehr viele Erzähltechniken, die mich beim Lesen stören können. Es gibt nichts, was mich immer stört, manche Autoren verstehen ihr Handwerk so gut, bei denen geht einfach alles durch.

"Träume": Meist sind sie so verworren, dass ich den tieferen Sinn nicht erkennen kann. Je nach Buch versuche ich zu verstehen, aber wenn der Traum auch noch mehrere Seiten einnimmt, dann überspringe ich.

"Tagebuch, SMS, Email": Nach jeder Email, jedem Eintrag muss ich mich neu orientieren. Wer hat die Email geschrieben, wann, an wen. Das stört den Lesefluss so sehr, dass ich aufpasse erst gar keine Bücher zu kaufen, die in dieser Form geschrieben wurden.

"Gewollt witzig oder cool": Donna Leon hat einmal gesagt, sie würde nie witzig schreiben, weil jeder Witz bei jedem Leser anders ankommt. Ich bin ein Leser der sehr, sehr mäkelig ist bei Witzen, da haben die armen Autoren es nicht leicht anzukommen.

"Offener Schluss": Wenn ich ein Buch kaufe, möchte ich gefälligst einen vollständigen Text. Sonst kaufe ich mir ein paar Blätter und schreibe gleich auch den ganzen Rest. Warum auf den Schluss verzichten? Weil der Autor sich nicht entscheiden konnte, wie sein Buch enden soll, weil er keine Idee hatte oder weil er vielleicht eine Fortsetzung schreiben möchte, aber noch nicht weiss, wie die aussehen soll. Nein, liebe Autoren, bitte, schreibt ein ganzes Buch, mit Schluss!

Die Montagsfrage wird jede Woche von Buchfresserchen gestellt.


Dienstag, 6. Januar 2015

[Rezension] Die Söhne der Wölfin - Tanja Kinkel

Erscheinungsdatum bei dotbooks: 28. Oktober 2014

Tanja Kinkel Die Söhne der Wölfin

Über die Autorin

Mit dem Schreiben fing Tanja Kinkel mit 13 Jahren an. Heute ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen. Obwohl sie neben historischen Romanen, die von der Gründung Roms bis zum 2. Weltkrieg spielen, auch Thriller, Jugendbücher, Fantasy, ja Gegenwartsliteratur und Essays geschrieben hat, tauchen fast alle ihre Bücher auf den großen Bestsellerlisten auf. Wie der Spiegel schon 1998 dazu schrieb: so selbstverständlich wie Ebbe und Flut. Das liegt zum einen sicher daran, dass die promovierte Germanistin etwas zu all diesem Themenmischmasch zu sagen hat, als auch daran, daß Reiselust, Humor, Romantik, Abenteuer und Informationhunger immer befriedigt werden wie auch die Überzeugung: ja, so kann es gewesen sein.

Kurze Zusammenfassung

Sie ist die Tochter eines Königs und Priesterin einer Göttin, Opfer und Täterin zugleich. Als man die etruskische Prinzessin aus ihrer Heimat verbannt, beginnt für sie das Abenteuer ihres Lebens: Ilian bringt zwei Söhne zur Welt, denen sie die Namen Romulus und Remus gibt. Den beiden soll gelingen, was ihr verwehrt blieb: Sie sollen herrschen! Doch wer nach den Sternen greift, braucht einen mächtigen Verbündeten – und nur das Orakel von Delphi kann Ilian helfen, den kühnen Plan zu verwirklichen. Aber die Gunst des Orakels hat einen hohen Preis. Und so muss Ilian als seine Spionin in das ferne Ägypten reisen, mitten hinein in den Krieg dreier Völker …

Meine Meinung

Ilian ist schwanger, für eine Priesterin reichlich unziemlich. Der Vater soll einer der Götter sein, ihr Glaube ist allerdings nicht stark genug, um sich auf einen absurden Test einzulassen, den sie nur durch das Wunder einer Gottheit überleben könnte. Deshalb wird sie aus dem Tempel verbannt, mit einem Bauern verheiratet und aus der Stadt gejagt.

Ilian ist eine forsche, draufgängerische Person, die sich jedoch von einem Moment in den anderen in eine junges, ängstliches Mädchen verwandelt, sich bei kleinsten Bemerkungen geniert und sich dann wieder voll einsetzt. In den ersten Kapiteln war sie mir noch sympathisch, mit der Zeit wurde ihr Handeln immer unverständlicher. Ihr böses Verhalten gegenüber Mann und Kindern konnte ich dann gar nicht mehr nachvollziehen und damit hatte sie alle Sympathiepunkte aufgebraucht. Ihr Begleiter war eine angenehme Person mit logischen Handlungen.

Ich kannte die Legende der Gründung Roms schon vor "Die Söhne der Wölfin", aber aus dieser Epoche hatte ich so gut wie kein Wissen. Deshalb hat es mich gestört, dass man als Leser mit so vielem ziemlich im Dunkeln gelassen wurde. Ich wusste zum Beispiel nicht, wo das Reich der Tusci oder die Stadt Alba lagen. Ich habe manches gegoogelt, weil ich oft das Gefühl hatte, nicht richtig in der Geschichte mitzukommen, und trotzdem blieb das blöde Gefühl, zu wenig zu wissen, um das Buch richtig genießen zu können.

"Die Söhne der Wölfin" wird rund um Mythen und Legenden konstruiert, so dass der Autorin nur wenig Spielraum blieb, um einen richtigen Spannungsbogen aufzubauen. Es wurde viel herumgereist und auf diesen Reisen hätte ich die Menschen gerne besser kennengelernt, so wie es bei Faustulus und Prokne der Fall war. Bei diesen beiden weiß man als Leser, welchen Beruf sie ausüben und wie ihr alltägliches Leben aussah.

Sprachlich fand ich das Buch gut, und die Autorin hat sich mit der Recherche sicher viel Mühe gemacht, damit alles zusammen passt. Empfehlen würde ich das Buch trotzdem nur Leser, die sich mit dieser Zeit etwas auskennen.

Tanja Kinkel Die Söhne der Wölfin


Vielen  Dank an Blogg dein Buch und den Verlag dotbooks für das Buch "Die Söhne der Wölfin"



Montag, 5. Januar 2015

Neuerscheinungen Januar 2015


Januar 2015 Bücher Neuerscheinungen


Eigentlich wollte ich ab diesem Jahr keine Neuerscheinungen mehr einstellen, weil die sowieso vollständiger auf der Belletristikcouch, bei den Verlagen und vielen anderen Internetseiten zu finden sind. Doch so ganz ohne Neuerscheinungen kann ich doch nicht bleiben. Deshalb gibt es jeden Monat meine persönlichen Lieblingsneuerscheinungen.
Damit ihr mir glaubt, dass ich diese Bücher auch wirklich mag und lesen möchte, erstelle ich jeden Monat eine Umfrage. Die Neuerscheinung mit den meisten Stimmen werde ich sofort lesen und ein paar Tage später bewerten.
Diesen Monat läuft die Abstimmung bis zum 15. Januar.
Gewinner: Glückliche Menschen küssen auch im Regen - Agnes Martin-Lugand



Die Erfindung der Flügel - Sue Monk Kidd (19. Januar 2015)
Die elfjährige Sarah, wohlbehütete Tochter reicher Gutsbesitzer, erhält in Charleston ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk – die zehnjährige Hetty »Handful«, die ihr als Dienstmädchen zur Seite stehen soll. Dass Sarah dem schwarzen Mädchen allerdings das Lesen beibringt, hatten ihre Eltern nicht erwartet. Und dass sowohl Sarah als auch Hetty sich befreien wollen aus den Zwängen ihrer Zeit, natürlich auch nicht. Doch Sarah ahnt: Auf sie wartet eine besondere Aufgabe im Leben. Obwohl sie eine Frau ist. Handful ihrerseits sehnt sich nach einem Stück Freiheit. Denn sie weiß aus den märchenhaften Geschichten ihrer Mutter: Einst haben alle Menschen Flügel gehabt …

 

 

Kindeswohl - Ian McEwan (9. Januar 2015)
Familienrecht ist das Spezialgebiet der Richterin Fiona Maye am High Court in London: Scheidungen, Sorgerecht, Fragen des Kindeswohls. In ihrer eigenen Ehe ist sie seit über dreißig Jahren glücklich. Da unterbreitet ihr Mann ihr einen schockierenden Vorschlag. Und zugleich wird ihr ein dringlicher Gerichtsfall vorgelegt, in dem es um den Widerstreit zwischen Religion und Medizin und um Leben und Tod eines 17-jährigen Jungen geht.

 

 

 

 


Was bleibt, wenn man alles verliert, was man je geliebt hat?
Seitdem ihr Mann Colin und ihre Tochter Clara bei einem Unfall starben, lebt Diane zurückgezogen. Der Einzige, den sie in ihre Wohnung lässt, ist ihr Freund Félix, mit dem sie bis vor einem Jahr ein Literaturcafé betrieben hat. Eines Tages jedoch beschließt sie Hals über Kopf, Paris zu verlassen und nach Irland zu ziehen, was ursprünglich einmal Colins Traum war. Ihr Ziel heißt: Mulranny. In dem kleinen Dorf am Meer hofft sie ein neues Leben aufbauen zu können – an einem Ort, an dem Claras Lachen nie erklang. Sie hätte aber nie erwartet, dass es ausgerechnet im regnerischsten Kaff der Welt jemanden gibt, der wieder Licht in ihr Leben bringt …

 

 

Spiel um dein Leben, Fahim - Fahim Mohammed (12. Januar 2015)
Er ist elf Jahre alt, er ist ein Illegaler, er ist ein Schachgenie
Hals über Kopf müssen Fahim und sein Vater aus Bangladesch flüchten. Politische Unruhen erschüttern das Land. Sie fliehen nach Europa und stranden in einem der hässlichen Vororte von Paris. Wohnungslos, ohne Papiere und immer in Gefahr, jederzeit von der Polizei aufgegriffen und abgeschoben zu werden. Bis der örtliche Schachklub auf Fahim aufmerksam wird: Was für ein Talent! Fahim schlägt jeden. Und dann kommt seinem Schach trainer Xavier die rettende Idee … Mitreißend und bewegend – eine Geschichte, die man nicht vergisst.

 

 

 

Unter dem Nordlicht - Jenny Bond (21. Januar 2015)
Stockholm, 1897: Drei Männer begeben sich auf eine Expedition, sie wollen mit einem Heißluftballon den Nordpol erreichen. Darunter auch Nils Strindberg. Die Familie und seine Verlobte Anna sind gegen das Vorhaben, doch Nils setzt sich gegen alle Bedenken durch. Die Expedition scheitert. Trotz zahlreicher Rettungsversuche bleibt die Gruppe verschwunden. Bis 1930, als norwegische Robbenfänger die Leichen der drei Männer auf einer kleinen Insel im arktischen Ozean entdecken. Anna erreicht die Nachricht von dem Fund in England, wo sie mittlerweile lebt, und die Erinnerung holt sie mit aller Macht ein. Die Erinnerung an die verzweifelte Hoffnung, Nils werde doch irgendwann zurückkehren. Und an ihre Sehnsucht, die unstillbar war – und sich auf den falschen Mann richtete … ›Unter dem Nordlicht‹ folgt den Spuren dreier Menschen, deren Lebenswege trotz weiter Entfernung auf verhängnisvolle Weise miteinander verbunden sind. Und es erzählt eine große und tragische Liebesgeschichte, wie sie aufwühlender nicht sein könnte.

Freitag, 2. Januar 2015

Das goldene Ei - Donna Leon

Erscheinungsdatum: 20. Mai 2014

Donna Leon Das goldene Ei

Über Donna Leon

Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, verließ 1965 Amerika. Sie arbeitete als Reiseleiterin in Rom, als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. 1981 zog Donna Leon nach Venedig. Die ›Brunetti‹-Romane machten sie weltberühmt, doch die Barockmusik ist ihr nicht weniger wichtig. Sie förderte zahlreiche Einspielungen, neu das Orchester ›Il Pomo d’Oro‹. Heute lebt sie in Venedig und in der Schweiz.

Kurze Zusammenfassung

Für Patta ermittelt Brunetti diesmal nur pro forma, doch Paola ist unerbittlich: Sie will wissen, was für ein Mensch der Tote war, der bei den Brunettis in der Nachbarschaft umgekommen ist. Dabei sieht alles – zunächst – nach einem Unfall aus. Niemand will etwas gewusst haben. Doch auch Nichtstun kann zum Verhängnis führen. "Das goldene Ei" ist Brunettis privatester Fall.

Meine Meinung

Die Ermittlungen sind, wie es bei Brunetti schon mal vorkommt, keine richtigen Ermittlungen. Sein Chef hat keine Ahnung, was er und seine Kollegen treiben, seine Nachforschungen basieren vor allem auf Brunettis Neugier und auf seinem schlechten Gewissen. Wie konnte ein Mann vierzig Jahre leben, ohne dass je jemand wirklich von ihm Notiz genommen hat?

Die Fragen vom Kommissar werden allesamt abgeschmettert, Nachbarn, Bekannte und Arbeitgeber schweigen und können sich nicht erinnern. Für mich als Leser war das nicht sehr spannend, gelangweilt habe mich allerdings auch nicht. Ich fand es interessant zu lesen, wie Brunetti ganz langsam, Stück für Stück der Wahrheit näher kam.

Die Auflösung von "Das goldene Ei" war, wie der ganze Krimi (oder eher wie der Roman) unspektakulär, voraussehbar und auch deprimierend.
Für die nächsten Bände wünsche ich mir weniger Elettra-Fähigkeiten. Mittlerweile müsste Donna Leon wissen, wie unmöglich es ist, dass eine Sekretärin (selbst wenn sie hochbegabt ist) mit ein paar Klicks auf die Datenbänke der ganzen Welt zugreift, dazu auch noch ohne Spuren zu hinterlassen.

Brunetti ist ein bisschen wie Donald Duck, er wird nicht älter. Seine Kinder konnten sich zwar mit der Zeit weiterentwickeln, richtig realistisch geht es in der Familie allerdings nicht zu. Wo so viel zusammen gegessen und getrunken wird, müsste auch mal anständig gestritten werden. Frau Brunetti, Universitätprofessorin scheint den ganzen Tag auf dem Sofa zu liegen und zu lesen. Dazwischen kocht sie. Die Familie ist Kulisse, so wie auch Venedig, das in dieser Geschichte angenehm im Hintergrund bleibt. Es war immer klar, dass die Geschichte in Venedig spielt, es wurde aber nicht alle paar Sätze an die große Glocke gehängt.

Donna Leon Das goldene Ei

Donnerstag, 1. Januar 2015

Happy New Year 2015




Ich wünsche Euch allen ein glückliches, gesundes und zufriedenes Jahr 2015!

Habt viel Freude, jede Menge Spaß und natürlich einen ganzen Haufen toller Bücher.