Mittwoch, 30. Dezember 2015

Oldie but Goldie Challenge 2016


Oldie but Goldie Challenge 2016 (Nicos Bücherwelt)

Beginn: 1. Januar 2016
Ende: 31. Dezember 2016
Ein- und Ausstieg jederzeit möglich
Aufgabe: Lese so viele Klassiker wie es geht
Bedingung: Die Bücher müssen vor dem Jahr 2000 erschienen sein
Genre: Freie Auswahl
Meine gelesenen Bücher: 

Januar: Belgrave Square (Anne Perry)



Weitere Bücher Challenges 2016

Das Licht des Nordens - Jennifer Donnelly

Erscheinungsdatum: 1.12.2006
Übersetzer: Angelika Felenda

Weitere Informationen
Der 12. Juli 1906 ist ein schöner, sonniger Tag. Bis man die ertrunkene Grace Brown auf die Veranda des vornehmen Glenmore Hotel legt. Für die junge Mattie, die die Briefe der Toten an ihren Geliebten aufbewahrt, ändert sich mit diesem tragischen Ereignis das ganze Leben … Jennifer Donnelly, die sich von einem wahren Mordfall zu diesem Roman inspirieren ließ, erzählt die ergreifende Geschichte eines jungen Mädchens, das der ländlichen Enge ihrer Heimat zu entfliehen versucht – fesselnder Entwicklungsroman, Kriminalgeschichte und tragischer Liebesroman zugleich.

Meine Meinung

Neuengland 1906 - Mattie ist eine kluge Farmerstochter. Ihre Mutter ist gestorben, ihr älterer Bruder nach einem Streit mit dem Vater weggelaufen. Die sechzehnjährige Mattie kümmert sich seitdem um ihre drei jüngeren Geschwister, kocht, melkt Kühe, macht den Haushalt und versucht so oft es geht in die Schule zu gehen, um ihr Examen fürs College zu schaffen. Ihre Leidenschaft sind Bücher und Wörter. Sie möchte unbedingt studieren, ist aber hin und hergerissen, weil sie auf dem Sterbebett ihrer Mutter versprochen hat, sich um ihre Geschwister zu kümmern.

Der Anfang war durch Zeitsprünge einerseits verwirrend, andererseits auch etwas zäh. Ich wollte wissen, was mit der jungen Frau passiert war, die man tot aus dem See geborgen hat. Aber diese Frau spielt nur eine Nebenrolle, und das Buch ist auf keinen Fall ein Krimi, sondern beschreibt das Leben, die Wünsche und Enttäuschungen von Mattie, ihre Nachbarn, die Beziehung zueinander und wie jeder der Farmer sich und seine Familie so gut er kann über Wasser hält.

"Das Licht des Nordens" ist ein sehr ruhiges Buch, es ist weder ein Krimi, noch eine Liebesgeschichte, sondern beschreibt das arme und harte Leben der Farmer. Mir hat es gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der ruhige Bücher gerne liest.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Farmerleben um 1906 in den USA, Wörter und Synonyme
Schreibstil: leicht verständlich
Kritik: zäher Anfang, Verwirrung durch manche Zeitsprünge
Gesamtbewertung: authentisch, gefühlvoll, nie kitschig

Freitag, 25. Dezember 2015

Die Gestirne - Eleanor Catton

Erscheinungsdatum: 9. November 2015
Übersetzer: Melanie Walz
Sprecher: Sascha Rotermund

Weitere Informationen zum Hörbuch

In einer Hafenstadt an der wilden Westküste Neuseelands gibt es ein Geheimnis. Und zwei Liebende, die einander umkreisen wie Sonne und Mond.

Als der Schotte Walter Moody im Jahr 1866 nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln. Und schon bald wird Moody hineingezogen in die rätselhaften Verstrickungen der kleinen Goldgräbergemeinde, in das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst.

Meine Meinung

Walter Moody trifft müde in seinem Hotel ein, wo er sich auf sein Leben als Goldgräber vorbereiten möchte. Im Raucherzimmer begegnet er zwölf Männer, die dort ungestört diskutieren wollten. Weil auch Moody etwas zur Auflösung ihrer Geschichte beitragen kann, weihen sie ihn ein. Als Leser lernt man nach und nach die Personen des Raucherzimmers kennen und die Perspektive, mit der jeder einzelne die Geschehnisse wahrgenommen hat.

Diese Geschehnisse sind sehr komplex und nicht sehr leicht zu durchschauen. Einerseits, weil immer nur sehr kleine Puzzleteile enthüllt werden, andererseits, weil die Geschichte immer wieder aus anderen Perspektiven erzählt wird und die vielen kleinen Einzelheiten dem Leser schnell entgleiten.

Das Buch ist in einem sehr schönen und außergewöhnlichen Schreibstil geschrieben. Nichts wird in ein paar kurzen Worten gesagt, sondern alles wird genauestens erklärt. Der Zeitungsherausgeber wird nicht nur mit seinem Beruf und seinem Aussehen beschrieben, sondern der Leser erfährt, wie er langsam Buchstabe für Buchstabe setzt, danach die Farbe aufträgt, eine Probe druckt und diese sorgfältig auf Fehler überprüft, bevor er mit dem eigentlichen Druck beginnt. Anfangs hätte ich dies noch als "mit viel Liebe zum Detail" bewertet, mit der Zeit wurde es manchmal zu viel. Manche Themen interessierten mich weniger und ich empfand die ausschweifenden Beschreibungen dann als Geschwafel.

Leider blieb am Schluss so manches offen, was man sich als Leser wahrscheinlich zusammenreimen sollte oder von der Autorin als unwichtig genommen wurde. Jedes Kapitel wurde mit Überschriften aus der Astronomie versehen. Auch hier wird vom Leser verlangt, dass er sich selbst erklärt, was diese Überschriften bedeuten. Ich konnte damit gar nichts anfangen.

Ich habe die Hörbuchversion von "Die Gestirne" gehört. Das Buch ist durch seine komplexe Handlung, die vielen Personen und durch seine Länge ein Roman, der sich nicht leicht hört und viel Konzentration erfordert. Insgesamt kann ich das Hörbuch und auch das Buch jedem empfehlen, der komplexe Geschichten mag und der die Geduld aufbringt, sich auf diese lange Geschichte einzulassen.


Obwohl dieses Buch bestimmt kein Buch für Eilige ist, gibt es hier trotzdem eine

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Goldrausch, Leben in Neuseeland um 1866, Mordermittlungen
Schreibstil: extrem ausschweifend, anspruchsvoll
Kritik: stellenweise langatmig
Gesamtbewertung: faszinierende, komplexe Geschichte, die leider nicht komplett aufgelöst wurde

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Leserunden im Februar auf Leserunden.de

Im Februar gibt es viele interessante Leserunden mit Autoren auf Leserunden.de. Zu jeder Leserunde gibt es zudem Freiexemplare, die nach diesen Regeln an Mitleser verteilt werden.


05.02. Susanne Goga - Es geschah in Schöneberg
 Berlin 1927. Bei einer Modenschau im ›Romanischen Café‹ werden zwei Vorführdamen verletzt: Ihre Kleider wurden mit einem Kontaktgift präpariert. Offenbar ein gezielter Anschlag gegen den Modesalon ›Morgenstern & Fink‹, den aufsteigenden Stern am Berliner Modehimmel. Steckt ein Konkurrent dahinter? Kurz darauf wird in Schöneberg ein Toter gefunden. In seiner Wohnung entdeckt man einen Prospekt des Modesalons. Leo Wechsler, inzwischen Oberkommissar bei der Berliner Kripo, nimmt die Ermittlungen auf.




05.02. Constanze Wilken - Sturm über dem Meer
12.02. Nicole Neubauer - Moorfeuer
12.02. Martha Sophie Marcus - Die Herrin des Nordens
19.02. Rebekka Pax - Spiegelseele
Cornelia Arents ermittelt in einem Mordfall, bei dem der Täter mit besonderer Brutalität vorgegangen ist. Die Ermittlungen führen zu einem interessanten Ergebnis: Offenbar wurde der Tote von seinem eigenen Zwillingsbruder ermordet. Der Fall scheint schnell aufgeklärt, doch bald darauf verschwindet ein anderes Zwillingspaar spurlos. Arents ist sich sicher: Zwischen den Fällen gibt es einen Zusammenhang – und es wird noch weitere tote Zwillinge geben, wenn sie sich nicht auf einen Wettlauf gegen die Zeit einlässt




19.02. Julia Kröhn - Distel und Rose
26.02. Sabrina Qunaj - Der Ritter der Könige
 Wales im 12. Jahrhundert: Der junge Maurice de Prendergast wird im Haushalt des Constable of Pembroke, Haupt der einflussreichen Geraldine-Sippe, zum Ritter ausgebildet. Nicht nur seine Verlobung mit einer Tochter der Familie, sondern auch die enge Freundschaft zu Richard de Clare, dem Sohn des mächtigen Earl of Pembroke, verschafft ihm bald erbitterte Feinde. Maurice geht aber als Ritter seinen Weg, macht sich an Richards Seite im englischen Bürgerkrieg verdient und spielt eine entscheidende Rolle bei der Eroberung Irlands. Doch als man eine junge Frau aus seiner Vergangenheit in den Krieg hineinzieht, wird seine Loyalität auf eine harte Probe gestellt ...


26.02. Hans-Henner Hess - Das Schloßgespinst

Sonntag, 20. Dezember 2015

Das Glück am Ende des Ozeans - Ines Thorn

Erscheinungsdatum: 18.12.2015


Weitere Informationen
Bremen, 1876: Drei Frauen gehen an Bord eines transatlantischen Dampfschiffes. Jede mit einem Traum im Herzen, jede in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Während der Überfahrt nach New York werden sie zu Freundinnen. Als die schwangere Susanne während einer stürmischen Nacht in Not gerät, eilen ihr die anderen zu Hilfe. Danach ist nichts mehr, wie es war - und ihre Schicksale sind für immer verbunden.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten angekommen, muss jede der Frauen lernen, dass man auch hier hart für seine Träume arbeiten muss. Dann taucht ein Fremder auf, der behauptet, ihr dunkles Geheimnis zu kennen. Und plötzlich steht alles, wofür sie gekämpft haben, auf dem Spiel …

Meine Meinung

Drei Frauen, Annett, Susanne und Gottwitha, machen sich eher unfreiwillig auf die Reise nach Amerika. Annett möchte studieren, was in Deutschland unmöglich ist, Susannes grober Ehemann hat für das Ehepaar beschlossen auszuwandern und Gottwithas Vater konnte im Dorf keinen Ehemann für seine Tochter gefunden und hat sie deshalb an einen Verwandten in Amerika vermittelt.

Nach der Überfahrt trennen sich die Wege der drei Frauen wieder. Annett nimmt ihre Arbeit auf, und sieht, dass es auch in Amerika für Frauen nicht selbstverständlich ist, sich bei der Arbeit zu behaupten. Susanne schließt sich einer Gruppe Huren an, die nach Westen zu den Goldgräbern reisen möchten. Aus der unterwürfigen Ehefrau wird sehr schnell, sogar etwas zu schnell, eine Powerfrau, die anpackt und helfen kann. Gottwitha kommt zu ihrem Ehemann bei den Amischen, wird in einer kurzen Zeremonie verheiratet und ist entsetzt über die Kälte und Lieblosigkeit, die sie ein Leben lang ertragen soll.

Schon ganz am Anfang der Geschichte haben mich kleine Ungereimtheiten gestört. Annett hat eine Kabine zweiter Klasse bezahlt, die bei ihrer Ankunft auf dem Schiff schon besetzt ist. Nach kurzem Nachfragen, Doppelbelegung, begibt sie sich ins Zwischendeck, wo die Menschen unter erbärmlichen Konditionen zusammengepfercht wurden und ein Ticket weniger als die Hälfte von dem kostete, was Annett für ihre Überfahrt bezahlt hat. Auch sonst kamen immer wieder Zufälle ins Spiel, die für den weiteren Verlauf der Geschichte ganz gelegen kamen, ansonsten allerdings ziemlich unwahrscheinlich waren.

Annettes Leben fand ich angefangen bei den Zeitungsausschnitten bis zu der Wahl vor die sie gestellt wurde, eher langweilig zu lesen. Die Reise von Susanne und ihr Leben war dagegen interessant. Mit sehr viel Verwunderung habe ich über die Amisch gelesen. Ich kenne mich mit dieser Religionsgemeinschaft nicht aus, aber ich habe den Eindruck, dass sie in dieser Geschichte extrem schlecht wegkommt.

Jede der drei Frauen hat im Buch ihr eigenes Schlusskapitel. Die Kapitel von Annett und Susanne waren passend zu ihrem Lebenslauf, das von Gottwitha dagegen komplett unglaublich und nicht nachvollziehbar.

"Das Glück am Ende des Ozeans" liest sich schnell und leicht, aber viel hinterfragen und überdenken sollte man die Schicksale der drei Frauen nicht. Es ist eine durchschnittliches Buch, das sehr schnell gelesen und genauso schnell wieder vergessen ist.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Brückenbau, Amish People
Schreibstil: flüssig, leicht zu lesen
Kritik: etwas seicht, stellenweise unglaubwürdig
Gesamtbewertung: Leichte, anspruchslose Unterhaltung

Freitag, 18. Dezember 2015

Schatten der Schuld - Petra Johann

Erscheinungsdatum: 16. November 2015

Weitere Informationen
Drei Jahre ist es her, seit Kriminalkommissarin Charly Rumor ihren besten Freund und ehemaligen Kollegen Mick das letzte Mal gesehen hat. Damals jagten sie den sogenannten Axtmörder, der drei Frauen ermordet hatte. Die Ermittlungen endeten traumatisch, Mick musste den Polizeidienst quittieren.

Als im Stadtwald eine Frauenleiche gefunden wird, ist Charly sicher: Der Axtmörder hat wieder zugeschlagen. Sie ahnt, dass sie ihn nur mit Micks Hilfe enttarnen kann, doch sie hatte gute Gründe, seinerzeit den Kontakt abzubrechen. Wäre da nicht die Chance, vergangenes Unrecht wieder gutzumachen.

Meine Meinung


Kommissar Frank ist beim Anblick der weiblichen Leiche vor ihm geschockt. Weil sie mit einem Beil ermordet wurde. Und weil ihr jemand die Haare abgeschnitten hat. Vor drei Jahren waren schon einmal Frauen auf diese Weise umgebracht worden und hatten sein Team und sein Leben durcheinandergebracht.

Zuerst muss dem Leser, wie dem junge Kommissar Benny, über die vergangenen Morde berichtet werden. Dazwischen ermittelt das Team, befragt Zeugen und sucht verbissen nach Spuren, damit der Axtmörder nach so vielen Jahren endlich geschnappt werden kann.

Als Leser habe ich trotz zahlreicher Hinweise die ganze Zeit im Dunkeln getappt und bis zur Auflösung bin ich zwischen den potentiellen Tätern hin und her gesprungen. Den Ermittlern geht es lange genauso. Immer wieder besprechen sie den Fall, gehen alle Hinweise durch, sehen mal die eine, mal die andere Person als Täter. Das war mir stellenweise etwas zu viel.

"Schatten der Schuld" ist ein kein alltäglicher Krimi, es gibt keinen heldenhaften Hauptermittler, der alles im Alleingang löst und dessen Team bestenfalls Statistenrolle einnehmen darf. In diesem Buch wird richtig ermittelt, das Team arbeitet zusammen, jeder kommt zum Zug und erhält seine Chance zu ermitteln, seine Schlüsse zu ziehen und sich zu beweisen. Was mir sehr gut gefallen hat, sind die Hinweise für den Leser. Damit ist es möglich, den Täter selbst zu enttarnen. Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen und ich kann ihn gerne weiterempfehlen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Mordermittlungen
Schreibstil: flüssig, angenehm zu lesen
Kritik: sehr viele Befragungen
Gesamtbewertung: logische Auflösung, spannende Unterhaltung


Mittwoch, 16. Dezember 2015

Was ist Textspinning?

Beim Stöbern im Internet fallen immer öfter Texte auf, die nicht für Leser, sondern für Suchmaschinen geschrieben wurden. Sie fallen mit reißerischen Titeln auf, beschwören den Leser auf Knien, sie anzuklicken und bieten außer ein paar Sätzen nichtssagendes Geschwafel nur sehr viel Werbung. (die sich übrigens sehr leicht mit einem Adblocker ausschalten lässt)

Diese Texte müssen einzigartig sein und regelmäßig neu veröffentlicht werden, weil sie sonst von den Suchmaschinen ganz nach hinten verbannt werden und von neugierigen Lesern nicht gefunden werden können.

Um aus einem einzigen geschriebenen Text gleich mehrere zu machen, gibt es Textspinning. Der Texter tippt einen Text, gibt zu jedem Wort mehrere Synonyme ein:

Die {Ich-Erzählerin|Erzählerin} und Molly sind {befreundet|Freundinnen|beste Freundinnen}, die eine {lebt|wohnt} mit {ihrer Familie|ihren Angehörigen} in {Paris|Frankreich}, die andere {als überzeugte Single|als Single|allein} in {New-York|Amerika}. Als Molly {plötzlich|unerwartet} im {Koma|Krankenhaus} liegt, {schreibt|notiert|nimmt} ihre Freundin in {Paris|Frankreich} alles auf, was ihr durch den Kopf geht und was sie der Freundin gerne {sagen|berichten} würde. Sie {erinnert sich an|besinnt sich auf} ihre {starke|unglaubliche} Freundschaft, wie {gut|wortlos|super} sie sich verstanden haben, {was sie füreinander bedeutet haben|wie sie füreinander da waren}


Der Leser bekommt davon nichts mit, er bekommt jeden Tag die selben Informationen, nur in leicht anderen Worten und soll auf die selben Werbung klicken. In anderen Worten: er wird für blöd gehalten.

Beispiel 1:
Die Ich-Erzählerin und Molly sind beste Freundinnen, die eine lebt mit ihren Angehörigen in Frankreich, die andere allein in Amerika. Als Molly plötzlich im Koma liegt, schreibt ihre Freundin in Paris alles auf, was ihr durch den Kopf geht und was sie der Freundin gerne berichten würde. Sie erinnert sich an ihre starke Freundschaft, wie wortlos sie sich verstanden haben, was sie füreinander bedeutet haben.

Beispiel 2:
Die Erzählerin und Molly sind befreundet, die eine wohnt mit ihrer Familie in Paris, die andere als Single in Amerika. Als Molly plötzlich im Krankenhaus liegt, notiert ihre Freundin in Frankreich alles auf, was ihr durch den Kopf geht und was sie der Freundin gerne sagen würde. Sie besinnt sich auf ihre starke Freundschaft, wie wortlos sie sich verstanden haben, was sie füreinander bedeutet haben.

Montag, 14. Dezember 2015

Schlaf der Vernunft - Tania Kinkel

Erscheinungsdatum: 2. November 2015


Weitere Informationen
Nach 20 Jahren Gefängnis wird Martina Müller zeitgleich mit der RAF-Auflösung begnadigt. Das „Mörder-Monster“, wie die Presse bei ihrer Verurteilung schrieb. Ihre Tochter Angelika, die ihre Entschlossenheit nie verstanden hat, soll ihrer Mutter nach der langen Haftzeit beistehen, obwohl jedwede Verbindung abgebrochen war. Martina, mit 48 noch jung, muss erkennen, dass nichts erreicht wurde, jeder Mord umsonst gewesen war. Um herauszufinden, ob sich ihre Mutter geändert hat, Reue in sich entdeckt, und Teil ihrer Familie werden kann, muss Angelika Martinas Spuren folgen. Von der Sympathisantin, über die Illegalität und dem Gängelband der Stasi, bis hin zum großen Attentat. Aber nicht nur sie. Durch die Begnadigungen gibt es zwar Ex-Terroristen, aber Ex-Opfer gibt es nicht, denn deren Leid verjährt nie. So taucht der Sohn eines RAF-Opfers auf, der wissen will, wer damals geschossen hat. Ehefrauen, Mütter und der einzig überlebende Leibwächter: Alle haben auch nach Jahrzehnten offene Fragen.

Meine Meinung

Martina, verurteilte RAF-Terroristin, wird nach Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Eigentlich freut sich niemand über diese Freilassung. Die Tochter hat die Terrorakte nie verstanden, und auch nicht, dass sie deswegen als Kind von ihrer Mutter verlassen wurde. Die Angehörigen der Opfer sind regelrecht schockiert über diese Entlassung.

Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Der frühere Leibwächter wurde schwer verletzt und hat nur durch ein Wunder überlebt. Ihn quält die Tatsache, dass er sich nicht an alles erinnern kann. Der Sohn des Staatsanwalts hat seinen Vater verloren und macht sich seitdem schwere Vorwürfe, weil es zwischen ihm und dem Vater vor dessen Tod Streit gab. Angelika, die Tochter der Terroristin hat ihren Kindern nicht einmal erzählt, dass sie eine Oma haben, die im Gefängnis sitzt, weil sie Menschen ermordet hat.

Das Buch wurde gründlich recherchiert und enthält sehr viele Informationen über die absurden Beweggründe der RAF. Als Leser, der sich nicht mit dieser Epoche der Geschichte auskannte, habe ich beim Lesen sehr viel dazugelernt.

Die Geschichte schildert die Sicht des einzig überlebenden Opfers, wie die Angehörigen der Verstorbenen weiterleben und wie sie die Freilassung der Mörderin aufnehmen. Sie kann ein normales Leben aufnehmen, während die Angehörigen lebenslänglich trauern müssen. Aber auch die Beziehung zwischen den Angehörigen der Opfer ist nicht einfach. Der Staatsanwalt wurde ermordet, aber die RAF hatte keine Ursache den Fahrer umzubringen. Der Leibwächter muss sich immer wieder der Frage aussetzen, warum er den Staatsanwalt nicht vor dem Tod bewahren konnte.

"Schlaf der Vernunft" ist ein tiefgründiges Buch auf zwei Zeitebenen, die der Terrorakte und die Zeit der Entlassung einer der Terroristen. Die Geschichte ist spannend erzählt und ich kann sie interessierten Lesern nur empfehlen.


Kurzbewertung für Eilige

Thema: RAF, Terroristen, Schuld, Beweggründe
Schreibstil: erfordert die volle Konzentration des Lesers
Kritik: nur für interessierte Leser
Gesamtbewertung: Viele Informationen über die RAF, intensive Recherchearbeit der Autorin, Lesenswert


Sonntag, 6. Dezember 2015

Meine amerikanische Freundin - Michèle Halberstadt

Erscheinungsdatum: 30. November 2015
Übersetzer: Corinna Rodewald


Weitere Informationen
Sie sind enge Freundinnen, obwohl die eine in Paris, die andere in New York lebt. Doch dann verändert ein Anruf aus Manhattan plötzlich alles: Molly liegt im Koma. Als sie aufwacht, halbseitig gelähmt und mit eingeschränktem Gedächtnisvermögen, zieht sie sich dorthin zurück, wo kaum jemand sie noch erreicht. Alle Versuche der Erzählerin, die starke, kämpferische Molly mit dem sprühenden Geist ins Leben zurückzuholen, laufen ins Leere. Ein einfühlsamer Roman über die starken Bande der Freundschaft – und den Schmerz ihres Verlustes.

Meine Meinung

Die Ich-Erzählerin und Molly sind Freundinnen, die eine lebt mit ihrer Familie in Paris, die andere als überzeugte Single in New-York. Als Molly plötzlich im Koma liegt, schreibt ihre Freundin in Paris alles auf, was ihr durch den Kopf geht und was sie der Freundin gerne sagen würde. Sie erinnert sich an ihre starke Freundschaft, wie gut sie sich verstanden haben, was sie füreinander bedeutet haben. Die kleine Tochter fragt warum die beiden Frauen Freundinnen sind. Unerklärlich, antwortet die Mutter und doch denkt sie den ganzen Tag über die Frage nach.
Auf der anderen Seite wird Molly beschrieben, wie sie mit ihrem Schicksalsschlag umgeht, wie sie sich in einem neuen Leben einrichtet und das alte Leben für immer aufgibt. Die Freundin aus Paris beobachtet die Verwandten und Bekannten von Molly, wie jeder reagiert und stellt auch ihre eigene Reaktionen in Frage. Sie verschweigt der Freundin ihr eigenes Leben, will sie nicht mit schlechten Neuigkeiten belasten, ihr aber auch nicht mit positiven Geschehnissen vor Augen führen, dass bei der Freundin in Paris das gewohnte Leben weitergeht.

Die einzelnen Etappen wurden meiner Meinung nach zu schnell abgehakt, was die Geschichte stellenweise etwas oberflächlich macht. Auch das Ende kam mir zu abrupt.

Das Buch ist kurz, flüssig und leicht zu lesen, der Erzählstil ist knapp und nüchtern. "Die amerikanische Freundin" regt zum Nachdenken an, über Freundschaft, was sie ausmacht und was sie aushalten kann. Ich habe das Buch gerne gelesen und kann es jedem empfehlen.

Kurzbewertung für Eilige

Thema: Freundin im Koma, Freundschaft, Behinderung
Schreibstil: leicht zu lesen
Kritik: manches ging zu schnell
Gesamtbewertung: Traurig, berührend, ohne Kitsch


Mittwoch, 2. Dezember 2015

Gemeinsam Lesen 1.12.2015



1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Die Gestirne - Eleanor Catton

Als der Schotte Walter Moody im Jahr 1866 nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln. Und schon bald wird Moody hineingezogen in die rätselhaften Verstrickungen der kleinen Goldgräbergemeinde, in das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst.


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Ich habe die Hörbuchversion, deshalb verzichte ich heute auf diese Frage.


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Ein Hörbuch ist ungewohnt für mich, deshalb hatte ich am Anfang Probleme, mir die Namen zu merken. Die meisten Bewohner der kleinen Stadt kenne ich jetzt, einschätzen kann ich sie aber noch nicht. Es ist alles noch ziemlich geheimnisvoll. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht.


4. Liest du Buchbewertungen auf anderen Blogs komplett durch, schaust du nur auf das Fazit am Ende oder gar nur auf die Anzahl der Sterne?

Ich bin einen Tag zu spät dran und konnte die Antworten der Blogger bereits lesen. Ich muss sagen, ich bin ziemlich geschockt. Es gibt fast niemanden, der Bewertungen liest, sei es als Angst vor Spoiler, sei es weil er keine Zeit hat oder nicht so viel Text lesen möchte. Etwas deprimierend.

Ich lese viele Bewertungen, selbstverständlich nicht alle. Zuerst schaue ich auf das Cover. Handelt es sich klar um Chicklit, Jugendbuch oder Erotik, lese ich nicht weiter, das interessiert mich nicht. Bei anderen Genres schaue ich mir die Sterne (oder ähnliches) an. Mittelmässige Bewertungen lese ich nicht. Die ganz gut Benoteten lese ich durch, um einen Buchtipp zu bekommen, die extrem schlechten, weil ich Verrisse mag und diese leider so selten sind.

Meine Bewertungen werde ich in nächster Zeit überdenken, um sie auch Lesern zugänglich zu machen, die nicht viel lesen möchten und sich trotzdem nicht auf die Sterne beschränken wollen.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Häufig verfilmte Bücher


Für jeden Autor ist es ein Ritterschlag, wenn sein Buch verfilmt wird, auf riesigen Postern beworben und später ins Kino kommt. Manche Bücher werden aber nicht nur ein einziges Mal verfilmt, sondern sie sind so faszinierend und einmalig, dass sie immer verfilmt werden. So gibt es von manchen Büchern fast jedes Jahr eine neue Verfilmung, immer wieder anders umgesetzt und mit immer moderneren Spezialeffekten. (Dieser Beitrag enthält Werbung)

Dracula - Bram Stoker

Dracula von Bram Stoker wurde im Jahr 1897 veröffentlicht. Die Geschichte handelt von einem Rechtsanwalt, der zu einem Kunden, Graf Dracula, reist. Der Rechtsanwalt fühlt sich unwohl, die Umgebung ist ihm unheimlich, aber erst nach und nach wird er sich bewusst, in welcher Gefahr er schwebt.

Nach diesem Roman kamen zahlreiche Vampirbücher auf den Markt und die Begeisterung für Vampire ist bis heute geblieben. Kein Wunder also, dass auch die Filmindustrie nach diesem Buch gegriffen hat.
Bereits 1922 wurde es als unter dem Titel "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" als Stummfilm verfilmt. Danach folgten zahlreiche Filme. Besonders beliebt war "Bram Stokers Dracula" von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1992.






Romeo und  Julia - William Shakespeare

"Romeo and Juliet"  erzählt von der Liebe zwischen zwei jungen Menschen, deren Familien seit Generationen verfeindet sind. Das Buch von Romeo und Julia wurde offiziell 30 Mal als Filmvorlage erwähnt, allerdings gibt viele Filme, die auf dieser Geschichte basieren, sie leicht verändern oder parodieren.

Ein Beispiel ist der Film "2 Romeos für Julia", den man sich auf Clipfish gratis anschauen kann




Robin Hood

"Robin Hood" ist eine mittelalterliche Ballade, die mit der Zeit immer wieder anders erzählt wurde. Anfangs ist Robin Hood ein gefährlicher Räuber, in späteren Erzählungen wird er freundlicher dargestellt, bis daraus die heute bekannte Geschichte wird: Robin Hood ist ein Freund der armen und unterdrückten Menschen, der die bösen Reichen ausraubt, um den Hungernden zu helfen. Die Geschichte wurde nicht nur verfilmt, sondern auch in Opern und Theatern aufgeführt.





Sherlock Holmes - Arthur Conan Doyle
Laut dem Guinness Buch der Rekorde ist die Geschichte von Sherlock Holmes, das am häufigsten verfilmte Buch. Sherlock Holmes ist eine Kultfigur, so realistisch, dass sogar sein Haus exakt wie im Buch beschrieben in  London zu besichtigen ist. Berühmt wurde der Detektiv durch seine Ermittlungsmethode, die auf reiner Beobachtung, kombiniert mit messerscharfem Verstand beruht.




Alice im Wunderland - Lewis Carroll

"Alice im Wunderland" ist ein Kinderbuch aus dem Jahr 1865 und zählt zu den Klassikern der Weltliteratur. 1903 wurde das Buch zum ersten Mal als Stummfilm verfilmt. Seitdem wurde es in den verschiedensten Formen auf die Leinwand gebracht, selbst ein Pornofilm erwähnt es als Vorlage.

Montag, 30. November 2015

Anna Catrina Tocher von Ilanz - Sabina Altermatt

Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2015

Weitere Informationen
Die Tochter aus Illanz Anna Catrina wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei ihrem Onkel in Graubünden auf, dem Einzigen, der Anna geblieben ist. Ihren Vater kennt sie nicht. Gemeinsam führen sie das Wirtshaus in Ilanz. Als Anna eine Stelle als Magd angeboten wird, ist sie froh, ihrem ärmlichen Leben entfliehen zu können. Eines Tages bekommt sie einen Hinweis auf den Verbleib ihres Vaters – anhand eines Amuletts hofft sie ihn zu finden. Doch dabei deckt sie Geheimnisse auf, die viele lieber im Verborgenen wüssten ..

Meine Meinung

Anna Catrina hatte es als Kind nicht leicht. Ihren Vater kennt sie nicht, ihre Mutter starb früh und die Tante, bei der sie unterkam wurde aus der Stadt verband. Anna Catrina wird daraufhin als billige Arbeitskraft zu einem Bauern geschickt, später darf sie bei ihrem Onkel im Wirtshaus mitarbeiten.

Mit diesem Buch bin ich leider nicht warm geworden. Die Handlung ist alles andere als neu und steuerte ein Klischee nach dem anderen an. Ganze Seiten werden vollgeschrieben ohne dass etwas nennenswertes passiert, was die Geschichte weiterbringt. Auf manchen Seiten wird die Spannung regelrecht vertrieben. Zuerst erfährt der Leser in einer kleinen Zusammenfassung, was Anna Catrina als Kind beim Bauern erlebt hat, ein paar Seiten später liest er das Ganze dann ausführlicher in einem ganzen Kapitel. Manches wird langwierig erzählt, anderes kommt für den Leser so plötzlich, dass es nicht nachvollziehbar ist.

Auf der Rückseite des Buches befindet sich ein Logo mit dem Text "Die Stadt Ilanz erleben". Das Buch soll also Werbung für diese Stadt machen. Ilanz wird am Anfang des Buches in einigen Sätzen beschrieben, aber nicht so begeisternd, dass ich Lust bekommen würde, die Stadt näher kennen zu lernen. Sie kommt in den Beschreibungen im Buch nicht sehr gut weg und wird, im Gegensatz zu Chur, als arm und vor allem schmutzig dargestellt.

"Anna Catrina" ist in einem leicht zu lesenden, sehr einfachen Schreibstil geschrieben. Unterhalten konnte das Buch mich allerdings nur sehr wenig, deshalb kann ich es nicht weiterempfehlen.

Freitag, 27. November 2015

Das barmherzige Fallbeil - Fred Vargas

Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2015
Übersetzer: Waltraut Schwarze

Weitere Informationen
Innerhalb weniger Tage werden die Leichen einer Mathematiklehrerin und eines reichen Schlossherrn in Paris entdeckt, die vermeintlich Selbstmord begangen haben. Die brutale Szenerie alarmiert zwar die Polizei, doch es scheint keine Verbindung zu geben. Bis Jean-Baptiste Adamsberg auf unauffällige Zeichnungen an beiden Tatorten aufmerksam wird. Kurz darauf stellt sich heraus, dass die Lehrerin vor ihrem Tod dem labilen Sohn des zweiten Toten geschrieben hat. Der Brief führt Adamsberg auf die Spuren einer verhängnisvollen Reise nach Island, die zehn Jahre zuvor stattfand – und von der zwei Personen nicht zurückkamen. Sowie in die Untiefen einer Geheimgesellschaft, die sich Robespierre und der Terrorherrschaft während der Französischen Revolution verschrieben hat. Weitere Menschen sterben, und für Adamsberg beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit und einen ebenso wandelbaren wie unbarmherzigen Mörder …


Meine Meinung

Kommissar Adamsberg hat es mit einem Selbstmord zu tun. Die ältere Dame war unheilbar krank und hat sich die Pulsadern aufgeschnitten. Ein paar Tage vor ihrem Tod hat sie einen Brief aufgegeben. Der Empfänger ist tot. Selbstmord. Er hat sich erschossen. Aber warum wurde neben den beiden Verstorbenen das gleiche Zeichen gefunden? Bei genauerem Hinsehen, kommen dann immer weitere Zweifel an der Selbstmordtheorie und Kommissar Adamsberg ermittelt.

In Krimis gibt es häufig komische Kommissare mit den verschiedensten Marotten. Oft sind es kaputte Menschen, manche sind Alkoholiker, andere verschrobene Einzelgänger. Kommissar Adamsberg bekommt wässrige Augen und ist für keine logischen Argumente mehr zugänglich, seine Ideen sind kleine Kaulquappen, die ihm entwischen, wenn er versucht sie zu früh zu fangen oder wenn ihm jemand in diesem Augenblick reinredet. Während Besprechungen nimmt er Malutensilien heraus und malt ein Aquarell oder fliegt spontan nach Island, weil der Geist der Insel ihn ruft. Aber andere sind nicht besser, der Kater muss die Treppen hinaufgetragen und frisst nur in Gesellschaft, ein Polizist legt alle paar Stunden ein Schläfchen ein und ein anderer hat einen Schrank voller Lebensmittel, damit nie jemand Hunger erleiden muss. Die Autorin versucht gar nicht erst dem Leser das Kommissariat als realistisch zu verkaufen, was der Unterhaltung und der Qualität der Geschichte in keiner Hinsicht schadet.

Der Kriminalfall wird mit dem nötigen ernst beschrieben. Zuerst geht es um eine Gruppe von Reisenden, die vor zehn Jahren auf einer einsamen Insel tagelang festsaßen. Danach wechseln die Ermittlungen zu einer Art Theatergruppe, die Versammlungen von Robespierre detailgetreu nachspielt. Dabei sind alle geschminkt und verkleidet. Niemand kennt seinen Nächsten. Die Ermittlungen sind trotz der Eskapaden des Kommissars logisch und auch die Auflösung war durchaus nachvollziehbar.


"Das barmherzige Fallbeil" ist ein charmanter Kriminalroman, der manchmal leicht ins märchenhafte driftet und sich dann selbst wieder auf die Schippe nimmt. Ich habe jede Seite dieses Buchs genossen, wurde wunderbar unterhalten und kann dieses Buch jedem wärmstens empfehlen.


Vielen Dank an Blog Dein Buch und an den Limes Verlag für "Das barmherzige Fallbein"

http://www.bloggdeinbuch.de/

Buchverfilmungen 2016

Film, Buch oder beides? Buchverfilmungen 2016


Gerüchten zufolge basiert jeder zweite in Hollywood produzierte Film auf einem Buch. Die meisten Bücher davon sind eher unbekannt.

Diese Bücher waren riesige Erfolge und natürlich warten bereits viele Fans gespannt auf diese Verfilmungen, die 2016 ins Kino kommen sollen.



Manche Großeltern lesen ihren Enkeln Märchen vor. Was Jacob von seinem Opa hörte, war etwas ganz anderes: Abraham erzählte ihm von einer Insel, auf der abenteuerlustige Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben, und von Monstern, die auf der Suche nach ihnen sind … Erst Jahre später, als sein Großvater unter mysteriösen Umständen stirbt, erinnert Jacob sich wieder an die Schauergeschichten und entdeckt Hinweise darauf, dass es die Insel wirklich gibt. Er macht sich auf die Suche nach ihr und findet sich in einer Welt wieder, in der die Zeit stillsteht und er die ungewöhnlichsten Freundschaften schließt, die man sich vorstellen kann. Doch auch die Ungeheuer sind höchst real – und sie sind ihm gefolgt …






Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die pummelige Eleanor und der gut aussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann.


Eine wie Alaska - John Green

Miles hat die Schule gewechselt. Auf dem Internat verknallt er sich in die schöne Alaska. Sie ist das Zentrum ihres Sonnensystems, der magische Anziehungspunkt des Internats. Wer um sie kreist, ist glücklich und verletzlich gleichermaßen, euphorisch und immer nah am Schulverweis. Alaska mag Lyrik, nächtliche Diskussionen über philosophische Absurditäten, heimliche Glimmstängel im Wald und die echte wahre Liebe. Miles ist fasziniert und überfordert zugleich. Dass hinter dieser verrückten, aufgekratzten Schale etwas Weiches und Verletzliches steckt, ist offensichtlich. Wer ist Alaska wirklich?



Inferno - Dan Brown

Bei seinem vierten Abenteuer verschlägt es den Symbologen Robert Langdon nach Florenz. Gemeinsam mit der jungen Ärztin Sienna Brooks begibt er sich auf die Suche nach der Lösung eines jahrhundertealten Rätsels: einer versteckten Botschaft in Dante Aleghieris "Inferno", einem Teil seiner "Göttlichen Komödie". Den ersten Schlüssel dazu soll ihnen die Totenmaske des berühmten Poeten liefern, doch diese wurde aus dem Palazzio Vecchio gestohlen. Die Jagd nach der verschwundenen Maske ist der Auftakt zu einer abenteuerlichen Reise durch Europa, bei der Langdon sich mehr als einmal fragen muss, wem er trauen kann und wem nicht.



Americanah - Chimamanda Ngozi Adichie

Chimamanda Adichie erzählt von der Liebe zwischen Ifemelu und Obinze, die im Nigeria der neunziger Jahre ihren Lauf nimmt. Dann trennen sich ihre Wege: Die selbstbewusste Ifemelu studiert in Princeton, Obinze strandet als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren stehen sie plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Adichie gelingt ein eindringlicher, moderner und hochpolitischer Roman über Identität und Rassismus in unserer globale Welt.




  

Smaragdgrün - Kersin Gier

Gwendolyn ist am Boden zerstört. War Gideons Liebesgeständnis nur eine Farce, um ihrem großen Gegenspieler, dem düsteren Graf von Saint Germain, in die Hände zu spielen? Fast sieht es für die junge Zeitreisende so aus. Doch dann geschieht etwas Unfassbares, das Gwennys Weltbild einmal mehr auf den Kopf stellt. Für sie und Gideon beginnt eine atemberaubende Flucht in die Vergangenheit. Rauschende Ballnächte und wilde Verfolgungsjagden erwarten die Heldin wider Willen und über allem steht die Frage, ob man ein gebrochenes Herz wirklich heilen kann.



Ein ganzes halbes Jahr - Jojo Moyes

Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt.
Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will.
Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird.




Girl on the train - Paula Hawkins

Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.
Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse ...

Freitag, 20. November 2015

Im weissen Kreis - Oliver Bottini

Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2015

Weitere Informationen
Louise Bonì, Hauptkommissarin der Kripo Freiburg, erhält von einer Informantin den Hinweis, dass ein Mann zwei Pistolen bei russischen Kriminellen gekauft habe. Besorgt geht Bonì der Sache nach, um ein mögliches Gewaltverbrechen zu verhindern. Bald findet sie den Eigentümer des Autos, mit dem der Käufer die Waffen abgeholt hat. Der besitzt für den fraglichen Abend jedoch ein wasserdichtes Alibi. Der Fahrer war ein anderer – Ricky Janisch, Neonazi und Mitglied der rechtsextremen »Brigade Südwest«. Louise Bonì und ihr Team beginnen, Janisch zu observieren, und stoßen auf weitere Mittelsmänner, die alle der rechten Szene angehören. Je tiefer sie graben, desto erschreckender wird das Szenario: Haben sie es mit einem weitverzweigten Neonazi-Netzwerk zu tun? Und wie sollen sie ein Attentat verhindern, wenn ihr Gegner ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint und sie noch nicht einmal das Ziel kennen? Da stößt Louise auf das »perfekte Opfer«. Aber vielleicht ist es schon zu spät …


Meine Meinung

Louise Boni wird von einem Undercover-Beamten auf eine Waffenlieferung aufmerksam gemacht, die in der rechten Szene für einen Mord gebraucht werden soll. Wer ist in Gefahr? Viele Anschlagsziele kommen in Frage und es gilt schnellstens herauszufinden, wer in Gefahr ist, um den Mord zu verhindern.

Louise Boni ermittelt und das mit Leib und Seele. Sie arbeitet Tag und Nacht, ohne Pause, schläft selbst im Hotelzimmer der zu schützenden Person. Um Anordnungen oder Befehle kümmert sie sich nicht. Ihre Art wie sie mit ihren Mitmenschen umgeht, wie sie sich um alles schert, hat mich manchmal genervt.

"Im weißen Kreis" ist kein klassischer Kriminalroman. Es gibt keine Mordermittlungen, sondern präventive Ermittlungen. Louise möchte um jeden Preis verhindern, dass die gelieferten Waffen zum Einsatz kommen.

Interessant fand ich die vielen detaillierten Recherchen über die rechtsextreme Szene und ihre Beschützer, die V-Männern und die verschiedenen Instanzen der Polizei, die ihre Arbeit machen wollen, ohne dass der Rest der Polizei darüber Bescheid weiß. Realistisch war die Vertuschung der Gefahr an oberster Stelle, das Leugnen, dass es eine organisierte rechte Szene überhaupt gibt. Auch über die Hutu und die Tutsi habe ich manches gelernt.

"Im weißen Kreis" ist ein sehr ruhiger Krimi, der allerdings recht schwer verdaulich ist, sowohl vom Inhalt als auch vom Schreibstil her. Ständig muss man aufmerksam lesen, um im kompakten, abgehackten Schreibstil nichts zu verpassen und die vielen Personen nicht durcheinander zu werfen. Die Geschichte habe ich gerne gelesen, ich fand das Buch gut, nur so richtig mitreißen konnte es mich nicht. Empfehlen kann ich es jedem, der gerne anspruchsvolle Bücher liest, die nicht in das klassische Schema von Kriminalromanen fallen.



Dienstag, 17. November 2015

Gemeinsam lesen - 17. November 2015


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Im weissen Kreis - Oliver Bottini


Louise Bonì, Hauptkommissarin der Kripo Freiburg, erhält von einer Informantin den Hinweis, dass ein Mann zwei Pistolen bei russischen Kriminellen gekauft habe. Besorgt geht Bonì der Sache nach, um ein mögliches Gewaltverbrechen zu verhindern. Bald findet sie den Eigentümer des Autos, mit dem der Käufer die Waffen abgeholt hat. Der besitzt für den fraglichen Abend jedoch ein wasserdichtes Alibi. Der Fahrer war ein anderer – Ricky Janisch, Neonazi und Mitglied der rechtsextremen »Brigade Südwest«. Louise Bonì und ihr Team beginnen, Janisch zu observieren, und stoßen auf weitere Mittelsmänner, die alle der rechten Szene angehören. Je tiefer sie graben, desto erschreckender wird das Szenario: Haben sie es mit einem weitverzweigten Neonazi-Netzwerk zu tun? Und wie sollen sie ein Attentat verhindern, wenn ihr Gegner ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint und sie noch nicht einmal das Ziel kennen? Da stößt Louise auf das »perfekte Opfer«. Aber vielleicht ist es schon zu spät …

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
"Seine Freude wirkte plötzlich aggressiv, voller Bitterkeit und Zorn."


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Oliver Bottini hat einen sehr knappen Erzählstil. Er hält sich nicht mit schönen Beschreibungen auf, sondern es werden so gut wie ausschließlich Fakten erzählt und selbst das noch ziemlich knapp. Das ergibt eine sehr intensive Geschichte, alles ist wichtig, man darf als Leser nichts verpassen sondern muss mitdenken, Namen behalten und ganz bei der Sache sein. Trotzdem macht das Buch natürlich auch Spass zu lesen und es ist vor allem spannend.

4. Warst du schon jemals oder bist du aktuell in einen Buchcharakter verliebt?
Nein!

Montag, 16. November 2015

Mach mir den Garten, Liebling! - Ellen Berg

Erscheinungsdatum: 16. November 2015


Weitere Informationen
Zur Hölle mit dem Job! Statt der überfälligen Beförderung bekommt Luisa einen arroganten Fiesling vor die Nase gesetzt. Sie ist frustriert. 14-Stunden-Arbeitstage und Bürointrigen – wofür das alles?
Ausgerechnet jetzt muss sie sich um den Schrebergarten ihrer Tante Ruth kümmern. Komposthaufen statt Karriere, geht gar nicht. Doch dann stellt Luisa fest, dass Gärtnern sogar glücklich machen kann. Wenn nur nicht dieser rasend charmante Mann im Nachbargarten wäre, der so gar nicht in ihr Leben passt …


Meine Meinung

Luisa ist die Seele ihrer Firma, rund um die Uhr verfügbar, selbstverständlich auch am Wochenende ohne je an Urlaub zu denken. Sie freut sich auf ihre Beförderung, die sie reichlich verdient hat, auch wenn ihre Kollegen sich über sie das Maul zerreissen. Aber dann ist die Beförderung auf einmal vergessen und sie muss um ihren Job fürchten. Privat ist sie weniger fleißig. Die Katzen ihrer Tante füttert sie, aber die Pflege des Gartens hat sie einem Gärtner untergejubelt, ohne dessen Arbeit ein einziges Mal zu kontrollieren. Das rächt sich, denn die Tante wird anreisen und freut sich auf ihren wunderschönen Garten.

Der Einstieg fiel mir schwer, ich empfand den Anfang als etwas zäh. Die schlechte Stimmung im Büro, das gegenseitige Miesmachen, die dauernden und verletzenden Sprüche fand ich nicht lustig, sie haben mich genervt. Luisa glücklicherweise auch, denn sie setzt zu einem anständigen Donnerwetter gegen die gesamte Besatzung an, danach besserte sich die Stimmung im Büro und meine gleich mit. Ab diesem Moment konnte ich das Buch geniessen. Witzige Bemerkungen, verrückte Handlungen und komische Ideen haben sich abgewechselt. Der Schreibstil ist locker und sehr angenehm zu lesen.

Zum Schluss ging es etwas schnell, das Ende hätte ich gerne länger und ausführlicher genossen und etwas mehr Einzelheiten erfahren.

Natürlich ist alles etwas überzeichnet, überdreht, ein bisschen zu viel, aber das macht den Witz aus und für mich hat es funktioniert. Die Witze sind weder zu derb noch sind es zu viele und sie wirken auch nicht aufgesetzt. "Mach mir den Garten, Liebling!" hat mich gut unterhalten und oft zum Lachen gebracht.

Donnerstag, 12. November 2015

Die Bastardtochter - Petra Schier

Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2015

Weitere Informationen
Koblenz, 1362. Die schöne Enneleyn lebt mit einem Makel: Sie ist unehelich geboren. Zwar hat Graf von Manten sie als Tochter anerkannt, die gesellschaftliche Akzeptanz jedoch bleibt ihr verwehrt. Als Ritter Guntram von Eggern um ihre Hand anhält, zögert sie deshalb nicht lange.
Schon bald stellt sich heraus: Sie hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Nach außen ganz liebevoller Gatte, verbirgt Guntram geschickt seine dunklen Seiten. Nur Enneleyn weiß um seine Brutalität und Machtgier. Und um seinen großen Plan, der sie alle ins Unglück stürzen kann ...

Meine Meinung

Enneleyn ist die uneheliche Tochter eines Grafen. Er hat sie zwar als seine Tochter anerkannt, trotzdem bleibt das Makel und so ist sie hocherfreut, als ein charmanter und gut aussehender Ritter sich für sie interessiert und kurz darauf um ihre Hand anhält. Doch die Liebenswürdigkeit vergeht dem edlen Mann bereits in der Hochzeitsnacht, und auch sonst führt er nicht viel Gutes im Schilde.

Anton, ein Bekannter von Enneleyn, hat sich nach Jahren entschlossen, Mailand zu verlassen, um sich wieder in Koblenz niederzulassen. Er, seine Schwester und eine weitere Freundin besitzen jeweils einen Teil eines Kreuzes, das aus Reliquien besteht. Bei Gefahr summt das Kreuz, verschafft ihnen Visionen oder warnt seine Besitzer vor Gefahr.

Sehr gut hat mir die Mystik gefallen, die durch dieses leuchtende und summende Kreuz entstanden ist. Doch das nimmt nur einen kleinen Teil des Buches ein, es bleibt hauptsächlich ein historischer Roman. Die Stimmung in der damaligen Zeit, die gesellschaftlichen Regeln und Zwänge, die Beschäftigungen und das Leben der Frauen werden sehr gut dargestellt. Allerdings nimmt die Gewalt gegen Frauen einen großen Teil der Handlung ein. Zu groß für mich, ich empfinde das als bedrückend und nicht als unterhaltsam.

Bei diesem Buch handelt es sich um den dritten Teil einer Trilogie. Ich habe die ersten beiden Bücher nicht gelesen, hatte aber überhaupt keine Schwierigkeiten in die Geschichte einzusteigen. Natürlich gibt es Erinnerungen und Gespräche über vorherige Bände, aber alles ist so geschickt in die Geschichte eingeflochten, dass das Buch genauso gut als Einzelbuch gelesen werden kann.

"Die Bastardtochter" ist gut geschrieben, angenehm und leicht zu lesen, packend. Und doch mochte ich es persönlich wegen der Gewalt nicht. Wem das nichts ausmacht, der kann eine ansonsten gelungene Geschichte aus dem Mittelalter lesen.



Sonntag, 8. November 2015

Die erstaunliche Wirkung von Glück - Susann Rehlein

Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2015


Weitere Informationen
Eine skurrile Hausgemeinschaft, eine bezaubernde Außenseiterin und die große Liebe.
Dorle lebt im Souterrain eines herrschaftlichen Hauses, in dem sonst nur wohlhabende, knarzige alte Leute wohnen. In Heimarbeit steckt sie für eine Kronleuchtermanufaktur Kristalle zusammen. Und sie lässt sich von ihren Nachbarn als Concierge missbrauchen, obwohl sie gar nicht die Concierge ist.
Doch Dorle ist genügsam und zufrieden mit ihrem Leben. Ganz im Gegensatz zu Annegret Sonne, vierundachtzig und voller Lebenslust. Als Frau Sonne sich zu einer dreimonatigen Reise aufmacht, bittet sie Dorle, ihre Wohnung zu hüten. Schnell wird klar, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Wohnung handelt. Sie hat angeblich eine Aura, es lebt ein Kater darin, der Dinge kann, die normale Kater nicht können und per Fax treffen Aufgaben für Dorle ein, die sie an den Rand des Wahnsinns bringen. Sie muss zum Sport, zu jemandem unfreundlich sein und kochen. Sogar Dates hat sie plötzlich. Gut, die Männer sind alle über achtzig, aber sie verstehen etwas von der Liebe. So hat Joe, Dorles einziger Freund, alle Hände voll zu tun, um im Rennen zu bleiben.

PS: Wurde Henriette Schräubchen schon erwähnt? Nur so viel: Sie hat rosa Haare, kann Gedanken lesen und spielt eine nicht unwesentliche Rolle in dieser Geschichte.

Meine Meinung

Dorle lebt in einer Kellerwohnung, die Wohnungen über ihr sind von älteren Menschen bewohnt, die Dorle immer wieder und ganz selbstverständlich für ihre Dienste einspannen. Auch wenn sie Frust ablassen wollen oder aus purer Langeweile ein paar Gemeinheiten loswerden müssen, wenden sie sich an Dorle, die alles mit sich gefallen lässt und nicht daran denkt, ihre Situation zu verändern.

Als Dorle von Frau Sonne beauftragt wird, deren Wohnung zu hüten und ein paar Aufgaben zu erledigen, lehnt Dorle selbstverständlich nicht ab, auch wenn manches ihr etwas komisch erscheint. Erst nach und nach merkt Dorle, dass sie nicht für Frau Sonne arbeitet, sondern an sich selbst und an ihrem Glück, das sie in teuren Restaurants, Massagesalons, dicken Teppichen und bezahlter Begleitung findet.

Das ist auch schon meine erste Kritik, dieser Luxus, den Dorle sich mit ihrer Heimarbeit nie wird leisten können und der in diesem Buch als eine der Haupttherapien für Glück angepriesen wird. Darauf hätte ich verzichten können. Glück durch Konsum und Glück durch Geld gaukelt die Werbung uns täglich vor, das kennt die Menschheit. Billigere Glücksmomente hätten mir besser gefallen. Natürlich ist ihr plötzlicher Reichtum spektakulär, ihr Fall später, wenn sie wieder mit ihrem eigenen Gehalt klarkommen muss, wird umso tiefer sein.

Aber darauf geht das Buch nicht ein. Wie in Weihnachtsbüchern oder Märchenbüchern werden aus grantigen alten Einzelgänger Freunde, Dorles Probleme, die sie seit ihrer Kindheit mit sich schleppt, werden in Kürze gelöst ganz ohne Probleme, ganz ohne Therapie. Ich mag diese Art Bücher nicht. Sie sind unrealistisch und vorhersehbar.

Gut gefallen haben mir die Emotionen, die Dorle durchläuft. Sie werden intensiv und glaubhaft beschrieben. Dorles Gefühle, ihre Trauer, ihre Wut, ihr Zorn und ihre Liebe wird niemanden kalt lassen. Auch die verschiedenen Personen ihrer Umgebung, die einsamen und traurigen Alten, die fiesen Klatschbasen und nörgelnde Nachbarn werden wunderbar beschrieben. Allerdings fand ich den Schreibstil als etwas anstrengend zu lesen, weil ich immer konzentriert lesen musste, um nicht zu verpassen, wer was sagte. Manches musste ich ein zweites Mal lesen, was den Lesefluss störte.

"Die erstaunliche Wirkung von Glück" ist ein Buch von dem man sich verzaubern lassen sollte, ohne nach zu denken und ohne zu analysieren. Empfehlen kann ich es jedem, der diese Art von Büchern mag.

Mittwoch, 4. November 2015

Im Sommer der Mörder - Oliver Bottini

Erscheinungsdatum: 20. Juni 2007

Weitere Informationen
In zwei Sekunden beginnt hier das Inferno.
Kirchzarten ist der friedlichste Ort der Welt. Bis eines Tages im Morgengrauen ein kleiner Holzschuppen in Flammen aufgeht - und urplötzlich ein Inferno losbricht. Die Idylle von Kirchzarten war trügerisch: Unter dem Schuppen hatten Unbekannte ein illegales Waffenlager angelegt.
Die Freiburger Hauptkommissarin Louise Bonì steht vor dem schwierigsten Fall ihrer Karriere. Erste Spuren führen zurück in das zerfallende Jugoslawien der Neunziger Jahre. Doch als ein kaltblütiger Mord geschieht, beginnt Louise zu begreifen, dass der Fall weit größere Dimensionen hat.

Meine Meinung

Ein kleiner Brand in einem alten Schuppen. Die Feuerwehr hat alles schnell gelöscht und ist fast schon am Aufräumen als jemand bemerkt, dass der Schuppen unterkellert ist. Sekunden später fliegt alles in die Luft, ein Feuerwehrmann wird tödlich verletzt.

Louise Bonì ist eine Kommissarin in einem riesigen Team, zusammengesetzt aus verschiedenen Behörden. Es wird in alle Richtungen ermittelt. Doch nicht nur die Größe des Falls und die mangelnde Koordination macht der Ermittlerin zu schaffen. Es herrscht eine unerträgliche Hitze, innere Dämonen wollen Louise, die trockene Alkoholikerin ist, immer wieder zum Trinken verführen und dann ihre Müdigkeit, ihre Erschöpfung, die es ihr schwer macht zu denken.

Die Geschichte ist sehr spannend. Sie wird in einem eher ruhigen und distanziertem Ton erzählt, der die ganzen Gefühle, Zweifel, aber auch die Entschlossenheit und den starken Willen der Ermittlerin gut herüberbringt. Selbst Nebenpersonen kommen authentisch herüber, man kann ihre Reaktionen, ihre Wut und ihre Verzweiflung als Leser spüren und nachvollziehen.

Der Fall selbst ist sehr komplex und mit den Ermittlungen, die natürlich hin und wieder in eine falsche Richtung gehen, wird es manchmal richtig kompliziert den Überblick zu behalten. Es gibt stellenweise ein regelrechtes Durcheinander in den Ermittlungen und dann hatte ich den Eindruck, dass mit Informationen nur so herumgeballert wurde. Politische und historische Fakten sollten einen als Leser schon interessieren, auch wenn man diese Teile überspringen könnte, machen sie doch einen grossen und wichtigen Teil der Geschichte aus.

Vor diesem Buch sollte man unbedingt das Buch "Mord im Zeichen des Zen" gelesen haben. Ich habe es nicht getan, der Einstieg in dieses Buch ist mir deshalb etwas schwer gefallen. "Im Sommer der Mörder" ist ein guter, intelligenter Krimi, den ich Lesern gerne empfehlen, die gerne mitdenken und nicht nur unterhalten werden wollen.

Dienstag, 3. November 2015

Prix Goncourt 2015 - Mathias Enard - Boussole


 

Mathias Enard wurde für sein Buch "Boussole" mit dem Prix Goncourt 2015 ausgezeichnet.


"Boussole"handelt von einem Mann, der nach einer beunruhigenden medizinischen Diagnose unter Schlafstörungen leidet. Franz Ritter verbringt seine langen und einsamen Nächte mit Erinnerungen an sein Leben das aus Reisen, Studien und Staunen bestanden hat.
"Boussole" ist eine Liebeserklärung an den Orient.


Mathias Enard, 43 Jahre, hat in Paris die arabische und persische Sprache studiert. Nach einem längeren Aufenthalt im mittleren Orient, wohnt er seit 2000 in Barcelona wo er an verschiedenen Zeitschriften mitarbeitet und arabisch unterrichtet.
Bis jetzt wurden folgende Bücher des Schriftstellers ins Deutsche übersetzt: "Zone", "Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten" und "Strasse der Diebe".


Gleichzeitig wurde auch der Gewinner des Prix Renaudot bekannt gegeben. Er geht dieses Jahr an Delphine de Vigan für ihr Buch "D'après une histoire vraie".

Gemeinsam Lesen 3.11.2015

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Im Sommer der Mörder - Oliver Bottini (Kapitel 3)
Sommer im Breisgau. Kirchzarten ist der friedlichste Ort der Welt. Bis eines Tages im Morgengrauen ein kleiner Holzschuppen in Flammen aufgeht – und urplötzlich ein Inferno losbricht. Verheerende Explosionen überraschen die Freiwillige Feuerwehr …Die Idylle von Kirchzarten war trügerisch: Unter dem Schuppen hatten Unbekannte ein illegales Waffenlager angelegt. Die Freiburger Hauptkommissarin Louise Bonì steht vor dem schwierigsten Fall ihrer Karriere. Erste Spuren führen zurück in das zerfallende Jugoslawien der Neunziger Jahre. Doch als ein kaltblütiger Mord geschieht, beginnt Louise zu begreifen, dass der Fall weit größere Dimensionen hat.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
Neun Uhr dreißig, achtundzwanzig Grad, die Luft draußen stand unbewegt. Sie fuhren mit offenen Seitenfenstern, weil Günther Klimaanlagen nicht mochte.

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Das zweite Buch einer Reihe, das erste Buch gibt es nur noch gebraucht und leider nicht als Ebook. Der Anfang war etwas schwieriger, weil sehr viele Personen auf einmal eintreffen, aber trotzdem gefällt mir der Schreibstil und ich bin gespannt auf die Geschichte. Im September ist das 6. Buch dieser Reihe mit dem Titel "Im weissen Kreis" erschienen.

4. Ist die Altersangabe eines Buches bei eurer Auswahl entscheidend? 
Natürlich. Ich kaufe mir keine Bücher für 5jährige! Momentan lese ich überhaupt keine Kinderbücher mit Altersangaben. Aber wer weiss, das kann schnell umschlagen.