Dienstag, 16. September 2014

[Kolumne] Von E.L. James bis Sasa Stanisic: Literatur oder Unterhaltung?

Ich habe E.L. James* ziemlich direkt nach Sasa Stanisic** gelesen und war amüsiert über den riesigen Kontrast zwischen den beiden Büchern. Stanisic schreibt geballte Literatur schlimmster Art, während James zwar Spaß macht, dafür in ihren Büchern kein Hauch von Literatur zu finden ist. (Das ist nur meine persönliche Meinung. Es gibt sicher irgendwo auf der Welt Leser, für die ein Buch von Stanisic 100% Unterhaltung ist und andere, die Frau James Bücher als die vollkommene Literatur ansehen. Ich werde niemanden von seiner Meinung abbringen)

Dieser enorme Unterschied hat mich nachdenklich gemacht. Kann Literatur eigentlich genau so viel Spaß machen wie Trivialliteratur, oder handelt es sich nur um "richtige" Literatur, wenn man den Inhalt erkämpfen muss und die grauen Zellen gefördert werden?

Da ich keine Literaturwissenschaftlerin bin, definiere ich mit meinem (halbwegs) gesunden Menschenverstand, was Literatur ist und was nicht: Literatur muss lehrreich sein und mich zum Nachdenken bringen. Die Geschichte soll gut durchdacht sein, darf nicht von Klischees triefen und auch nicht vorhersehbar sein. Danach gibt es Zwischenbücher, die zwar auf Tatsachen basieren, bei denen die Spannung allerdings deutlich über dem Lehrwert steht. Ganz unten kommt, was meine Oma als Schund bezeichnen würde und was ich, wenn ich ehrlich bin, trotz allem immer wieder gerne lese: Bücher, die ich beim Kochen lese während ich Kinder bespasse, das Baby füttere und den Rasen mähe. Also, so ungefähr, ich habe kein Baby und auch keinen Rasen.

Unter den Büchern, die ich als Literatur anerkenne, gibt es Bücher, die in einer sehr einfachen Sprache geschrieben sind, leicht verständlich, die aber gleichzeitig dermaßen unter die Haut gehen, dass es nicht mehr als Unterhaltung gelten kann.

Vielleicht ist meine Definition von Literatur falsch. Wenn ich meine Bücher durchsehe, finde ich Literatur, die ich zwar sehr gerne gelesen haben, leichte Unterhaltung ist da keine dabei. Und ich hatte auch nie den Eindruck, dass sie vom Autor einfach so runtergeschrieben wurden. Ein definitives Urteil kann ich mir bei den paar Büchern, die ich gelesen habe, natürlich nicht erlauben. Ich suche weiter. Wenn ihr ein Buch kennt, das sowohl leichte Unterhaltung als auch Literatur bietet, bitte melden. Danke!

*E.L. James - Shades of Grey
**Sasa Stanisic - Wie der Soldat das Grammofon repariert

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