Dienstag, 30. September 2014

Gayle Forman Lesewoche (1+2)

http://allthesespecialwords.blogspot.com/
 Mit welchem Buch startest du in die Lesewoche? Was erwartest du?
Ich starte mit "Just one Day". Allyson war auf einer Schulreise in Europa unterwegs und soll noch ein paar Tage mit der Familie ihrer Freundin verbringen, bevor beide zurück nach Amerika fliegen.  Auf der Zugfahrt lernt sie einen Jungen kennen und beschließt spontan mit ihm einen Tag in Paris zu verbringen. (Dazu gibt es "Just one Year", die selbe Geschichte aus der Sicht des Jungen. "Just one Night" ist nur ein ganz kurzes Buch von 50 Seiten, und beschreibt die Fortsetzung der beiden anderen Büchern.)






Als zweites werde ich "If I Stay" lesen:
Mia muss sich entscheiden: Soll sie bei ihrem Freund Adam und ihrer Familie bleiben – oder ihrer großen Liebe zur klassischen Musik folgen und mit ihrem Cello nach New York gehen? Was, wenn sie Adam dadurch verliert? Und dann ist von einer Sekunde auf die andere nichts mehr, wie es war: Auf eisglatter Fahrbahn rast ein Lkw in das Auto, in dem Mia sitzt. Mit ihrer Familie. Sie verliert alles und steht schließlich vor der einzigen Entscheidung des Lebens: Bleiben oder gehen? Lieben oder sterben?









Erwartungen habe ich keine, ich lasse mich von den Büchern überraschen.


Seid kreativ und schreibt einen Tagebucheintrag aus Sicht eurer Protagonistin/eures Protagonisten!

Rom, 23. Juli 2012
Paris wurde wegen Streik gecancelt! Paris, ausgerechnet Paris! Wie oft habe ich von Paris geträumt! Stattdessen fliegen wir nach Budapest. Was soll ich in Budapest? Ich weiss nicht einmal, was es in Budapest zu sehen gibt. Am liebsten würde ich das Hotelzimmer gar nicht verlassen. Oder gleich nach Hause fliegen. Das sind keine Ferien, das hier ist ein elendes Gehetze von Stadt zu Stadt, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Aber ich will Mama nicht enttäuschen. Sie wäre traurig, wenn ich frühzeitig nach Hause käme.

Melanie, oder jetzt Mel, ist alles egal. Budapest oder Paris, das macht für sie keinen Unterschied. Ich soll mich nicht so aufführen, hat sie gesagt, nicht so herumzicken. Ob sie sich in Paris oder in Budapest volllaufen lässt kommt wirklich auf das gleiche hinaus. Aber den Louvre werde ich in Budapest ganz sicher nicht finden und den Eiffelturm auch nicht.

Morgen um 6 geht der Flieger, gepackt habe ich natürlich längst. Mels Zeug liegt noch durchs Zimmer verstreut. Ich werde jetzt auch ihre Sachen zusammenpacken, um mein Gejammere von heute wieder gut zu machen.
Nächster Tagebucheintrag in Budapest. Ich werde das beste daraus machen!


Montag, 29. September 2014

MONTAGSFRAGE // WAS HALTET IHR VON MERCHANDISE-ARTIKELN ZU BÜCHERN?

Solange man diese Artikel kaufen kann/muss, habe ich nichts dagegen. Ärgerlich finde ich es, wenn der Verlag diese Artikel verschenkt (hat der Verlag Geld zu viel, will er damit Rezensenten bestechen oder was bezweckt er?) oder noch schlimmer, wenn sie als Beilage bei den Büchern dazukämen. Dann wäre es wie  bei den Kinderzeitschriften, die man nur noch ohne Kinder kaufen kann, weil sonst die blödste Zeitschrift mit dem schönsten Schrott gekauft wird.


Die Montagsfrage gibt es immer Montags auf dem Blog Libromanie. Wer auch was dazu sagen möchte, kann das eine Woche lang tun.

Sonntag, 28. September 2014

Crossfire Versuchung - Sylvia Day

Was hat er was ich nicht hab? Auf den ersten Blick ist Gideon Cross ein Zwillingsbruder von Christian Grey. Die Autorin hat an alles gedacht, die Initialen stimmen, der Reichtum sowieso, das Penthouse, das unwiderstehliche Lächeln, das dunkle Geheimnis und den Waschbrettbauch. Aber wie es vielen Kopien so ergeht, bleibt auch Cross ziemlich flach und einseitig. Außerdem hat er keinen Helikopter, kein Boot und auch kein Spielzimmer, der Langweiler!
Seine Freundin Eva kann das Ruder auch nicht herumreißen. Aus heiterem Himmel bekommt sie Wutanfälle, läuft weg oder hat unstillbare Lust. Eins haben ihre Stimmungsschwankungen alle gemeinsam: für mich als Leser waren sie unverständlich und nicht nachvollziehbar. Auch in Sachen Spannung blieb ich unbefriedigt: In Büchern mag ich normalerweise Handlung, irgendeine Geschichte. Das gibt es hier nicht. Sie gehen zur Arbeit, ins Fitnessstudio, essen, reden, streiten und haben Sex. Mehr passierte nicht und ich habe tapfer bis ganz zum Schluss durchgehalten. Ehrlich.

Was für ein Schrott!

Freitag, 26. September 2014

[Backen] Ich backs mir im September: Apfel-Aprikosen-Streusel

Tastesheriff lädt jeden Monat ein, etwas anders zu backen. Diesen Monat lautet das Thema "Apfelkuchen".




Ich wollte spontan mitmachen, weil ich gerade Zeit hatte und habe mit den Zutaten gebacken, die verfügbar waren. Eier gab es leider keine, dafür eine reife Banane und zu sauer geratene Aprikosenmarmelade. Ob das Resultat unter strengen Richlinien als Apfelkuchen durchgeht, weiß ich nicht. Aber es schmeckt lecker und geht sehr schnell!

Zutaten:
  • 4 Äpfel
  • 1 Banane
  • 150 gr Mehl
  • 100 gr Butter (oder Margarine)
  • 60 gr Zucker (ungefähr, je nach Süße von Äpfel und Marmelade)
  • 1 Gläschen Aprikosenmarmelade
  • Wasser

Arbeitsschritte:
  • Ofen auf 180 Grad vorheizen
  • Äpfel schälen und in kleine Stücke schneiden.
  • Apfelstücke in einem Kochtopf mit Zucker bestreuen und ein paar Minuten mit etwas Wasser kochen lassen.
  • Banane zerdrücken
  • Butter schmelzen
  • Mehl, Butter, Banane und Zucker kneten
  • feuerfeste Form einfetten
  • gekochte Äpfel in die Form geben
  • mit Marmelade überdecken
  • Teig drüber verteilen
  • im vorgeheizten Ofen 20 Minuten backen
Guten Appetit!

http://www.tastesheriff.com/ich-backs-mir-im-september/

Donnerstag, 25. September 2014

L'ordinateur du paradis - Benoît Duteurtre

Erscheinungsdatum: 28. August 2014 (fr)
Auswahlliste Prix Goncourt 2014

Über Benoît Duteurtre

Benoît Duteurtre wurde 1960 in Sainte-Adresse geboren. Er ist Journalist, Radioproduzent und Schriftsteller. Er wohnt und arbeitet in Paris.

Meine Meinung

Simon Laroche ist gestorben und findet sich in einem Wartesaal wieder mit Plastikstühlen und Werbepostern an den Wänden. Die Poster zeigen luxuriöse Hotels mit Swimmingpool, dem Paradies, das aber leider, so teilt ihm die Dame am Schalter mit, überfüllt ist. Deshalb hat man die Zugangskriterien deutlich verschärft und Simon soll warten, bis ein Anwalt sich seinem schwierigen Fall angenommen hat. Schwierig, weil er sich einerseits für Frauen eingesetzt hat, andererseits immer wieder auf Pornoseiten unterwegs war und über Minderheiten Witze gerissen hat.

Simon lebt nach dem Motto "Früher war alles besser". Er hasst Veränderungen, kann nicht verstehen, warum jeder sein Leben in aller Öffentlichkeit breittritt und setzt sich für die Privatsphäre ein. Das Buch eine Satire am Fortschritt, eine Kritik an allem was durch Fortschritt besser werden soll und die Lebensqualität des Einzelnen doch verschlechtert.

"L'ordinateur du paradis" ist angenehm zu lesen und brachte mich immer wieder zum Schmunzeln. Die Ideen des Autors haben mir gefallen, besonders seine Beschreibung vom Paradies und den Zuständen, die dort herrschen. Trotzdem konnte das Buch mich nicht richtig begeistern und mitreißen. Es hat mir an Schärfe gefehlt und vieles was kritisiert wird ist nicht neu. Ich befürchte, dass ich das Buch schnell wieder vergessen habe.

Montag, 22. September 2014

MONTAGSFRAGE // SIND MARKENNENNUNGEN IN BÜCHERN FÜR EUCH OKAY?


Ob der reiche, gutaussehende Geschäftsmann einen roten Sportswagen oder einem Ferrari fährt ist egal, ob er seinen Anwalt mit einem Blackberry, einem Iphone oder sonst irgendeinem Ding anruft auch. Störend finde ich Markennamen, wenn ich die Marke nicht kenne. Ich habe null Ahnung von Schminkzeug, Schuhmarken oder Motorrädern und wenn eine Autorin schon x-Mal Manolos erwähnen muss, könnte sie die wenigstens kurz beschreiben, damit Banausen wie ich nicht extra googeln müssen.


Die Montagsfrage gibt es immer Montags auf dem Blog Libromanie. Wer auch was dazu sagen möchte, kann das eine Woche lang tun.

Sonntag, 21. September 2014

Selection Elite - Kiera Cass

Erscheinungsdatum: 17. Februar 2014


Über die Autorin

Kiera Cass wurde in South Carolina geboren, studierte Geschichte an der Radford University und lebt heute mit ihrer Familie in Virginia. 2009 veröffentlichte sie ihren ersten Jugendroman. Ihre Freizeit verbringt sie mit Lesen, Tanzen, Videodrehen und großen Mengen Kuchen. Mit ihren ›Selection‹-Romanen hat sie es weltweit auf die Bestseller-Listen geschafft.

Kurze Zusammenfassung

Von den 35 Mädchen, die um die Gunst von Prinz Maxon und die Krone von Illeá kämpfen, sind mittlerweile nur noch 6 übrig. America ist eine von ihnen, und sie ist hin- und hergerissen: Gehört ihr Herz nicht immer noch ihrer großen Liebe Aspen? Aber warum hat sich dann der charmante, gefühlvolle Prinz hineingeschlichen? America muss die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen. Doch dann kommt es zu einem schrecklichen Vorfall, der alles ändert.
Auch im zweiten Band der ›Selection‹-Trilogie geht es um die ganz großen Gefühle! Kiera Cass versteht es meisterhaft, das im ersten Band vorgestellte Liebesdreieck noch ein bisschen verzwickter zu machen und die Leserinnen gemeinsam mit America hin- und her schwanken zu lassen: Maxon oder Aspen? Aspen oder Maxon?

Meine Meinung

America hat es geschafft, bei der Wahl zur zukünftigen Königin unter die 6 letzten Frauen zu kommen. Sie gehört zur Elite und schwankt, wie auch schon im ersten Teil, zwischen Maxon und Aspen.

Das ist eigentlich die Beschreibung eines Zustands und nicht die einer Geschichte. Es geschehen natürlich manche kleinere Ereignisse, aber im großen ganzen bleibt ein Zustand bestehen: America soll sich entscheiden, ob sie Maxon heiraten will oder doch lieber Aspen.

Das erste Drittel des Buches war außergewöhnlich langweilig. Buch 1 wird noch einmal gut durchgekaut, die alte Dreiecksbeziehung erklärt, ansonsten passiert so gut wie gar nichts.

Die verschiedenen Personen sind mir immer weniger sympathisch geworden. Maxon, zukünftiger König, ist nicht der Allerhellste. Warum sonst würde er das Spielchen seines Vaters mitspielen? Als einziger wertvolle Erbe hätte er zig Möglichkeiten. Aber Sohnemann übt sich nur im sturen Gesicht, im Verstecken seiner Gefühle und baut ein paar Muskeln auf.
Marlee ist immer lieb, Celeste abgrundtief böse und America ist die Perfektion selbst. Alle anderen Personen bleiben blass im Hindergrund.

Begeistern konnte mich dieser zweite Teil wirklich nicht. Wo bleibt das Märchenhafte vom ersten Teil? Selection - Die Elite ist sprachlich weit entfernt von einer Meisterleistung, die Handlung ist sehr einfach gestrickt und von Spannung gab es nicht die kleinste Spur. Schade!

"Selection Die Elite" ist der zweite Teil von bisher 3. Teil 1 heisst Selection und Teil 3 wird im Februar herauskommen unter dem Titel Selection - Der Erwählte. Für alle, die nicht warten wollen, sind die Bücher schon auf englisch erschienen, Selection (Teil 1), The Elite (Teil 2) und The One (Teil 3). Sie sind selbst für Englischanfänger bestens geeignet. 




Freitag, 19. September 2014

Gayle Forman Lesewoche


Kim von All these special words lädt zu einer Lesewoche ein. Diesmal werden Bücher nach Wahl von Gayle Forman gelesen. Für Anmeldungen und weitere Informationen geht es hier weiter.

Donnerstag, 18. September 2014

On ne voyait que le bonheur - Grégoire Delacourt

Erscheinungsdatum: 20. August 2014 (fr)
Auswahlliste Prix Goncourt 2014


Über Grégoire Delacourt

Grégoire Delacourt wurde 1960 im nordfranzösischen Valenciennes geboren. Er arbeitete als Werbetexter und erntete schon mit seinem literarischen Debüt L'Ecrivain de la famille in Frankreich begeisterte Kritiken sowie renommierte Literaturpreise. Sein zweiter Roman Alle meine Wünsche ist in Frankreich ein gefeierter Bestseller und erscheint weltweit in zahlreichen Ländern. Grégoire Delacourt lebt mit seiner Familie in Paris.

Meine Meinung

Ein Leben ist zwischen dreißig um vierzigtausend Euro wert. Antoine weiß es,   er arbeitet bei einer Versicherung und soll alles tun, damit diese Summe nicht bezahlt werden muss. Mehr und mehr deprimiert er durch diese Arbeit, wegen seiner Kindheit mit einem seinem abweisenden Vater und einer abwesenden Mutter und der Ehefrau, die öfter fremdgeht als zu Hause ist und seinen Kindern, denen er nicht das Leben bieten kann, wie er es möchte.

Das Buch hat mir nicht gefallen. Es ist nicht schlecht, vom Schreibstil her flüssig und angenehm zu lesen, auch nicht langweilig, flach oder unrealistisch. Doch es ist so rabenschwarz! Ich habe die Geschichte als unglaublich deprimierend empfunden. In der Mitte des Buches konnte ich gar nicht mehr aufhören zu heulen. Der Autor beschreibt eine intensive Traurigkeit, über Generationen hinweg, ohne den Schimmer von Hoffnung. Natürlich bringt es nicht jeder Autor fertig, bei seinen Leser solche Emotionen hervorzubringen, aber ich hätte gerne verzichtet.
Nach diesem emotionalen Tief war das Buch wieder leichter zu ertragen.
Genervt haben mich auch die künstlerischen Freiheiten, die der Autor sich nimmt. Manche Seiten habe ich gelesen und es war wie ein Schwimmen, ich hatte den Eindruck nicht richtig mitzukommen, nur Wörter zu lesen, die sich erst alle am Ende des Kapitels durch einen erklärendem Satz zusammenfügten und dann auch Sinn ergaben. Andere Kapitel waren komplett ohne Punkt und Komma geschrieben, weil Tante Colette nun mal so redete.

"On ne voyait que le bonheur" war ganz klar kein Buch für mich. Von der französischen Presse wurde es allerdings hochgelobt, als einer der Höhepunkte der "Rentrée Littéraire" bejubelt und als unumgängliche Lektüre für diesen Herbst angepriesen. Von mir nicht.



Dienstag, 16. September 2014

[Kolumne] Von E.L. James bis Sasa Stanisic: Literatur oder Unterhaltung?

Ich habe E.L. James* ziemlich direkt nach Sasa Stanisic** gelesen und war amüsiert über den riesigen Kontrast zwischen den beiden Büchern. Stanisic schreibt geballte Literatur schlimmster Art, während James zwar Spaß macht, dafür in ihren Büchern kein Hauch von Literatur zu finden ist. (Das ist nur meine persönliche Meinung. Es gibt sicher irgendwo auf der Welt Leser, für die ein Buch von Stanisic 100% Unterhaltung ist und andere, die Frau James Bücher als die vollkommene Literatur ansehen. Ich werde niemanden von seiner Meinung abbringen)

Dieser enorme Unterschied hat mich nachdenklich gemacht. Kann Literatur eigentlich genau so viel Spaß machen wie Trivialliteratur, oder handelt es sich nur um "richtige" Literatur, wenn man den Inhalt erkämpfen muss und die grauen Zellen gefördert werden?

Da ich keine Literaturwissenschaftlerin bin, definiere ich mit meinem (halbwegs) gesunden Menschenverstand, was Literatur ist und was nicht: Literatur muss lehrreich sein und mich zum Nachdenken bringen. Die Geschichte soll gut durchdacht sein, darf nicht von Klischees triefen und auch nicht vorhersehbar sein. Danach gibt es Zwischenbücher, die zwar auf Tatsachen basieren, bei denen die Spannung allerdings deutlich über dem Lehrwert steht. Ganz unten kommt, was meine Oma als Schund bezeichnen würde und was ich, wenn ich ehrlich bin, trotz allem immer wieder gerne lese: Bücher, die ich beim Kochen lese während ich Kinder bespasse, das Baby füttere und den Rasen mähe. Also, so ungefähr, ich habe kein Baby und auch keinen Rasen.

Unter den Büchern, die ich als Literatur anerkenne, gibt es Bücher, die in einer sehr einfachen Sprache geschrieben sind, leicht verständlich, die aber gleichzeitig dermaßen unter die Haut gehen, dass es nicht mehr als Unterhaltung gelten kann.

Vielleicht ist meine Definition von Literatur falsch. Wenn ich meine Bücher durchsehe, finde ich Literatur, die ich zwar sehr gerne gelesen haben, leichte Unterhaltung ist da keine dabei. Und ich hatte auch nie den Eindruck, dass sie vom Autor einfach so runtergeschrieben wurden. Ein definitives Urteil kann ich mir bei den paar Büchern, die ich gelesen habe, natürlich nicht erlauben. Ich suche weiter. Wenn ihr ein Buch kennt, das sowohl leichte Unterhaltung als auch Literatur bietet, bitte melden. Danke!

*E.L. James - Shades of Grey
**Sasa Stanisic - Wie der Soldat das Grammofon repariert

Sonntag, 14. September 2014

Selection - Kiera Cass

Erscheinungsdatum: 11. Februar 2013


Über die Autorin

Kiera Cass wurde in South Carolina geboren, studierte Geschichte an der Radford University und lebt heute mit ihrer Familie in Virginia. 2009 veröffentlichte sie ihren ersten Jugendroman. Ihre Freizeit verbringt sie mit Lesen, Tanzen, Videodrehen und großen Mengen Kuchen. Mit ihren ›Selection‹-Romanen hat sie es weltweit auf die Bestseller-Listen geschafft.

Kurze Zusammenfassung

35 perfekte Mädchen – und eine von ihnen wird erwählt. Sie wird Prinz Maxon, den Thronfolger des Staates Illeá, heiraten. Für die hübsche America Singer ist das die Chance, aus einer niedrigen Kaste in die oberste Schicht der Gesellschaft aufzusteigen und damit ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Will sie vor den Augen des ganzen Landes mit den anderen Mädchen um die Gunst eines Prinzen konkurrieren, den sie gar nicht begehrt? Und will sie auf Aspen verzichten, ihre heimliche große Liebe?

Meine Meinung

America ist eine Fünf aus der Kaste der Künstler. Sie müssen hart arbeiten und haben trotzdem nicht immer genug zu essen oder müssen frieren, weil sie sich zwischen Strom und Nahrung entscheiden mussten.
Ein Brief wird alles ändern. America  bekommt die Möglichkeit, sich bei einem Casting zu bewerben. Unter allen Teilnehmern wird der Prinz seine Ehefrau, die zukünftige Königin auswählen.

America Singer ist sympathisch. Auch im glitzernen, goldenen Palast vergisst sie ihre Herkunft nicht und bleibt immer sie selbst, mit ihrem schnellen Mundwerk und ihrem sturen Kopf. Der Prinz selbst, um den sich alles dreht, soll weltgewandt sein, scheint aber in seinem Verhalten eher naiv und unsicher.

Der Schreibstil war am Anfang etwas holperig. Die Autorin schien Mühe zu haben, die neue Welt und deren Politik zu beschreiben. Richtig ausgearbeitet wird die zukünftige Welt auch nie, es bleibt eine oberflächliche Ausführung, in der es arme Menschen, Reiche und Rebellen gibt. Was diese Rebellen erreichen wollen, weiss noch nicht einmal der König. Das Leben im Palast ist locker mit seinen Zofen und Annehmlichkeiten ist locker und gekonnt dargestellt.

"Selection" ist ein modernes Märchen, mit Prinz, Königin und schönen Kleidern. Die obligatorischen Bösewichte bleiben gesichtslos im Hintergrund und spielen nur eine Nebenrolle. Das Buch bietet (wirklich sehr) leichte Unterhaltung, die Spass macht und für Unterhaltung sorgt. Wer mehr will, muss etwas anderes lesen.

"Selection" ist der erste Teil von bisher 3. Teil 2 heisst Selection - Die Elite und Teil 3 wird im Februar herauskommen unter dem Titel Selection - Der Erwählte. Für alle, die nicht warten wollen, sind die Bücher schon auf englisch erschienen, The Elite (Teil 2) und The One (Teil 3). Sie sind selbst für Englischanfänger bestens geeignet. 




Donnerstag, 11. September 2014

Charlotte - David Foenkinos

Erscheinungsdatum: 21. August 2014 (frz)
Auswahlliste Prix Goncourt 2014


Über David Foenkinos

David Foenkinos, 1974 geboren, Schriftsteller und Drehbuchautor, studierte Literaturwissenschaften an der Sorbonne und Jazz am CIM. „Nathalie küsst“ ist sein achter Roman, der ihn in Frankreich zu einem sensationellen Erfolg führte. Seine Bücher sind weltweit in mehr als 15 Sprachen übersetzt. „Nathalie küsst“ wird soeben von Foenkinos’ Bruder Stephane Foenkinos mit Audrey Tautou in der Rolle der Nathalie verfilmt. Für „Das erotische Potential meiner Frau“ (2005) erhielt er den Prix Roger Nimier. Seine Werke erscheinen inzwischen in über 15 Ländern und wurden bereits für alle wichtigen französischen Literaturpreise nominiert, für den Prix Fémina, den Prix Médicis, den Prix Renaudot und den Prix Goncourt.




Meine Meinung

"Charlotte" ist die Biographie von Charlotte Salomon, einer deutschen Künstlerin. Sie hatte eine schwere Kindheit, die von Tragödien geprägt war. Auch ihre Jugend war durch die Anfänge des Naziregime schwierig, bis sie nach Südfrankreich flüchten konnte. Ein paar Jahre später, als die Deutschen auch dort einfielen, spürte sie die Gefahr und vertraute ihre gesamtes Werk einem Arzt an mit dem Worten: "Das ist mein ganzes Leben"

Fast durch Zufall betrat der Autor David Foenkinos in Berlin eine Ausstellung von Charlotte Salomon. Seitdem gehört der Schriftsteller zu ihren Bewundern. Er ist von ihren Werken und ihrem Leben fasziniert, fast schon besessen.

Die ganze Biographie wird in extrem kurzen Sätzen erzählt, was anfangs etwas gewohnungsbedürftig ist. Nach ein paar Seiten hatte ich mich daran gewöhnt und konnte nur staunen, mit welchen einfachen Wörtern der Autor so starke Emotionen hervorbringen konnte. Nicht nur der Satzbau ist unkonventionell. An manchen Stellen, komplett überraschend, tritt der Autor aus seiner Erzählperspektive in den Vordergrund und beschreibt, wie er auf den Spuren von Charlotte ging, dass ihre Wohnung in Berlin bei seiner Reise gerade renoviert wurde oder wie er in Südfrankreich empfangen wurde. Ich habe das nicht als störend empfunden, eher als würde ein Lehrer während einer Lesung kleine   Pausen einfügen, um aktuelle Informationen hinzufügen.

"Charlotte" ist ein trauriges Buch, das berührt. Es hat mich in seiner Einfachheit und der Grausamkeit des Schicksals an das Tagebuch von Anne Frank erinnert. Durch dieses Buch wird Charlotte Salomon nicht vergessen werden.




Dienstag, 9. September 2014

Man Booker Prize for Fiction 2014 - Shortlist

Man Booker Prize for Fiction 2014 (1)

Heute wurde die Shotlist des Booker Preises veröffentlicht. Am 14. Oktober wird der Gewinner feststehen

To Rise Again at a Decent Hour – Joshua Ferris

Erscheint am 29. September 2014 auf deutsch
Ein Leben außer Kontrolle.

Paul O’Rourke ist Zahnarzt mit einer gutgehenden Praxis an der Park Avenue in Manhattan. Er liebt das Leben, auch wenn er vielleicht nicht besonders viel damit anzufangen weiß. Doch dann tritt plötzlich ein Fremder im Internet unter O’Rourkes Namen und Beruf auf und bedroht fundamental dessen Identität – nicht nur in den virtuellen Tiefen des Internets, sondern auch im ganz realen Leben.

Paul O’Rourke ist ein Mann voller Widersprüche: Er verachtet die Welt der sozialen Medien, ist aber abhängig von seinem iPhone, er ist ein Zahnarzt, der heimlich raucht, ein glühender Fan des Baseballteams der Red Sox, der es nicht ertragen kann, wenn sie gewinnen, und er ist ein Atheist, der Gott nicht ganz aufgeben will. Kurz, der Zahnarzt mit gutgehender Praxis an der Park Avenue in Manhattan liebt zwar das Leben, weiß aber nichts Rechtes damit anzufangen.

Als Paul eines Tages feststellt, dass jemand in seinem Namen eine Website, eine Facebook-Seite und einen Twitter-Account eingerichtet hat, verfolgt er mit ohnmächtigem Entsetzen die Entwicklung seines virtuellen Alter Ego. Bald geht es nicht mehr nur um die Verletzung seiner Privatsphäre, sondern um etwas viel Beunruhigenderes: Jemand hat seine Identität gestohlen, und dieser »Online-Paul« beginnt ein Eigenleben zu führen – manchen ist er sogar sympathischer als der echte. Fieberhaft versucht Paul herauszufinden, was der Grund für dieses böse Spiel sein und wer dahinterstecken könnte. Er vernachlässigt dabei nicht nur seine Zahnarztpraxis, sondern gerät immer tiefer in die Abgründe einer digitalen Welt, die zunehmend sein reales Leben und Ich zu dominieren droht.

In seinem vielbeachteten Roman »Ins Freie« hat Joshua Ferris das Schicksal eines Mannes beschrieben, der die Kontrolle über sein Leben verliert, weil eine unbeherrschbare Zwangsstörung Besitz von ihm ergreift. In »Mein fremdes Leben« variiert Ferris dieses Thema auf eine noch verstörendere, noch brisantere Weise, indem er zeigt, wie wenig es in unserer modernen Welt bedarf, um unsere gesamte Existenz, unsere ureigenste Identität anzugreifen und in Frage zu stellen.

The Narrow Road to the Deep North - Richard Flanagan

The Narrow Road to the Deep North is a love story unfolding over half a century between a doctor and his uncle’s wife.
Taking its title from one of the most famous books in Japanese literature, written by the great haiku poet Basho, Flanagan’s novel has as its heart one of the most infamous episodes of Japanese history, the construction of the Thailand-Burma Death Railway in World War II.
In the despair of a Japanese POW camp on the Death Railway, surgeon Dorrigo Evans is haunted by his love affair with his uncle’s young wife two years earlier. Struggling to save the men under his command from starvation, from cholera, from beatings, he receives a letter that will change his life forever.


 

We Are All Completely Beside Ourselves - Karen Joy Fowler

As a child, Rosemary used to talk all the time. So much so that her parents used to tell her to start in the middle if she wanted to tell a story. Now Rosemary has just started college and she barely talks at all. And she definitely doesn’t talk about her family. So we're not going to tell you too much either: you'll have to find out for yourself what it is that makes her unhappy family unlike any other. Rosemary is now an only child, but she used to have a sister the same age as her, and an older brother. Both are now gone - vanished from her life. But there's something unique about Rosemary's sister, Fern. So now she's telling her story; a looping narrative that begins towards the end, and then goes back to the beginning. Twice.

 

 

J - Howard Jacobson

Set in the future, a world where the past is a dangerous country, not to be talked about or visited, J is a love story of incomparable strangeness, both tender and terrifying.
Two people fall in love, not yet knowing where they have come from or where they are going. Kevern doesn’t know why his father always drew two fingers across his lips when he said a world starting with a J. It wasn’t then, and isn’t now, the time or place to be asking questions.
Ailinn too has grown up in the dark about who she was or where she came from. On their first date Kevern kisses the bruises under her eyes. He doesn’t ask who hurt her. Brutality has grown commonplace. They aren’t sure if they have fallen in love of their own accord, or whether they’ve been pushed into each other’s arms. But who would have pushed them, and why?
Hanging over the lives of all the characters in this novel is a momentous catastrophe – a past event shrouded in suspicion, denial and apology, now referred to as What Happened, If It Happened.


The Lives of Others - Neel Mukherjee

Calcutta, 1967. Unnoticed by his family, Supratik has become dangerously involved in extremist political activism. Compelled by an idealistic desire to change his life and the world around him, all he leaves behind before disappearing is this note…
The ageing patriarch and matriarch of his family, the Ghoshes, preside over their large household, unaware that beneath the barely ruffled surface of their lives the sands are shifting. More than poisonous rivalries among sisters-in-law, destructive secrets, and the implosion of the family business, this is a family unravelling as the society around it fractures. For this is a moment of turbulence, of inevitable and unstoppable change: the chasm between the generations, and between those who have and those who have not, has never been wider.






How to be both – Aly Smith

How to be Both is a novel all about art's versatility.  Borrowing from painting's fresco technique to make an original literary double-take, it's a fast-moving genre-bending conversation between forms, times, truths and fictions.  There's a renaissance artist of the 1460s.  There's the child of a child of the 1960s.  Two tales of love and injustice twist into a singular yarn where time gets timeless, structural gets playful, knowing gets mysterious, fictional gets real - and all life's givens get given a second chance.

 

 

Montag, 8. September 2014

MONTAGSFRAGE // GAB ES SCHON MAL EINE SITUATION, IN DER DIR DAS LESEN IN DER ÖFFENTLICHKEIT PEINLICH WAR?


Selbst nach intensivem Nachdenken ist mit keine peinliche Situation beim Lesen in der Öffentlichkeit eingefallen. Lachen oder ein paar Tränen waren mir nie peinlich, denn ich schluchze weder theatralisch noch rolle ich mich lachend auf dem Boden oder klopfe mir brüllend auf die Schenkel. Ich versinke komplett in meinem Buch, ansprechbar bin beim Lesen nicht, aber das ist nicht peinlich sondern in der Öffentlichkeit sehr hilfreich.
Ich lese also hemmungslos.


Die Montagsfrage gibt es immer Montags auf dem Blog Libromanie. Wer auch was dazu sagen möchte, kann das eine Woche lang tun.

Sonntag, 7. September 2014

Der Fundamentalist, der keiner sein wollte - Mohsin Hamid

Erscheinungsdatum: 4. August 2008
http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Der-Fundamentalist-der-keiner-sein-wollte-Roman/Mohsin-Hamid/e260316.rhd


Über den Autor

Mohsin Hamid, geboren und aufgewachsen in Lahore, Pakistan, studierte Jura in Harvard und Literatur in Princeton. Nach Stationen in New York und London lebt er heute mit seiner Familie wieder in Lahore. Hamid schreibt regelmäßig für den ›Guardian‹, die ›New York Times‹, die ›Financial Times‹, den ›New Yorker‹, die ›Paris Review‹, ›Outlook India‹ und ›Granta‹. Seine Romane wurden in über 30 Sprachen übersetzt. ›Der Fundamentalist, der keiner sein wollte‹ stand auf der Short List des Man Booker Prize und wurde kürzlich von Mira Nair verfilmt. ›Nachtschmetterlinge‹ wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet und von der ›New York Times‹ auf die Liste der bedeutendsten Bücher des Jahres 2000 gesetzt. Eike Schönfeld übersetzt englischsprachige Literatur, darunter Werke von Shalom Auslander, Nicholson Baker, Saul Bellow, Jeffrey Eugenides, Jonathan Franzen, Daniel Mendelsohn, Steven Millhauser, Vladimir Nabokov, J. D. Salinger und Sloan Wilson. 2004 wurde ihm der Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreis verliehen, 2009 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse.

Kurze Zusammenfassung

Aufrüttelnd, provozierend und mit unwiderstehlicher Sogkraft
Lahore. In einem Café sitzen sich ein mitteilsamer Pakistani und ein zurückhaltender Amerikaner gegenüber. Als langsam die Nacht über die Stadt hereinbricht, enthüllt der Pakistani immer mehr Details seiner Lebensgeschichte, und allmählich ahnt man das Drama, das sich zwischen den beiden Männern anbahnt.

Meine Meinung

Durch Zufall trifft Changez in Pakistan auf einen Mann, den er nicht kennt und der sich gerade suchend umschaut. Das ganze Buch hindurch erzählt Changez diesem fremden Mann sein Leben. Er erwähnt seine Kindheit, sein Elternhaus und erzählt ausführlicher von seiner Zeit auf der Eliteuniversität Princeton, wie er Erica kennengelernt hat und wie wohl er sich in New York gefühlt hat. Dann kam der 11. September und sein Leben änderte sich, seine Sicht auf Amerika änderte.
Das ganze Buch über redet nur Changez. Alles was der fremde Mann sagt oder wie er reagiert, erfährt der Leser nur durch Wiederholung, Antworten oder Bemerkungen von Changez. Er unterbricht seinem Lebenslauf manchmal um über die Umgebung im Teehaus zu sprechen, den Fremden zum Essen einzuladen oder ihn auf Geschehen auf dem Marktplatz aufmerksam zu machen. Dieser Monolog, das ganze Buch über ist etwas gewöhnungsbedürftig und speziell, aber doch gut und ohne Verständnisprobleme zu lesen. Der Autor bringt es fertig, Spannung aufzubauen und das nette Geplauder trotz anhaltender Höflichkeit immer bedrohlicher wirken zu lassen.
"Der Fundamentalist, der keiner sein wollte" hat mich gut unterhalten, aber es ist stets sehr oberflächlich gehalten. Kritik und Denkansätze werden immer nur ganz kurz erwähnt, ein bisschen als hätte nicht nur der Erzähler Angst, Amerika zu stark zu kritisieren, sondern auch der Autor. Dadurch bleibt es gute Unterhaltung, aber auch ein Buch, das man schnell wieder vergessen hat.


Weitere Bücher vom Autor

So wirst du stinkreich im boomenden Asien
Nachtschmetterlinge

Donnerstag, 4. September 2014

Prix Goncourt 2014 - Longlist - Première sélection

  • Constellation - Adrien Bos
  • Meursault, contre-enquête - Kamel Daoud
  • On ne voyait que le bonheur - Grégoire Delacourt
  • Ce sont des choses qui arrivent - Pauline Dreyfu
  • Le roi disait que j'étais le diable - Clara Dupont-Monod
  • L'Ordinateur du paradis - Benoît Duteurtre
  • Les Tribulations du dernier Sijilmassi - Fouad Laroui
  • La femme qui dit non - Gilles-Martin Chauffier
  • Karpathia - Mathias Menegoz
  • L'Amour et les Forêts - Eric Reinhardt
  • La Ligne des glaces - Emmanuel Ruben
  • Pas pleurer - Lydie Salvayre
  • La Peau de l'ours - Joy Sorman
  • Tristesse de la terre - Eric Vuillard

Mittwoch, 3. September 2014

Au revoir là-haut - Wir sehen uns dort oben - Pierre Lemaitre

Morgen (4. September 2014) wird die erste Auswahl der Bücher zum Prix Goncourt bekannt gegeben. Im Jahre 2013 hat Pierre Lemaitre diesen begehrten Preis mit dem Buch "Au revoir là-haut" gewonnen. 


Erscheinungsdatum (dt): 25. Oktober 2014
Erscheinungsdatum (fr): August 2013

http://www.albin-michel.fr/Au-revoir-la-haut-EAN=9782226249678

Über den Autor

Pierre Lemaitre, geboren 1951 in Paris ist ein französischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Er hat bisher 5 Kriminalromane und Thriller geschrieben, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Für seinen Roman Au revoir là-haut wurde er 2013 mit dem bedeutendsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet.

Kurze Zusammenfassung

Albert und Edouard, Überlebende des Ersten Weltkrieges verstehen die Welt nicht mehr. Frankreich verherrlicht seine Toten und vergisst dabei die Überlebenden. Zur sozialen Ausgrenzung verdammt, aber sich der allgemeinen Verbitterung verweigernd, denken sie sich einen Riesenschwindel aus, der das Land in großen Aufruhr versetzt.


Meine Meinung

Albert und Edouard werden ein paar Tage vor Ende des ersten Weltkriegs in eine Schlacht geschickt, die nur dazu dient, ihrem Offizier noch weitere Medaillen zu bescheren. Beide überleben die Schlacht, Albert zutiefst traumatisiert, Edouard komplett entstellt.

Pierre Lemaitre ist Krimi-Autor, wovon sein erster historischer Roman nur profitieren kann. Von Anfang an fesselt das Buch, die Seiten fliegen und wenigstens von der Schreibweise her ist das Buch leicht und angenehm zu lesen.

Leicht zu Lesen ist der Inhalt des Buches nicht, zu traurig ist der Rückkehr der Soldaten aus dem Krieg. Einst als Helden fortgezogen müssen sie feststellen, dass sie von der Armee abgespeist und von der Bevölkerung bestenfalls geduldet werden. Helden sind nun die gefallenen Soldaten und die ruhmreichen Offiziere. Für die überlebenden, oft verstümmelten und meist traumatisierten Heimkehrer bleibt nicht mehr viel. Der Autor erzählt das ganze Buch, selbst die tragischsten Szenen mit einer kleinen Prise schwarzen Humor, immer wohldosiert ohne respektlos zu werden, was dem Leser die schwer verdaulichen Geschehnisse leichter lesen lässt.

Die beiden Soldaten wehren sich auf ihre Weise. Albert will sich unbedingt an seinem Offizier rächen, Edouard am Krieg selbst. Ihre Idee ist eine Frechheit, ein Frevel gegenüber ihrem Land, den Gefallenen und ihren Familien. Dies ermöglicht Edouard ein bisschen Lebensfreude wiederzufinden und Albert über sich selbst hinauszuwachsen.

"Au revoir là-haut" ist ein Nachkriegsbuch gegen den Krieg und seine unnötige Gewalt. Es zeigt, dass die kleinen Soldaten nie etwas anderes sind als Spielfiguren der Offiziere, die sich mit jedem Hügel, jeder Straße die sie erkämpfen, eine weitere Medaille verdienen wollen, egal wie viele Menschen dabei ihr Leben lassen müssen, egal auf welcher Seite sie stehen oder ob der Krieg sowieso längst entschieden ist.

Eigentlich kann man dieses Buch als Andenken an alle Soldaten sehen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben und nach dem Krieg in der Masse der Gefallenen und Verletzten vergessen wurden.

Ich wünsche diesem Buch sehr viele Leser und kann es nur empfehlen.


Weitere Bücher von Pierre Lemaitre

Travail soigné
Ich will dich sterben sehen
Les grands moyens
Sacrifices
Der kalte Hauch der Angst
Cadres noirs

Montag, 1. September 2014

MONTAGSFRAGE // WO BEFINDEST DU DICH GEOGRAPHISCH GERADE IN DEINER LEKTÜRE?


Ich wurde in Bombay geboren, aber nachdem meine Mutter ermordet wurde, sind wir mit unserem ganzen Clan nach London gezogen. Jetzt sind wir mitten in Frankreich und wollen ein Restaurant in Lumière aufmachen.
(Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef, Richard C. Morais)


Die Montagsfrage gibt es immer Montags auf dem Blog Libromanie. Wer auch was dazu sagen möchte, kann das eine Woche lang tun.