Montag, 14. Juli 2014

Americanah - Chimamanda Ngozi Adichie

Erscheinungsdatum: 15. April 2014

http://www.fischerverlage.de/buch/americanah/9783104020495

Über die Autorin

Chimamanda Ngozi Adichie ist eine der großen jungen Stimmen der Weltliteratur. Ihr Roman ›Blauer Hibiskus‹ war für den Booker-Preis nominiert, ›Die Hälfte der Sonne‹ erhielt den Orange Prize for Fiction 2007. Insgesamt wurde Adichies Werk in 37 Sprachen übertragen und sie steht auf der renommierten Liste der „20 besten Schriftsteller unter 40“ des „New Yorker“.Für ›Americanah‹ erhielt sie den Heartland Prize for Fiction sowie den renommierten National Book Critics Circle Award for Fiction 2013. Sie wurde 1977 in Nigeria geboren und lebt heute in Lagos und in den USA.

Kurze Zusammenfassung

Die große Liebe von Ifemelu und Obinze beginnt im Nigeria der neunziger Jahre. Dann trennen sich ihre Wege: Während die selbstbewusste Ifemelu in Princeton studiert, strandet Obinze als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren kehrt Ifemelu als bekannte Bloggerin von Heimweh getrieben in die brodelnde Metropole Lagos zurück, wo Obinze mittlerweile mit seiner Frau und Tochter lebt. Sie treffen sich wieder und stehen plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellt.
Adichie schreibt bewundernswert einfach, grenzenlos empathisch und mit einem scharfen Blick auf die Gesellschaft. Ihr gelingt ein eindringlicher Roman, der Menschlichkeit und Identität eine neue Bedeutung gibt.

Meine Meinung

Ifemelu kehrte ihrer Heimat den Rücken zu, nicht weil sie Hunger litt oder Angst um ihr Leben haben musste, sondern weil sie in Nigeria keine Zukunft sah. Der Strom fällt immer wieder aus und oft wird ihr Studium vom Streik ihrer nicht bezahlten Lehrer unterbrochen. Ein Stipendium in den USA war zu diesem Zeitpunkt mehr als willkommen. Doch nach Jahren in den USA hat Ifemelu sich entschlossen, nach Nigeria zurückzukehren, und eine Zurückkehrerin, eine Americanah zu werden. Ein letztes Mal will sie sich in einem Friseursalon die Haare machen lassen und blickt währenddessen auf ihr Leben zurück, auf ihre Schulzeit, auf ihre Jugend in Laos, auf ihre Freunde und ihre Eltern. Dann erzählt sie von ihrem extrem schwierigen Anfang in den USA und immer wieder über ihren Blog.

Das Hauptthema von Americanah ist die Rasse, die Diskriminierung und der Rassismus, über den die weißen Amerikaner nicht mehr diskutieren wollen, weil er ihrer Meinung nach nicht mehr existiert und den die schwarzen Amerikaner und die schwarzen Nicht-Amerikaner immer noch sehr deutlich zu spüren bekommen. Ifemelu hatte einen Blog, der Rassismus treffend analysierte. Passend zu ihren Erinnerungen werden immer wieder Blogbeiträge eingeschoben.
Beschämt musste auch ich feststellen, wie wenig Gedanken ich mir bisher über meine schwarzen Mitmenschen gemacht habe. Natürlich weiß ich, dass es Rassisten gibt, aber dass ihr alltägliches Leben so sehr davon geprägt ist, hat mich erschrocken. Obwohl die Autorin über die USA schreibt, hätte sie die selben Erlebnisse genausogut in vielen stockkonservativen, weißen Dörfern und Kleinstädten Europas machen können.
Ein anderes Thema in diesem Buch sind die Haare. Es ist ein Ausgleich zu dem schwer verdaulichen Thema Rasse und kommt durch den ganzen Roman immer wieder zurück, letztlich sogar als politische Aussage, die Frauen mit ihren Frisuren machen, ob sie das beabsichtigen oder nicht. Geglättetes Haar deutet auf eine angepasste Frau hin, die den weißen Frauen so ähnlich wie möglich sein will. Die Autorin geht so weit zu behaupten, dass Obama einen Teil seiner Stimmen verlieren würde, wenn seine Frau Michelle ihre Haare nicht mehr glätten würde. Schwarze Frauen, die ihr Haar offen und natürlich tragen werden eher als rebellisch und unangepasst angesehen.
Americanah ist gleichzeitig auch ein schöner Liebesroman. Ifemelu war in einer Beziehung als sie ihr Land verließ und eigentlich sollte ihr Freund nachkommen. Manche Kapitel sind aus der Sicht von Obinze geschrieben, der kein Visum für die USA erhält, weil er männlich und schwarz ist und der sein Glück deshalb in England versucht.

Eigentlich könnte ich noch seitenweise über dieses Buch schreiben und doch würde ich meine Begeisterung nicht deutlich genug hervorbringen können. Ich habe es geliebt Americanah zu lesen, es liest sich angenehm, es öffnet Augen, legt Finger in Wunden und stochert genussvoll darin herum, um Problemen Gehör zu verschaffen, die von manchen gerne ignoriert werden würden. Ich wünsche diesem wunderbaren Buch sehr viele Leser.


Weitere Bücher von der Autorin

Blauer Hibiskus
Die Hälfte der Sonne

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen