Donnerstag, 19. Juni 2014

Wie der Soldat das Grammofon repariert - Saša Stanišić

Erscheinungsdatum: 2. Juni 2008
http://www.randomhouse.de/Buch/Wie-der-Soldat-das-Grammofon-repariert-Roman/Sasa-Stanisic/e209697.rhd


Über den Autor

Saša Stanišić wurde 1978 in Visegrad in Bosnien-Herzegowina geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman "Wie der Soldat das Grammofon rep
ariert" begeisterte Leser und Kritik gleichermaßen; er wurde bisher in 30 Sprachen übersetzt.

Kurze Zusammenfassung

Als der Bürgerkrieg in den 90er Jahren Bosnien heimsucht, flieht der junge Aleksandar mit seinen Eltern in den Westen. Rastlos neugierig erobert er sich das fremde Deutschland und erzählt mit unbändiger Lust die irrwitzigen Geschichten von damals, von der großen Familie und den kuriosen Begebenheiten im kleinen Višegrad. Aleksandar fabuliert sich die Angst weg und „Die Zeit, als alles gut war“ wieder herbei.


Meine Meinung

"Wie der Soldat das Grammofon repariert" ist komplett in Kindersprache geschrieben. Der Erzähler ist ein Junge, der aus seiner manchmal recht naïven Sicht das Leben und den Krieg in Bosnien beschreibt.
Sehr gut gelungen beschrieben werden die Kindheitserinnerungen und die Zeit vor dem Krieg, manches ist komisch, manches bewegend, vieles erfunden und noch mehr ist überspitzt und übertrieben.
"Wir starrten gebannt auf Dampfwalze und seine schwangere Naturkatastrophe, so schön muss die Liebe sein, seufzte Ur-Oma und wischte sich eine Träne aus den Augen."
Die Feste der Familie zusammen mit der Nachbarschaft werden mit einer Energie und Freude, gleichzeitig einer Endzeitstimmung beschrieben, dass man sich als Leser vollkommen in die Gäste hineinversetzen kann, wenn kein Teller leer bleibt, gegessen und getrunken wird bis zum Geht-nicht-mehr und dann eine Kleinigkeit wie ein falsches Lied die ganze Situation zum Explodieren bringen kann.
Aber ich wurde diesen etwas zu künstlich kindlichen Ton und die vielen ausufernden Erzählungen müde. Es ist immer noch schön geschrieben, aber ich wollte mehr Inhalt und weniger Phantasie. Zwischendurch kamen immer wieder sehr gute Passagen, aber es hat sich kein Lesefluss eingestellt. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass planlos Banalitäten aneinandergereiht wurden, der Erzählstil war mir stellenweise zu konfus und selbst für ein Kind mit sehr viel Phantasie war es des Guten doch ein bisschen zu viel.
In den Kriegsbeschreibungen ist der kindliche Erzähltstil nur sehr schwer zu ertragen:
"Soldaten haben den Männern in den Bauch geschossen. Vornüber sind sie zusammengesackt. Wie wenn du einen Volley abkriegst - so ist das."

Als Fazit muss ich sagen, dass der Autor sehr gut schreiben kann und dass das Buch sehr gute Passagen hat, dass ich allerdings bei vielen Passagen nicht sicher wusste, ob ich wirklich verstand, was der Autor ausdrücken wollte. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum man als Autor, der so ein offensichtliches Schreibtalent hat, dem Leser den Zugang zu dem, was er zu sagen hat, nicht leichter macht. Warum schreibt er so verwirrend, um die Ecke und verpackt alles zwischen Phantasie, Übertreibungen und einem heillosen Durcheinander?


Weitere Bücher vom Autor

Vor dem Fest

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen