Sonntag, 15. Juni 2014

Als ich meine Eltern verließ - Le fils - Michel Rostain


Erscheinungsdatum: 19. März 2012

Über den Autor

Michel Rostain, geboren 1942 in Mende, ist ein bekannter französischer Opernregisseur. Er lehrte Philosophie und Psychologie und war bis 2008 Intendant des Nationaltheaters in Quimper in der Bretagne. Mit seinem Erstlingsroman "Als ich meine Eltern verließ" gewann er 2011 den renommierten Prix Goncourt für das beste Debüt, obwohl er nicht auf der Auswahlliste stand.

Kurze Zusammenfassung

Kann man über den Verlust eines Menschen zuversichtlich, ja heiter erzählen? Michel Rostain gelingt es, indem er seinen verstorbenen Sohn Lion die Trauerarbeit der Eltern liebevoll kommentieren lässt. Als der Vater auf dem Weg in die Wäscherei sich nicht vom Geruch der Bettwäsche seines Sohnes trennen kann, stellt Lion lakonisch fest: »Papa, sie stinkt. Ich habe sie seit Monaten nicht gewaschen.« Der Vater stolpert über rätselhafte SMS und Notizen in Lions Schulheften und glaubt, darin Zeichen zu erkennen. Ein Puzzle aus unglaublichen Fügungen entsteht, das es den Eltern ermöglicht, sich wieder ihrem Motto »Es lebe das Leben!« zu verschreiben. Schließlich verstreuen sie Lions Asche an den Hängen des Vulkans Eyjafjallajökull. Als dieser 2010 den Flugverkehr über Europa lahmlegt und Lions Asche nach Frankreich zurückweht, hat der Vater die Freude an einem Leben, in dem es Lion einmal gab, wiedergefunden.

Meine Meinung

Lion, 21 Jahre, liegt mit hohem Fieber im Bett. Was zuerst nach einer Grippe aussieht, erweist als eine Hirnhautentzündung an der er kurze Zeit später im Krankenhaus verstirbt. Sein Vater trauert um ihn, um jede Sekunde, die er nicht mit seinem Jungen verbracht hat, um alles, was er verpasst hat. Er stellt jede Handlung der vorherigen Woche in Frage und macht sich Vorwürfe für jede Kleinigkeit, die er anders und besser hätte machen können.
Die Geschichte wird aus der Sicht des verstorbenen Sohns Lion erzählt. Es entsteht eine Art Dialog zwischen Vater und Sohn, die der Vater nicht hören kann. Der Sohn beobachtet, kommentiert, analysiert seinen Vater ganz locker, ziemlich mitleidlos und mit viel Ironie und Humor.
Trotz allem bleibt "Als ich meine Eltern verließ" ein sehr trauriges Buch, trauriger noch, wenn man beim Lesen im Hinterkopf hat, dass diese Geschichte geschrieben wurde, nachdem der Sohn des Autors starb. Es ist seine Biographie, eine Therapie zur Trauerbewältigung eines Mannes, der extrem viel Erzähltalent besitzt und der nicht den Tod oder die Trauer in den Mittelpunkt seiner Erzählung setzt, sondern die Liebe zu seinem Sohn.
Michel Rostain hat ein bewegendes, trauriges Buch geschrieben, das mit seiner feinfühligen Art Mut macht, dass das Leben trotz allem weitergehen wird.




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